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Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw Kapitel 4

von Lilli

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4.

Nach meiner Dusche und nach der Abendandacht ging ich nach oben ins Turmzimmer und legte das braune Kleid, was ich in der Eile lieblos auf’s Bett geworfen hatte zusammen.
Nur wenige Minuten nach mir kamen Jessica und Rose ins Zimmer. „Die arme Julia“ seufzte Jessica. „Er hat ihr schon wieder einen Antrag gemacht“ Sie schaute mit trauriger Miene zu mir.
„Was hat sie gesagt“ fragte ich.
„Sie hat natürlich abgelehnt“ rief Rose aufgebracht. „Für wen hältst du Julia?!“
Ich musste lächeln: „Ich kenne sie nicht“ erinnerte ich sie höflich.
Rose nickte: „Ja, natürlich. Aber sie würde niemals einen Kerl wie Rumble heiraten“
„Abwarten“ meinte ich sachlich.
Jessica lachte: „Julia und so ein Kerl? Nein, Julia wird irgendwann mal einen reichen und hübschen Kerl heiraten“ Sie schaute zu Rose: „Genau wie wir alle. Denn deswegen gehen wir ja nach Bradshaw“ Sie nickte und drehte sich zur Wand: „Rose, würdest du bitte?“
Rose nickte und begann das Korsett von ihr aufzuschnüren. Dann drehte sich Rose um und Jessica schnürte ihr das Korsett auf.
Ich versuchte selber an die Bändel zu kommen, allerdings ohne Erfolg. „Komm, ich mach schon“ meinte Rose und schnürte die Schnüre auf. Ich schlüpfte aus dem Korsett und huschte zur Kommode. Ich holte mein blassblaues Nachthemd heraus und strich es mir über den Kopf.
„Wisst ihr, wie mein Traummann sein sollte?“ fragte Jessica und warf sich auf ihr Bett. „Er muss mich auf jeden Fall verstehen können“ Sie seufzte und ließ den Kopf auf das Kissen fallen, als sie laut aufschrie: „Au“ Mit schmerzverzerrtem Gesicht zog sie eine Haarnadel aus ihren Locken hervor.
„Ich hätte gerne einen Mann, der Humor hat“ Rose schaute über mein Bett aus dem Fenster. „Aber nie so jemanden, wie Mr. Rumble“
Ich nickte und blickte auf den See, in dem sich der Mond spiegelte. Es war eine Vollmondnacht. „Die Aussicht ist schön, nicht?“ fragte Rose in die Stille hinein.
Ich drehte mich um: „Ja, warum belegt niemand von euch das Bett, ich meine, wegen der schönen Aussicht“
Doch Jessica schüttelte mit dem Kopf: „Bis vor zwei Wochen war es noch Annas Bett. Doch sie wurde vermählt und wohnt jetzt in einer noblen Gegend von Dublin. Sie fehlt mir sehr. “
Rose nickte: "Anna fehlt jedem"
„Dublin“ murmelte ich. „Das ist ziemlich weit weg“
„Ja, aber völlig normal. Alle drei Monate kommen Herren aus dem ganzen britischen Reich in unser Mädchenpensionat und schauen sich uns an. Und wenn ihm eine gefällt, dann hat er die Möglichkeit sie näher kennen zu lernen. Oder er kann gleich um ihre Hand anhalten“ erklärte Rose.
„Ablehnen kann man natürlich auch! Allerdings braucht man dazu Eltern, die es verstehen, wenn man nur Männer heiraten will, die einem auch gefallen“ warf Jessica ein.
Ich nickte wieder nur. Das war wie auf einem türkischem Bazar.
Wie, als wären wir nur Gegenstände.
„Manchmal sind auch ganz nette Herren dabei“ redete Jessica weiter. Sie machte eine Pause und verzog das Gesicht: „Oder man lernt eben auch solche Männer kennen, wie Mr. Rumble! Er hat sich anscheinend in Julia verliebt“
„Mir hat ein ganz grässlicher Kerl den Hof gemacht. Er war zwar reich und wohlerzogen, doch ich mochte ihn nicht. Also habe ich ihm ehrlich, dennoch höflich gesagt, dass ich ihn nicht heiraten will. Er war sehr verständnisvoll“ Rose lächelte. „Ich glaube Julia macht Mr. Rumble einfach zu viel Hoffnungen. Sie ist einfach zu charmant“ Rose kicherte. „Armer, verliebter Rumble“
„Ich habe mir vorgenommen nur aus Liebe zu heiraten. Meine Mutter ist damit auch einverstanden. Sie kann es verstehen, nur mein Vater macht Ärger. Er sagt, ich solle einfach nur einen heiraten, der Geld hat“ Jessica zog eine Schnute. „Doch ich bin überzeugt, dass es irgendwo noch so etwas wie Liebe gibt“
„Ich weiß nicht“ murmelte Rose. „Schön wäre es schon“
Plötzlich schaute Jessica zu mir: „Du hast heute Nachmittag gesagt deine Tante hätte dich hierher geschickt. Was ist mit deinen Eltern?“
Ich schaute auf den Boden: „Sie sind gestorben“
„Oh, das tut mir Leid“ sagte Jessica leise.
„Lass die Höflichkeitsfloskeln. Du hast mit den Tod meiner Eltern nichts zu tun“ meinte ich leise und ließ mich auf’s Kopfkissen fallen. Dann drehte ich mich zu Wand und schloss die Augen.

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