Die Damen von Bradshaw (Kapitel 9)
von
Lilli
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Erwartungen, sondern die eines Anderen“
„Sehr philosophisch“ staunte Miss Longburry.
„Ja, das ist Lilli“ rief Rose plötzlich dazwischen. Ich schaute auf und lächelte sie an. Sie band sich ihre Haare zu einem neuen Dutt zusammen und zwinkerte mir zu.
Als die Kutsche hielt streifte sich Jane ihre weißen Handschuhe über und stieg mit mir als Letzte aus der Kutsche.
„So meine Damen“ ertönte sofort Mrs. Bradshaws Stimme. „Ihr könnt in die Läden gehen, in die ihr gehen wollt, aber seid bitte pünktlich um 3 Uhr wieder hier, bei den Kutschen“ Sie zeigte auf den kleinen Platz mit dem Brunnen, an dem die Kutschen standen. „Ich wünschen Ihnen viel Spaß“
Damit schwärmten Julia, Sara, Nicole und Jessi als erste los. Sie wollten ja in den tollen Laden, der ihnen von Mr. Rumble empfohlen wurde.
Wir schauten uns erst einmal um und suchten dann eine Gasse in die wir gehen wollten.
„Meint ihr, es steht mir?“ fragte Elly skeptisch und drehte sich auf dem Hocker vor dem Spiegel. Rose stand hinter ihr und hatte einen Finger auf die Lippen gelegt und schaute nachdenklich zu Elly. Sie trug ein rosafarbenes Kleid mit weißer Spitze am Ausschnitt.
„Ja… obwohl die Farbe nicht wirklich zu deinen Haaren passt“ bemerkte Rose. Jane reichte ihr noch einmal das gelbe Kleid: „Wie wär’s noch Mal mit diesem“
„Es ist schwierig sich zu entscheiden, nicht?“ fragte die ebenfalls etwas pummelige Verkäuferin. Jane setzte sich wieder auf die Couch neben mich: „Willst du nichts anprobieren?“ fragte sie.
„Nicht in diesem Laden“ meinte ich knapp. Dieser Laden hatte nur Ballkleider in typischen Ballfarben. Alle hell und grell, und bunt, wie ein Papagei.
Elly verschwand in die Kabine und Rose hinterher, um ihr das Korsett zuzuschnüren.
Das gelbe Kleid sah toll aus. Obwohl sie immer noch pummelig war, stand es ihr besser, als ihre sonstigen Kleider.
„Ist das nicht toll?“ fragte Rose begeistert und hob die Daumen hoch. Jane musste nickte: „Ja, wirklich sehr schön“
Ich legte den Kopf schief und nahm spontan das schwarze Tuch von meinem Hals und legte es Elly um den Hals: „So… Sieh dich an. Mit diesem Kleid und dem Schal in einem Monat und die Männer werden Schlange stehen“
Elly wurde sofort rot und drehte sich langsam zum Spiegel um.
„Ist Miss in Trauerstimmung?“ fragte die Verkäuferin hinter mir und zeigte auf mein schwarzes Kleid.
Ich lächelte und schüttelte mit dem Kopf: „Nein, ich mag keine hellen Farben“
„Oh, eine Dame der dunklen Seite“
Ich lächelte nur und schaute wieder zu Elly: „Nimmst du das Kleid?“
Wir verließen den Laden und Elly hatte einem großen Korb in der Hand. Mein schwarzes Tuch trug sie immer noch um den Hals: „Oh, ich habe so ein schlechtes Gewissen. Jetzt habe ich die ganze Zeit für mich geschaut und ihr habt noch gar nichts“
„Keine Sorge“ winkte Rose ab. „Das ist vollkommen in Ordnung. Wir schauen jetzt einfach“
Der nächste Kleiderladen war ein einfacher Laden in einer Seitenstraße. Wir öffneten die Tür und die Glocke darüber fing an zu bimmeln. Ein hagerer, alter Mann kam angelaufen: „Oh, welch eine Freude, solch junge Damen“ Er hob den Hut und wir machten alle einen Knicks.
„Was kann ich für Sie tun?“ fragte der Mann.
„Wir suchen neue Kleider“ sagte Jane höflich. „Wir kommen von Bradshaw und brauchen für den Herrenabend neue Roben“
„Außer ich“ warf Elly ein. Sie hob ihren Korb hoch. „Ich habe schon ein Kleid“
Das Lächeln des Mannes schwand trotzdem nicht. „Schauen Sie sich ruhig um“ Er hörte bestimmt schon die Kasse läuten und das Geld klirren.
Fast gleichzeitig kamen wir drei aus den Kabinen. Rose lachte fröhlich, als sie sich in dem weißen Ballkleid sah. Es war mit blauen Bändern verziert. Janes türkises Kleid war
durch den Reifrock sehr ausladend, was ihre Taille nur noch schmaler machte. Sie lächelte zaghaft. Ich hatte mal wieder nach einer dunklen Farbe gegriffen. Das dunkelgraue Kleid war einfach. Er hatte kurze Ärmel und einen Ausschnitt, der mit schwarzer Spitze verziert war.
„Ihr seht toll aus“ meinte Elly und erhob sich aus dem Sessel.
„Oh ja, ganz bezaubernd“ stimmte der Mann zu und stellte sich neben Elly.
Ich schaute mich im Spiegel an und kam mir unglaublich klein zwischen Rose und Jane vor. Und neben Jane auch etwas plump. Doch neben Jane sah selbst Sara plump aus.
Ich drehte mich zum Verkäufer um: „Ich nehme es“
Wir waren spät dran und kamen beinahe zu spät, wenn wir nicht gerannt wären.
„Ich weiß schon, was Mrs. Bradshaw sagen wird“ keuchte Jane. „Wenn ich nicht aufpasse ist bald Julia Jahrgangsbeste“
Rose lachte: „Das darf niemals passieren“
Keuchend kamen wir an den Kutschen an. „Meine Damen“ mahnte Mrs. Bradshaw. „Das schickt sich aber nicht für eine Dame. 10 Minuspunkte für Unpünktlichkeit. Jane, für dich nur 5 Minuspunkte, weil ich das nicht von dir erwartet hätte und wegen der Sache… ach du weißt schon, Jane“
Elly und Rose warfen Jane einen fragenden Blick zu, doch sie winkte ab und stieg in die Kutsche ein.
Miss Longburry saß schon am Fenster und las eine Zeitung. Sie schaute kurz auf und nickte dann. Bevor sie weiter las, sagte sie: „Ihr seid spät dran, meine Damen“
„Wir hatten falsch kalkuliert“ sagte ich knapp und setzte mich ihr gegenüber.
„Der Schneider, den mir Julia empfohlen hat war einfach klasse“ schwärmte Jessica und hielt ihr eisblaues Kleid in die Höhe. „Das ziehe ich auf jeden Fall an, wenn die Herren kommen“
Ich saß schon im Nachthemd auf meinem Bett und hatte die Knie angezogen.
Jessica tanzte noch im Nachthemd mit ihrem neuen Kleid durch das kleine Turmzimmer. Rose lachte: „Ja, ein schönes Kleid“
Jessica blieb stehen: „Und teuer war es! Doch ich hatte noch eine Kleinigkeit gespart!“ Sie machte eine Pause. „Und Julia, das Schätzchen hat mir etwas geliehen. Sie ist ja so reich und dann bekommt sie auch jedes Mal von Mr. Rumble Geld“
Plötzlich klopfte es an der Tür. Schnell warf Jessica das Kleid auf ihr Bett und begann es zusammenzufalten.
Rose stand auf und öffnete die Tür. Jane trat herein mit mehreren Briefen in der Hand. „Hier, einer ist für dich, Jessi“
Jessi schaute auf und nahm den Brief an sich. Sie schaute kurz drauf dann lächelte sie: „Der ist von meinen Eltern“
Dann reichte Jane noch einen Brief an Rose. „Für dich ist leider keiner dabei“ sagte sie und schaute entschuldigend zu mir. „Ich muss noch nach unten zu Sara, Nicole und Julia. Gute Nacht“
„Warte!“ rief Jessica, warf sich ihren Morgenmantel um die Schultern und ging mit dem Brief hinter Jane her: „Ich komme mit“
Die Tür machte sie natürlich nicht zu. Rose seufzte und schloss sie mit einem lauten Knall. „Das macht sie immer!“ beschwerte sie sich. Sie öffnete den Brief, stockte aber mitten in ihrer Bewegung und lächelte mich aufmunternd an: „Deine Tante schreibt dir bestimmt auch noch“
Ich stand auf: „Und selbst wenn nicht“ Ich zuckte mit den Achseln. Ich nahm mein Kleid aus meinem Korb und legte es zusammen. „Meine Tante ist froh, dass sie mich los ist und ich bin froh, dass
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Kommentare
Mörviii schrieb am 2010-01-18 16:45:34:
freue mich schon sehr auf die fortsetzung :D
endlich passiert mal wenigstens etwas
hoffe es wird spannender
LG
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