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Kategorien > Depression > Brief

Die Drei Tage Der Depression

von Dr.Soltberg

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Händen wieder öffnen könnte?
Würden nicht endlich wieder Tränen, diese verbotene Schönheit empfangen, welche sonst die menschlichen Augen bluten und brennen lässt?
Bin ich etwa das hölzerne Tor?
Und was, wenn diese Hallen aus verzaubertem Ebenholz ihre Schönheit verloren?
Was, wenn ich nur im Rausch der Transzendenz Träume aus Glück und Freiheit schuf?
Was, wenn ich auch dort keine Schönheit fände? Wenn dieser Ort so kalt, wie ihre Trauer wäre? So leer, wie ihre elfenbeinernen Tränen? So schwarz, wie die Winternacht? So dunkel, wie ihr angsterfülltes Flüstern?
So viele Fragen umhüllen meine Erkenntnis.
Sie wäre noch immer Nichts, als ein Geist in meinen Armen.
Kein blutroter Himmel, keine Farbe in dieser Welt bis in alle Ewigkeit.
Ich verdamme dich, du toter Wintertag bis in alle Ewigkeit.

Ich muss fort, Wilhelm. Ich ertrage diese Gefühllosigkeit nicht mehr.
Du wirst wieder von mir hören.



Am letzten Frühlingstag

Lieber Wilhelm,

Der Wind, der die Gedanken trägt hat die alte Welt ihrer erstickenden Hitze beraubt. Er liegt tief in diesen Tagen und er wirft das Herbstblatt in die Höhe und zerbricht es.
Auf dass ich mich über Kathedralen aus schwarzem Glas erheben möge und niemals mehr zu Boden sinken müsse.

Heute ist etwas Wundervolles geschehen. Ich erwachte übervoll von Gefühlen und Gedanken,
lief hinaus auf die himmlischen Wiesen und fand mich in einem wundervollen Aequilibrium aus Formen und Farben wieder.
Und was musste ich erkennen?
Jeder einzelne, brennende Grashalm strebte in einem Hauch von Purpur der schieferfarbenen Sonne entgegen, welche den Himmel mit gleißender Dunkelheit füllte. Und auf den unendlichen Gründen schritt sie durch goldene Ähren.
Melpomene erwartete mich.
Und berichtete mir von äschernen Engeln, welche aus dem brennenden Himmel fallen, mich mit ihren flammenden Flügeln umschließen.
Verstehst du denn, was das Alles bedeutet?
Meine Reise durch die Finsternis beginnt hier.
So springe ich von der Schneide dieser Welt hinab in die Träume der Schlaflosen.
Ich verstehe des Lebens labyrinthisch irren Lauf, ich ertrinke in den kristallinen Tiefen aller Dinge.
Ich sinke auf die Knie und akzeptiere Melpomene als meine Muse, Gaia als meine Mutter, Pan als meinen Gott.
Nun wird die neue Nacht geboren.
Ich nehme die Hand meiner Muse und ich spüre, wie das schwarze Blut in ihren Adern lodert.
Sie ist Alpha.
Sie ist Omega.
Sie zerbricht mich in hunderttausend wundervolle Scherben, als ihre Lungen meine Morgenröte atmen.
Mein Freund, sie ist so wunderschön.
Ihr Haar aus glühend schwarzen Rosen, ihre Augen ertränkt in stummer Dämmerung.
Sie tanzt mit mir den Tanz der Dezemberseelen und während sie mich in finsterster Ekstase gefangen hält, sinken die sterbenden Rabenschwärme langsam auf den unnützen Grund meiner neuen Welt.
Meine Augen ruhen auf der nahenden Dunkelheit. Und mir ist klar, dass dies Alles hier ein jähes Ende finden muss.
Das alte Herz umschließen Dornen.
Unter einem Vorhang aus Sternen erhebt sich Hass, dort wo die Finsternis wächst, zerbrechen die Ketten, in welche ich vor so langer Zeit geschlagen wurde.
Über der Asche meiner Träume entsteht ein Ornament aus Narben.
Die neue Nacht scheint mir so wunderschön.
Sie ist so still, so ruhig.
Verstehst du, was ich dir zu erkennen geben will, mein Freund?
Ich habe das ewige Feuer wiedergefunden. Prometheus gab mir seine Hand.
Es soll mein Erbe an euch sein, auch wenn sie niemand jemals mehr an mich erinnern möge.
Schätze diese Briefe, Wilhelm.
Jedes ihrer Worte ist aus Feuer und Blut geschmiedet.
Ich verstehe mich auch endlich wieder.
Ich bin der Wörterschmied. Ich bin die neue Nacht. Ich bin Eins mit Hass.
Und ich war nichts, als ein Geist in ihren Armen, als ihre Tränen Flüsse in meine Welt zeichneten und ihre Trauer einen stummen Sturm in meiner Winternacht entfesselte.
Ich brach den Schwur. Ich verkaufte mein Herz.
Melpomene hat mir einen neuen Weg aufgezeigt. Die Ereignisse dieses Tages waren so befremdlich.
Ich frage mich, ob meine Flügel sich ausbreiten werden, wenn der Wind mich fort trägt.
Wenn mein Herz zu schlagen aufhört.
Wenn meine Augen sich schließen.
Wenn mein Blut endlich altert.
Heute ist die alte Welt gestorben. Auch dieser Tag muss in der folgenden Nacht vergehen. Ich höre schon die Wölfe heulen.
Was geschieht mit dem rastlosen Wolfsherz?
Was geschieht mit mir?

Endlich ist es soweit.
Ich habe endlich den Verstand verloren.

Dein Freund,
Der Eremit.




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Kommentare

Leniii xD schrieb am 2012-03-18 21:12:55:
Hast du gut geschrieben! Respekt...

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