Die Dunkelheit des gleißenden Lichts
von
Dusk
28.10.03 Kaltenbrück
Dunkelheit? Nein sie war nicht der wahre Grund für seine Angst. Wobei man diese Furcht eher als ausgeprägten Wahnsinn bezeichnen könnte, bedenkt man seine Leidenschaft für eben jene Sache.
Knieent sitzt er vor dem zusammengekauerten Fleischberg unter dem sich langsam eine Dunkelrote Blutlache bildet. Kleine Rinnsale von Blut laufen schweigend den Weg hinab. Von weit her dringt der Hall eines Donners zu ihnen hinüber. Hatte Gott zugesehn, wie er es getan hatte? Wie er die dünne Linie des Lebens durchbrochen hat, sie wie ein Faden zerschnitt? Ja seine Hände waren Scheren, doch konnte er sie weder führen noch verbergen. Vielleicht vor sich selbst, aber vor Gott?
Schweigend sitzt er nun da. Eine Träne bahnt sich ihren weg über seine Wange zu Boden. Mit der Hand wischt er sie weg. Erschrocken stellt er fest das seine Hand etwas klebriges verschmiert. Die Träne ebenfalls dunkelrot ist nicht aus seinem Auge geflossen.
In der letzten viertel Stunde hatte der Wind aufgefrischt und kam nun schon in vereinzelten Böen über das Land gefegt. Aus der Abenddämmerung ist Nacht geworden. Eine kalte Nacht im Frühling seines 32ten Jahres. Ein leichter Regen hat eingesetzt der stetig stärker wird. Er richtet sich auf streckt die Arme in den Himmel und beginnt sich im Kreis zu drehen. Ein leises lachen tritt über seine Lippen, welches schnell zu Gelächter anschwillt, bevor es in einem Schreikrampf endet. Nun weint er ungehalten, Schleim Rinnt ihm aus der Nase und vermischt sich mit seinen Tränen.
Er liebt den Regen. Es ist als würde er die Schuld (seine Schuld) von der Erde waschen und die Perversion und Brutalität Aufsaugen um sie in den nächsten Gulli zu spülen. Dort unten sieht niemand deine Taten und bald sind sie weitgenug weg um in Vergessenheit zu geraten.
Seine Euphorie legt sich langsam und er überlegt bereits wie es weitergeht. Irgendwie muss er aus dem Waldstück herauskommen ohne gesehen zu werden. Es erstreckt sich etwa 1 Kilometer von Norden nach Süden und ca. 2 Kilometer von Osten nach Westen. Die Nordseite ist durch die Autobahn abgegrenzt, die sich ebenfalls um die Ostseite schlengelt. Nach Süden und Westen heraus beginnt langsam die Stadt mit vereinzelten Siedlungen und Bauernhöfen. Er entschliesst sich über die Südseite aus den Wald herrauszutreten und sich über den Feldweg von dem er gekommen ist zu seinem Auto durchzuschlagen. Er hat etwa 600 Meter entfernt geparkt und darauf geachtet einen guten und vor allen Dunkelen Fluchtweg zu haben. Hätte er jetzt schon gewusst was ihn auf seinem Rückweg erwartet, hätte er keinen Gedanken verschwendet und wäre einfach nur um sein Leben gerannt. Wenn er sich bei seinem Tötungsritual nur einmal umgeschaut hätte anstatt wie im Trance zu Morden wären ihm vielleicht ungewöhnliche Lichter und Schatten aufgefallen. Während er vor seinem Opfer kniete und den abstoßenden Geruch des Todes genoß, wurde er langsam eingekreist. Augen blickten auf ihn, verfolgten jeden seiner Schritte und jede Bewegung seines perversen Handelns. Langsam macht er die ersten Schritte in Richtung Süden. Es scheint ihm als könne er bereits die Lichter der Laternen sehen die den schmalen Feldweg beleuchten. Nur das es auf diesem Feldweg keine Laternen gegeben hatte. Diese Erkenntnis schleicht sich in seinen Verstand und lässt ihn zusammenzucken. Wurde er entdeckt? Sind dies die Lichter von Taschenlampen? Sind sie ihn bereits auf der Spur? Sein Versandt arbeitet fieberhaft. "Ja sie bewegen sich auf mich zu", denkt er. "Keine Frage sie kommen näher, sie kommen um mich zu holen". Um mich zu holen? Was hat er da gerade gedacht? Eine Gänsehaut breitet sich auf den Armen aus und lässt ihn erschaudern. Irgendetwas bedrohliches war an diesen Lichtern. Er hatte zwar Angst davor Überführt zu werden, hatte Angst das alle Welt von seiner schlimmen Tat erfährt, doch dies war etwas anderes. Eine unglaubliche Anwesenheit des Bösen scheint sich von den Lichtern aus zu ihm vorzukämpfen. Panik durchströmt ihn.
Er wirft sich herum, stolpert leicht über einen herumliegenden Ast und rennt los. Er möchte einfach nur weg von diesen Grausamen Lichtern. Nach drei Schritten bemerkt er, das er eingezingelt wurde. Er bremst so plötzlich ab, dass er ins straucheln gerät und schließlich zu Boden geht. Er schmeckt den Waldboden in seinem Mund und der frische Geruch von Moos dringt ihm in die Nase. Sofort rappelt er sich wieder auf und dreht sich um die eigende Achse. Schachmatt! geht es ihn durch den Kopf. Die Stimme seines Vaters schallt in seinem Kopf " Schachmatt Billi, verloren Billi. Geh und hol mein Gewehr damit ich dich erschießen kann du selten dämlicher Idiot".
Die Lichter die er gerade noch als Taschenlampen abtun konnte, sind nun schon bedrohlich nahe gekommen. Sie bestehen aus gleißendem Licht, scheinen aber auch eine gewisse Menschliche Form zu besitzen. Er weiß zwar das sie bereits beachtlich Nahe gekommen waren, doch bewegten sie sich anscheinend nicht. "Sie kommen einfach nur näher, keine Bewegung....sie ..kom....".
Seine Gedanken reißen ab. Panisch sucht er nach einem Ausweg, einer Lösung. Tief in ihm hämmert sein Verstand:"ein Traum, nein ein Schock. Du hast gerde einen Menschen verstümmelt, du leidest unter einem Schock. Es gibt keine Lichter die sich ohne Bewegung auf dich zu bewegen und dir unmenschliche Angst einjagen. Es ist nur....". Ein Neuer Gedanke blitzt in ihm auf, ein schrecklicher Gedanke. Als Kind hatte er öfter diese Vorstellung gehabt. Damals versuchten ihn seine Eltern einzureden es gäbe keine Geister. Tagsüber war dies eine überzeugende Sache gewesen, doch wenn er Abends alleine in seinem Bett lag und auf die Geräusche im Haus lauschte, waren die Geister wieder allgegenwertig. Dann kam ihn der Gedanke, daß es ja vollkommen egal wäre ob er nun an Geister glaubte oder nicht. Würde eins kommen um ihn zu holen, wäre es diesem ja auch ganz egal ob es vom Verstand seines Opfers akzeptiert wird. In solchen Nächten war es still um ihn herum. Zumindest bis die Geräusche einsetzten sich langsam seinen Zimmer näherten. Die Tür würde sich öffnen und....
Sie sind jetzt dicht bei ihm. Vielleicht noch fünf Meter entfernt. Er kann ihre Nähe nun noch stärker fühlen. Fauliger Geruch dringt ihm in die Nase und bereitet ihm Übelkeit. Diese jedoch nimmt er kaum noch wahr. Zu groß ist jetzt sein Entsetzen. Er fühlt sich elektrisiert, als würde gleichmäßig aber bohrend Strom durch ihn fließen. Ein Schmerzensschrei drängt sich hoch zu seinen Lippen, aber heraus kommt nur ein ersticktes Stöhnen. Aus Verzweifelung macht er mit letzter Kraft einen Schritt vorwärts. Höllische Schmerzen durchdringen jetzt seinen Körper. Sein Gehirn, so scheint es ihm, kommt gleich aus den Augen gequillt.
"Bitte Gott.....ahhh....bitt...e, Hi...llllfeee..ahhh", fleht er. Doch Gott scheint ihn nicht zu hören. Schwarze Punkte tanzen vor seinen Augen und er kann hören wie das Blut durch seinen Kopf fließt. "Wie das Meer" denkt er, bevor er sein Bewusstsein verliert.
Die Lichter dringen durch die Augen in den Körper des Bewusstlosen Mannes ein und sind daraufhin verschwunden.
Dunkelheit. "Bin ich tot"? Er schwebt über dem Waldstück. Jenes Waldstück wo er gerade einen Menschen ermordet hatte.
"Dies muss das Ende sein, der Weg zum Himmel(zur Hölle?)" denkt er. Er versucht wieder näher zur Erde zu kommen, was ihm auch gelingt. Noch ein Stück und er würde die Krone eines Baumes berühren können. Ein kleines Stück noch und... . Er gleitet durch die Krone des Baumes wie zuvor durch die Luft. Er war Luft. Er versucht den Baum mit der Hand zu berühren. Wieder keinen Erfolg. Als wäre der Baum eine Fatamorgana. Er will noch weiter nach unten als ihn plötzlich etwas nach oben reißt. Im nächsten Moment schwebt er etwa auf gleicher Höhe wie noch zuvor. Er kann den Wald und dessen Umfeld beobachten.
Ein Auto nähert sich und bleibt auf einem Feldweg in Waldesnähe stehen. Der Motor wird abgestellt, die Tür geöffnet.
Im nächsten Augenblick schwebt er direkt neben dem Auto und kann die Person sehen, kann "sich" sehen wie er aussteigt. Wahnsinnige Augen blicken durch die Gegend, sich vergewissernd allein zu sein.Allein mit sich und dem Opfer.
Neben dem Auto schwebend versucht er das Opfer zu Identifizieren. Es gelingt ihm nicht, es hat den Kopf zu Seite gedreht. Er kann auch nicht auf die andere Seite schweben, da er sich nicht mehr eigenständig bewegen kann. Er wird bewegt.
Wo er jetzt das Opfer vor sich hat, fragt er sich wen er ermordet hat. Hatte er gemordet, oder wurde das vermeintliche Opfer von den Lichtern getötet und er ist Wahnsinnig geworden?. Seine Erinnerungen beginnen erst bei seinem schauerlichen Tanz, seinem Anfall absoluter Euphorie.
Er sieht sich um das Auto herumlaufen. Er öffnet die Beifahrertür und lasst das Opfer(sein Opfer?) aussteigen. Wieder kann er das Gesicht nicht erkennen.
Im nächsten Augenblick befindet er sich im Wald. An dem Ort wo der Mord geschah. Er schwebt hinter dem Opfer welches nun auf dem Waldboden kniet. Er kann sich sehen, wie er ein Messer zieht.
Dunkelheit. Das Opfer liegt Blutüberströmt auf dem Boden, das Gesicht tief ins Moos gedrückt. Aus seiner Position über sich und dem Opfer kann er sehen wie das Messer wieder herabgleitet. Es bohrt sich in den Hals des Opfers. Blut spritzt in einer Fontäne heraus. Dies, der wohl tödliche Stoß war der letzte. Das Opfer bäumt sich noch einmal auf, dreht sich auf den Rücken und bleibt Regungslos liegen. Die, sterbenden Augen blicken zum Himmel hinauf. Sie drücken Entsetzen aus, bevor das Leben aus ihnen weicht.
In seiner schwebenden Position sieht er nun das Gesicht seines Opfers. Die Annahme er hätte Heute bereits viel Schlimmes erlebt wurde im Bruchteil einer Sekunde zu Nichte gemacht. Sein gellender Schrei zerreißt die Luft. Ein Schrei den selbst Gott gehört haben dürfte.
30.10.03
Aus der Kaltenbrücker Tageszeitung:
Leiche im Waldstück nahe Kaltenbrück entdeckt
Am gestrigen Nachmittag wurde in einem kleinem Waldstück nahe Kaltenbrück
eine Leiche gefunden.
Ein Ehepaar aus Kaltenbrück ist bei ihrem Spaziergang durch das Waldstück "Ebenfeld" auf einen stark verstümmelten Menschlichen Körper gestoßen. Dieser lag auf einer kleinen Lichtung nicht weit vom Waldrand entfernt.
Der kurzer Zeit später eintreffende Notarzt stellte den Tod des 25 bis 35 Jährigen bisher unbekannten Mann fest. Einen Hinweis auf Fremdverschulden gebe es laut dem Polizeisprecher von Kaltenbrück nicht. Der Tote werde aber zur weiteren Untersuchung dem gerichtsmedizinischen Dienst überstellt.
Wer Hinweise auf die Identität des Mannes geben kann oder in der Nacht vom 28.10.03 zum 29.10.03 etwas ungewöhnliches bemerkt hat , möge sich bitte bei der Polizeidienststelle Kaltenbrück melden......
1.11.03
Aus der kaltenbrücker Tageszeitung:
Unbekannter Toter von Kaltenbrück beging Selbstmord
Wie gestern bekannt wurde hat der am 29.10.03 in Kaltenbrück aufgefundene Tote Mann, laut gerichtsmedizinischem Institut
Selbstmord beangen.
Die Zuständige Gerichtsmedizinerin Dr. Lisabeth Massner geht von einer unvorstellbar Grausamen Selbsttötung aus. Gestern sagte sie in einer öffentlichen Pressekonferenz:"Es hat den Anschein, als habe der Mann sich zuvor selbst unglaublichen Schmerzen ausgesetzt, bevor er den Letzten tödlichen Schnitt im Halsbereich geführt habe.........
Was sie nicht in der öffentlichen Pressekonferenz sagte war, das sie bei der Öffnung des Körpers von einem hellen Licht geblendet wurde. Gleißende Lichter zwängten sich bei ihrem ersten Schnitt durch die kleine Öffnung nach draussen. Sie schienen sich nicht zu bewegen doch waren sie auf einmal verschwunden.
Später tat sie es als Einbildung ab. Wer täglich tote Leute sieht kann schon mal die Nerven verlieren.
Kommentare
Gaensebluemchen_21@hotmail.com schrieb:
Respekt respekt.
Das schreit doch nach einer Fortsetzung.
Am Anfang hast Du Dich find ich etwas zu blumig ausgedrückt. Das war fast mehr lustig als spannend.
Sonst gefällt mir die Geschichte!!!!
Big sister is watching you
gluecksschwein70@yahoo.de schrieb:
Super!!! Hat mir echt gut gefallen. Wann gibts mehr?
stevey.s@gmx.at schrieb:
Die Geschichte ist ja Der Wahnsinn.Der Hammer,..gefallt ma volle guat,genau nach meinem Geschmack!
GreeTz
steve
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