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Kategorien > Mysterie > Unheimliches

Die Dunkelheit und die Kälte

von Demeter

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"Was meinst du, wie viele werden wir noch mitnehmen müssen?"
Das 16-jährige Mädchen schaute zu seinem jüngeren Begleiter, der gelangweilt mit den Schultern zuckte.
" Was weiß ich. Im Grunde ist es doch egal."
Gleichgültig ließ er seinen Blick über die Feuerwehr- und Polizeiwagen schweifen. Sein Profil leuchtete geisterhaft im blinkenden Licht der Sirenen. Doch seine Augen erreichte kein einziger Lichtschein; sie schienen wie zwei tiefe, dunkle Seen zu sein. Leicht genervt strich er sich eine dunkelbraune Haarsträhne aus der Stirn:
"Wart' doch einfach ab, dann wirst du's schon sehen.", sagte er mit einer Handbewegung, die ihre Ungeduld wegwischen sollte.
Er beobachtete einen Polizeibeamten, der verzweifelt versuchte, die Menge hinter der Absperrung zu halten.
"Schau mal, da rastet einer gleich aus.", meinte er, plötzlich gut gelaunt und zeigte mit dem Finger in Richtung des Beamten, dem in diesem Moment der Kragen platzte.
"Sie behindern hier unsere Arbeit, verdammt nochmal! Gehen sie endlich ein Stück zurück, der Rauch, der aus dem U-Bahn-schacht kommt ist nämlich giftig!"
Das Mädchen zog belustigt die Augenbrauen hoch und wandte sich mit leisem Lächeln an ihren Gegenüber: "Ach, seit wann ist der Rauch denn giftig geworden?!"
"Naja, gewissermaßen hat er sogar Recht,", nickte dieser mit Kennermiene,"denn wer dieser verschmutzten Luft zu lange ausgesetzt ist, bei dem setzen sich bestimmte Partikel in den Atemwegen und der Lunge ab. Diese Verunreinigung führt nach ungefähr anderthalb bis zwei Jahren zum Tod. Noch etwas Tee?", fragte er übergangslos.
"Aber gerne doch. Sag mal, seit wann hast du einen Doktor in Mirkobiologie?", wollte sie wissen, als er ihr Darjeeling eingoß.
" Man hört so dieses und jenes..." Wich er aus, als ein Feuerwehrmann an ihnen vorbei hastete, um zum nächsten Hydranten zu gelangen. Es waren weit mehr Feuer ausgebrochen, als man erwartet hatte.
Plötzlich erschütterte ein Beben die ganze Szenerie; der Feuerwehrmann strauchelte und fiel hin. Die Tische und Stühle des Cafés in dem die beiden saßen, fingen an sich selbstständich zu machen. Eine Reporterin, die von einem Kameramann verfolgt wurde- er verlor ebenfalls das Gleichgewicht, da er gleichzeitig filmen und rennen musste -nährte sich der Treppe, dir hinunter in die U-Bahnstation führte, um für ihren Beitrag eine bessere Einstellung zu bekommen. Wütend zerrte sie ihren Kameramann hoch und begann, in Liveübertragung, davon zu berichten, dass ein weiterer Teil der Ringlinie eingestürzt sei und es für die Menschen da unten kaum noch Hoffnung gebe.
"Der Bürgermeister tut mir jetzt schon leid... der wird allerlei Fragen zu beantworten haben, über verrostete Halterungen und In-Stand-Haltungs-Maßnahmen. Und am Ende kriegt ein anderer sein Amt.", stellte das Mädchen mit einer Spur Ironie fest.
Mit einem Seitenblick auf sie und dem Gedanken, dass sich dann eine Weile wenigstens niemand mehr über die Überbevölkerung des Planeten beschwert, winkte der Junge der Kellnerin und rief ihr seelenruhig, über den Lärm hinweg, "Die Rechnung, bitte.", zu.
Zu seiner Tischnachbarin gewandt:"Zahlst du?"
Entrüstet schaute sie ihn an. "Hallo?! Du kennst wohl die Regeln nicht? Der Mann muss immer zahlen, wenn er mit einer Frau ausgeht."
Mit ausdruckslosem Gesicht fragte er:"Wo steht das bitte geschrieben?", woraufhin sie ihn nur verärgert und ein wenig verblüfft anstarrte. Doch er war bereits aufgestanden und warf sich seinen langen, pechschwarzen Mantel über seine andere, ebenfalls schwarze Kleidung . Mit Blick auf den Rettungswagen, der direkt neben dem Nachrichtenteam zum stehen gekommen war, richtete er seinen Hemdkragen und setzte hinzu: "Alter vor Schönheit."
Resignierend erwiderte sie:
"Ich bin nur ein Jahr älter, also mach mal deswegen kein Stress, ja?"
In dem Moment kam eine völlig aufgelöste Kellnerin aus dem Café und legte ihnen unter herzzerreißenden Schluchzern die Rechnung vor.
Mit Abscheu blickte er die Frau an und drehte sich wieder dem Unfallgeschehen zu.
Diese schniefte gerade seiner Begleiterin vor:
"Schrecklich. So viele Menschen. Schrecklich, nicht wahr? Wissen sie, in den Nachrichten sagen sie, dass eine Gruppe Grundschul-Kinder da unten war, als..."
Sie stockte, wischte sich übers Gesicht und begann von neuem:"Sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich. Und auf einmal... denken sie doch nur an die armen Eltern!"
Mit einer Aura des Zorns fuhr der Junge herum:"Oh ja, man könnte fast Mitleid bekommen!!!"
Irritiert schaute die Kellnerin ihn tränenverschmiert an und sah sich einem Blick gegenüber, in dem unbändiger Hass mitschwang.
Mit ihren, ohnehin schon angeschlagenen Nerven, hielt sie diesem Gefühl nicht stand, das fast greifbar schien, in der Atmosphäre, die um sie herum heerschte, voll Panik, Hilflosigkeit und Verzweiflung.
Das Mädchen legte eine Hand auf ihren Arm.
" Hier sehen sie, das Geld. Es passt so.", lächelte sie, denn Dreiviertel davon waren Trinkgeld.
Doch die Kellnerin starrte sie ebenso schreckensbleich an wie ihn und stürzte mit einem gellenden Schrei zurück in die Richtung aus der sie gekommen war, wobei sie ihre Hand auf die Stelle gepresst hielt, an der das Mädchen sie berührt hatte. Taumelnd erreichte sie das Innere des Ladens, als das Mädchen seufzte:
" Wir haben Glück, dass man das bei dem Chaos hier nicht bemerkt hat. Aber du hättest dich auch ruhig ein bisschen Zurückhalten können, mein Lieber.", bedachte sie ihn tadelnd und zog sich ihren nachtschwarzen, am Saum mit weißen Eisblumen bestickten Mantel an.
Ehrlich überrascht blickte er auf: "Warum denn ich? Schau besser mal in den Spiegel. Den Arm, den du angefasst hast, wird sie immerhin nie wieder benutzen können."
Entschuldigend hob sie die Hände. "Gut, hast Recht... aber so wie die grad drauf war, ist das jawohl zu entschuldigen. Gab dafür ja 'ne Menge Trinkgeld, oder nich?", meinte sie sarkastisch und legte den Kopf schief.
Sinnierend wandte er den Blick in den Himmel.
"Ich seh' schon den Arzt vor mir...>>Also Miss, es sieht so aus, als ob die Blutkörperchen in ihrem Arm in den Adern gefroren und dann abgestorben sind...aber das ist eigentlich unmöglich, also mir fällt keine Möglichkeit ein, wie...<<
Da wird dann wieder Rätselraten gespielt und am Ende kratzt sie früher ab, weil die Mediziner nicht einsehen, dass sie die Therapien nicht verträgt."
Spielerisch stieß sie ihm in die Seite.
"Hey, das heißt doch Nebenwirkungen!", mahnte sie ihn und zog ihre Handschuhe an. Er schnitt eine Grimasse.
"Hättest du deine Handschuhe angehabt, wäre ihr das nicht passiert."
Sie warf einen Blick ins nächste Schaufenster, strich ihre Haare glatt und als sie ihn im Spiegelbild ansah, erklärte sie: "Tee genießt man ohne Handschuhe. Gehört sich so!"
Sie zupfte nocheinmal an ihren hellblauen Handschuhen, die farbig zu dem Zweiteiler unter ihrem Mantel passten und legte sich sorgfältig ihren grauen Satin-Schal um.
Mit einem

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Kommentare

Jutta schrieb am 2007-10-30 19:42:39:
Klasse geschrieben, hat mich gefangen und man würde gerne ein Bild der beiden Hauptpersonen sehen! Hätte gerne länger sein können! :-) Also gegen einen zweiten Teil habe ich absolut nix einzuwenden.

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