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Kategorien > Satire > Ironische Würdigung

Die Erben altrömischer Dekadenz

von Michael Reißig

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in der Tasche haben.
Dem war leider nicht so!
Nur diese winzigen paar Kröten sprangen dabei heraus. Statt über 7000 Euro, würden - gänge es nach dem gesunden Menschenverstand - diesen - dem Wohle ihrer edlen Spender stets Sorge tragenden Damen und Herren - mindestens zwanzigtausend Euro im Monat als angemessen erscheinen. Doch diese widerlichen Hartz IV-Empfänger, die nur bestrebt waren, ihre Vorteile beiseite zu raffen, die immer fadenscheinige Ausreden fanden, wenn es galt, eine zumutbare Arbeit anzunehmen - machten ihnen diese insgeheim gehegten Wünsche immer häufiger zunichte.
Deshalb blieb den Politikern, die 2010 ihres Amtes weilten, nichts anderes übrig, als bis auf die unterste Stufe ihrer - im Normalfall nach oben gerichteten Karriereleiter - unsanft zu fallen und fühlten sich nicht zu Unrecht als die Deppen der Nation, so ähnlich wie es die Frisöre in Mecklenburg Vorpommern empfanden, die eigentlich hätten hochzufrieden sein müssen, zumal es ihnen vergönnt war, für nicht mal vier Euro in der Stunde, ihre Scherutensilien in die Hand nehmen zu dürfen.
Dennoch - von Erfüllung und Zufriedenheit keine Spur.
Da gab es ja noch jene ALG II-Empfänger, die keinen Handschlag machen wollten und viel mehr in der Tasche hatten, als diese gnadenlos dämlichen Berufstätigen.

Arbeit gäbe es doch zur Genüge - zumal sich doch in allen möglichen Winkeln unserer Städte jede Menge Dreck angesammelt hatte, der sich in unseren Kommunen pudelwohl fühlen konnte, da diese vor Faulheit strotzenden Langzeitarbeitslosen allesamt keinen Bock hatten, diesem beileibe zu rücken.
Weitere Ideen waren gefragt
Warum eigentlich war noch keiner auf die zündende Idee gekommen, Hartz IV-Empfänger in die Wohnungen von jenen Bänkern zu schicken, die ihre Unternehmen gerade erst in den Ruin getrieben hatten, um ihre - als Folge ihres federleichten Versagens - heruntergekommen Häuser wieder auf Vordermann zu bringen.
Sollten denn diese Gruppierungen - bestehend aus lauter schusseligen Quertreibern - nicht erfahren, unter welch erbärmlichen Bedingungen diese verdienstvollen Herrn plötzlich hausen mussten?
Und nur deshalb, weil die sich so ganz nebenbei mal einen kleinen Lapsus geleistet hatten - ganz im Gegensatz zu den ALG II-Empfängern, die sich selbst genehmigten - in der sozialen Hängematte wälzend - auf Kosten dieser ehrenswerten Menschen, einen derart luxeriösen Lebensstil zu pflegen, von dem alle Bänker und Manager nicht mal im Traum wagten zu denken.

*

Ich lade Sie recht herzlich ein, mit mir einen Zeitsprung voraus, in das Jahr 2013 zu machen - dem Jahr der Bundestagswahl.
Ein echtes Schicksalsjahr für Deutschland!
Wie wird es ausgehen?
Man höre und staune - die Wähler haben ein eindeutiges Votum abgegeben, so deutlich wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.
Sage und schreibe achtzig Prozent der Wähler haben der FDP ihre Stimmen gegeben, die anderen Volksparteien mussten sich begnügen, mit Ach und Krach die fünf-Prozent Hürde übersprungen zu haben. Sensationelle fünfunddreißig Prozent der Wahlberechtigten waren dem Aufruf, an die Urnen zu treten, gefolgt. Auch das ein neuer Rekord, mit dem sich Deutschland im internationalen Vergleich wahrlich nicht mehr verstecken muss.
Ausschließlich die jämmerlich-kränkelnde Elite unseres Landes, hat von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Die anderen Wahlberechtigten haben statt des Urnenganges ein Bad in der Sonne vorgezogen - wahrscheinlich um empfindliche Hautpartien ein wenig zu reizen.

Das Wichtigste aber - Guido Westerwelle ist unser neuer Bundeskanzler. Endlich thront ein Mann auf der Kommandobrücke, der zu jeder Zeit in der Lage wäre, den Arbeitslosen zu zeigen, wo künftig der Hammer hängen könnte.
Gott sei dank!
Die Wähler haben der zuletzt nur noch auf dem Papier regierenden Kanzlerin, verständlicherweise das Vertrauen gekündigt, da diese selbst nach den hochbrisantesten Statements ihres Stellvertreters nicht imstande war, ihre ehrliche Meinung der Öffentlichkeit preis zu geben.

Guido Westerwelle hat gleich am Anfang seiner ersten Regierungserklärung mit der Ankündigung einer allgemeine Arbeitspflicht für alle ALG II -Empfänger, die anwesenden Pressevertreter ins Staunen versetzt. Eine Anordnung, die - wie einst vor der Maueröffnung - unverzüglichst und sofort in Kraft treten sollte.

Von panischer Angst getrieben, stürmen bereits in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages hunderttausende Hartz IV-Empfänger - wie aufgescheuchte Hühner - die Unternehmen.
Unsere großzügigen Arbeitgeber lassen sich nicht lumpen und geben fast allen Erwerbslosen eine Chance - natürlich mit wesentlich attraktiveren Löhnen, die sich meist in einem Intervall zwischen ein bis zwei Euro in der Stunde bewegen. Diejenigen, die bisher das Vergnügen hatten, für drei bis fünf Euro in der Stunde malochen zu dürfen, bekommen - als Dank für ihre bisher geleistete Arbeit - einen blauen Brief ausgehändigt.
Und das trotz in Kraft getretener Arbeitspflicht!

Doch das ist längst noch nicht alles.
Erschwerend ist plötzlich hinzugekommen, dass die Ölmultis - unmittelbar nach Westerwelles Ankündigung - wiedermal an der Preisschraube gedreht haben.
Die Autofahrer dürfen nun - der Umwelt zuliebe - drei Euro und fünfzig Cent für einen Liter Superbenzin berappen. Ölbarone wollen selbstverständlich auch zu ihrem Recht kommen, um eines schönen Tages nicht plötzlich am Hungertuch nagen zu müssen.

Der totale Supergau ist eingetreten! Kaum ein Arbeitspflichtiger ist noch in der Lage per Auto oder per Bahn eine potenzielle Arbeitsstelle anzusteuern. Das kann doch nicht wahr sein!
FDP und Großkonzerne hatten doch stets aufs Neue beschworen, dass die Löhne nicht zu hoch sein dürften, wenn die Wirtschaft brummen solle. Und nun das!
Warum nur haben die phänomenalen Selbstreinigungskräfte des freien Marktes, die sich nach dem Zusammenbruch der maroden Ost-Industrie doch so eindrucksvoll bewährt hatten - da diese faktisch über Nacht, wenn auch mit kräftiger Hilfe eines patriotisch gesinnten Gießkannenträgers, blühende Landschaften geschaffen hatten - der marktradikalsten Partei unseres Landes plötzlich die Gefolgschaft versagt?

Dennoch - einfach hinter den Gardinen schmoren und auf irgendwelche Anweisungen von oben warten - so etwas geht natürlich ganz und gar nicht!
Die Erwerbslosen können doch wenigstens mal versuchen, entweder mit dem eigenen Drahtesel oder „Auf Schusters Rappen, die früher so heiß begehrten Leiharbeitsplätze anzusteuern.
Da ist sie wieder- diese verfluchte Bequemlichkeit!
Warum wandern diese Berufsegoisten nicht einfach aus -in das schöne sonnige Italien?
Ein geschlossener Marsch nach Rom wäre doch die denkbarste Alternative zum sinnlosen Herumhängen.
Außerdem suchen die dekadenten Blutsbrüder der deutschen Hartz IV-Empfänger händeringend Arbeitnehmer, die für den Bau der geplanten Luftschlösser dringendst gebraucht werden. Wichtig auch, um den Milliardären - von

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