Die Ewigkeit ... und dann?
von
I. C. Grum
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Der Himmel wurde immer dunkler und schließlich begann es zu regnen. Die Regentropfen fielen wie Steine auf die Erde und niemand konnte sie aufhalten. Es war ein schöner Anblick, denn ihr kam es vor, als würde die Erde gereinigt werden. Doch in Wirklichkeit geschah nichts.
Völlig verträumt stand sie an der Laterne und ließ sich von dem Regen überfluten. Solche Tage waren für sie ein Segen, denn dann brauchte sie wenigstens nicht so tun, als würde sie nicht weinen.
Als aber ein Auto vor ihr anhielt wachte sie auf und stieg widerwillig in es hinein. Völlig durchnässt setzte sie sich auf den Beifahrersitz und schaute weiterhin aus dem Fenster.
Der Regen fiel gegen die Scheibe und am liebsten hätte sie diese einfach aufgemacht, aber das war nicht möglich, weil das Fenster verschlossen war.
„Wieso hast du mich geholt? Ich wäre gerne noch etwas draußen geblieben.“, fragte sie, aber wandte ihren Kopf nicht dem Fahrer zu.
„Glaubst du etwa, dass ich dich da stehen lasse. Du würdest nur krank werden.“
„Das wäre mir egal. Ich habe sowieso nichts mehr zu verlieren. Lässt du mich bitte raus?“
„Nein, das werde ich nicht tun. Du kommst jetzt zu mir und dann nimmst du erst einmal ein schönes warmes Bad, klar?“
Sie widersprach nicht, aber sie war auch nicht für den Vorschlag. Das einzige, was sie wollte, war an der frischen Luft zu sein und vom Regen überflutet zu werden.
Aber schließlich hielt das Auto und sie ging in ihr Appartement, wo sie wenigstens eine warme eine Dusche nahm.
Diese dauerte aber nur wenige Minuten, dann kam sie auch schon wieder hinaus. „Bist du jetzt zufrieden?“
„Ja, das bin ich. Du musst endlich verstehen, dass du nichts mehr machen kannst. Es ist sinnlos, das einzige, was du tun kannst ist ihm gehorchen.“
„Ich weiß. Aber irgendetwas sagt mir, dass es anders ist.“
„Du hast dich ihm schon einmal widersetzt. Die Folgen trägst du jetzt auf deinen Rücken.“
Diese Erinnerung schmerzte ihr sehr, denn sie war auch mit Schmerzen verbunden. Keiner würde je verstehen, was es heißt so sehr zu leiden wie sie.
Sie stellte sich ans Fenster und sah hinaus. Die Wolken hatten sich verzogen und ließen die Sonne wieder durch. „Und da sprach er es werde Licht…“
Sie ging durch die Gassen der Stadt und betrachtete all das Leid, dass auf dem Boden kauerte. Es lag nicht in ihrer Macht etwas dagegen zu tun, aber es lag in ihrer Macht dieses Leid zu verschlimmern.
Als sie durch den Park ging und sich auf eine Bank setzte sah sie auf den Boden und Erinnerungen kamen in ihr hoch.
„Sollte so etwas noch einmal passieren, dann würdest du dir wünschen, mich nie getroffen zu haben.“ Sie wiederholte diese Wörter immer und immer wieder und Tränen stiegen ihr in den Augen auf.
Ihr Leben war vorbei. Nichts, was sie jetzt tun würde, würde ihr Schicksal verändern. Aber trotzdem überlegte sie nach einer Möglichkeit. Doch ihr fiel nichts ein.
Immer wieder überlegte sie, ob sie nicht doch einen andern Weg hätte nehmen sollen. Doch es war zu spät, um darüber noch mal nach zu denken, denn sie konnte sowieso nichts mehr daran ändern.
„Hier bist du also. Ich habe dich schon überall gesucht. Was machst du hier?“
„Nachdenken, was denn sonst.“
„Hast du es immer noch nicht begriffen? Es gibt keinen Weg. Nie wird es einen Anderen geben.“
„Wieso sagst du das? Es wird schon einen geben, und ich werde ihn finden, das kannst du mir glauben.“
Mit Tränen in den Augen rannte sie davon.
Bevor sie in eine Kneipe ging und sich an einen Tisch, der in einer Ecke stand, setzte, ist sie zuvor noch an einem Grab gewesen und hatte neue Blumen hingelegt.
„Guten Abend. Kann Ihnen heute einen Drink spendieren?“ Ein Mann setzte sich zu ihr und lächelte sie an.
Sie schenkte ihm ein knappes Lächeln und schaute dann wieder weg.
„Wieso sind Sie hier, wenn Sie nichts trinken wollen? Oder haben Sie einen Freund, mit dem Sie sich immer streiten?“
Dieses Mal reagierte sie nicht.
„Ich glaub ich weiß, was mit Ihnen los ist. Sie sind stumm und können nicht reden. Das macht mir nichts aus. Wir können auch schriftlich kommunizieren.“
Sie wollte etwas sagen, aber dann ließ es doch bleiben.
„Na gut, wenn Sie nicht wollen, dann geh ich halt wieder.“ Damit verschwand er und ließ sie alleine sitzen.
Als sie ihn nicht mehr sehen konnte murmelte sie: „Es tut mir Leid.“ Die Menschen, die sich in ihrer Nähe aufhalten werden nur Unglück erleben, dass wusste sie.
Sie schaute auf die Uhr und wusste, dass es zeit war zu gehen. In wenigen Minuten hatte sie einen Auftritt, den sie nicht verpassen durfte.
Also verließ sie die Kneipe und ging die Straße entlang. Nach wenigen Minuten war sie auch schon in der Bar, wo ihr täglicher Auftritt war. Der Moderator hatte sie schon aufgerufen, also ging sie auf die Bühne, schnappte sich das Mikro und begann zu singen.
„Eine schöne Stimme. Finden Sie nicht?“
„Ja. Sie singt jeden Abend hier. Nur leider ist sie dabei immer so traurig, genau wie ihre Lieder. Aber den Leute gefällt es trotzdem.“ Der Barkeeper unterhielt sich mit einem Mann der am Tresen saß.
„Hat man sie denn nie gefragt wieso sie immer so trübsinnig ist? Ich meine, es muss doch einen Grund geben, wieso sie traurig ist.“ Er trank einen Schluck vom Brandy.
„Das habe ich einmal, aber sie redet nicht sehr viel. Ihr wurde auch schon mal ein Plattvertrag angeboten. Aber meiner Meinung nach, hat sie ihm nicht einmal zu gehört. Ohne ihm eines Blickes zu würdigen, ist sie an ihm vorbei gegangen. Wieso interessiert Sie das, wenn man fragen darf?“
„Tja, keine Ahnung. Es interessiert mich halt. Sie ist eine schöne Frau mit einer schönen Stimme.“
Der Barkeeper stellte ihm noch einen Drink hin. „Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, dann lassen sie die Finger von ihr. Viele Männer haben ihr schon einen Antrag gemacht, aber alle hat sie abgelehnt oder nicht beachtet. In meinen Augen aber, wartet sie bestimmt auf den Richtigen, der ihre Barriere durchbricht.“
„Aha. Aber versuchen kann man es ja mal.“ Lachend trank er das Getränk aus und ging näher an die Bühne heran.
Je näher er kam, desto schöner wurde sie.
Sie endete und ein großer Beifall begann. Aber sie schenkte den Personen keine Beachtung und verschwand hinter der Bühne, wo der Mann schon auf sie wartete.
„Guten Abend. Kann ich kurz mit Ihnen sprechen?“ Er hielt sie am Arm fest, damit sie nicht weglaufen konnte. „Sie würden mir einen großen Gefallen tun.“
Sie drehte sich zu ihm um und sah ihm in die Augen, die sie liebevoll ansahen. „Nein. Und jetzt lassen Sie mich los.“ Schnell zog sie ihren Arm weg, aber er ergriff sofort mit seiner anderen Hand ihren anderen Arm und hielt ihn fest.
„Ich würde mich aber gerne mit Ihnen unterhalten. Wieso wollen Sie mir diesen Gefallen tun? Es sind doch nur ein paar Fragen. Nicht mehr und auch nicht weniger, das verspreche ich Ihnen.“
„Wenn ich Ihnen ihre Fragen beantworte, lassen sie mich dann in Ruhe?“
Er antwortet nicht, weil er es ihr nicht versprechen konnte. Deswegen nickte er nur.
„Gut, dann fangen Sie schon
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