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Kategorien > Fantasy > Vampire

Die Feuertaufen des Drachen Kapitel 1

von Chou

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Die Luft war erfüllt mit leisem Wimmern und dem Geruch nach Angst, Blut und Tod. Alexej schritt langsam den langen, nur durch wenige Fackeln erhellten Gang mit den Kerkerzellen ab und blickte gelegentlich kurz durch die kleinen, vergitterten Öffnungen im oberen Teil der Türen in das dunkle Innere. Er war auf der Suchen nach einem neuen, geeigneten Objekt an welchem er seine Fähigkei-ten weiter ausprobieren und verfeinern konnte. Erst vor kurzem hatte Volodja ihm gezeigt, wie er mit Hilfe seiner Kräfte Knochen, Fleisch und Muskeln ganz nach seinem Willen verformen konnte.
„Es ist eine Kunst und eine Qual zugleich“, hatte Volodja ihm gesagt. „Du kannst dir oder einem ande-ren Menschen das schönste Antlitz damit schenken, oder das hässlichste. Es liegt ganz bei dir, doch sei vorsichtig. Ebenso, wie das Ergebnis, liegt es auch in deinem Sinn, wie schmerzhaft es ist, diese Macht einzusetzen. Viele sind durch ihre Anwendung dem Wahnsinn anheim gefallen. Es wäre zu Schade, wenn du dich durch unbedachte Experimente mit deinem eigenen Fleisch in einen wimmern-den Haufen verwandeln würdest.“
Diese Worte waren Alexej weniger Warnung, als der erste Versuch, den er sogleich an sich selbst vollzog. Es war nichts Besonderes gewesen. Er hatte bloß die Haut seines linken Unterarmes zwi-schen die Finger genommen, seine Innere Kraft beschworen, genau so, wie Volodja es ihm erklärt hatte und wollte es ein Stück nach oben in die Länge ziehen. Zuerst hatte er nichts gespürt, doch dann, wie einem Blitzschlag gleich, zuckte ein gellender Schmerz durch einen kompletten Arm. Die Finger seiner linken Hand verkrampfen wie zu Klauen und es gab ein nasses, reißendes Geräusch. Alexej war kurz schwarz vor Augen geworden und als er wieder richtig sehen konnte, erblickte er ein Stück blutigen Fleisches in seiner Rechten, welches er sich von seinem Arm gerissen hatte. Volodja hatte ihm geholfen, das Stück wieder anzupassen und hatte noch ein weiteres Mal ermahnt, vorsichti-ger zu sein.
Das Ergebnis waren einige der wimmernden, heulenden Seelen, welche Alexej auf seinem Weg durch den Kerker passierte. Vor einer der hinteren Zellen blieb er stehen. In dem finsteren, feuchten Raum erblickte er, tief in einer Ecke zusammengekauert, einen jungen Mann. Seine Kleidung war fleckig und an einigen Stellen zerrissen. Die Haare waren kurz und ebenfalls so schmutzig, dass man die Farbe im Dunkeln nur erahnen konnte. Das Gesicht hatte der Jüngling dem Boden zugewandt und auf seine Arme gestützt.
„Hey! Wach auf!“, rief Alexej laut und schlug polternd mit der Faust gegen die Tür, um die Aufmerk-samkeit des jungen Mannes auf sich zu ziehen. Erschreckt zuckte der Gefangene zusammen und blickte blinzelnd zu dem kleinen Gitterfenster.
„Wie heißt du?“, wollte Alexej wissen und betrachtete das ängstliche Gesicht, welches ihn mit großen Augen anblickte.
„Josh, mein Herr“, antwortete der Gefangene mit leiser Stimme.
„Steh auf und folge mir“, befahl der Vampir mit kräftiger Stimme, während er die Zellentür aufschloss und sie weit aufzog. Leicht zögerlich erhob Josh sich und näherte sich mit vorsichtigen Schritten dem nun offenen Durchgang. Noch bevor der junge Mann ihn erreicht hatte, packte Alexej ihn schon am Kragen, hob ihn hoch und grinste ihn breit, mit gut sichtbaren Eckzähnen, an.
„Heute Nacht bist du dran, mein Freundchen“, zischte er leise und kicherte, als er den Schrecken in Joshs Gesicht sah.
„Lasst mich runter!“, rief der Jüngling und begann zu zappeln. Mehr durch Zufall als mit Absicht bekam er den Dolch, welcher in Alexejs Gürtel steckte zu fassen und stieß ihm diesen mit aller Kraft in die Rippen. Alexej verzog keine Miene und donnerte seinen Gefangenen mit dem Rücken so schwungvoll gegen die Wand, dass diesem einen Moment lang Sterne vor den Augen tanzten.
„Nana, weißt du nicht, dass du dir damit keinen Gefallen tust?“, fragte Alexej eindringlich und zog die Klinge mit der freien Hand aus der Wunde, ohne dass diese zu bluten begann. „Auf diese Art und Weise kannst du mir keinen Schaden zufügen, also versuch so etwas lieber nicht noch ein Mal.“
Wieder hob er seinen Gefangenen hoch, der noch recht schlaff in seinem Griff hing und trug ihn in den kleinsten von drei Experimentierräumen, die alle samt Folterkammern glichen. Viel befand sich nicht in diesem von mehreren Fackeln erhellten Raum, der gerade mal fünf mal fünf Meter maß, abgesehen von ein paar Ketten, die von der Decke und von den Wänden herab hingen, einer Streckbank und einem Tisch, auf welchem allerlei Werkzeugen und scharf aussehende Klingen lagen. Alexej trug den noch halb bewusstlosen jungen Mann zu den herabhängenden Ketten und befestige die Fesseln an dessen Handgelenken. Josh war gerade groß genug, dass er, obwohl er in den Ketten hing, mit sei-nen nackten Füßen immer noch den Boden berühren konnte. Nachdenklich betrachtete Alexej den Körper vor sich, zückte seinen Dolch erneut und zerschnitt mit einer schnellen Handbewegung die letzten Reste des Hemdes, welches sein Gefangener noch am Leib getragen hatte. Seine Haut war dreckig, aber auch braun gebrannt von der Arbeit auf dem Feld und beinahe makellos, abgesehen von einer anscheinend noch nicht sonderlich alten Narbe, rechts, ein Stückchen über dem Becken. Lang-sam fuhr Alexej mit den Fingerspitzen über das rosige Gewebe und wie einem Blitz gleich, kam ihm eine Erinnerung in den Sinn. Er selbst trug eine ähnliche Narbe, die ihm einst wohl das Leben gerettet hatte. Nur das seine etwas größer und nicht so gerade war, wie diese vor ihm.
Damals, er war vierzehn oder fünfzehn Jahre alt gewesen, hatte ihn schon den ganzen Tag Übelkeit, Schmerzen und Krämpfe in der Seite geplagt, doch er hatte sie so gut es ging ignoriert und seinem Vater nichts davon gesagt, bis er am Abend auch noch hohes Fieber und Schweißausbrüche bekom-men hatte. Radek war, leicht angetrunken nach dem Abendessen, auf der Suche nach seinem Sohn in ihr gemeinsames Zelt gekommen und hatte Alexej zusammengekrümmt auf dem Boden liegend gefunden. Lautstark hatte er nach den anderen gerufen und bald war auch schon der Grund für des-sen Zustand gefunden. Vorsichtig tastete Radek die verhärtete, dicke Stelle am seitlichen Unterbauch seines Sohnes ab, zog ein scharfes Messer und befahl den Umstehenden den Jungen gut festzuhal-ten. Nachdem er die Klinge kurz über die Flamme einer Kerze gehalten hatte, schnitt er Alexej unter dessen Schmerzenschreien und lautem Stöhnen das Stück entzündeten Gewebes heraus. Mit unge-schickten Stichen hatte er die Wunde zugenäht und beobachtete dabei leicht besorgt, wie Alexej das Bewusstsein ganz verlor. Es hatte zwei ganze Tage gedauert, bis der Junge wieder zu sich gekom-men war und als er seinen Vater fragte, was passiert war, hatte ihm dieser erklärt, dass so etwas schon öfters in der Gruppe gehabt hatten und deswegen wussten, was zu tun war. Erst etwas später hatte Alexej erfahren, dass er recht großes Glück gehabt hatte, denn nicht jeder, den man auf diese Art und Weise behandelt hatte,

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