Die Fitcom-Verschwörung
von
Das A
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Nach einem ereignislosen Arbeitstag nehme ich die U-Bahn um 17:30 Uhr. Auf dem Nachhauseweg hole ich mir, wie es sich für einen Montag gehört, bei Aldi die Lebensmittelvorräte für die kommende Woche. Selbstverständlich werden die Sachen wie immer nicht reichen, denn nach meinem leichtfertigen Vorsatz zum Jahreswechsel bürdete ich mir selbst eine bessere Ernährung auf. Man will ja fit bleiben.
Dummerweise führt das dazu, dass man meistens die Dinge kaufen sollte, die man eigentlich im Moment des Einkaufs überhaupt nicht essen möchte und sich den Wagen sattdessen mit allerlei Leckereien aus der Tiefkühltruhe füllt. Der Quasi-Diätplan verkommt hierdurch nicht selten zum Alibi-Vollkornbrot, einem Sechserpack Äpfel und einem Päckchen Brotaufstrich der Marke "Belight".
Da die Belight-Reihe der Albrechtbrüder mich noch immer nicht überzeugen kann, ersetze ich an besagtem Montag die "0,1%%-Fett körniger Frischkäse"-Packung durch die Hardcore-Genießer-Version mit 3,0%% Fett. Mein schlechtes Gewissen meldet sich kurz, hat aber keine Chance gegen meine Abneigung gegen den Low-Fat-Fraß.
"Manchmal muss man einfach mal verrückt sein!" schießt mir durch den Kopf.
Anschließend trage ich die drei Fertigpizzen, die Trocken-Pasta-Packungen und den restlichen Kram auf das Laufband, atme ein letztes Mal Frischluft und halte dann den Atem an. Leider hat eine Oma an der Kasse vor mir den Drang in 5-Centstücken zu bezahlen. Schließlich halte ich es nicht mehr aus und hole tief Luft. Ungünstig, denn der Mittzwanziger mit dem Transpirationsproblem sitzt wieder auf der anderen Seite des Schalters.
Als ich an der Reihe bin schaut er mich aufgrund meines puterroten Gesichts skeptisch an, piepst aber weiter die Waren in die Kasse. Immer noch scheint bei Aldi niemand gemerkt zu haben, dass die Warenablage einfach zu klein ist und kein Mensch so schnell den Einkauf in seiner Tasche verschwinden lassen kann, wie der Stinkepeter hinter dem Tresen sie von seinem Scanner schiebt. Ich ärgere mich ein wenig, aber das hilft auch nichts. Nur noch zahlen und gut ist.
Eine knappe halbe Stunde später stehe ich vor meiner Haustür. Gelangweilt öffne ich den Briefkasten, von dem ich eigentlich weiß, dass er mir außer die Äppler-Zeitung und Vodafon-Rechnungen nichts zu bieten hat. Aber halt! Heute ist etwas anderes dabei. Ein Schreiben der Fitcom, dem Laden, in dem ich Teil 2 des Neujahrsschwurs umsetzen möchte. Leider ist mein Waschbrettbauch immer noch nicht zu sehen. Ich entschuldige das damit, dass ein Six-Pack ja üblicherweise gut temperiert und daher durch eine ausreichende Isolationsschicht eingepackt werden sollte.
Auf dem Weg in den dritten Stock beschließe ich mich morgen mal wieder im Fitnessstudio vorbeizuschauen. Eigentlich ist ja heute Fitcom-Tag, aber die lautstarke Trennung meiner Nachbarn in der Frühe haben mich doch etwas erschöpft. Und die letzten drei Wochen war ich berufsbedingt sowieso nicht im Lande, da macht ein Tag auch nichts mehr. "Hm", vielleicht will mir die Fitcom die Nachlässigkeit austreiben...
Oben angekommen stopfe ich die Pizzen zu den Pommes, dem Spinat und den zwei Tüten Tiefkühlgemüse, die ich eigentlich schon vor meinem Aufenthalt in Düsseldorf essen wollte. Egal, noch passt es rein und das Fach lässt sich sogar fast stopfen schließen. Nach dem Verstauen der Pasta neben den zwei anderen Tüten und den restlichen Dingen im schwitzenden Kühlschrank entschließe ich mich den Fitcom-Brief zu öffnen.
Ich rechne mit der üblichen Werbung, stelle aber voller Erstaunen fest, dass es sich um eine Mahnung für den Februar- und Märzbeitrag handelt. Aufgrund meiner schlechten Zahlungsmoral will man nun 312 EUR von mir haben, den Restlichen Jahresbeitrag. Moment...
*Rückblende*
Vor mir sitzt ein kompakter junger Fitnessfan mit Solariumteint im roten Promo-T-Shirt. Irgendwie erinnert er mich an Marcus, meinen ehemaligen Mitbewohner aus Berlin, was nicht zuletzt an seiner Frisur und dem sächsischen Akzent liegen mag. Voller Freude erzählt er mir davon, wie toll die Fitcom sei. Eigentlich will ich nur einen Vertrag und davon bitte den billigsten. Ich hab Glück, denn es gibt grad ein Super-Sonder-Spar-Angebot das mich nur 34 EUR und ein paar Zerkrümelte im Monat kostet. Aber es sind nur noch ganz wenige davon übrig.
Den letzten Satz erzählt man hier vermutlich jedem. Trotzdem unterschreibe ich, denn in dieser ganzen Stadt gibt es nur wenig günstigere. Dann der Haken: "Zahlbar entweder im Einmalbetrag oder in vier Raten mit Quartalsfälligkeit. Da ich meine Weihnachtsgeschenke noch nicht vollständig zurückgezahlt habe, entschließe ich mich für die Quartalszahlung. Dann noch die Einzugsermächtigung unterzeichnen und wupps das war es.
*Rückblende Ende*
...Seit 10 Minuten dudelt die ätzende Fitnessguru-Motivations-Techno-Mucke in meinen Hörer. Ich überleg schon aufzulegen, denn dass ganze ist ja nicht gerade billig, da wird auf der anderen Seite die Leitung frei gegeben.
"Fitcom Kastommär-Sörviss!" grunzt mir ein Call Center-Mitglied Marke Istanbul entgegen.
"Ja, Ahrens mein Name, Mitgliedsnummer 464972, ich habe da ein Problem!" antworte ich freundlich, denn ich kann mir ja vorstellen, wie viel Spaß dieser Job macht.
"JA!? grunzt der Service-Muffti mit typisch Frankfurter Freundlichkeit.
Ich teile ihm dennoch mit, dass es nicht sein könnte, dass ich eine Mahnung kriege, denn immerhin hätte ich eine Einzugsermächtigung erteilt und damit dürfte eine unpünktliche Zahlung nicht möglich sein. Weiterhin kläre ich ihn über die im Vertrag geregelte Zahlungsweise auf.
"Okay! Hab das hier bei ihnen vermerkt. Kommt nicht wieder vor." antwortet mein Gegenüber.
"Alles klar, danke!" Ich lege auf und bin zufrieden.
Zwei Tage später befindet sich mein Kontostand im Minus. "Interessant!" denke ich, denn eigentlich hätte ich den Rest des Monats locker damit auskommen müssen. Ein Blick auf den Kontoauszug zeigt mir, was geschehen ist. Die Fitcom hat ihre Einzugsermächtigung wohl nun im System vermerkt. Den Quartalsturnus aber wohl nicht.
Stinkig rufe ich beim Customer Service zurück. Diesmal allerdings vom Büro, denn von zuhause ist definitiv zu teuer. Ich warte wieder 10 Minuten, dann geht eine ähnliche Stimme wie beim letzten Mal an den Apparat.
"Fitcom Kastomär Sörviss!" blökt mir der Bruder vom letzten Gesprächspartner ins Ohr.
"Ahrens mein Name, Mitgliedsnummer 464972, sie haben mir zuviel abgebucht."
Ich lege mein Problem dar. Da ich ein ruhiger Mensch bin arbeitet er zügig und nimmt alles zur Kenntnis. Ich verklickere ihm noch mal meine Vertragsklauseln und frage ihn, wie ich den Mehrbetrag nun zurückkriege.
"Ja, wollten sie sich den selbst zurückholen?"
Nein, will ich nicht, denn die Idioten haben es verbockt und mein Online-Banking klappt immer noch nicht.
"Ja, dauert vier bis sechs Wochen!"
Hallo? Geht's noch? Es gibt ein Grund, warum ich Quartalszahler bin. Ich äußere meinen Unmut und verdeutliche ihm noch mal deutlich, wie ich das sehe.
"ja,
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