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Kategorien > Aus dem Leben > Alltäglicher Wahnsinn

Die Fitcom-Verschwörung

von Das A

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kann man nix machen. Ich trag sie jetzt als Selbsteinzieher ein."
Hö? Hab ich da was verpasst. Ich danke ihm trotzdem und knalle den Hörer auf. Und rufe meine Bank an. Diese teilt mir mit, dass ich nur den ganzen Betrag zurückholen kann und nicht den Differenzbetrag. Ich veranlasse die Rücklastschrift und mach mich auf ins Studio.

Wieder Montag, in der Woche darauf, klingelt mein Telefon.
"Ahrens!"
"Ja, Fitcom Customer Service vom Studio Zeil 1. Ich würde gern mit Herrn Ahrens sprechen", trällert mir eine freundliche Frauenstimme ins Ohr.
"Bin dran!"
"Oh!" giggelt es auf der anderen Seite, "ja, wir haben hier eine Rücklastschrift die wir uns nicht erklären können..."
Weiter kommt sie nicht, da knall ich ihr entgegen, dass sie das eigentlich wissen möchte, da ich das ja letzte Woche angekündigt habe. Ich erkläre ihr leicht genervt, dass ich den Beitrag manuell überweise und zwar am kommenden Freitag, da ich vorher keine Überweisungen tätigen kann. Sie sagt es sei okay und dass sie es vermerkt. Klick!

Am Donnerstag ist zweiter Fitcom-Tag der Woche und allmählich sieht das mit dem regelmäßigen trainieren wieder ganz gut aus. Ich beschließe aufgrund des sonnigen Tages zu Fuß zu gehen. Immerhin 30 Minuten, aber damit spar ich mir das Cardio-Training, rechne ich mir aus.
Kurz vor Erreichen des Studios klingelt das Handy.
"Ahrens!"
Auf der anderen Seite ertönt mal wieder eine Frauenstimme:
"Fitcom Customer Service, könnte ich mal den Herrn Ahrens sprechen!"
Nein können sie nicht, dieses Handy gehört nämlich nicht ihm, er hat die Nummer nur so bei Vertragsabschluss angegeben um euren Drecksladen zu verarschen, denke ich mir, antworte dann aber kurz und knapp: "Am Apparat!"
"Ja, wir haben hier eine Rücklastschrift von ihnen..." beginnt die Service-Schnepfe nur um von mir barsch unterbrochen zu werden:
"Ja, genau, die haben Sie. Sie haben mir zuviel abgebucht und ich hab mir das zurückgeholt. Und dass ich den Beitrag morgen überweise habe ich ihnen auch schon mitgeteilt."
"Oh, ach so, mir aber nicht!" zickt mir das das seinerseits angepienste Dummchen entgegen und versucht sich rauszuwinden.
"Ist mir scheiß egal", schnauze ich in den Hörer und gebe der Service-Kuh in Gedanken böse Namen.
"Ihr werdet ja noch mit einander reden können!"
Sie erklärt mir, dass es da einen Unterschied zwischen Studio und Verwaltung gibt, was für mich aber im Zeitalter der digitalen Echtzeitkommunikation kein Hindernis darstellt. Immerhin entschuldigt sie sich und ich werde wieder freundlich. Kurz darauf kann ich meinen Weg entspannt fortsetzen.
Im Studio angekommen scheitere ich aber erneut am geistigen Potential der Bodyshaping-Idioten. Meine Zugangskarte ist gesperrt.
Nun muss das Mädel hinter dem Anabolika-Tresen dran glauben und ich pöbele sie leicht unentspannt an. Sie teilt mir mit, dass ich meinen Beitrag nicht entrichtet hätte und ich erkläre ihr, dass ich das weiß und ihren Kollegen die Geschichte schon zweimal erklärt habe. Die Tatsache, dass sie gar nicht mehr versucht zu antworten, sondern unter meinen Flüchen und Drohungen hektisch versucht alles ins System zu tippern und meine Karte freizuschalten, überzeugt mich davon, dass sie unschuldig ist.
Die Karte funktioniert wieder, aber seltsamerweise habe ich keine Lust mehr auf das geplante Donnerstagstraining.
Ich erwarte den Freitag und damit das Ende der Misere.

Pünktlich zum Dienstag findet sich in meinem Briefkasten ein neuer Brief der Fitcom. In böser Vorahnung reiße ich den Umschlag noch auf dem Weg nach oben auf und tatsächlich:

"Ahrens, Christian; Mitgliedsnummer 464972
2. Mahnung"

Der Betrag von 312 EUR plus Zinsen springt mir sofort ins Aug, was wohl daran liegt, dass er *fett *geschrieben ist. Sekunden später schallt der "Fitcom ist toll - unsere Mitarbeiter immer voll!"-Song aus dem Lautsprecher meines Telefons. Auf der anderen Seite wird abgenommen:
"Fitc....!" weiter kommt das Service-Luder nicht.
"Ich will mich beschweren! Mitgliedsnummer mir doch egal, Ahrens hier..." nach drei Minuten bin ich fertig. Mein studentisches Aushilfs-Opfer, dass vermutlich heute nur noch einen Anruf annehmen und dann nachhause wollte, ist nun ziemlich schweigsam geworden und entschuldigt sich zum siebten Mal. Sie versichert mir, dass so was bestimmt nicht mehr vorkommen wird und das die Zahlung inzwischen auch verbucht sei. Anschließend verabschiedet sie sich mit einem "Auf Wiederhören, Herr Ahrens!"
Für einen Augenblick denke ich: "Wow, man muss wirklich als Mann nur Arschloch sein und schon erinnern sich die Frauen an den Namen."
Dann wird mir klar, dass sie einen Computermonitor hat, auf dem vermutlich alle Daten meines bisherigen Lebens gespeichert stehen. Das ganze hat auch seine positiven Seiten. Jetzt bin ich total entspannt und bereit zum Training. Im Studio erwarte ich, dass mir angezeigt wird, dass meine Karte gesperrt sei, aber nicht. Endlich! Die Verschwörung ist beendet.

Zwei Wochen später trudelt die kleinlaute, schriftliche Entschuldigung in meinem Briefkasten ein.

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