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Kategorien > Märchen > Märchen

Die Flüchtige: Im anderen Land

von Andre Schuchardt

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I

„Aufwachen, du verschläfst sonst noch!“ drang eine Stimme an ihr Ohr.
Verschlafen blinzelnd öffnete sie die Augen und sah neben sich das Gesicht von B..
„Mmm“, brummte sie, etwas verärgert darüber, geweckt worden zu sein.
„Nun steh schon auf!“, sprach B. drängender.
Sie schloss erneut die Augen, um sich nur kurz zu sammeln, da biss B. sie sanft doch zu übermütig in die Seite. Plötzlich war sie mehr als wach.
„Au!“ rief sie und stieß ihn unsanft davon.
Schlecht gelaunt stieg sie neben ihn aus dem Bett und machte sich, B. zur Strafe nicht beachtend, fertig. Der Raum war eiskalt, da das Fenster von B. über Nacht offen gelassen wurde. Innerlich grummelte sie vor sich hin, während sie vor Kälte zitterte.
Im Hausflur begegnete sie E..
„Denkst du bitte an den Müll?“ warf er ihr zu, während er an ihr vorbei in sein Zimmer eilte.
„Mach du das doch!“ rief sie ihm nach, immer noch schlecht gelaunt.
„Ach und füttere die Ratten!“ ergänzte man aus E.s Zimmer.
Doch das hörte sie nicht mehr, da sie sich im Badezimmer fertig zu machen versuchte.
Später ging sie mit B. Richtung Hochschule.
„Es tut mir leid, das mit vorhin“, sprach B., als sie sich davor verabschiedeten.
„Ja, mir auch“, seufzte sie und umarmte ihn kurz.
Auf dem Weg durch den Innenhof huschte ein kleines, zierliches rotbraunes Eichhörnchen schnell vor ihr über den Weg.
Die Veranstaltung langweilte sie, doch musste sie sie besuchen. Ja, sie musste sogar noch mehr, weshalb sie nach der Stunde sich vor in Richtung des Lehrenden drängte, um mit diesem sprechen zu können. Zahlreiche andere hatten denselben Plan, weshalb sie sich bald eingequetscht wie auf dem Marktplatz fühlte.
„Ich muss sie sprechen!“ rief sie, wie es etliche andere um sie herum zugleich auch taten.
Doch erst als letztes sollte sie an die Reihe kommen.
„Ah, sie“, sprach er und sah sie musternd an.
„Wegen der Arbeit...“, begann sie, doch unterbrach er sie.
„Sie sollten sie schon vor über zwei Wochen fertig haben!“ herrschte er sie böse an.
„Ja, aber...“
„Kein Aber. Ich gebe ihnen noch mal zwei Wochen. Wenn sie sie bis dahin immer noch nicht fertig haben, können sie sich von dieser Einrichtung endgültig verabschieden! Vergessen sie die großen Denker nicht!“
Geknickt und trotzdem sauer über dieses Verhalten, trottete sie davon.
Auf dem Heimweg durchquerte sie den Park. Ihre Gedanken kreisten um die Schwierigkeiten, die die Welt ihr bereitete und wie sie sie vielleicht bewältigen könnte. Am liebsten würde sie fliehen.
Plötzlich bemerkte sie das kleine, zierliche rotbraune Eichhörnchen auf dem Weg vor sich sitzen. Das Tier hatte eine Nuss zwischen den Pfoten und sah still zu ihr auf. Erstarrt stand sie da und schaute zurück zu dem Tier. Endlich bewegte es sich, vollkommen ruckartig und unerwartet, und sprintete, die Nuss nun im Mund tragend, zu einem Baum.
Sie sah ihm nach und verspürte das Verlangen, ihm zu folgen. Doch bald vergaß sie diesen Drang und sah gerade noch, wie das Tier durch das Loch eines Buschwerks nah des Baumes verschwand.
Verwundert grübelte sie über diese Begegnung nach, doch drängen sich alsbald wieder ihre vorherigen Gedanken in den Vordergrund. Sie ging weiter und mache nur unterwegs kurz Halt in einer Kneipe, um sich dort bei einem Glas Bier zu besinnen und über den bisherigen Tag nachzudenken.
„Da bist du ja endlich!“ fuhr E. sie an, als sie endlich wieder zur Tür ihrer Wohnung hereinkam.
Der Müll!, fuhr es ihr durch den Kopf, ich vergaß...
Doch darum ging es E. nicht einmal. Zumindest zunächst nicht.
„Du hast die Ratten nicht gefüttert! Nun ist eine gestorben!“ motzte er sie außer sich und wütend an.
„Oh...“, murmelte sie, „tut mir leid.“
Er warf verärgert die Hände gen Himmel.
„Immer tut es dir nur leid! Den Müll hast du auch noch nicht weggeschafft!“
„Ich werde mich darum kümmern“, entgegnete sie erschöpft.
„Ja ja!“ entfuhr es E. nur, eh er wütend davon stapfte.
Kurz ließ sie sich in ihrem Zimmer auf ihr Bett fallen, froh allein zu sein. Nun freute sie sich lediglich noch auf B.
Vielleicht eine Stunde später traf dieser denn auch ein.
„Warte in meinem Zimmer, ich bin gleich zurück“, begrüßte sie ihn nur kurz, da ihr der Müll wieder eingefallen war.
Später hielten sie andere Leute und Dinge auf und als sie nach wiederum vielleicht einer weiteren Stunde endlich Zeit für B. hatte, sah dieser sie bei ihrem Eintreten nur böse an.
„Hast du etwa wirklich Zeit?“ fragte er lauernd.
„Ja, ich habe soviel zu tun...“, entgegnete sie kleinlaut.
„So ist es doch immer mit dir!“
Nun war ihre Geduld zu Ende. Genervt drehte sie sich von ihm weg, zog sich an und verließ das Gebäude.
Zwei Bier später ließ sie sich in derselben Kneipe wie Stunden zuvor ein weiteres für den Weg geben und begab sich in den Park. Auf einer Bank sitzend beobachtete sie den Himmel und die Natur, während sie ihr Bier trank. Doch irgendwann war auch dieses leer und sie ließ die Gedanken schweifen, döste bald ein wenig.






II

„Schlafmütze! Immer nur schlafen, nie etwas tun! Nun wach schon auf!“
Aufgeschreckt von diesen verärgerten Worten sah sie sich um, wer da gesprochen hatte, doch sah sie nur ein kleines, zierliches rotbraunes Eichhörnchen vor sich am Rande des Weges hocken. Hatte dies sie angemeckert? Nein, konnte nicht sein.
„Faulpelz!“ sprach da das Tier und sah sie mit Verachtung in dem kleinen Gesicht finster an.
„Was?“ entgegnete sie, vollkommen verwirrt.
„Taugenichts!“ fuhr das Tier sie ein letztes Mal an, drehte sich um und huschte davon.
Das konnte doch nicht sein.
„Warte!“ rief sie, rappelte sich auf und folgte dem Eichhörnchen, nur leicht schwankend.
Doch erneut verschwand es in dem Loch im Gebüsch. Aber diesmal folgte sie ihm. Sie musste sich bücken und auf Händen und Knien rutschen und kriechen, doch schließlich hatte sie es geschafft, sie war hindurch gelangt. Und sie befand sich auf der anderen Seite.
Es war dunkel und sie musste sich voran tasten. Ihre Hände fühlten etwas weiches. Federn? Es war ihr, als würde sie sich durch lange Federn tasten, die locker irgendwo weit über herunterhingen.
Unvermutet drang ein Licht vor ihr durch die Dunkelheit, umrahmt von diesen federartigen Gebilden. Bald war es hell genug um zu erkennen, dass sie immer noch nicht erkannte, von wo diese herabhingen, auch blendete sie nun das Licht. Doch sie ging darauf zu und schließlich trat sie hinaus ins Freie und sah erst gar nichts, vollkommen geblendet.
Was sie dann sah, verwirrte sie.
Vor ihr lag eine weite Wiese, doch keine gewöhnliche. Weich und nachgiebig lag sie unter ihren Füßen, als sie darüber voranschritt. Bunt bewachsen mit seltsamen Pflanzen und vielen nichtpflanzlichen Dingen war sie, darunter kleinen Würfelchen und vielen anderem. Vorsichtig fasste sie einen davon an. Er war weich und nachgiebig wie Gummi. Dann erst fielen ihr die vielen anderen, teilweise auch tierähnlichen Gummistücke auf. Es gab Frösche, Schnecken, Echsen und kleine Bären.
Von letzteren packte sie einen, nahm ihn hoch und öffnete

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