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Kategorien > Alltag > Beim Friseur

Die Friseurplage

von A380

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Heute ist es wieder einmal so weit. Ein Besuch beim Friseur steht an. Wenn ich ehrlich bin, gehört diese Art von Besuchen nicht zu denjenigen, die ich am liebsten abstatte. Ich sitze also
auf dem Stuhl. Es ist langweilig. Eine Zeitung liegt vor mir. Doch ich kann nun wirklich keine
Zeitung lesen, während sich ständig eine Frau an meinen Haaren zu schaffen macht. Heute ist
nicht viel los im Salon. Auf der anderen Seite sitzt eine Frau, die sich gerade blonde Strähnen
in ihr Haar machen ließ. Wie ich blonde Strähnen verabscheue. Und dann ist da noch
dieser Junge, den ich auf etwa neun Jahre schätze. Er blättert gerade in einem Comic. Die
junge Dame zeigt dem Jungen gerade seine neue Frisur im Handspiegel. Als sie ihn fragt, ob es ihm gefalle, bejaht er ganz knapp. Ich merke sofort, dass auch er nicht freiwillig da ist.
Vermutlich hat ihn seine Mutter dazu gezwungen. Auch ich wurde dazu gezwungen. Gezwungen von meiner Vernunft. Obwohl ich nun wirklich nicht viel Wert auf mein Aussehen setze, wurde es auch mir klar, dass ein Friseurbesuch in nächster Zeit unumgänglich sein würde. Ich kann es mir genau vorstellen, wie die Mutter des Jungen sagte, dass sie nun wirklich nicht mehr fähig dazu sei, ihm die Haare selbst zu schneiden, und dass er sich ja mit dieser Frisur zum Gespött der Klasse mache. Ebenso gut kann ich mir ausmalen, wie der Junge darauf antwortete, er sei noch nie wegen seiner Frisur ausgelacht worden und sowieso sei ihm seine Frisur sowas von egal. Und darauf antwortete seine Mutter sicherlich, dass es eigentlich gar nichts zu diskutieren gäbe, und dass er am Wochenende zum Friseur zu gehen habe. Und jetzt saß er also da mit seinem lächerlichen Kurzhaarschnitt aus dem letzten Jahrhundert. Mit Sicherheit dachte er, er mache sich mit dieser dummen Frisur
nur noch mehr zum Gespött und ich finde, dass er damit sogar recht haben könnte. Die Friseurin sagt zum Jungen, dass seine Mutter sicherlich bald kommen würde. Ja, die Mütter eben. Die Pünktlichkeit haben sie sicher nicht sie erfunden.
Nun habe ich es endlich überstanden. Ich bezahle, nachdem man mir noch ein wenig Wachs in die Haare verpassen will, was ich dankend ablehne.
Doch ich kann den Salon jetzt unmöglich verlassen. Ich muss unbedingt diese Mutter sehen, wenn sie ihren Jungen abholt. Zu fest nimmt es mich Wunder, ob ich mir sie richtig ausgemalt
habe. Ich verstecke mich hinter der Garderobe. Etwa fünf Minuten muss ich warten, bis eine
etwa siebzig-jährige Frau mit weißen Locken den Salon betritt und der Friseurin, die mit ihr
sogleich einen Termin, um ihre die Haare zu färben, vereinbaren will, klarmacht, dass sie nur hier sei, um ihren Enkel abzuholen. Der Junge erhebt sich vom Stuhl und verlässt zusammen mit der Großmutter den Salon. Als sie draußen sind, höre ich noch, wie die Großmutter sagt: “Jetzt kannst du dich endlich wieder sehen lassen auf der Straße.” Danach wuschelt die
Großmutter ein bisschen in der neuen Frisur seines Enkels rum, knifft ihn in die Backe, ergreift ihren Geldbeutel und sagt: “Hier hast du eine Mark. Für dein
Sparschwein. “

Tobias Walt

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