Die Geheime Gesellschaft
von
Penopolis
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Der Kollege, wie Ben den Mann, den er verfolgte, im Stillen nannte, war zügig durch das Villenviertel marschiert, hatte mehrmals die Straßen überquert und war zielstrebig in Richtung Innenstadt weitergegangen. Ben hatte Mühe, den Mann nicht zu verlieren und dabei aber nicht aufzufallen, daher hatte er immer wieder unbemerkt die Straßenseite gewechselt, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen. Das Ziel des Mannes war Ben völlig schleierhaft.
Ben hatte eigentlich auch noch keinen richtigen Plan, was er denn mit dem Kollegen überhaupt machen sollte. Eine echte Waffe trug er nicht bei sich, nur sein Jagdmesser mit der Springklinge, das aber reichen sollte, dem Kollegen einen ordentlichen Schreck einzujagen und ihn gefügig zu machen. In Ben schlummerte zwar ein gewisses Maß an krimineller Energie, so war es ihm nie schwergefallen, einzubrechen, zu stehlen, zu lügen und zu betrügen, aber Gewaltanwendung lag ihm doch eher fern.
„Na hoffentlich geht das hier alles gut aus“, brummelte Ben in der Kälte vor sich hin.
Wo wollte dieser Kerl nur hin? Wie auch immer, Ben musste die nächstbeste Gelegenheit ergreifen und durfte es dieses Mal wirklich nicht verfassen, sonst würde der Heisere bestimmt sehr unangenehm werden.
Die Chance ließ nicht lange auf sich warten. Der Kollege steuerte den Stadtpark an, wahrscheinlich wollte er eine Abkürzung nehmen. Die Hände tief in die Manteltaschen vergraben, den Kopf gegen die Kälte eingezogen, den Kragen hochgestellt schien er die Welt um sich vergessen zu haben und ging mit schnellen Schritten in den Park hinein. Ben hinterher. Das war sie, seine Gelegenheit.
Jetzt musste alles schnell gehen. Geduckt huschte Ben hinter dem Mann in den Park hinein, sein Messer fühlte sich kalt in seiner Hand an. Er arbeitete sich geräuschlos an sein ahnungsloses Opfer heran, kam immer näher. Da vorne, an der dunklen Stelle zwischen den hohen Büschen, dort wollte Ben zuschlagen. Ihn von hinten packen, einschüchtern, bedrohen und die Informationen zur Not aus ihm herausprügeln – ein schlichter, aber für Ben erfolgversprechender Plan.
Jetzt! Ben richtete sich auf und rannte die letzten drei Meter auf den Mann zu. Er streckte seinen rechten Arm aus, um den Mann von hinten um den Hals zu packen. Noch zwei Schritte trennten Ben von dem Kollegen, der immer noch mit unverändertem Tempo weiterging.
„Gleich wirst Du Dein blaues Wunder erleben“, dachte Ben und ging zum Angriff über.
Doch noch bevor sein Arm den Kollegen auch nur berühren konnte, hatte dieser ihn gepackt, sich blitzschnell umgedreht und feuerte Ben eine schmerzhafte Dosis Pfefferspray in die Augen. Ben blieb keine Zeit, sich zu wehren. Dann schmetterte auch schon etwas Hartes, Schweres auf seine Schläfe hinunter, und das Brennen und Jucken in seinen Augen und Atemwegen hörte jäh auf, abgelöst von einer alles überdeckenden Ohnmacht.
Ben blieb im dunklen Park blutend liegen, während der Kollege leise zwischen den Büschen verschwand…
Der Heisere saß an einem Tisch, der vom matten Schein einer staubigen Deckenlampe erleuchtet wurde. Rauchschwaden hingen in der Luft, die vom Hacker kamen, der immer noch wortlos im Internet surfte und dabei eine Zigarette nach der anderen rauchte.
Der Heisere war kein Freund von Zigaretten oder Drogen jeglicher Art, für ihn waren diese ein Zeichen von Schwäche, und Schwäche wurde nicht geduldet. Die Droge des Heiseren war Macht, absolute Macht. Und um sie zu erhalten brauchte er nun mal Helfer wie den Hacker oder Ben, zumindest temporär.
Er stieß ein kleines, hässliches Lachen aus. Ben, dieser Narr. Wenn er nur wüsste! Wenn sie alle nur wüssten! Ben glaubte doch tatsächlich, bei den Informationen ginge es um Erpressung wegen Drogengeldwäsche. Dieser Armleuchter!
Dabei ging es doch um mehr, um so viel mehr.
Der Heisere wusste, seit sie ihn damals geholt hatten, war er ein Teil der geheimen Gesellschaft, deren Zeit nun gekommen war. Sie würden die Weltherrschaft übernehmen. Seit jener Nacht, in der man ihn von der Erde weggeholt hatte, um ihn zu initialisieren, trug er die Narben. Die Narben, an denen sie sich erkannten. Er war ein Gesandter, er wusste es. Aber kein Gesandter Gottes, darüber konnte er nur spöttisch lachen. Ja, es gab eine Höhere Macht, das wusste er, er selbst trug die Beweise durch seine Narben am Körper, und diese Macht verlangte nun von ihm, die Welt zu beherrschen. Er würde unsterblich werden, das war heute schon klar.
Seine Aufgabe bestand darin, die Geheime Gesellschaft zu schützen. Eine Aufgabe, die ihn schon einen langen Weg hatte gehen lassen. Und nun hatte ihn dieser Weg hierher geführt, um die Verräter auszumerzen und das Geheimnis zu bewahren. Irgendwo im Bankhaus Van Claasen gab es jemanden, der um die Umstände wissen musste. Der eine Liste führte, die die Geheime Gesellschaft in Bedrängnis bringen konnte. Aber selbst wenn die Liste mit den Mitgliedern der Geheimen Gesellschaft – und damit der zukünftigen Weltherrscher – an die Öffentlichkeit gelangen sollte, wäre es für die niedrigen Menschen zu spät, das war ihm klar. Dennoch lautetet sein Auftrag, alles zu tun, um das Geheimnis zu wahren, damit die Machtergreifung reibungslos erfolgen konnte.
Allerdings musste der Heisere anerkennen, dass die Feinde eine geschickte Metapher für die Codierung gewählt hatten – die Offenbarung des Johannes. Ja, das Böse war schon bereit, die Herrschaft zu übernehmen, da half auch kein so schlauer Bibelspruch mehr.
Der Heisere musste Schmunzeln. Die Welt würde sich verändern, für einige zum Besseren, für viele zum Schlechteren. Aber sie würde sich verändern, niemand könnte die Geheime Gesellschaft davon abhalten. Die Mächte im All würden sie bei ihrem Vorhaben unterstützen, und dann würde er endlich so sein wie sie: Mächtig, unbesiegbar und unsterblich.
Er lehnte sich zurück. Der Tag war nah, sehr nah. Er war bereit.
Fabian und Steve hatten Lene zu Sophie begleitet. Der Schock über den Einbruch saß allen noch schwer in den Knochen. Sophie versuchte, Optimismus zu verbreiten und die Stimmung zu heben, indem sie zu allererst eine riesige Portion Spaghetti zubereitete.
„Es gibt nichts, was durch eine vernünftige Portion Spaghetti Bolognese nicht besser wird“, erklärte Sophie mit Bestimmtheit, als sie den Topf mit der dampfenden Pasta auf den groben Eichenholztisch stellte.
„Zumindest riecht es mal saulecker“, stellte Steve fest. Steve war eigentlich immer hungrig, ihm konnte so schnell nichts den Appetit verderben. Auch Lene hatte schon am Tisch Platz genommen, auch sie hatte tatsächlich Hunger. Fabian saß noch in Sophies gemütlicher Sofaecke, er hatte die Augen geschlossen.
„Hey, Fabian, komm rüber, die Spaghetti von Sophie darfst Du Dir nicht entgehen lassen!“, rief Steve in Fabians Richtung. Doch Fabian gab keine Regung von sich, seine dichten Wimpern ruhten auf seinen blassen Wangen.
„Sag mal, kann das sein dass der pennt?“ wunderte sich Steve.
Lene stand auf und schlich zum Sofa hinüber. Fabian atmete ruhig ein und
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