Die Geschichte einer Mörderin
von
Eva Burszy
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Die Geschichte einer Mörderin
Kapitel 1
Die Tatsachen
Mein Name ist Tanja Schmidt, ich bin dreiunddreißig Jahre alt und möchte Ihnen meine Geschichte erzählen, aber zuerst habe ich eine Frage an Sie, haben Sie schon mal auf einen Menschen geschossen? Oder besser formuliert, haben Sie einem Menschen schon mal kaltblütig ins Gesicht geschossen? Wahrscheinlich nicht, ich habe es getan, das Gesicht sieht danach aus, na ja, wie ein Pizzaboden mit Haaransatz, Sie haben die runde Pizza und bestreichen sie mit der gewürzten Tomatensoße. Ein hügeliges, ungleichmäßiges Feld aus roter Masse, ohne erkennbare Struktur entsteht. So ähnlich müssen Sie sich den Anblick vorstellen.
Ich habe diesen Menschen mit Absicht getötet, nicht aus Liebeskummer oder aus Habgier, sonder um Vergeltung zu üben, dieser Mensch hat mein Leben zerstört, er hat mich optisch zum Monster gemacht und seelisch zu einem werden lassen und er hat mir in Sekundenbruchteilen alles genommen was ich je wirklich geliebt habe und was mein Leben lebenswert gemacht hat. Also, bin ich in Ihren Augen eiskalt oder verrückt?
Nun mein Anwalt, ein guter Mann, plädierte auf Letzteres und dank eines hervorragenden psychologischen Gutachtens, was meine Unzurechnungsfähigkeit aufgrund des Verlustes eines geliebten Menschen bescheinigte, sitze ich meine zehn Jahre Haft wegen Mordes unter Berücksichtigung meiner traurigen Vorgeschichte in der geschlossenen, psychiatrischen Haftanstalt Darmstadt ab.
Hier bin ich nun mit anderen Mördern, Vergewaltigern oder solchen, die vorhatten, eines von beiden zu werden, zusammen. Jeden Tag habe ich Einzel- und Gruppensitzungen mit meinen Therapeuten und anderen Häftlingen. Man will, dass ich mein Inneres nach Außen kehre und allen erzähle, warum ich getan habe, was ich getan habe.
Für mich war es ein Racheakt, Auge um Auge. Ich habe Gleiches mit Gleichem gesühnt.
Kapitel 2
Wie mein Leben zerbrach
Mein Leben war wundervoll, ich hatte nach langer Suche und etlichen bitteren Enttäuschungen den Mann kennen gelernt, dem ich ganz und gar mein Herz schenkte und mit dem ich alt werden wollte. Lars, gutverdienender, gutaussehender Geschäftsmann, stammte ursprünglich aus der Nähe von Cottbus und war aus beruflichen Gründen vor ein paar Jahren in meine Stadt gezogen. Ein Mann mit Herz und Hirn. Wir lernten uns damals in einer Bar kennen, ich wollte mit meiner besten Freundin einen netten Mädelsabend verbringen, er war mit einem Geschäftspartner dort. Dieser Blick, mit dem er mich fixierte, vom ersten Moment an, als ich den Raum betrat. Ich werde ihn nie vergessen, es war elektrisierend. Nachdem Lars seine Begleitung verabschiedet hatte, ließ er mir und meiner Freundin vom Kellner einen Drink servieren und prostete uns von der Bar aus zu, er sah so verdammt gut aus in seinem Anzug. Auch, oder gerade weil, er die Krawatte bereits abgenommen und den obersten Knopf seine Hemdes geöffnet hatte. Meine Freundin verstand es, sich in solchen Momenten geschickt zurück zu ziehen und mich nervös und mit feuchten Händen allein am Tisch zurück zu lassen. Sie küsste mich auf die Stirn, sagte mir ich solle die Sache nicht wieder versauen und wünschte mir noch einen schönen Abend. Und das wurde er tatsächlich, Lars war aufmerksam und witzig, wir unterhielten uns über Gott und die Welt und es knisterte gewaltig zwischen uns. Am Ende des Abends brachte er mich nach Hause und gab mir seine Telefonnummer. Wir trafen uns eine Woche später noch mal, er lud mich ins Theater ein und nach dem fünften Date war uns klar, wir gehörten zusammen. Schon nach wenigen Monaten suchten wir uns eine gemeinsame Wohnung und bereits nach zwei Jahren heirateten wir. Lars las mir jeden Wunsch von den Augen ab, wir liebten uns so sehr und waren glücklich. Wir wollten Kinder und ein Haus und hatten große Pläne für die Zukunft.
Lars hatte einen Sohn aus einer früheren Beziehung, Christoph, er war damals dreizehn Jahre alt. Ich mochte den Jungen und er mochte mich, alle vier Wochen fuhren wir in Lars´ alte Heimat um ihn dort zu besuchen. Alles lief perfekt.
An jenem schicksalhaften Spätnachmittag, am 04. Februar 2007, stand wieder ein Wochenende in Cottbus an. Alles lief ab wie immer, Lars drängelte und packte schon mal unsere Sachen in den gerade neu gekauften BMW Kombi, wir wollten Komfort und eine Familienkutsche, daher entschieden wir uns vor ein paar Wochen für diesen Wagen. Ich trödelte wie immer im Bad. Es war Freitagnachmittag, ich war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und wollte mich noch ein wenig frisch machen. Es war ein anstrengender Tag im Büro und ich war müde, die vierstündige Autofahrt, die wir nun vor uns hatten, brachte mich an diesem Tag nicht wirklich in Wochenendlaune.
Somit schlief ich im Auto auch ein, kaum das wir auf der Autobahn waren. Blaue Schilder hatten eine hypnotische Wirkung auf mich und ließen mich innerhalb kürzester Zeit in seligen Schlaf verfallen. Doch dann riss mich Lars´ Geschrei abrupt aus meinen Träumen. Ich schlug die Augen auf und sah zu meinem Entsetzen keine Strasse mehr vor mir, stattdessen das Führerhaus eines LKWs. Lars versuchte zu bremsen, zu manövrieren, er schrie mich an ich solle mich fest halten, doch es hatte alles keinen Sinn, wir saßen in der Falle. Rechts von uns der Auflieger des LKWs, links die Mittelleitplanke und vor uns das Führerhaus. Man hatte das Gefühl, der LKW wollte uns umarmen. Und dann ging alles ganz schnell, es war nicht so, wie man es aus schlechten Filmen kennt, das einem sein Leben vor dem inneren Auge abläuft, das man die schrecklichen Dinge mit ansieht, als ob sie in Zeitlupe abgespielt werden. Ich hörte wie Metall krachte und knirschte als sich das Führerhaus in unseren Motorblock schob, ich spürte ein fürchterliches Brechen in meinen Beinen, die Fensterscheibe auf meiner Seite barstete unter dem Druck des sich zusammen schiebenden Autos. Glasscherben flogen herum und trafen mich im Gesicht, eine zerfetzte meine Wange. Ich schrie vor Schmerz und Angst und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass der Wagen sich von der Strasse abzuheben begann, der Airbag schoss aus dem Armaturenbrett und schlug mir ins Gesicht. Dann, plötzliche Leere, ich wurde bewusstlos.
Als ich wieder zu Bewusstsein kam, war es merkwürdig still um mich herum, meine Ohren summten, meine Arme hingen zum Lenkrad hinüber, wir mussten auf der Fahrerseite zum Liegen gekommen sein. Ich spürte keinen Schmerz, spürte aber wie mir Blut über mein Gesicht lief. Ich versuchte die Arme zu bewegen, fasste mir ins Gesicht und erfühlte ein Stück Glas was in meiner rechten Wange steckte. Es hatte sie komplett durchbohrt, ich konnte es mit der Zunge ertasten. Ich bewegte vorsichtig meine Kopf nach links. Und dann sah ich ihn, Lars, dort wo eigentlich sein Kopf hätte sein müssen, befand sich ein Teil des LKW Führerhauses, sein Körper hing schlaff im Gurt und überall war Blut, soviel Blut. Ich fing an zu schreien, ich schrie, als ob ich das soeben gesehene, damit ungesehen machen
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Kommentare
Blair schrieb am 2010-12-27 15:20:51:
Diese Geschichte ist sehr gut geschrieben , find ich . Du solltest noch weitere Geschichten schreiben . ;)
Achmedt schrieb am 2010-12-26 19:16:45:
ja nicht nur lang sonder auch garnicht so schlecht finde ich
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