Die Gilde der Diebe
von
Lilli
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
Die Gilde der Diebe
Kapitel 1
Seine Augen huschten gehetzt im Laden herum. Die Verkäuferin stand hinter dem Tresen und plauderte mit einer Frau, die einen Wischmopp kaufen wollte.
Das war seine Chance!
Eine Weile stand er noch unschlüssig herum, bis er ein verärgertes Wispern wahrnahm: „Keno! Beeil dich verdammt!“
Der Junge schaute schnell auf und nickte dem Blondschopf zu, der ihn gerufen hatte. Er musste sich wirklich beeilen, sonst würde die Verkäuferin wahrscheinlich Verdacht schöpfen und noch dazu würde er es dann wahrscheinlich nie schaffen ein vollwertiges Mitglied von Darians Bande zu werden.
Wieder vernahm Keno ein Wispern: „Verdammt, hörst du denn nicht?!“ Mit einer lockeren Bewegung strich sich Alessio das blonde Haar aus der Stirn. Keno nicke ihm zu, warf noch einen Blick zur Verkäuferin, welche immer noch mit der anderen Dame plauderte und griff dann zu dem Schmuckstück, welches an einem kleinen Ständer, auf dem Tresen hing. Der Klunker wog einiges und würde ihnen, wie Alessio so schön sagte, viel Geld bringen. Hastig stopfte er die Kette in seine Hosentasche und stürzte aus dem Laden.
Kaum trat er über die Schwelle, wurde er auch schon von Alessio gepackt und über den Marktplatz gezogen. Erst in einer kleinen Seitengasse kam er zum Stehen.
Keno hatte Seitenstechen bekommen und wollte sich am liebsten zu Boden sinken lassen. Doch Alessio war unerbittlich: „Denk gar nicht dran!“ warnte er. Er wusste meistens, was Keno vorhatten. Es war manchmal auch irgendwie unheimlich.
Keno nickte und schluckte.
„Zeig mal her… Hast du das Teil, um das es ging?“ redete er weiter.
Keno nickte wieder und holte den Klunker aus seiner Tasche. Der Anhänger, ein Smaragd, funkelte in der Mittagssonne.
Alessio grinste zufrieden: „Sehr gut… wirklich sehr gut“ Er nahm das Schmuckstück an sich und steckte es in seine Tasche. Dann schaute er wieder zu Keno: „Und das nächste Mal machst du das bitte etwas zügiger… Was hast du dir dabei gedacht, dort noch ewig rum zustehen?!“
Keno senkte beschämt den Kopf: „Es tut mir Leid… Nur die Kette war so wertvoll, und ich… ich hatte Angst erwischt zu werden“
Alessio grinste wieder einmal: „Du gewöhnst dich daran“
Keno schluckte und spürte sein Herz immer noch heftig klopfen. Er hatte Angst, jedes Mal wenn er klauen musste, oder wenn Darian, Alessio und Marlo abends aufbrachen, um Unschuldige zu überfallen.
Doch so war es nun mal, wenn einem keine andere Wahl blieb. Man konnte kaum etwas anderes werden, außer Räuber, Betrüger oder Dieb. Und Darians Bande hatte einen der schlimmsten Rufe im ganzen Land. Fast alle Mitglieder waren Vogelfreie. Wenn man zu ihnen gehörte, gehörte man zur „Elite“. Doch um dazu zu gehören, musste man auch einen langen Weg hinter sich bringen und ein hohes Risiko eingehen. Bei Darian wurde man nicht einfach Mitglied. Auch nicht, wenn man noch so eine jämmerliche Gestalt abgab, wie Keno es tat.
Er war seit seinem dritten Lebensjahr eine Vollwaise und wuchs unter schlechten Bedingungen im einzigen Waisenhaus des Dorfes auf. Als er dann mit zehn vor die Tür gesetzt wurde, blieb ihm kaum eine andere Wahl, als sein Glück bei Darians Bande zu versuchen. Und nun war er nach einem Jahr immer noch kein vollwertiges Mitglied, wie Alessio es war. Doch mit Alessio konnte er sich auch nicht vergleichen…
Traurig schaute er zu ihm. Doch Alessio nahm Keno gar nicht mehr wahr. Er schaute sich suchend um.
Marlo und Jonte waren nun schon eine halbe Stunde zu spät.
„Verdammt!“ fluchte Alessio wieder. „Ich will Jonte nicht schon wieder den Arsch retten“
„Vielleicht wurden sie aufgehalten“ meinte Keno vorsichtig.
Alessio nickte wieder und grinste: „Wollen wir’s hoffen“ Er ging ein paar Schritte auf die Hausmauer zu und rupfte ein Fahndungsplakat von sich, Marlo, Darian und einem Mädchen ab, welches Keno selten zu Gesicht bekommen hatte.
Er wusste aber von einigen anderen aus der Bande, dass sie ein eben so wichtiges Mitglied wie Marlo und Alessio war.
„Schon das Dritte an diesem Tag. Langsam nervt’s“ Dennoch verschwand das Grinsen nicht aus Alessios Gesicht. Er reichte Keno das Plakat: „Hier“
Keno wusste zwar nicht so Recht, was er damit anstellen sollte, doch er nahm es Alessio ab und steckte es selber ein. Als er wieder aufschaute sah er Marlo und Jonte schon von Weitem. Jonte trug einen Korb voller Lebensmittel bei sich. Als Koch war er immer für Nahrungsmittel zuständig. Er winkte Alessio und Keno zu.
In Marlos rechter Hand entdeckte Keno auch einige Fahndungsplakate. Anscheinend war auch er damit beschäftigt gewesen sie von den Hauswänden zu rupfen.
„Langsam werden es echt viele Plakate. Es hängen auch einzelne Leute aus. Von Darian habe ich schon vier gefunden“ meinte Marlo leicht verärgert, als er vor Alessio stehen blieb.
„Ich habe auch schon einige gesehen. Die ganze Sache scheint sich zuspitzen. Wir müssen aufpassen, dass sie unser Versteck nicht entdecken“ stimmte Alessio zu.
Eine Weile schwieg jeder betreten oder besorgt, bis Jonte schließlich fragte: „Habt ihr das Schmuckstück?“
„Klar! Keno hat zwar etwas länger gebraucht als der Rest von uns benötigt hätte, aber er hat seine Arbeit gut gemacht“ Alessio schlug Keno heftig auf die Schulter, sodass dieser zusammenzuckte. Das würde bestimmt morgen noch schmerzen.
„Gut, dann mal sehen, was Darian mit dem Ding vorhat“ sagte Marlo und zuckte mit den Schultern.
Die vier nahmen den sichersten Weg aus der Stadt hinaus und befanden sich bald an den angrenzenden Wald. Es war einer der seltenen Nadelwälder in Rumänien. Durch die hohen Bäume drang kaum etwas von der schönen Mittagssonne durch.
Keno schaute hoffnungsvoll zum Himmel, doch es blieb leicht düster.
Darian erklärte immer, dass es gut sei, in einem so düsteren Wald sein Versteck zu haben. Die wenigsten, die nicht müssen, trauten sich in einen so dichten Wald. Und die Durchreisenden wurden oftmals Opfer von Räubern, was Darian und seiner Bande natürlich sehr zu Gute kam.
Keno stolperte weiter hinter Jonte durch das Gestrüpp. Die anderen hatten mit der Bodenbeschaffung kein Problem mehr. Auch zu diesem Thema meinte Alessio immer nur zu Keno: „Du gewöhnst dich daran“
Das schien Alessios Standardspruch zu sein…
Wenn man noch tiefer in den Wald hineinlief, die kleine Stadt weiter hinter sich ließ, kam man nach einiger Zeit an einen kleinen Bach. Die wenigsten Wanderer entdeckten ihn, da er tief im Wald und zwischen den Bäumen verborgen lag, genauso wie der alte Müllershof der einst an diesem Bach gebaut worden war. Man musste dem Bach nur weiter folgen und nach einiger Zeit konnte man schon die Silhouette des alten Steinhauses erkennen.
Als Keno den alten Hof das erste Mal sah, war er schwer beeindruckt gewesen. Er hatte sich das Versteck von Darians Bande nie so vorgestellt. Ganz am Anfang hatte er auch gedacht, dass dies doch viel zu auffällig sei, doch mit der Zeit stellte er fest, dass kein Wanderer und keine Reisenden diesen Ort entdeckten.
Bevor sie das Haus erreichten flog die Tür
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
Kommentare
jenny schrieb am 2009-12-12 10:20:54:
die geschichte ist einfach hamma! das ende ist richtig traurig, hätte fast geheult^^ neija, auf jeden fall gut geschrieben=)
mach weiter so*
Kommentar hinzufügen