Die Kurzgeschichte ohne Titel
von
emmailie
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Ich halte mich raus, aus Angelegenheiten die mich nichts angehen. Ich bin ein genügsamer Mensch und still; auf so wenig Worte wie möglich bedacht. Ich lasse niemanden an meinen Gedanken teil haben, um somit jede Art von Missverständnissen in Keim zu ersticken. Ich spiele eine Rolle. Perfekt. Vom Anfang- dem Prolog- bis hin zum Ende- dem Epilog. Doch es bedarf dieser Geschichte kein Epilog.
Denn ich kam, sah und siegte.
Draußen regnete es in Strömen und der Doktor rannte mit seiner Aktenmappe, schützend über dem Kopf, auf ein hell erleuchtetes Haus zu. Angekommen, klopfte er an die Haustür und wurde von einem grimmig drein blickenden Butler hereingelassen. Im Foyer schüttelte er sich wie ein nasser Hund, sehr zum Ärger des Butlers, bevor er Hut und Mantel weiterreichte. Danach wies ihn der Butler nach links, auf eine schwere Eichentür zu; ohne zu klopfen trat er ein. Zwei paar Augen schauten ihn erwartungsvoll an. „Ein gesundes und munteres kleines Mädchen!“, sagte er mit einem Lächeln, ehe er von zwei kräftigen Armen umfangen wurde.
„Ist das wahr, Dr.? Ein Mädchen?“, fragte die männliche Stimme.
„Ja...“, weiter kam er nicht, da ihm die Luft zum zweiten Mal abgedrückt wurde.
„Darauf trinken wir. Eine Ausnahme- natürlich. Kommen sie, Dr. Trinken Sie mit mir, auf mein Mädchen.“, sagte der Mann, als er den Doktor los ließ und sich umwandte und geradewegs in den Lauf einer Pistole starrte.
„Dr. Ich muss doch sehr bitten. Einen Mann so zu belügen, dass gehört sich nun wirklich nicht. Erst recht nicht für einen Arzt.“, sagte der Mann mit der Pistole und schüttelte dabei den Kopf. Sein Gesicht war durch einen Schal und seinem breiten, tiefsitzenden Hut verdeckt. Der Doktor wurde ganz weiß und ihm brach der Schweiß aus.
„Was meinen Sie damit?“, fragte er mit zittriger Stimme. Bevor er sich hierher aufgemacht hatte, war er noch kurz bei Mutter und Tochter gewesen. Beide waren wohl aufgewesen und sie hatte gelächelt. Ihr Lächeln, ihr Blick alles hatte Liebe und Glück ausgestrahlt. Was also konnte in der Zwischenzeit passiert sein?
„Was meine ich damit?“, fragte der Mann zurück und fing an schallend zu lachen.
„Sie wissen doch ganz genau was ich damit meine, Dr. Und du auch, hab ich nicht recht?“, und drückte dem frischgebackenen Vater, die Pistole an die Nase. Der Doktor konnte das Gesicht des Mannes nicht sehen, da er mit dem Rücken zu ihm stand. Aber sein angespannter Rücken verriet ihm, dass er bereit war. Für alles, egal was kommen mochte.
„Sag es! Sag es, bevor ich dir das Leben aushauche, wie deiner Familie!“, höhnte er und drückte dabei die Pistole an seine Schläfe.
„Das haben Sie- Sieh- haben- sie um...“, bei den letzten Worten versagte dem Doktor die Stimme und unwillkürlich stiegen ihm Tränen in die Augen. Er hatte Sie umgebracht. Aber warum? Er kannte niemanden, der sie nicht gemocht hatte. Jeder der gewusst hatte, dass sie schwanger war, hatte ihr gratuliert und sie beglückwünscht. Der Mann vor ihm hatte sich kein bisschen geregt, sein Rücken war immer noch angespannt. Doch jede Gefühlsregung blieb verborgen.
„Dr. bitte gehen Sie hinaus. Und beeilen Sie sich!“, sagte er nun. Doch es war kaum verständlich, da er es halb knurrte.
„Nein! Ich brauche Ihn. Er soll mein Zeuge sein.“, entgegnete der andere Mann und nickte ihn die Richtung des Doktors.
„Und du! Noch ein paar letzte Worte, bevor du in der Hölle schmoren wirst?“
Schweigen. Dann zwei Schüsse in die Beine und zwei in die Brust. Und ein letzter in den Kopf. Der Doktor war kalkweiß und Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn. Er nahm sie jedoch nicht war, da er mit Angst geweiteten Augen, auf den Mann sah, der jetzt auf ihn zielte. Seine Knie konnten nicht mehr und somit sank er zu Boden, seine Aktenmappe fest umklammert.
„Sie, Monster! Was haben Sie getan? Was haben Si....“, doch weiter kam er nicht, da ihm der Lauf einer Pistole im Mund steckte.
„Wer ich bin? Ein Monster!“, waren die letzten Worte, ehe er für immer die Augen schloss.
Ein Spiegelbild verrät viel über einen Menschen. Es ist ein Blick in die Seele. Er hatte keine Spiegel mehr. Keine im Bad und sonst auch nicht. Er hatte sie alle zertrümmert, sich die Hände blutig geschlagen. Doch jetzt hingen nirgendwo mehr Spiegel. Sein Butler fragte nicht nach, für die Bezahlung sollte er das auch nicht. Er stand auf dem Balkon und schaute zum fernen Horizont. Die Sonne würde bald aufgehen und einen neuen Tag mit sich bringen. Doch was nützte ein neuer Tag, wenn es doch eh immer das selbe Spiel war. Er war müde. Es hinterließ seine Spuren. Tagtäglich eine Kampf zu führen, der nicht mal sein eigener war. Schon lange kämpfte er für andere, die sich nicht die Finger schmutzig machen wollten oder die zu unfähig waren es selbst zu tun. Während er dort stand und sich die aufgehende Sonne anschaute, erinnerte er sich an seine Nummern. Er ließ sich nie Namen sagen und erst Recht keine Bilder. Bilder konnten Emotionen hervorrufen und Namen konnten sie menschlich machen. Doch Nummern waren unverbindlich, kühl und logisch. Bei ihnen fühlte er nichts und es störte ihn nicht. Jedoch hatte er zu jeder Nummer ein Gesicht. Zwar keinen Namen, aber ein Gesicht. Sie verfolgten ihn in seinen Träumen und er wusste eines Tages würde er sich für seine Taten verantworten müssen. Doch musste, dass nicht jeder? Jedoch gab es für die Anderen einen Himmel oder die Hölle. Für ihn kamen beide Optionen nicht infrage. Der Himmel würde nie seine Pforten öffnen für ein Monster, wie ihn. Und in der Hölle hätten sie wahrscheinlich noch alle Angst vor ihm. Er lächelte. Angst vor ihm. Seit er denken konnte, hatten die Leute Angst vor ihm. Einige versuchten es, als Respekt und Ehrfurcht zu tarnen, Doch er sah es in ihren Augen. Angst. Nackte Angst. Das Gefühl weg zu laufen und sich zu verkriechen und gleichzeitig unsichtbar zu sein. Doch er fand sie. Manchmal wussten sie das er kam und kämpften gegen ihn. Manche wussten es auch und versuchten ihm, wie ein Mann entgegen zu treten und es einfach zu hinnehmen. Doch meistens waren sie überrascht. Aber alle taten sie das Gleiche: Sie sahen ihn an, als wäre er ein Monster. Ja, er war eins. Das zu bestreiten, würde bedeuten er würde sich selbst belügen und verleugnen. Doch um einigermaßen mit sich klar zukommen und dem was er tat, durfte er sich nie, als jemanden sehen, der er nicht war. Ein Mann mit Frau und Kind, einem großen Haus mit weißem Gartenzaun, kam daher schon mal gar nicht infrage. Doch er träumte davon nicht und stellte es sich auch nicht vor. Seine Berufung war ihm bekannt und alles andere wäre eine Lüge. Hinter sich hörte er ein Geräusch und langsam drehte er sich um. Sein Butler kam mit einem Tablett herein und stellte es auf dem Schreibtisch ab. Dann ging er ohne ein Kommentar wieder hinaus. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und ging dann zum Schreibtisch. Auf dem Tablett, lag die heutige Zeitung mit großer Titelstory. Er ging vorbei, da er wusste was darin stand. Er musste es nicht lesen. Denn er
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