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Kategorien > Philosophie > Philosophisches

Die Leiche

von klaasen

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Ihren Humor hatte sie nun endgültig verloren, jetzt, da sie eine Leiche war. Da lag sie nun und schmollte vor sich hin und verstand die Welt nicht mehr.
Sie war eine schöne Leiche, soweit sich das von ihrem Betrachtungswinkel aus sagen ließ.
Kein zerschlagenes Gesicht, keine offenen Wunden, keine verdrehten Arme oder Beine.
Nichts, was auf einen Überfall oder Unfall hätte hindeuten können. Den Schaulustigen, den Gaffern, die an ihr vorbeiliefen, konnte sie ihre
Gefühle nicht mitteilen. Aber etwas war sonderbar! Sie konnte Selbstgespräche führen.
Wie war das möglich? Warum ließ ihr Geist sie nicht gehen? Es war Hochsommer und das Barometer zeigte 35 Grad im Schatten. Männlein und
Weiblein versprühten ihre Düfte. Es roch nach Liebe.
Sie konnte es riechen. Der Duft war ihr nicht fremd. Es mochte noch nicht lange her sein, dass dieser Duft der Liebe sie berührt hatte. Vielleicht eine
Stunde. Oder einen Tag.

Ihr Geruchssystem war noch nicht erloschen. Nach Verwesung roch es nicht.
Mit detektivischem Spürsinn suchte sie nach Antworten und schaute in die Gesichter, die sich rund um sie versammelt hatten. Ihre Fragen wurden nicht beantwortet. Keiner konnte ihre Hilferufe hören.
Etwas in ihr zwang sie, loszulassen. Es war ihr aber nicht möglich, dieser Stimme zu folgen. Zu sehr hing sie noch an dem Geruch des Lebens.
Auf der Straße zeichnete sich ein vertrautes Bild der vorgetäuschten Betroffenheit ab.Es war aber nur ein Fetzen aus Heuchelei und Lustbarkeit, kein Bild wirklicher Trauer, echten Mitgefühls.
Psychologen meinen, dass das Gaffen der Stabilisierung des eigenen Ichs helfe. Der Gaffer werde sich bewusst, dass es anderen schlechter geht als ihm. Mit dieser Erkenntnis und dem Umstand der Hilflosigkeit ließ sie sich fallen. Der Duft des Lebens, den sie so sehr liebte, war ein bitterer Geruch geworden.
Jetzt konnte sie sehen, ihren Tod begreifen und sich schlafen legen.

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Kommentare

tilly-boesche-zacharow@t-online.de schrieb am 2010-09-13 08:21:51:
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, wie es eines Tages sein würde, wenn...? Es ist fast tröstlich, sich vorzustellen, so könnte es sein... oder doch lieber nicht und das große Nichts erhoffen? Ich weiß es auch nicht, ob und was besser ist! Immerhin - auch ich denke - also bin ich noch , und das zählt im Moment am meisten. Tilken
Kyouyama schrieb am 2009-01-03 16:15:11:
hm interessante Geschichte,
ungewöhnlicher Schreibstil, sehr eigen...
cool, cool
AlterMann schrieb am 2009-01-01 18:32:47:
>>Den Schaulustigen, den Gaffern, die an ihr vorbei liefen<<
Was ja nun gerade nicht den Gaffer ausmacht, da der stehenbleibt, sich in größeren Anhäufungen um den Ort des Geschehen sammelt.
>>Sie konnte Selbstgespräche führen.<<
Hatte eigentlich nach dieser Ankündigung auf innere Dialoge gehofft. Schade.

>>Etwas in ihr zwang sie, loszulassen. Es war ihr aber nicht möglich, dieser Stimme zu folgen.<<
Der Stimme(was sagte die?) oder dem Zwang??

>>Jetzt konnte sie sehen, ihren Tod begreifen und sich schlafen legen.<<
Und wieso begreift sie ihren Tod?? Nur wegen der Gaffern??
Mir fehlt die Erkenntnis, geht aus dem Text nicht hervor.

Die Idee finde ich gut, aber so einige Stellen musst du noch mal überarbeiten.
Ich hoffe du bist jetzt nicht sauer, ist ja nur meine Meinung dazu!

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