Die Liebe, das Chaos und ich (1)
von
Melody
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Atemlos schlitterte ich den Gang entlang und versuchte gleichzeitig, mir mit den Händen irgendwie die Haare zu kämmen, was, wie ich feststellen musste, nicht sehr gut funktionierte. Okay, ich musste wohl zugeben, dass ich selbst schuld daran war, dass ich so spät dran war. Aber man konnte ja nun wirklich nicht von mir verlangen, nach den Sommerferien, in denen ich immer ausschlafen konnte, sofort aus dem Bett zu hüpfen. Ich war diese schrecklich grausame Zeit einfach nicht mehr gewöhnt. Und wo wir schon dabei waren: warum setzte sich nicht endlich jemand dafür ein, dass die Schule später anfing? Das würde ich sehr gerne mal wissen.
Tja und nur weil sich bisher leider niemand dafür eingesetzt hatte, war ich in dieser Situation. Wenn man es mal so betrachtete, war ich also gar nicht schuld, sondern die Gesellschaft. Jawohl. Nur blöd, dass ich mit dieser Sichtweise auch niemanden würde überzeugen können. Vor allem, wenn man bedachte, dass heute mein erster Schultag an meiner neuen Schule war.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich überhaupt in die richtige Richtung rannte. Dieses Schulgebäude war einfach unverschämt groß. Wenn ich allerdings darüber nachdachte, war ich mit ziemlich sicher, dass ich an der Tür rechts neben mir schon öfter vorbeigelaufen war. Woher ich das wusste? Sagen wir es mal so: ich konnte den Lehrer dahinter so laut schreien hören, dass es einzigartig war. Wunderschön, echt. Da bekam ich doch gleich das Gefühl vermittelt, dass ich mich hier so richtig wohlfühlen würde. Seufzend kramte ich den Zettel aus meiner Tasche, auf dem die Nummer des Traktes und des Klassenzimmers geschrieben stand. „ Oh, verdammte Scheiße!!“ Hm, dieser Aufschrei war bestimmt kein sonderlich guter Start. Der Lehrer hinter der Tür verstummte augenblicklich und ich entschloss mich dazu, dass es wohl das Beste war, mich so schnell wie möglich vom Tatort zu entfernen. Als ich mich in Sicherheit wog, besah ich mir wieder den Zettel. Bei dessen Anblick hätte ich am liebsten noch mal gebrüllt. Die Schrift darauf war total verschmiert. Kein Wunder, wie ich nach kurzem, fachmännischem Betrachten des Inhalt meiner Tasche feststellte. Meine Wasserflasche war ausgelaufen. Gute Nachricht dabei: es war nur Wasser! Schlechte Nachricht: ich konnte die Zahlen auf dem Zettel kaum entziffern und war somit orientierungslos. Jetzt könnte ich auf die Führung zurückgreifen, die mir der Direx vor zwei Wochen durch die Schule gegeben hatte und während der er mir mein zukünftiges Klassenzimmer gezeigt hatte. Könnte. Leider konnte ich mich damals nicht sehr gut konzentrieren, ich war so abgelenkt von seiner Erscheinung gewesen. Aber mal ehrlich, wer ihn sah, konnte es verstehen, dass mir die ganze Zeit nur eine Frage durch den Kopf ging: ‚ Wie kann ein erwachsener Mann nur so rumlaufen?’ Ernsthaft, nicht einmal ein Regenbogen war so bunt. Ich war mir ziemlich sicher, dass er im Dunkeln leuchtete.
Wie auch immer, ich war hilflos. Ich lehnte mich an die Wand und rutschte langsam an ihr herunter. Nach einem Blick auf die Uhr, die mir unmissverständlich klarmachte, dass ich bereits eine Viertelstunde zu spät dran war, gab es für mich nur noch zwei Möglichkeiten: die erste war, einfach wieder nach Hause zu gehen. Und die zweite war, verzweifelt zu versuchen, die Zahlen doch noch zu entziffern.
Knurrend hob ich den Zettel so nahe an meine Augen, dass er mir praktisch im Gesicht klebte und gab mein Bestes. Doch das brachte mich auch nicht sehr viel weiter. Zu meinem Unglück stand auf diesem Zettel auch noch der Name meines Klassenlehrers, den ich auch nicht lesen konnte. Das würde ja noch peinlicher werden. Wie sollte ich ihn denn bitte dann ansprechen. Ach was, dieser Gedanke war ja lächerlich, ich würde ja doch nie zum Klassenzimmer gelangen, also musste ich mir über den Klassenlehrer schon mal gar keine Gedanken machen!
Als ich gerade kurz davor war, aufzugeben, kam plötzlich jemand an mir vorbeigelaufen. Ich sprang auf und schrie: „ Halt!“ Der arme Kerl erschreckte sich zu Tode, drehte sich langsam um und starrte mich mit aufgerissenen Augen an.
„ Ich brauche Hilfe!“ Das klang jetzt leider mehr nach einer Drohung als nach einer Bitte, aber ich verzweifelte langsam wirklich.
„ Aha. Was ist denn?“
„ Ich bin neu hier und muss unbedingt zu meinem Klassenzimmer.“
„ Ach so, okay. Welches ist denn dein Klassenzimmer.“
„ Gute Frage.“
Er blinzelte irritiert und sah mich an, als würde er nach Anzeichen ernsthaften Wahnsinns suchen.
„ Du weißt nicht, in welche Klasse du bist?!“
„ Doch, schon. Ich weiß nur nicht, wo sie ist.“
„ Sag mir mal die Klasse.“
„ Na ja, ich bin in der 11 a. Weißt du, wo die ist?“
Der Typ nickte, schien sich aber unschlüssig zu sein, was er jetzt tun sollte. Komischerweise schien er mich für irgendwie durchgeknallt zu halten. Meine Güte, ich würde schon niemandem was tun, wenn er mich hinbrachte.
„ Hat dir denn keiner gesagt, wo die ist?“, fragte er.
Konnte ihm doch egal sein. Was hatte der denn für Probleme. Es war allerdings vermutlich besser, den Fehler auf jemand anderen zu schieben. Ich musste ja nicht gleich am ersten Tag raushängen lassen, dass ich nichts auf die Reihe brachte. Das würden sie schon früh genug von alleine rausfinden.
Also schüttelte ich vehement den Kopf.
„ Nein.“, behauptete ich, „ Mir hat niemand was gesagt.“
„ Komisch.“
Ich verdrehte die Augen. „ Bringst du mich jetzt hin oder was?“
Er nickte. Na also. Ich schnappte mir meine Tasche und trabte hinter ihm her. Besonders eilig schien er es ja nicht zu haben. War auch egal. Nachdem ich jetzt sowieso schon zwanzig Minuten zu spät dran war, kam es darauf auch nicht mehr an.
Er brachte mich zu einer der tausend Türen und stellte mich ab. „ Da wären wir.“, meinte er dann. Ich erstarrte.
„ Bist du sicher?“
„ Ja, schon. Ich gehe ja selbst in die Klasse.“ War ja toll. Das machte das Ganze ja noch unangenehmer. Ich stellte nämlich in exakt diesem Moment fest, dass er mich ausgerechnet vor der Tür des mir schon in gewisser Weise bekannten Schreihalses abgeliefert hatte!
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Kommentare
madlen schrieb am 2009-09-24 03:49:53:
hwy. toller schreibstil und der dargestellte charakter des mädchens gefällt mir auch. gleich mal weiterlesen. weiter so!
sternchen schrieb am 2009-01-09 12:19:04:
schreib schnell weiter:)
princess101 schrieb am 2009-01-08 15:27:24:
Super story ;) man kann sich gut in das Mädchen hineinversetzen. Und sie scheint auch nicht sonderlich schüchtern zu sein das finde ich super dadurch bekommt die Geschichte auch ihren spannenden& lustigen Teil mach weiter so!!!
marnie schrieb am 2009-01-08 14:57:13:
klingt gut,hoffe s geht bald weiter;)
alina schrieb am 2009-01-07 17:35:12:
tollle geschichte freue mich auf die fortsetzung weiter so ;-)
eli schrieb am 2009-01-06 14:39:21:
freue mich auf die fortsetzung
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