Die Liebe, das Chaos und ich (22)
von
Melody
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Dina und Paul waren sofort bereit gewesen, mir zu helfen, nachdem ich ihnen zehn Minuten lang versichert hatte, dass sie für eventuelle Fehler im System nicht haftbar waren, ergo bei einem Fehlschlag meiner Kuppelaktion nicht verantwortlich gemacht werden konnten. Es war fast so, als trauten sie mir nicht zu, meine Mission erfolgreich und makellos durchzuführen. Keine Ahnung, wie sie zu dieser Annahme kamen.
Jedenfalls, nachdem ich vor ihnen geradezu auf die Knie gefallen war, legten wir uns sozusagen auf die Lauer, auf der Suche nach dem perfekten Mädchen für Robin. Ich hätte Paul ja gar nicht gebeten, dabei zu sein, nachdem er vor kurzem mir gegenüber noch so unpassend ehrlich gewesen war, aber es konnte sicherlich nicht schaden, eine männliche Meinung zu haben. Zuerst einmal musste der Ort geklärt werden, wo wir uns auf die Suche machten. Die Schule fiel für uns dabei schnell weg. Denn sich dort auf die Suche zu machen, könnte eventuell peinlich werden. Und zwar genau dann, wenn es begann, auffällig zu werden, dass wir alle weiblichen Wesen, die nicht komplett entstellt oder verblödet waren, beobachteten. Die beste Option schien uns also die Innenstadt zu sein.
Noch am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche. Wir gingen in der Fußgängerzone auf und ab. Und noch einmal auf und ab. Und wieder und wieder. Und wir sahen absolut niemanden, der für Robin infrage kam. Entweder waren sie zu alt oder zu jung oder schon mit jemandem zusammen oder aus irgendeinem anderen idiotischen Grund nicht gut genug, der meist nur Paul einleuchtete. Denn während Dina und ich sehr wohl die eine oder andere Kandidatin gesichtet hätten, lehnte er diese immer wieder mit den wahnwitzigsten Begründungen ab:
Ihre Haare sehen irgendwie komisch aus.
Sie ist ein bisschen größer als er, glaube ich. Das ist nicht so gut.
Oh nein, auf keinen Fall! Die gehört mir.
Letzteres war kein Scherz gewesen. Denn während Dina und ich noch lachten, in der Annahme, es sei einer, hatte er sich schon die Telefonnummer besorgt. Ich, die ja wusste, welche Eigenarten er so an sich hatte und seien wir doch mal ehrlich, es waren viele, fand es immer wieder faszinierend, dass er sich so leicht damit tat, Mädchen kennen zu lernen. Na schön, er sah gut aus, aber das nutzte auch nicht mehr viel, wenn man erst einmal feststellte, was so dahintersteckte!
Am Ende des Tages war ich kurz vorm Ausrasten. Kein Wunder, dass sich heutzutage so viele Paare im Internet fanden! Auf der Straße war ja niemand aufzutreiben.
Ich glaube, wir sollten es aufgeben!, schlug Dina irgendwann schläfrig vor.
Es muss doch irgendwie gehen!, murmelte ich, Wie schwer kann es denn schon sein, ein Mädchen für Robin zu finden?
Wisst ihr Leute, wenn es so einfach wäre, das perfekte Mädchen zu finden, würde ich mit Sicherheit nicht hier mit euch rumsitzen, sondern wäre gerade mit ihr zusammen!, schaltete sich Paul besserwisserisch ein.
Ach, bitte. Daran bist du selbst schuld. Du
hey, ich habs!, rief ich, glücklich, die ermüdende, weil aussichtslose Suche in der Innenstadt beenden zu können.
Was denn?
Na, Ella. Ella war, bis auf die Tatsache, dass sie Sprüche auf die Wände von Klokabinen schreibt, doch wirklich nett oder? Sogar Paul war für seine Verhältnisse lange mit ihr zusammen! Sieht ganz so aus, als hätten wir unser Mädchen. Und das wäre noch viel schneller gegangen, wenn wir von Anfang an in der Schule gesucht hätten, so wie ich es vorgeschlagen habe!
Paul hob die Augenbrauen. Wenn ich mich richtig erinnere, wolltest du nicht einfach nur suchen, sondern ein Casting veranstalten. Mit uns als Jury.
Ach, komm, das war doch nur ein Scherz. Teilweise.
Jetzt brauchte ich nur noch die perfekte Taktik, um diese zwei einsamen Herzen zu verbinden. Andererseits sollte ich dabei auch nicht zu weit denken. Wenn Robin auch nur halb so einfach gestrickt war wie Paul, reichte schon ein kleiner Schubs in die richtige Richtung.
Paulchen?, ich klimperte mit den Augenlidern.
Was?, knurrte er.
Du als
nennen wir es mal großzügig Mann, bist doch bestimmt genau der Richtige, um Robin von Ella vorzuschwärmen. Schwafel ein bisschen von ihren ganzen Vorzügen und so weiter. Überzeug ihn.
Wenns sein muss. Und wer überzeugt Ella?
Ach, das ist unnötig. Wenn sie merkt, dass er sie mag, wird sie sich automatisch für ihn interessieren, alles nimmt seinen Lauf und weil Robin ja nun wirklich nicht unsympathisch ist, müsste alles funktionieren!
So leicht geht das?
Ich sag es mal so: selbst wenn nicht ich bin raus aus der Sache, ich habe dann alles gegeben.
Ich hatte mich nicht geirrt. Es war ganz genau so reibgunslos verlaufen, wie ich es prophezeit hatte. Was ich wiederum beleidigend fand. Wie konnte er es wagen, so schnell über mich hinweg zu kommen? Aber so war es. Ich musste, was ihn betraf, kein schlechtes Gewissen mehr haben. Denn auch mit Sam hatte er sich wieder vertragen. Nachdem dieser bestätigt hatte, dass wir absolut kein Interesse aneinander hatten (so weit er wusste), war alles wieder in Ordnung gewesen. Und seit Robin mit Ella zusammen war, was nur zwei Tage gedauert hatten (Jugendliche waren ja so flatterhaft), verstand ich mich sogar ganz gut mit ihm. Wir waren nicht die allerbesten Freunde, doch es war schon okay.
Theoretisch hätte es mir also ganz gut gehen müssen. Wäre da nicht noch eine Sache gewesen. Oder vielmehr keine Sache, sondern eine ganze bestimmte Person. Denn so sehr ich mich auch über das Glück der anderen freute, hatte ich mich immer noch nicht mit Sam vertragen. Wir hatten seit dem Herbstfest kein Wort mehr miteinander gewechselt. Wenn wir uns zufällig begegneten, hastete er eilig an mir vorbei und ignorierte mich. Einmal hatte ich mich ihm absichtlich in den Weg gestellt, um ihn daran zu hindern, weiterhin vor mir zu flüchten. Doch er hatte sich nur umgedrehte und einen anderen Weg genommen. Schüler an einer so großen Schule zu sein, hatte sehr viele Nachteile. Einer davon war, dass zu jedem immer mehrere Wege führten. Praktisch, wenn man spontan schwänzen wollte, unpraktisch, wenn man sich mit jemandem aussprechen wollte, der vor einem auf der Flucht war!
Ich musste zugeben, dass ich sein Verhalten immer noch nicht ganz verstand. Vor dem Herbstfestzwischenfall waren wir Freunde gewesen. Sehr gute sogar. Man sollte annehmen, dass sich diese Verbindung nicht so leicht zerstören ließ. Und schon gar nicht durch etwas, das ihn gar nicht direkt betraf. Falls er an Robins Stelle wütend gewesen war, sollte sich das erledigt haben, nachdem dieser mir verziehen hatte, doch das war nicht der Fall gewesen. Ich nahm an, dass er schlichtweg enttäuscht von mir war, da er mir nicht zugetraut hatte, dass ich jemand so anlügen konnte. Doch es rechtfertigte nicht, dass er sich so standhaft weigerte, sich von mir damit konfrontieren zu lassen.
Der Grad an Verzweiflung, den bald erreichte, ließ sich daran messen, dass ich Paul erneut um Rat fragte.
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Kommentare
Lina schrieb am 2012-04-27 17:38:33:
Schreibst du auch noch mal weiter oder hast du aufgehört??
Ich hoffe nicht ich mag deine Geschichte nämlich sehr.
LG Lina
Vany schrieb am 2010-01-27 19:59:47:
sehr schön, genauso wir die vorherigen kapitel (:
ich freu mich auf meeehr (;
Lee schrieb am 2010-01-25 20:02:42:
:) warte wie immer gespannt auf die fortsetzung.
war natürlich wieder super!!
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