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Kategorien > Jugendstory > Liebe

Die Liebe, das Chaos und ich (9)

von Melody

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-----9-----

„ Du willst es also schaffen, dich mit ihm alleine zu treffen?“ wiederholte Dina nachdenklich.
„ Dann frag ihn doch einfach!“, schlug Paul unbedarft vor. Wie niedlich. Als ob es so leicht wäre!
„ Ich kann ihn nicht einfach fragen, das ist zu ... direkt. Das muss anders ablaufen. Ohne die Umweltidiotengang. Und vor allem ohne Helen!“
Ich streckte mich und hielt mein Gesicht in die Sonne. Wir hatten es uns auf einer großen Wiese im Park gemütlich gemacht. Um die Schule hinter uns zu lassen und vor allem um uns zu überlegen, wie es in Sachen Sam weitergehen sollte. Zu letzterem hatte Paul nicht wirklich Lust gehabt, aber er ließ sich ziemlich leicht mit einem spendierten Eis überzeugen. Warum schleppten wir nicht gleich ein kleines Kind an?
„ Ich hab ja drüber nachgedacht, ihn zu einem Spaziergang zu bringen. Durch die Natur. Die blöde.“ Dina hob die Augenbrauen.
„ Lass doch mal diesen Naturkram. Es ist ja nicht so, als würde er sich für nichts anderes interessieren. Und vor allem interessierst du dich keine bisschen für ‚die blöde’ Natur. Ihr müsst jetzt langsam mal Gemeinsamkeiten finden!“
„ Aber wir haben doch ganz viele Gemeinsamkeiten!“, widersprach ich unschuldig. Dina sah mich strafend an.
„ Echte Gemeinsamkeiten! Keine erfundenen.“
„ Na, wenn du darauf bestehst. Nur wie soll ich die finden?“
„ Keine Ahnung. Irgendwie rausfinden.“ Nicht sehr konkret. Sollte aber irgendwie möglich sein.

Das Projekt ‚Gemeinsamkeiten’ nahm ich mir gleich am nächsten Tag vor. Nur keine Zeit verlieren, Helen konnte schon hinter der nächsten Ecke auf ihn lauern. Gut, jetzt war es offiziell nicht bestätigt, dass sie hinter ihm her war, aber zwei Dinge sprachen eindeutig dafür. Das erste war, dass es als Mädchen mit funktionierenden Augen absolut unmöglich war, nicht hinter ihm her zu sein und das zweite war, wie sie sich ihm gegenüber benahm. Nun war es natürlich an mir, Prioritäten zu setzen. Sollte ich mich eher darum kümmern, Helen auszuschalten oder mich an Sam ranzumachen? Tja und wenn ich mich nicht dazu entschieden hätte, mich an ihn ranzumachen, würde jetzt wohl kaum ich diejenige sein, die hinter der nächsten Ecke auf ihn lauerte. Um ihm rein zufällig über den Weg zu laufen.
Damit das überhaupt möglich wurde, war ich an heute extra früh aufgestanden, um sicher zu stellen, dass ich vor ihm in der Schule ankam. Das bedeutete, dass ich mich bereits aus dem Bett quälte, als es noch dunkel war und kein Mensch im Haus wach. Ich wollte eben auf Nummer sicher gehen. So schnell wie an diesem Morgen war ich noch nie fertig zum Rausgehen. Wobei ich andererseits natürlich besonders gut aussehen musste für unsere Begegnung. Man könnte mich durchaus als Multitaskingtalent bezeichnen! Ich hetzte also aus dem Haus, als immer noch niemand wach war und los zur Schule. Die leider noch geschlossen war. Doch kaum dass sie aufgeschlossen wurde, war ich drin und nun würde es bald so weit sein. Zeit für Gemeinsamkeiten.
Ich musste zugeben, dass es nicht besonders interessant war, hinter einer Ecke zu stehen und den Korridor zu beobachten, aber ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass es sich schon auszahlen würde. Hoffentlich. Und mal ganz davon abgesehen, hatte ich heute sowieso nur Fächer, in denen man ruhig mal ein bisschen schlafen konnte. Aber was dachte ich da – das traf auf alle Fächer zu!
Irgendwann, nachdem ich schon fast komatös in mich zusammengesackt war, kam er endlich durch die Tür spaziert. Ich warf einen Blick auf die Uhr. Na toll, Es war fünf Minuten später, als ich normalerweise in der Schule ankam. Ich konnte nur hoffen, dass ich hierfür bei irgendeiner höheren Macht Bonuspunkte bekommen würde. Für die ich dann im Himmel eine zusätzliche Wolke bekommen würde oder so.
Wie auch immer, ich wartet noch einen Moment ab, bis er fast an meiner Ecke angekommen war und lief ihm dann so locker wie möglich über den Weg.
„ Oh, hi, Charlotte, bist du auch gerade gekommen?“ Mit überraschtem Blick wandte ich mich zu ihm und antwortete mit hoffentlich oscarreifem Talent: „ Ach, ich habe dich gar nicht gesehen. So ein Zufall, dass wir zur gleichen Zeit hier auftauchen, was?“ Noch ein breites Lächeln hinterhergeschoben und dann konnte ich nur noch hoffen, dass er es mir abnahm.
„ Ja, stimmt.“ Ich bin so genial. Und wenn man mal ganz großzügig war, hatten wir ja schon unsere erste Gemeinsamkeit gefunden: wir waren zur selben Zeit am selben Ort. Dina würde das wohl nicht gelten lassen, aber ich bin ja Optimistin.
„ Und, was hast du jetzt?“, fragte ich.
„ Mathe.“
„ Oh, ich hasse Mathe.“
„ Na ja, ich eigentlich nicht. Ist gar nicht mal so schlecht.“ Das lief nicht ganz so, wie ich mir das gewünscht hatte.
„ Aha. Welches Fach magst du denn noch?“
„ Weiß nicht. Sport.“ Zu dumm, zweiter Fehler. Jeder, der mich einmal im Sportunterricht erlebt hatte, wusste, dass ich dort nicht hingehörte. Und weil ich bei meinen Versuchen, Volleyball oder Basketball zu spielen oder auch nur auf dem Schwebebalken zu balancieren nicht nur mich, sondern auch die Menschen um mich herum verletzte, akzeptierte irgendwann jeder Sportlehrer meine Ausreden, dass mir schlecht wäre oder so. Weniger Risiko. Zumindest war das an meiner alten Schule so gewesen und ich hatte keinerlei Zweifel, dass es auch hier bald der Fall sein würde. Für mich ganz und gar kein Problem. Ich bestand nicht auf meiner wöchentlichen Portion Sportunterricht.
„ Aha. Dann mal anders: welches Fach magst du nicht?“ Sam sah mich bereits mit einem etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck an. Meine Sensibilität ließ wohl zu wünschen übrig. Egal.
„ Mal überlegen. Kunst mag ich nicht besonders.“
„ Kunst??? Wer mag denn bitte kein Kunst?“
„ Diejenigen, die überhaupt kein Talent dafür haben, vielleicht. So wie ich zum Beispiel.“
Ich zuckte mit den Schultern. „ Na und. Ich habe auch kein Talent dafür, trotzdem finde ich Kunst toll. Man sitzt nur da, bastelt an irgendwas rum und kann reden und machen, was man will, solange man nur einigermaßen beschäftigt aussieht.
Sam lachte. „ Wenn man das mal so sieht, hast du recht!“ Ha, die erste Gemeinsamkeit! Ein bisschen erzwungen war, aber darauf kam es doch nicht an. Wenn wir erst einmal zusammen waren, würde danach keiner mehr fragen.
„ Na ja, dann gehe ich mal.“, meinte Sam, nickte mir noch zu und drehte sich um.
„ Okay.“ Ich folgte ihm einfach auf seinem Weg. Er sah zwar ein bisschen überrascht aus, dass ich ihm so locker nachspazierte, aber meiner Meinung nach konnte es manchmal nicht schaden, ein wenig aufdringlich zu sein. Und außerdem musste ich sowieso in seine Richtung, er ging ja schließlich in meine Parallelklasse. Es wäre ja wohl noch viel schwachsinniger, zu warten, bis er ein paar Schritte gegangen war und dann hinter ihm herzulaufen wie ein kranker Stalker oder so.
„ Wann trifft sich denn die AG wieder?“, fragte ich nach ein paar Sekunden. Unerwartet wurde Sams Gesicht etwas rosa und er räusperte sich zunächst einmal ausgiebig.
„ Ich befürchte, gar nicht mehr.“

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Kommentare

Dr.Soltberg schrieb am 2009-08-02 15:44:23:
So, dann hinterlasse ich mal einen nett gemeinten Kommentar.
Ich kann nur hoffen, dass der in absehbarer Zeit ankommt, da die Seite schon seit einigen Wochen auf Eis zu liegen scheint. :-(

Deine Geschichten sind ein schöner Zyklus und ich werde sie mir nun sicher durchlesen.
Die peinliche Nähe zur Realität, besoders bei den Unterhaltungen über Umweltschutz, ließ mich doch manches Mal schmunzeln...

Yve schrieb am 2009-06-19 15:42:21:
Hey ^^
Ich hab mir gerade deine Geschichte durchgelesen und ich finde sie cht toll Freue mich schon auf den nächsten Teil.
lg Yve
Elina schrieb am 2009-06-15 23:16:42:
Hey, ich finde deine geshichte echt witzig und sehr unterhaltsam ^^ hoffe du schreibst bald wieder weiter, freu mich schon drauf :)
Nessi schrieb am 2009-06-11 13:09:48:
Echt lustige Geschichte, so eine hab ich bis jetzt noch nie gelesen, aber ist nicht schlecht. Bin gespannt wies weitergeht.
Lg

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