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Die Macht der Flammen

von Penopolis

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Lene saß schockiert auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung. In der Hand hielt sie einen Cognacschwenker mit einer klaren, scharf riechenden Flüssigkeit.
“Hier, trink das erst mal. Ich konnte in dem Chaos leider kein anderes Glas finden, aber es wird schon seinen Zweck erfüllen“. Mit diesen Worten hatte Steve ihr das Glas in die Hand gedrückt, nachdem Lenes Gesichtsfarbe eine auffällige Ähnlichkeit mit der weißen Wand hinter ihr angenommen hatte.
Lene hatte nach ihrer Entdeckung die beiden Männer noch vor der nächsten Straßenecke eingeholt, einer Hysterie nahe. Nachdem sie gemeinsam in Lenes Wohnung zurückgekehrt waren, hatte Fabian sofort die Polizei gerufen und gemeinsam hatten sie auf die Beamten gewartet. Lene hatte fast wie unter Zwang begonnen, einige Gegenstände an ihren ursprünglichen Ort zurückzuräumen, aber Steve hatte sie vehement davon abgehalten. „Du darfst hier auf keinen Fall irgendetwas anrühren, bevor die Polizei hier war!“, hatte er ihr ins Gewissen geredet. „Wahrscheinlich zerstörst Du nur wichtige Spuren!“ hatte er aufgeregt hinzugefügt. Lene rechnete schon fest damit, dass Steve eine Einbruchszene in sein dämliches Drehbuch hineinbasteln würde, auch wenn es überhaupt nicht zur Story passen würde.
Nach gefühlten hundert Jahren – dabei waren es nur knapp zehn Minuten gewesen – war dann endlich die Polizei in der Wohnung aufgetaucht.
Die Beamten hatten sich gründlich umgesehen und Lene eingehend befragt, ob denn aus ihrer Sicht irgendetwas von ihren Habseligkeiten fehlte.
„Komisch“, hatte Lene festgestellt, nachdem sie sich umgesehen hatte. „Alles ist noch da!“. Sie hatte sich gewundert und war erleichtert und beunruhigt zugleich gewesen. Der schöne Schmuck, eines der wenigen Dinge, die ihr von ihrer Mutter geblieben war, war Gott sei Dank noch in der Schublade im Bad. Auch vom Bargeld, das in ihrer Geldbörse im Schrank gelegen hatte, fehlte nichts, ebenso wenig wie Fernseher oder andere Kleingeräte, die man schnell hätte zu Geld machen können. „Wieso brechen die denn bei mir ein und nehmen nichts mit?“ hatte Lene ratlos gefragt.
Die Beamten konnten ihr diese Frage auch nicht wirklich beantworten, umso überraschter war Lene, als kurz darauf plötzlich der Kommissar Jürgen Smizker in Begleitung eines Kollegen in ihrer Diele stand.
“Der hat mir ja grade noch gefehlt“, hatte Lene innerlich gestöhnt. Was wollte der denn nun hier? „Kein Wunder, dass der den Mord nicht aufklärt, wenn er sich auch noch um jeden popeligen Einbruch höchstpersönlich kümmert“, hatte sie noch bei sich gedacht.
Der Kommissar hatte Lene sachlich begrüßt, ihr seinen Kollegen vorgestellt und hatte dann ohne weitere Erklärungen ihre Wohnung inspiziert. Fabian, Steve und Lene hatten nur verwunderte Blicke getauscht.
„Frau Steinbeck, wir müssen leider vermuten, dass der Einbruch in Ihre Wohnung mit der Tatsache zu tun hat, dass sie gestern Zeugin des Mordes im Park waren“, hatte ihr Smizker nach seinem Rundgang ruhig erklärt.
“Das ist doch völliger Unsinn“, hatte Lene spontan gerufen.
“Wir sehen das allerdings anders, Frau Steinbeck“, hatte der Kollege erläutert. „Wie Sie selbst sagten, scheint auf den ersten Blick nichts zu fehlen, daher liegt es nahe, dass hier keine gewöhnliche Einbrecherbande zugange war, sondern dass dieser Einbruch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem gestrigen Verbrechen steht“.
„Ja, aber wozu sollte denn irgendjemand, der mit dem Verbrechen zu tun hat, bei mir einbrechen?“ Lene hatte resignierend mit den Schultern gezuckt.
„Das können wir noch nicht beantworten“, hatte Smizker entgegnet. „Und bis wir das können, wird Ihre Wohnung als erweiterter Tatort eingestuft. Sie können schnell eine Tasche mit dem Nötigsten packen, bevor hier die Spurensicherung anrückt und detailliert nach Spuren suchen wird. Danach werden wir gegebenenfalls die Wohnung versiegeln müssen, das hängt ganz davon ab, was die Spusi herausfinden wird. Aber eines ist sicher: Heute Nacht können Sie hier auf keinen Fall bleiben!“
Deshalb saß Lene also hier, auf ihrem Treppenabsatz, Himbeergeist aus einem Cognacschwenker trinkend. Neben ihr stand eine kleine Reisetasche, hektisch gepackt. Steve hatte bereits Sophie verständigt, und so machte sich die kleine Truppe, bestehend aus Lene, Steve und Fabian wenig später auf den Weg zu Lenes Schwester. Wenn das so weiter ginge, könnte Lene dort bald fest einziehen. Lene verstand die Welt nicht mehr.

Der Maulwurf war ins Schwitzen gekommen. Buchstäblich und im übertragenen Sinne.
Die Botschaft, die er vom Heiseren erhalten hatte, war unmissverständlich gewesen: „Beschaff mir den Stick oder vernichte ihn“. Zum Glück hatte der Maulwurf mitbekommen, wie Smizker veranlasst hatte, den Stick an die Experten vom BKA zu schicken. Nachdem diese Anweisung aber erst spät am Nachmittag erteilt worden war – der Maulwurf hatte geschickt seine Augen und Ohren offen gehalten – war es zu spät für einen Kurier gewesen, aber die Sendung war sorgfältig vorbereitet, protokolliert und an die Poststelle übergeben worden. Keine Chance mehr für den Maulwurf, an den Stick heranzukommen, denn die Poststelle wurde jeden Abend um 18:00 Uhr verschlossen. Einen Schlüssel zu diesem Raum besaß er nicht und er wollte weder dadurch auffallen, dass er an dem Schloss herumfummelte oder dass er sich um einen Ersatzschlüssel bemühte.
Also kam als Alternative nur das Vernichten des Sticks in Frage. Aber wie nur? Er hatte eine Weile darüber nachgegrübelt. Dann hatte er Feierabend gemacht und war nach Hause gegangen. Gegen 2 Uhr hatte er sich wieder auf den Weg zum Revier gemacht, schwarz gekleidet und mit einem kleinen Rucksack.
In der Strasse des Reviers war um diese nachtschlafende Zeit alles still. Glücklicherweise schienen in ihrer Stadt die Gauner nachts auch zu schlafen, ein Streifenwagen, der zu einem Einsatz musste, würde seinen höchstwahrscheinlich zunichte machen. Der Maulwurf verfluchte im Stillen zum wiederholten Male den Tag, an dem er der Versuchung erlegen war und mit dem Heiseren ins Geschäft gekommen war. Er hatte auf einen leicht zu verdienenden Zusatzverdienst gehofft, ab und zu mal ein Telefonat, bei dem gewissen Informationen übermittelt wurden, im Gegenzug eine ordentliche Bezahlung. Dass er am Ende so unter Druck gesetzt werden würde und sogar nun kurz davor stand, eine Straftat zu begehen, damit hatte er natürlich nicht gerechnet.
Er schob die Gedanken beiseite und setzte seinen Rucksack ab. Mit behandschuhten Fingern zog er die präparierten Flaschen aus der Tasche und kramte nach seinem Feuerzeug. Nur kurz wurde sein Gesicht hinter dem Gebüsch erhellt, hinter dem er kauerte, als die Flamme des Sturmfeuerzeugs aufflackerte. Der Maulwurf hielt die Flamme an die beiden Lunten, dann schleuderte er mit aller Kraft die beiden Flaschen durch die Scheiben der Poststelle. Das laute Klirren von Glas ließ ihn aufschrecken. Leise und unbemerkt lief er durch die Büsche davon, weg von dem Revier und der Poststelle, in der langsam aber unaufhaltsam die Flammen ihr

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