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Kategorien > Mysterie > Seltsam

Die Männerfresserin

von Schattenschalk

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Es war sehr, sehr merkwürdig. Vor drei Wochen war der Pfleger Herrmann Flicken nicht erschienen und seit zehn Tagen warteten alle auf Dokter Hempel vergebens. Michael Taub, der Oberarzt dieser Nervenklinik, wusste nicht was er davon halten sollte. Beide waren äußerst zuverlässige und wichtige Mitarbeiter. Wieso hatte sich das so plötzlich geändert. Und noch viel wichtiger war die Frage: Wo sind sie? Jeder Versuch, sie zu kontaktieren, schlug fehl. Als verantwortungsbewußter Vorgesetzter machte Taub sich ehrliche Sorgen. Er mochte sein Team. Gedankenverloren schaute der ergrauende Mittvierziger aus dem Fenster, seines Büros. Er war ein gutaussehnder Mann. Ein echter George Cloony-Typ. Draußen war es grau und regnerisch. Der schöne Park - sonst so voller Leben- erschien verlassen und traurig. Der Regen wurde stärker. Er trommelte heftig gegen die Scheibe. Eingelullt von dem Geräusch und erschöpft von der durchgearbeiteten Nacht, nickte Taub sanft ein. Er schrak jedoch schnell wieder hoch, als die Sprechanlage piepte. Taub drückte den Knopf. "Ja?"
Seine Sekretärin, Michaela Heutgens, klang ziemlich nervös. "Herr Doktor? Hier ist ein Herr Inspektor Peter Falke, von der Kriminalpolizei. Er möchte sie sprechen."
Taub runzelte die Stirn. Polizei? Ihm ahnte nichts Gutes. "Schicken sie ihn bitte ungehend zu mir, Frau Heutgens."
Schlagartig war Taub wach. Er wischte sich über die aufgequollenen Augen. Viel zu viele schlaflose Nächte. Die nervöse Frau Teutgens öffnete die Bürotür und ließ den Inspektor hinein. Der Polizist lächelte freundlich. Taub hatte sich Ispektoren immer ganz anders vorgestellt. In seine Fantasie trugen sie beige Trenchcoats und Stetsons. Aber dieser hier, war wie ein Dressman gekleidet. Perfekt sitzender, dunkelblauer Anzug. Geschniegelte Frisur und ein breites Verkäuferlächeln.
Taub wies auf einen Stuhl. "Bitte! Setzen sie sich, Herr Falke. Was kann ich für sie tun?"
Der Dressman-Bulle ließ seine geschulten Augen kurz über den Schreibtisch schweifen. "Danke. Ich stehe lieber. Ich untersuche das Verschwinden zweier Angestellter, ihrer Abteilung, Herr Doktor. Im Genaueren geht es um Herrmann Flicken, der - wenn ich recht informiert bin- als Pfleger tätig war. Und um ihren Kollegen, Doktor Franz Hempel. Es gibt einfach keine Spur von ihnen. Sie sind wie vom Erdboden verschluckt. Wie sie wissen, stehen ihre Fahrzeuge noch immer auf dem Klinikgelände. Deshalb stellt sich mir die Frage, ob sie die Klinik überhaupt verlassen haben. Verstehen sie?"
Taub lehnte sich vor. "Nein. Ich verstehe nicht. Wollen sie andeuten, dass sie sich hier versteckt halten, oder festgehalten werden?"
Peter Falke lachte humorlos. "Nein, Doktor. Ich glaube, dass sie ermordet wurden und der Täter hier zu finden ist."
Doktor Taub starrte den Polizisten ungläubig an. "Was? Das ist doch unsinn. Wir haben hier keine schweren Fälle. Depressive, Authisten und Missbrauchsfälle sind alles, was wir zu bieten haben. Diese Menschen sind krank, ja. Aber sie sind keine Mörder...." Plötzlich stockte der Doktor. Er hielt inne und gedachte einer Situation, die sich vor cirka anderthalb Wochen abgespielt hatte. Da war dieser Patient. Sein Name war Fritz Torwacht. Er litt an ziemlich heftigen Halluzinationen. Die Medikamente hätten es eigentlich abstellen müssen. Aber, aus unbekannten Gründen, schienen sie nicht gewirkt zu haben. Fritz Torwacht, der besonders vor Frauen Angst hatte, war an diesem Tag so aggressiv geworden, dass man ihn ruhig stellen musste. Er hatte eine Patientin, die junge Mellanie Wandelsand, des Mördes bezichtigt. Torwacht hatte geschrien und war der Panik nahe, als man ihn fand. Er hatte sich die Fäuste am Panzerglas blutig geschlagen. Die authistische Mellanie Wandelsand schien ihm unglaubliche Angst einzujagen. Er bezeichnete sie als Männerfresserin. Sie sei eine Mörderin aus der Hölle. Hatte er an diesem Tag nicht Doktor Hempel zuletzt gesehen?
In seinen Gedanken versunken, schüttelte Taub den Kopf. "Was ist?" Fragte der Inspektor.
"Ich weiß nicht. Eigentlich ist mein Gedanke vollkommen unsinnig. Aber da war etwas.....

Der Doktor, von Natur aus redseelig, erzählte jede Einzelheit von dem Ereignis,welches sich mit Torwachtund Frau Wandelsand abspielte. "....Es sah wirklich so aus, als ob sie ihn verfolgt hatte. Aber das ist bei einer Authistin, ihrer Katthegorie, nicht möglich. Sie tut niemals etwas selbstständig. Wir füttern und pflegen sie täglich. Wenn sie doch etwas mit der Sache zu tun hat, möchte ich es natürlich wissen. Aber der Gedanke, dass sie meine Kollegen umgebracht haben soll ist zu absurd. Aber sehen sie selbst." Doktor Taub stand auf und bedeutete dem Inspektor, ihm zu folgen. Sie durchquerten das Vorzimmer und betraten den Klinikbereich. Inspektor Falke blieb kurz stehen. "Ich würde gerne zuerst diesem Herrn Torwacht sprechen. Ist das möglich?" Taub nickte.
"Das wäre schon möglich. Aber Herr Torwacht befindet sich seit dem Vorfall in einer stark psychotischen Phase. Er wird nur Phantasieren."
Der Polizist rührte keinen Gesichtsmuskel. So als hätte er ihn nicht verstanden. Sein Blick verriet, dass er auch Doktor Taub verdächtigte. "Aber, wenn sie darauf bestehen. Sein Zimmer ist gleich hier."
Taub fühlte sich gar nicht wohl in seiner Haut. Ihm war zwar klar, dass der Inspektor jeden verdächtigen musste. Aber, Taub wusste natürlich ganz genau, dass er unschuldig war. Taub ließ Torwachts Zimmer aufschließen und ging zuerst hinein. Der Inspektor trat neben den Doktor und besah kurz den untersetzten, dunkelhaarigen Mann. Er war auf seinem Bett fixiert und konnte sich nicht rühren. "Guten Tag", sagte Inspektor Falke. "Mein Name ist Peter Falke. Ich ermittle das Verschwinden von...." Weiter kam er nicht. Torwacht bäumte sich wild gegen die Fixierung auf. Er schrie die Worte nicht nur, sondern sie platzten schier aus ihm heraus. "Sie müssen sie aufhalten...keiner glaubt mir hier...glauben sie mir....bitte...Sie ist eine Mörderin, eine Männerfresserin....sie hat meinen Freund, Doktor Hempel, einfach aufgefressen. Er wollte mich heilen, mein freund. Und sie... dieses Monster (Kremer begann hilflos zu schluchzen) er ist weg....einfach weg...Toten sie dieses Ding. Töten sie sie. Töten sie sie. Lassen sie es verrecken." nun kamen keine artikulierten Laute mehr. Torwacht schrie nur noch Tod und Teufel.Der Inspektor schien kein bißchen beeindruckt. Er hatte alles kalt beobachtet und sich noch Notizen gemacht. Doktor Taub fragte sich, ob dieser Mann wirklich so viel Eis im Blut hatte, oder einfach nur hervorragend schauspielerte.

Das Zimmer verlassend, sprach Peter Falke: "Nun möchte ich noch diese Mellanie Wandelsand befragen." Er hob abwehrend die Hand. "Bevor sie jetzt sagen, dass es keinen Sinn hat, lassen sie mich erklären. Ich habe den Verdacht, dass sie etwas damit zu tun hat. Was genau, kann ich noch nicht sagen. Aber, ich werde es herausfinden. Jeder Lügner enttarnt sich irgendwann durch seine Unvorsichtigkeit.

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Kommentare

Schattenschalk schrieb am 2008-08-10 19:12:27:
Zu viel der Ehre, ihr Lieben. Ich werde ja röter, als die blutüberströmten Opfer, meiner anderen Erzählungen.
Gimliy schrieb am 2008-08-09 23:54:49:
Man, du machst einen ja richtig fertig. Wo hast du denn sowas her, das is ja mal voll cool!
Psycho, psycho^^ Ne, ohne Witz, find die Idee gut und ist auch prima umgesetzt.
lg: Gimliy
RaubkatzenfleischzerreißmiezeMarika schrieb am 2008-08-08 19:16:05:
Ich habe mir das Ende schon gedacht.. ein bißl zu früh.. weiß nicht woran das lag. Also junger (oder alter- ich kenne Sie ja nicht. Wir sind hier ja anonym:-) Mann. Ich kenne mich ja nicht so aus.. aber von mir aus hätte die Geschichte länger sein müssen. Einfach weil da ein paar tolle Ansätze waren die mehr ausgeschmückt gehören... ich hätte gerne mehr über die Personen erfahren.. Gedanken.. weil Sie wirklich schön schreiben können. Macht Spaß zu lesen. .. irgendwie... irgendwie müsste die Geschichte länger sein ( obwohl ich gerne die kurzen lese.. einfach weil schneller geht- ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch und lese selten ein Buch fertig. Dafür habe ich schon viele angefangen zu lesen. ) .. die war zu kurz. :-) . Idee ist super. habe mir schon immer gedacht dass in Psychatrischen Einrichtungen Menschen sitzen die da nicht hin gehören... lach.... yupppiiiiieeeeeee
Schattenschalk schrieb am 2008-08-07 20:07:28:
Ich bitte die Fehler, gnädigerweise, zu übersehen. Ich war blau, übernächtigt, ausgepumpt und sonst noch alles.....

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