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Kategorien > Fantasy > Feen und Elfen

Die Manthey -5-

von Lilly

1

Während sie einen dunklen dichten Wald durchritten, dachte Keyra an ihr altes Zuhause. An ihrem Platz vor dem Kamin, dort war sie immer sicher vor den Anfeindungen. Dort versank sie in Bücher und in ihre Fantasien. Dort saß sie immer und lachte mit ihrer Mutter und ihrer ach so liebevollen Schwester.
Dort kannte sie zwar Angst und Schmerz und doch sehnte Keyra sich nach der Vertrautheit dieser Gefühle. Dies schien für immer ihr Zuhause zu sein und nun existierte es alles nicht mehr. Nicht einmal mehr eine Familie hatte sie. Keine Mutter die ihr Ratschläge für ihr Leben, ihre Zukunft gab und keinen Vater, der sie in ihre Schranken wies. Keine Schwester an die sie ihre Lebenserfahrungen weiter geben konnte. Um zu versuchen aus ihr einen besseren Menschen zu machen, als all die anderen zu sein schienen. Sie war nicht einmal mehr ein Mensch.
Doch dann auf einmal richtete sie sich auf dem Rücken ihrer Stute wieder auf und sagte sich:
>Ich werde für immer ein Mensch sein, denn ich kannte ihre Liebe, ihr Verständnis mir gegenüber und das kann ich nicht leugnen. Ich kann und werde sie nicht vergessen.
Sie werden immer ein Teil meiner Vergangenheit sein und ich werde nicht zulassen, dass man mir dies nimmt..
Egal was ich war, egal was ich bin und egal was ich einmal sein werde – sie gehören zu mir, wie ich immer zu ihnen gehören werde. Auch wenn sie dies nicht mehr wissen, ich weiß es und das reicht mir vollkommen..<
Auf einmal spürte Jy neue Energie, neue Kraft um sich herum und erkannte, wie ihre schweigenden Begleiterinnen, dass diese von Keyra ausging. Wieder ein weiterer Schritt voran, dachte sie und die anderen hörten ihre stummen Gedanken und nickten erleichtert.
Langsam wurde es dunkel und Jy meinte sich umschauend:“ Es wird Zeit das wir unser Lager aufschlagen, schon zu lange sind wir Unterwegs.“
Auf einer kleinen übersichtlichen Lichtung brachten sie ihre Pferde zum stehen und stiegen aus ihren Satteln.
Während die anderen elegant aus diesen glitten, stieg Keyra steif und mit schmerzverzerrtem Gesicht von ihrer Stute. Sie glaubte nun jeden Muskel und jeden Knochen ihres Körpers benennen zu können.
„Sagtest du nicht, dass der Körper nur eine Hülle sei? Warum habe ich dann nur solch schmerzen? Ist dies nicht ein Widerspruch?“
Jy lachte fast unhörbar und erklärte, während sie mit Leichtigkeit und Geschick den Sattel von ihrer Stute hob:“ Der Schmerz ist ein kleiner Bestandteil unseres Körpers. Hast du einen Körper, hast du auch schmerzen und noch vieles mehr. Dieses Gefühl gehört dazu wie die Haut über deinen Muskeln und die Knochen darunter. Es wäre schade nicht so etwas wie Schmerzen empfinden zu können, denn dann würden wir auch keine Zärtlichkeiten spüren.“
Sie lehnte den Sattel gegen einen Baum und erklärte weiter:“ Aber du wirst lernen diese Empfindungen zu kontrollieren, einzig und allein mit deinen Gedanken. Glaube mir, es ist ganz einfach.“
Kräftig streckte sich Keyra und glaubte es mehrmals knacken zu hören bevor sie feststellte:“ Dann wird es Zeit sich damit auseinander zu setzen, denn ich bin nicht sehr gut im Schmerzen aushalten.“
„Wer ist das schon“, sagte Jy und half Keyra, die Kraftlos zu sein schien, denn Sattel von ihrem Pferd zu nehmen und legte ihn dann, neben den ihren, an den Baum.
„Jetzt machen wir erst einmal Feuer. Schließlich kannst du deinen Körper noch nicht kontrollieren und so müssen wir etwas dagegen tun.“
„Natürlich, erwähne es nur. Und überhaupt, wie willst du das anstellen Jy, hier gibt es weit und breit kein trockenes Holz?“
Kaum hatte Keyra dieser Frage ausgesprochen spürte sie auch schon wie dumm diese war. Jy sagte darauf nichts, denn sie erkannte in ihrem Gesicht das sie diese Frage nicht beantwortet haben wollte. Stattdessen kniete sie sich langsam in den Schnee und dieser schoss blitzschnell auseinander und ihre Knie berührten trockenen Boden. Mit geschlossenen Augen streckte sie ihre Hände aus und begann die Handinnenflächen gegeneinander zu reiben. Ein unverständliches Murmeln und auf einmal begann es zu knistern. Funken tauchten aus dem Nichts auf und es roch nach Feuer. Diese Funken schwebten wild um ihre Hände herum, ohne sie auch nur zu berühren, oder sie gar zu verletzen. Es schein als warteten sie aufgeregte darauf, endlich etwas tun zu dürfen. Jy lächelte und begann mit diesen zu sprechen und auf einmal wurden sie zu einem großen leuchtenden Klumpen und eine angenehme wärme ausstrahlte. Es wurde einen kurzen Augenblick laut und mit einemmal brannte vor ihr ein wohltuendes Feuer, ganz ohne Holz. Keyra war sichtlich begeistert.
„Was war das?“
Jy erhob sich mühelos von ihren Knien und erklärte:“ Das waren die Geister des Lichts. Verbündete unserer Welt. Sie schenken uns gerne Feuer, wann immer wir es benötigen“
Mit einemmal verdunkelte sich ihre Stimme und ihre Mimik wurde ernst:“ Doch es gibt auch bei ihnen abtrünnige, die Feuer geben, ohne dass es jemand wünscht. Sie gehören zur dunklen Seite und sind der Gier der Herrschaft verfallen. Auch auf diese müssen wir heute Nacht achten, denn oft spüren sie wenn man die anderen Ruft und folgen diesem Wunsch, doch nur um Unheil zu bringen.“
Sie legte einen Arm um Keyra und sagte besorgt über ihr müdes Gesicht:“ Leg dich hin, schlafe – wir werden wachen.“
„Braucht ihr denn keinen Schlaf?“
Jys wache Augen funkelten sie an.
„Nein, wir schlafen nie. Schon seit langem tun wir das nicht mehr.“
Keyra lies sich auf eine Decke neben dem warmen Feuer nieder und zog eine weitere fast bis zu ihren Ohren. Doch noch immer konnte sie fragen stellen um ihre unendliche Neugierde zu stillen:“ Zu welcher Gattung gehören du und deiner Begleiterinnen?“
Jy rückte etwas näher an sie heran bevor sie sagte:“ Wir sind alleine für unsere Herrin erschaffen worden. Wir sind eine Verbindung aus so viel, das man es gar nicht erklären kann. Wir werden immer wieder neu geboren, wenn ein neuer Herrscher diese Welt betritt und mit jedem Mal werden wir perfektionierter. Wir wurden neu erschaffen, als du geboren wurdest und doch sind wir schon älter als die Zeit.“
„Dann seid ihr einzig und alleine da für mich?“
Sie gähnte die letzten Worte geradezu erhaus.
„Ja, nur für dich. Wir sind da, um dir den richtigen Weg zu weisen und um dich zu schützen, auch wenn unsere Möglichkeiten nur begrenzt sind. Wir tun dies bedingungslos, bis man uns gehen lässt und wir wieder zu dem werden, aus dem wir erschaffen wurden, pure Energie, bis man uns irgendwann wieder ruft.“
Keyra verstand und sah wieder dieses beruhigende lächeln.

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