Die Perle
von
P. Boadu
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Die Perle
Ich saß auf der Couch, auf dem Tisch spiegelte sich der Glanz der Kerzenflamme in dem Rotweinglas. Wollig reckte ich meine Zehen unter der warmen Decke während neben mir mein Kater ein zufriedenes Schnurren von sich gab. Ein Zeichen seines Dankes dafür, dass ich, während ich mich voll und ganz auf meinen historischen Liebesroman konzentrierte, noch die Kraft für das Hinter den Ohren kraulen aufbrachte. Das schrille Klingeln des Telefons unterbrach unsere Harmonie jäh. Fast widerwillig nahm ich das Gespräch entgegen, als hätte ich geahnt, was in der nächsten dreiviertel Stunde auf mich zukam.
Meine Freundin Svenja klang verzweifelt, mit weinerlicher Stimme beschrieb sie mir die Lage, in der sie sich befand. Der gutaussehende Rechtsanwalt, dem sie seit vierzehn Tagen ihre gesamte Aufmerksamkeit geschenkt hatte, hüllte sich nun schon seit vier Tagen in Schweigen. Er reagierte nicht auf ihre Anrufe, E-Mails und SMS’s. Schluchzend erwartete sie eine ernstgemeinte Antwort auf ihre Frage, was sie den nun schon wieder falsch gemacht hatte. Wie konnte sie von mir erwarten, dass ich ihr bei diesem Problem helfen könnte. Ich, die schon vor zwei Jahren die Flinte entmutigt ins Korn geworfen hatte, nachdem ich meinen damaligen Traummann an einem Samstagnachmittag in einem Straßencafe über zwei Capuccino hinweg knutschend mit einer vollbusigen Brünetten erspäht hatte. Ich, die sich nach unzähligen Versuchen einen potentiellen Vater für meine zukünftigen Kinder zu erkämpfen, so sicher war, dass dieses eine Mal nichts schief gehen konnte. Ich, die all meine Zeit, all mein Gefühl, ja sogar mein Geld in einen so perfekten Mann investiert hatte. Ich, die von diesem Gedanken fast besessen gewesen war, dass diesmal, wenn ich mir nur genug Mühe geben würde, dieses perfekte Glück nichts zerstören konnte. Nein, einen Rat konnte sie nicht von mir erwarten. Beschränkten sich meine männlichen Kontakte seit zwei Jahren doch ausschließlich auf die Fantasiefiguren meiner Kitschromane und gelegentliche Shoppingtouren mit meinem schwulen Freund Mike. Aber ich versuchte sie zu trösten so gut ich konnte, indem ich ihr immer wieder versicherte, dass dieser Mistkerl so eine tolle Frau wie sie gar nicht verdient hatte und der für sie bestimmte Seelenverwandte bestimmt schon hinter der nächsten Ecke auf sie warten würde. Nachdem sie sich endlich beruhigt hatte, legte ich erschöpft auf und leerte das Glas Rotwein mit einem Zug. Ich versuchte mich nun wieder auf meinen historischen Roman zu konzentrieren aber nachdem ich die Beschreibung zur Ankleidung mit Korsage und Reifrock ein drittes Mal gelesen hatte ohne sie zu verstehen, wusste ich, dass es Zeit war ins Bett zu gehen.
Am nächsten Morgen wurde ich durch meinen Radiowecker mit einem lauten „Surfing USA“ von den Beach Boys geweckt. Schnell brachte ich den Wecker zum schweigen. Das war selbst für mich, die kein Morgenmuffel war, etwas zuviel gute Laune am frühen Morgen. Wie betäubt lag ich da und versuchte mich an den Traum der letzten Nacht zu erinnern. Ein merkwürdig klarer Traum, der jetzt wieder bis auf das kleinste Detail vor meinem geistigen Auge auftauchte. Ich sah mich in der Tracht eines Burgfräuleins und die enge Korsage gab meinem, doch eher spärlich bemessenem Busen eine beachtliche Form. Ich stand auf einem altertümlichen, von Efeu umrankten Balkon, der wohl zu einer Burg gehören musste und schaute hinab auf einen vollblütigen Jüngling, der mir voller Inbrunst ein Liebeslied darbrachte. Lächelnd schüttelte ich den Kopf in meinen Kissen. Ich musste mich unbedingt etwas einschränken, was die Lektüre meiner Kitschromane betraf, sonst würde ich mich irgendwann gänzlich vom realen Leben im zwanzigsten Jahrhundert entfernen. Ich schwang mich aus dem Bett und fing an mich zu rüsten für einen harten Tag in einer modernen Arztpraxis, indem ich in die Dusche stieg.
Es fing schon fast zu dämmern an, als ich am Ende des langen Tages endlich die letzten Befunde in den PC getippt hatte. Ich freute mich nur noch darauf, meine unbequemen Schuhe abzustreifen und bei Wein und Kerzenschein meinen Roman weiter zu lesen. Doch beim Blick auf meine Armbanduhr, fiel mir plötzlich ein, dass ja heute Freitag war. Der Freitag. Es war der Fünf-Freundinnen-Freitag. Wir fünf Mädels, die wir uns schon aus Teenagerzeiten kannten, hatten uns einmal bei einem heiligen Blutsschwur versprochen, dass wir uns jeden letzten Freitag im Monat treffen würden, um so nicht den Kontakt zueinander zu verlieren. Als wir alle Anfang zwanzig waren, arteten diese Freitage meist in wilde Disconächte voller Alkohol aus, die nicht selten in dem ein oder anderen One-Night-Stand endeten, was dann wiederum genug Gesprächsstoff für das nächste Treffen ergab. Mit Mitte zwanzig wurden unsere Treffen schon etwas ruhiger, befanden wir uns doch nun mittlerweile, wenn auch meist abwechselnd, in einer festen Beziehung. Woraus sich andere und gänzlich erwachsenere Gesprächsthemen ergaben. Mit Ende zwanzig hatten drei von uns es schon geschafft, ihrem Leben durch mütterliche Liebe zu wirklich süßen Zwergen, einen Sinn zu geben. Was unseren verschworenen Kreis allerdings etwas in Disharmonie spaltete. Den zwei von uns fühlten sich ausgeschlossen bei den Gesprächen über Windeln, Strampelanzüge und erste Gehversuche. Doch diese Disharmonie wurde erstaunlicherweise wieder aufgehoben, als wir uns alle unaufhaltsam zur Mitte der Dreißiger bewegten. Unglücklicherweise waren auch unsere Supermuttis inzwischen wieder Singles, was uns beiden Nichtmüttern den Eindruck vermittelte, dass es wohl doch nicht so falsch war, mit dem Nachwuchs zu warten. Wenngleich wir uns über die Tatsache belogen, dass dieses Warten nicht auf unserer Entscheidung, sondern eher auf den Zustand beruhte, dass die Suche nach potentiellen Vätern bei uns nicht sehr erfolgreich war. Aber mittlerweile bestanden unsere Gesprächsthemen ausschließlich aus dem frustrierten Gejammer über die uns immer wieder enttäuschenden Männer. In einem unterschieden wir uns alle nicht. Sobald wir einen Mann an der Angel hatten, versuchten wir alles erdenkliche, um sein Feuer am lodern zu halten. Das fing an, mit täglichen Anrufen unsererseits, unter dem Vorwand uns erkundigen zu müssen, dass es ihm auch gut ging. Dem Stellen seiner Interessen über unsere eigenen. Was sich äußerte durch plötzliches Gefallen finden an Kriegsfilmen, fast rohen Steaks, Fußballübertragungen zu Zeiten in denen unsere Lieblingsserien liefen und muffeligen Socken auf unseren blank polierten Badezimmerfußböden. Dem Erlernen von äußerst fragwürdigen oder unbefriedigenden Sexualpraktiken, bis hin zur Bereitschaft seine Wäsche zu waschen oder gar dem Aufräumen seiner Wohnung während seiner Abwesenheit. Wenigstens hatte ich mir durch meinen selbst gewählten Rückzug solche Demütigungen erspart. Aber die Anderen gaben wenigsten nicht auf, während ich mich feige hinter meine Kitschromane versteckte.
Nach einem langen Abend und nicht enden wollenden Diskussionen fiel ich
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Kommentare
P. Boadu schrieb am 2009-09-24 20:53:02:
Die Kurzgeschichte ist für die Teilnahme an einen Wettbewerb der Zeitschrift Glamour geschreben worden.
Die Länge war begrenzt und das Ende vorgegeben....daher kein anständiges Ende...sorry
lisa schrieb am 2009-09-22 17:30:00:
keine ende D:
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