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Kategorien > Kurzgeschichte > Psychologie

Die Reise ins Irrtümerland

von Iva Schwarz

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Sie sitzt in einem gemütlichen, zentral liegenden Café und trinkt langsam Cappuccino. Plötzlich klingelt das Handy, es muss er gewesen sein, den sie zum ersten Mal sehen wird. Ja, sie irrt sich nicht, er ist es, sie hört seine helle Stimme und kann kaum an das Glück glauben. Die Neugier aufs Unbekannte, die Erleichterung vom Ende der langen Telefongespräche, die Müdigkeit von einer strapazierten Reise in die Stadt ihrer Träume überfüllen sie. Sie hat es geschafft, sie wird ihn in zehn Minuten treffen. Sie lässt 3 Euro auf dem Tisch liegen und eilt sich zum Platz „Freiheit“, in der Nähe dessen sein Auto auf dem Parkplatz stehen muss. Sie geht nicht, sie läuft Hals über Kopf. Vor einem Denkmal am Rande des Platzes bleibt sie stehen, sie sieht sich um, überall sind viele Leute, es ist Samstag, die Einkaufsstraße wimmelt von hin- und hergehenden Leuten. Er muss sie erkennen, er hat ihr Foto gesehen, er kennt sie. Sie späht in die Ferne, und plötzlich hört sie hinter ihrem Rücken seine bekannte Stimme: Hallo! Sie dreht sich um und vor ihr steht ein mittelgroßer Mann, mit blauen Augen und dunkelblonden Haaren. Sie sieht in seine blauen Augen, sie haben einen abwesenden Blick, seine Gedanken sind irgendwo anders, wo sich der Anfang und das Ende treffen.
Sie gehen zum gemütlichen, zentral liegenden Hotel „New live“, in dem er ein billiges Zimmer reserviert hat. Sein Luxusauto lässt er im Hinterhof des Hotels stehen. Um 3 Uhr sind sie zu einer Hochzeitsparty eingeladen, er hat noch Zeit, sich von einer langen Fahrt auszuruhen. Er braucht Ruhe, sie braucht seine Aufmerksamkeit. Sie scheinen in guter Laune zu sein, sitzen im Zimmer, sprechen über das Wetter, den Gesundheitszustand und die wirtschaftliche Krise, wie die Leute, die einander schon lange kennen. Eine Stunde vergeht, und es muss losgehen. Sie steigen zwei Etagen hinauf, wo auf sie das frischgebackene Ehepaar wartet. Sie gratulieren ihm zum Tag des glücklichen Tages, schenken ihm eine mittelgroße Geldsumme und nehmen Platz auf einem gemütlichen Sofa auf die Gäste wartend. Die ersten Gäste kommen, das sind zwei Freundinnen der Braut, zwei freundliche, blonde, hübsche Mädchen slawischen Aussehens. Die Mädchen fühlen sich wie Fische im Wasser, eins überreicht dem Ehepaar eine große exklusive Flasche Wodka „Perfekt“, das andere schenkt ein Teeservice „Gschel“. Dann setzen sich die Mädchen auf ein kleines, links stehendes Sofa und plaudern ununterbrochen miteinander. Er und sie sitzen schweigend auf ihrem gemütlichen Sofa. Langsam verändert sich sein Blick, er wird lebendiger und funkelnder, denn eine Blonde wendet kein Auge von ihm ab. Vor Freude und Scham werden die Wangen der Einanderansehenden rot. Sie versucht, sich zusammenzunehmen und scheint, ungeachtet des Kopfschmerzes gut gelaunt zu sein.
Die Gäste kommen mit Verspätung, es ist schon halb fünf. Die Party beginnt mit dem Ausruf „Zum Wohl aufs Ehepaar!“ und alle stoßen ihre Gläser mit Sekt an. Sie und auch die Braut wollten etwas Stärkeres trinken. Zum Glück öffnet man die perfekte Wodka-Flasche, gießt die weiße, gekühlte, leicht dicke Flüssigkeit in die Gläschen, und serviert Salzgurken dazu. Das Getränk wirkt ein Wunder. Es rettet vor dem Kopfweh! Die knirschenden Salzgurken geben der Situation die Gespanntheit. Die Gäste trinken vor Freude vier Gläschen hintereinander, essen Salzgurken nach. Er fühlt sich schon in einer unbekannten Gesellschaft wie ein Fisch im Wasser. Das starke Getränk bringt ihm Ermunterung und Entspannung. Nach dem fünfmaligen Anstoßen der Gläser mit den Gästen kennt er schon alle, die Blonde steht neben ihm rechts und sieht auf ihn süß an. Was für eine Idylle!
Sie schaut sich um, sie will einen freundlichen Blick finden. Alle sind gepaart, und ihr Begleiter sitzt schon auf dem gemütlichen Sofa mit der Blonden, die etwas Spannendes erzählt, indem seine blauen Augen vor Freude strahlen. Sie verlässt die Party, geht durch die leere Straße entlang bis zum Denkmal am Rande des Platzes „Freiheit“, bis zum ruhigen, gemütlichen, zentral liegenden Café und plötzlich klingelt ihr Handy. Sie will nicht zurück, sie will die Stadt ihrer Träume besser kennen lernen.

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