Die Reise zum Livingstonbaum
von
opb
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Das Didgeridoo ist als eines der Musikinstrumente der australischen Ureinwohner, der Aboriginies, bekannt. Es ist ein zwischen ein und zwei Meter langes Holzrohr, dass als Blasinstrument verwendet wird. Die Aboriginies nutzen dazu Stämme des Eukalyptusbaumes, schneiden diese auf die benötigte Länge zu und stecken diese tief in den Boden. Die Termiten fressen sich dann durch den Stamm und höhlen ihn von oben bis unten aus. Übrig bleibt dann ein Rohr, dass meist mit Traumzeichen bemalt wird und einen dumpfen Klang erzeugt, sofern man die hohe Kunst des Spielens beherrscht.
Es kostete mich ungefähr vier Stunden, mehrere Flaschen Wasser und etliche Nerven, sowie eine Aspirin, bis ich endlich in der Lage war einen einigermaßen vernünftigen Ton zu erzeugen. Das Wasser war wegen des Speichelverlustes und Schwitzens, die Aspirin gegen das Kopfweh das man bekommt wenn man vier Stunden dicke Backen macht.
Die Aboriginies lernen früh die Zirkulationsatmung, um das Didgeridoo ununterbrochen und ohne abzusetzen spielen zu können. Unter längerem Zeitraum versteht man 20 oder 30 Minuten, manchmal auch mehr, nicht meinen persönlichen Rekord von 10 Sekunden. Aber das gleichzeitige Ein und Ausatmen sowie der Versuch im gleichen Moment Flatterlippen zu machen ist nicht einfach.
Das Didgeridoo ist für die Ureinwohner Australiens ein heiliges Instrument. Es ist eine große Ehre für den, der die Möglichkeit hat das Spielen von einem Stammesangehörigen zu erlernen.
Weiblichen Aboriginies ist es aus religiösen Gründen untersagt, sogar Verboten, das Instrument zu spielen. Es ist für alle Frauen eine Art Tabu. Um so erstaunter war ich, als Sandy aus Sydney mir einmal erzählte, dass sie das Spielen des Didgeridoos einst von einem Stammesältesten in Australien erlernte.
Ein Regelverstoß, der Sandy, ihrem Freund John und mir, während einer Reise in Afrika aus einer äußerst heiklen und bedrohlichen Situation heraushalf.
Afrika, der schwarze Kontinent. wer denkt nicht an die Erzählungen Ernest Hemingways, an die Dokumentationen der Tierfilmer oder die Ausführungen der Weltenbummler. Die Liste der Utensilien, die man bei Afrikareisen mitführen sollte ist so lang, wie die Checkliste einer NASA Raumfähre beim Start. Da wären Malariatabletten für vor und nachher, Wasserreinigungstabletten, Pillen gegen Fieber, gegen Durchfall, Tabletten gegen dies und das. Moskitonetze, Moskitohüte, Moskitospray und, und, und. Es wird so ziemlich alles mitgeschleppt, was auf der Liste steht, plus dem, was der ehrgeizige Verkäufer im Outdoorladen auf Lager hat und man sich von ihm aufschwätzen lässt.
Aber auf keiner der Listen stand jemals etwas von einem Didgeridoo. Umso erstaunter war ich, als ich in einem Hotel in Harare/Simbabwe um die Ecke der Rezeption bog und an der Hotelbar Sandy und John sitzen sah, neben ihnen die obligatorischen vollgepackten Rucksäcke, sowie ein Didgeridoo. John und Sandy hatte ich ein Jahr früher in Toronto kennen gelernt und wir standen seitdem in ständigem Kontakt. Sie hatten sich kurze Zeit später freiwillig für den Friedenskorps gemeldet und wurden so zuerst nach Mali und wenig später nach Uganda berufen. Nun nahmen sie eine vierwöchige Auszeit, flogen nach Harare und hatten vor, mit dem Bus in das nördlich gelegene Grenzgebiet zu Sambia zu reisen. Das Didgeridoo und ich sollten sie dabei begleiten.
Es ist überflüssig zu erwähnen, dass es in diesem Teil der Welt heiß ist. Sehr heiß. Und das man das Gewicht seines Rucksackes auf ein Minimum beschränken will. Bei jedem Schritt verflucht man die Liste, und den Verkäufer. Deshalb fand ich die Idee, mit einem Didgeridoo an den Sambesifluss zu reisen auch verrückt und ich teilte es ihnen auch mit.
"Eine australische flagge kann jeder Ozzy mit sich herumführen . Ein Didgeridoo ist etwas anderes, etwas besonderes! Und wir können üben."
Solange ich das Teil nicht tragen musste, dachte ich, konnte es mir egal sein.
Am nächsten Tag war Sandy damit beauftragt den Trip zu organisieren. Reiseroute, Tickets und so weiter. Der Plan war, mit dem ersten Bus bis an den Sambesifluss zu fahren, dort den Fluss und die Grenze nach Sambia zu überqueren, dann den Bus .zu wechseln und südwestlich entlang des Flusses in Richtung Livingston und den Victoriafällen weiterzureisen. John und ich waren damit beschäftigt, unsere Ausrüstung auf Vordermann zu bringen und die nötigen Lebensmittel zu besorgen. Wenn mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt hätte, dass in Bussen die in dieser Region fahren tatsächlich soviel lebendes Getier wie Hühner und Ziegen mitfahren, wir hätten uns den Einkauf der Lebensmittel sparen können.
Einen Tag später saßen wir drei äußerst beengt in einem Bus, der überladen war, keine Klimaanlage hatte und für den das Wort Inspektion erst noch erfunden werden musste. Ich dachte eigentlich, das Sandy uns einen Trip in einem Touristenbus gebucht hatte. Stattdessen entpuppten sich unsere Mitreisenden als Kleinunternehmer, deren Waren aus Hühnern, Ziegen, Früchten und andern Dingen bestanden. Viele von ihnen sprachen englisch, so konnten wir viele wichtige und interessante Informationen erhalten. Während solcher Gespräche, in einer Umgebung die an einen Backofen erinnert, beginnt man beim reden wild mit den Händen zu gestikulieren. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen wird man so schneller und besser verstanden, zum anderen wedelt man sich etwas Frischluft ins Gesicht und zum dritten werden die vielen lästigen Fliegen ferngehalten.
Es war eine lange und anstrengende Fahrt, die jedoch von beeindruckenden Bildern sehr aufgewertet wurde. Nach zwei Tagen erreichten wir Kariba, eine Grenzstadt, die eine Mischung aus Handelsstadt und Durchgangspunkt für Händler und Reisende ist. Wir mussten den Bus verlassen und in einen anderen umsteigen. Unser Gepäck wurde in den unteren Stauraum gestapelt und wir krochen müde, verschwitzt und stinkend an Bord. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass kurz nach der Abfahrt schon die erste Grenzkontrolle erfolgen würde. Diese ließen wir dann auch ohne Anstrengungen über uns ergehen. Somit hatten wir die Ordnungshüter Simbabwes hinter uns und der Grenzübertritt nach Sambia stand kurz bevor.
Nachdem der Bus wieder einmal anhielt sah ich im Halbschlaf aus dem Fenster und entdeckte, wie unser Fahrer, unter Anweisung mehrerer Uniformierter, den gesamten Stauraum des Busses entlud. Ich konnte meinen Rucksack erkennen, Sandys, dann den von John. In dem Moment, als Johns Rucksack den Boden berührte, sah ich, wie drei der Grenzsoldaten wild gestikulierend und schimpfend auf den Fahrer zuliefen. Mittlerweilen hatten sie ihre Waffen von den Schultern genommen und wedelten damit hin und her. Sie schrieen auf den Fahrer ein und deuteten auf den Bus. Vollends erwacht sah ich nun aus dem Fenster, John und Sandy an meiner Seite. Wir beobachteten fünf Soldaten, die um ein zirka zwei Meter langes, schwarzes, rohrähnliches Etwas standen. An diesem Etwas war Johns Rucksack angebunden.
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