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Kategorien > Science Fiction > Satire

Die Reklamation

von Gerrit Rehmke

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Namin stürmte wie ein wilder Stier durch die Tür und knallte seine Plakette auf den Tisch des dahinter sitzenden Beamten.
Dieser blickte ihn gleichmütig an und schien mehr Interesse an der offen stehenden Tür zu zeigen, als an dem wütenden Mann in seinem Büro. Es war ein Musterbeamter, wie er im Buche stand: Ein rundes Gesicht, welches oben in einer Halbglatze und einem Ring aus ergrautem Haar endete und unten in einem Doppelkinn. Ein dicke, narbige Knollennase zentrierte das Gesicht und wurde flankiert von mit dicken Tränensäcken unterlegten Augen. Schließlich musterte der Beamte die Plakette und bemerkte, dass sie einen Kratzer auf der Tischplatte hinterlassen hatte.
Pikiert rümpfte er die Nase und schloss per Knopfdruck die Tür. ”Ich hoffe, Sie haben einen Termin, mein Herr.”
”Ich pfeife auf ihren Termin!”, schnauzte Namin zurück. ”Geben Sie mir lieber mein Geld zurück.”
Immer noch die Freundlichkeit in Person sagte der Beamte: ”Wenn Sie ein Anliegen haben, werden Sie wohl oder übel einen Termin machen müssen. Sie können sich sicher vorstellen, dass ich eine Menge zu tun habe und deswegen auch keine Sprechstunde habe.”
”Sie haben mir Schrott angedreht und ich werde hier nicht wieder weggehen, bis Sie mir zugehört haben.”
An Namins bedrohlicher Haltung der Härte in seiner Stimme erkannte der Beamte, dass er mit den üblichen Abwimmelungsfloskeln nicht weiter kam. Schließlich sagte er: ”Na gut. Aber setzen Sie sich und verhalten Sie sich wie ein zivilisierter Mensch.”
”Werden Sie mir bloß nicht frech!” Namin nahm Platz, nahm die Plakette wieder an sich und wedelte dem Beamten damit vorm Gesicht herum. ”Sie sollten ihre Pazellen etwas besser untersuchen, bevor Sie sie gutgläubigen Unternehmern andrehen. Es ist eine einzige Frechheit!”
”Ich kann leider nicht verstehen, was Sie meinen, wenn Sie weiterhin so einen Aufstand machen. Also bringen Sie bitte ihr Anliegen vor, mein Herr.”
”ICH-WILL-MEIN-GELD-ZURÜCK!”, knirschte Namin hervor.
”Das sagten Sie schon. Aber da ich mit ihrem Fall bisher nicht vertraut war, müssen Sie mir schon ein wenig mehr erzählen.”
Namin schnaufte auf und musste aufpassen, dass er diesen arroganten Sack nicht weiter anschrie. Er fühlte sich von dem Beamten verhöhnt war überzeugt davon, dass es nicht das erste Mal war, dass ein unzufriedener Kunde in dessen Büro gerauscht kam und nach Entschädigung schrie. Nur widerwillig begann er zu berichten.
”Vor Vier Jahren habe ich beim Amt einen Antrag auf eine Pazelle gestellt und dafür alle nötigen Voraussetzungen belegt.” Der Frust und die ganze Enttäuschung brachen aus Namin heraus. ”Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie lange es gedauert hat, bis ich mir eine eigene Pazelle leisten konnte? Was alles nötig ist, bis die verdammte Regierung einem ein Stück ihres wertvollen Raums gibt? Ich habe mein ganzes Leben für das Reich geschuftet und das soll alles sein, was ich bekomme?”
Erneut landete die Plakette mit einem metallischen Scheppern auf dem Tisch.
”Ich bitte Sie das zu unterlassen!”, mahnte der Beamte mit scharfem Ton.
”Ja, ja!”, maulte Namin zurück.
Der Beamte machte sich endlich die Mühe, die Besitzplakette genauer zu betrachten. Zögerlich nahm er sie in die wulstige Hand und scannte die darauf gespeicherten Daten mit seinen Okularimplantaten. Nachdem er sich die Daten verinnerlicht hatte, sah er zu Namin auf und nährte dessen Wut mit einem verständnislosem Blick.
”Sie haben eine einwandfreie Klasse B Pazelle erstanden, mein Herr”, sagte er ohne eine Spur von Emotion. ”Aus welchem Grund wollen Sie eine Reklamation anmelden?”
Namin versteifte sich innerlich und äußerlich bevor er beinahe brüllend antwortete: ”Dieses verdammte Sonnensystem, das Sie mir verkauft haben, ist verseucht!”
”Verseucht?” Der Beamte schüttelte ungläubig den Kopf, wobei sein Doppelkinn wie Götterspeise hin und her wogte. ”Es ist ein vollkommen normales System am Rande des Orion-Arms. Vier feste Planeten, zwei Gasriesen und eine Sonne der Klasse B. Hohe Rohstoffvorkommen. Unangetastet und für unbedenklich eingestuft. Ideale Bedingungen für industriellen Rohstoffabbau. Und einer der Planeten kreist sogar in einer lebensfreundlichen Entfernung um die Sonne. Ich würde fast sagen, Sie hätten ein außerordentliches Schnäppchen gemacht.”
”Sie wollen mich wohl verarschen, was?” Mit der rechtem Faust schlug Namin direkt neben die Plakette auf die Tischplatte und verschaffte so seinen Aggressionen Luft. ”Ich habe dieses System erstanden, um seine Ressourcen für mein Unternehmen zu exportieren. Natürlich habe ich nach der Ersteigerung sofort die Industrialisierung des Systems angeordnet und erste Erkundungsschiffe hingeschickt. Zuerst sah es so aus, als wäre alles wie versprochen. Und dann diese … verdammte Pfuscherei!”
”Ach … Werden Sie bitte konkreter!”
”Es gibt verdammte Lebensformen in diesem System! Zwei der Planeten sind geradezu verseucht damit.”
Der Beamte rümpfte die dicke Nase. ”Und das soll alles sein?”, fragte er in rauem, immer noch unverständnisvollem Ton.
”Alles?”, brüllte Namin, dass ihn wahrscheinlich das gesamte Stockwerk gehört hatte. ”Ich rede hier nicht von beschissenen Einzellern oder Pflanzen! Es ist eine verdammte, sich über das System ausbreitende Spezies! Sie hüpfen mit ihrer primitiven Technik von Planet zu Planet und haben sich schon auf zwei Welten ausgebreitet. In der Kaufbeschreibung war kein Wort von einer primitiven Spezies, die sich über meine Ressourcen hermacht! Es ist eine unerhörte Verschämtheit, so eine Pazelle zu verkaufen. Ihre Scoutschiffe hätten vielleicht besser hinschauen sollen. Ich verlange sofort mein Geld zurück!”
”Nun mal langsam”, erwiderte der Beamte und setzte in Kenntnis der Geschehnisse eine nachdenkliche Miene auf. ”Stellt diese Spezies irgendeine Bedrohung für ihr Unternehmen dar?”
”Nein”; antwortete Namin fest. ”Aber das ist nicht der Punkt …”
”Also wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es nur ein kleines Schädlingsproblem?”
Der letzte Nerv in Namin war zum Zerreißen gespannt und schien jeden Moment wie eine Archillessehne mit einem Peitschenknall zu zerfetzen. Mühselig nickte er und fügte bemerkenswert ruhig hinzu: ”Wissen Sie, was es mich kosten würde, die betroffenen Planeten zu säubern, damit ich ungestört mit der Rohstoffförderung beginnen könnte? Ich habe mit dem Erwerb der Pazelle meine finanziellen Möglichkeiten bis ans Limit ausgereizt und bin darauf angewiesen, dass die Förderung, Verarbeitung und der Verkauf der Rohstoffe so bald wie möglich einsetzt.”
”Es wird Ihnen doch sicherlich möglich sein, diese Spezies einfach zu übersehen und Ihre Raffinerien und Fabriken … darüber zu bauen. Wenn dieses Leben nicht einmal bedrohlich ist, kann es doch kein Hindernis für so einen engagierten Unternehmer wie Sie sein?”
”Sie wissen doch ganz genau, dass selbst die kleinste Störung einen erheblichen Verlust bedeuten kann! Es wäre nicht das erste Mal, dass eine primitive Spezies die Förderung

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