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Kategorien > Fantasy > Andere Wesen

Die Rückkehr der Engel

von Wölfchen

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Die Rückkehr der Engel

„Glocken!“ Ein Mann schreckte von seinem Frühstückskaffee auf, als er die heiligen Glocken der Kirchen hörte. Ihr Geläut wollte noch nach drei Minuten lauschen nicht aufhören. „Sie sind wieder da?“, murmelte er ungläubig. Dabei neigte sich seine Hand, bis der Kaffee über den Tassenrand lief und auf den Tisch pladderte. „Nach 56 Jahren?“

Zur selben Zeit sahen sich auch eine Frau und ihre Tochter mit weit aufgerissenen Augen an, als sie die Glocken hörten. Beide schluckten schwer, schwiegen aber. Die Wanduhr in ihrem Wohnzimmer hatte aufgehört zu ticken und der Fernseher schaltete sich wie von Geisterhand selbst aus und wieder an, nur damit sich das Bild erneut verabschieden konnte. Das kleine Mädchen biss sich auf die Unterlippe. „Kann das sein? Nach so vielen Jahren?“

Nach etwa einer halben Stunde hatte ein junger Mann - er wird wohl Anfang zwanzig gewesen sein – es immer noch nicht geschafft, aus seinem Bett aufzustehen. Die Glocken läuteten ohne Unterbrechung und das nun schon seit 30 Minuten! Es würde nicht mehr lange dauern, dann wäre die Nachricht eindeutig.
„Ist es denn noch nicht vorbei? Nach so vielen Jahren…?“, fragte er seine weiße Zimmerdecke, die er unverwandt anstarrte. Er schluckte und hoffte, doch glaubte nicht an ein Wunder. Die Glocken mussten sofort aufhören!

Nach weiteren 30 Minuten verstummten die Kirchenglocken aller fünf Kirchen in Big City zugleich. Auf dem Platz vor der St. Tyrsenkirche reckten die Leute ihre Köpfe in Richtung Himmel auf einen Fingerzeig eines Kindes hin, das mit offenem Mund stehen geblieben war. Die Mutter zog zuerst vergeblich an seinem Ärmchen, schaute dann nach oben und ließ es los. Etwas kam rasch vom Himmel auf die Erde herunter. Zunächst war es nur ein großer Punkt, doch je näher es kam, desto mehr Gestalt nahm es an. Die Silhouette wirkte wie von einem Menschen, denn bald waren Kopf, Arme und Beine zu erkennen. Begleitet von einem hellen Licht schwebte das Wesen immer weiter nach unten, bis es irgendwann auf dem Platz mit seinen nackten Füßen lautlos aufkam. Die quasselnden, verwunderten Leute hatten einen respektvoll großen Kreis um den Neuankömmling gebildet und starrten ihn nun an. Das Wesen erstrahlte hell und weiß, hatte nur ein langes, weißes Gewand an und sein Gesicht war makellos schön. Sein glattes, blondes Haar fiel ihm locker auf die Schultern.
Keiner der Umstehenden hätte sagen können, ob es sich bei dem Fremden um einen Mann oder eine Frau handelte; der Körper sah schlicht nach Mensch aus, bis auf einen gewaltigen Unterschied: Auf seinem Rücken hatte der Fremde sich scheinbar große, weiße Flügel geklebt. Sie bewegten sich leicht mit dessen Atem auf und ab und ihre Spannweite betrug geschätzte acht Meter.
Der Fremde beachtete die tuschelnden Menschen um ihn herum nicht, sondern drehte sich um die eigene Achse, um einen Überblick über die hohen Gebäude zu bekommen. Sein Blick blieb an der St. Tyrsenkirche hängen, die er lange Zeit betrachtete. Als er seinen Mund öffnete, wurde es plötzlich still um ihn herum. Es war, als hätten die Schaulustigen allesamt auf einmal den Atem angehalten.
Da sprach er mit einer Stimme, deren Klang an eine Harfe erinnerte: „Sie haben alles wieder aufgebaut? Diese grässlichen Gotteshäuser…“ Er schrie nicht, doch konnten die Menschen all seine Worte verstehen.
Dann hob er die rechte Hand und streckte sie der Kirche entgegen. Neugierig verfolgten die Menschen, wie sein Arm anfing zu leuchten, bis seine Hand hell erstrahlte und…
„Aaaahhhh!!“ Schreie flogen über den Platz, Kinder heulten und schrieen und einige Körper fielen knackend auf die Pflastersteine. Das Wesen grinste und blickte zufrieden sein Werk an, während der aufgewirbelte Staub sich um es herum legte. Von der Kirche waren kaum noch die Grundmauern zu erkennen. Es hatte geschafft das heilige Gebäude und daneben noch ein paar Menschen in seine Einzelteile zu zerlegen.
„Er hat…eine Explosion…mit Licht! Mit Licht hat er…aus seiner Hand!“ Eine Frau stand nur wenige Meter von dem Fremden entfernt, krallte ihre Hände ineinander, wie zu einem Gebet, und konnte ihre vor Entsetzen geweiteten Augen nicht von der Stelle abwenden, wo vor wenigen Sekunden noch die prächtige St. Tyrsen gestanden hat. Das Wesen drehte sich nach ihr um und sah sie genervt an. Dann warf er seinen linken Arm von rechts nach links, woraufhin die Frau kreischend durch die Luft flog. Ihr unfreiwilliger Flug wurde von einem anderen Gebäude abrupt gestoppt, sodass sie viele Meter nach unten auf den Gehweg in die Menschenmasse fiel.
Wieder kreischten die Leute. Reifen quietschten. Das Wesen seufzte und verdrehte die Augen. „Die Welt hier oben ist auch nicht mehr das, was sie mal war.“ Damit schlug es mit seinen mächtigen Schwingen, erhob sich in die Luft und glitt über die Stadt hinweg.
Dort, wo eben noch die St. Tyrsenkirche gestanden hatte, bot sich nun ein grausiges Bild: Zerfetzte Körper von Menschen, die dem Lichtstrahl des Fremden zum Opfer gefallen waren, pflasterten die Straßen und die große Explosion hatte Polizei und Feuerwehr angelockt. Sie trauten ihren Augen kaum und bekreuzigten sich eilig, als sie das Kreuz an der Kette fanden, die der Pfarrer der Kirche stets um seinen Hals getragen hatte. Doch von diesem selbst fehlte jede Spur.
Schnell kam Hilfe von freiwilligen Zivilisten, die es kaum schafften, mit Tränen in den Augen die Leichen mit Tüchern und Decken vor unschuldigen Blicken zu schützen. Aus den Trümmern wurden keine lebendigen Menschen mehr ausgegraben.
Einige Augenzeugen kamen angerannt, als sie die verwirrten Polizisten sahen und berichteten ihnen, dass ein Wesen auf die Erde herabgekommen war, das sie an eine Figur aus Erzählungen erinnerte.
„Ein Engel, sagen Sie?“, fragten die Polizisten ungläubig. Recht jung waren die Geschichten um die Engel, die sich gegen Gott erhoben und ganz Hamburg damals zerstört hatten. Aber niemand hatte sie gesehen – zumindest niemand, der überlebt hatte. Die Vermutung hatte nah gelegen, dass es sich bei der schnellen Zerstörung der Stadt um einen Anschlag von Terroristen gehandelt hatte, doch hatte sich niemand dazu bekennen wollen.
Beim Aufbau einer neuen Stadt, der ungewöhnlich schnell und komplikationsfrei vonstatten ging, hatten fünf Gemeinden scheinbar grundlos darauf bestanden, dass es zukünftig nur fünf Kirchen geben sollte, deren Namen sie bestimmten.
Doch jetzt waren es nur noch vier Kirchen. Was hatte das zu bedeuten? Wer hätte denn einen Grund, eine Kirche zu zerstören?

Nicht weit von dem abgesperrten Gebiet stand ein Mann auf dem Dach eines Hauses und beobachtete nachdenklich die Szenerie. Aber er war kein Mensch. Er hatte dünne, spitze Ohren, langes und silbernes Haar und katzenähnliche Augen. Sie waren gelb und die Pupillen verengten sich. Seine Hautfarbe ging ins Violette über. Nur seine einfachen Jeans und sein weißes Hemd erinnerten an den Mann, der noch vor mehr als einer Stunde seinen Kaffee getrunken hatte.

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Kommentare

klein-ayun@web.de schrieb am 2006-08-14 23:10:14:
hallo^^
mir gefällt diese Idee auch verdammt gut...mal ein anderer Blickwinkel. Mal davon abgesehen habe ich aber auch ein paar Kritikpunkte...zum einen begegnet einem in deinem Text ziemlich häufig Wörter wie "Leute" oder "loslassen". Ich würde dir von solchen Wörtern abraten, es sei denn sie kommen in irgendeinem Dialog deiner Personen vor. Diese Wörter gehören zur Umgangssprache und wirken in einem solchen Text eher unschön- allerdings kann man sie gut dazu verwenden einzelne Personen in Dialogen als "locker drauf" und "flappsig" zu charakterisieren. Achte also ein wenig mehr auf deine Wortwohl( der Satz "Der bei diesem Fehler sein Leben machen musste" ist auch etwas unglücklich..."bei diesem Versuch" hätte besser geklungen). Zum Schluss, wenn du alte Sprache in deinen Dialogen verwendest solltest du diese auch über die gesamte Länge des Textes beibehalten. Wenn Zariel anfangs noch "normal" spricht, kommt es komisch, wenn er auf einmal eine alte Form von "werden"("ward") von sich gibt...
Ich finde übrigens die Menge an Geschichte und Geschicktsteilen die du bereits gecshrieben hast beachtlich...weiter so!;)
liebe Grüße, klein-ayun
Katrin schrieb am 2006-05-24 21:40:11:
eine sehr durchdachte story. Respekt. Verdrehte Welt würde ich sagen =)

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