Die Schattendiebin
von
happymelon
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Eine Bewegung, kaum wahrnehmbar, nur ein kleiner Luftzug und schon ist alles wieder still. Schon Sekunden vor dem leisen blop als der leblose Körper auf den Boden aufprallt, ist der Schatten wieder weg. Alles was an ihn erinnert ist der leblose Körper auf dem Boden in einem tiefrote See. Bis Mann das Opfer entdeckt wird dieser jedoch schon längst nicht mehr so schön sein, dieses tiefe frische rot wird schwärzlich und zähflüssig, der frische frühlingsduft wird von dem schweren Blut Geruch verdrängt sein und der Körper wird nichtmehr mit warmen Gesicht und rosigen Wangen schlafen sonder längst bleich und Tod sein.
Erst in der warmen Stube nimmt Nihal ihren Mantel ab und entblößt ihre schöne Erscheinung. Es ist später geworden als sie geplant hatte. Schnell legt sie ihren schwarzen Mantel und den Dolch beiseite und geht in den Hof. Selbst wenn sie sich nicht bemüht hätte leise zu sein, wäre sie es. Schnell schöpft sie etwas Wasser mit den Händen aus dem Trog und lässt sich diese kalte Erlösung über den Kopf fließen. Sie weiß, dass sie sich beeilen muss, wenn sie heute Nacht noch Schlaf finden will, also geht sie wieder hinein und legt sich angezogen wie sie ist auf das Strohlager in der hinteren Kammer. Sie muss nachdenken, nachdenken wohin sie als nächster gehen soll. Hier wird es zu gefährlich, zu viele Menschen kennen ihren Vermittlungsmann. Aber wohin nur sollte sie gehen, eine ewige Fragerei. Sie beschließt sich morgen damit zu beschäftigen, dreht sich auf die Seite und schläft ein.
Sie träumt. Träumt von ihrer Heimat, von Lohmar. Von einer Zeit wo noch alles besser war. Wo sie noch unbeschwert war. Sie träumt von grünen Feldern, von Wäldern, von bergen. Sie sieht ihre Mutter und ihren Vater, ihre Freunde und ihre Familie. Sie bleibt stehen versucht nicht mehr zu ihnen zu gelangen den sie weiß was jetzt passiert, diesen Traum kennt sie schon, sie hat ihn erlebt und unzähligemal schon geträumt. Sie will schreien doch es geht nicht, will helfen doch sie kann nicht. Genauso wie jedes mal. Sie steht nur da und schaut, zuerst der Sonnenuntergang und dann der schein von fackeln, sie sieht zu wie alle zusammengetrieben werden, sieht sich selbst hinter ihrer Mutter. Sieht den Dolch in ihrer Hand, den Dolch den ihr Vater ihr damals gegeben hat. Sie sieht wie die Männer einer nach dem anderen abgeschlachtet werden. Ihnen werden die Kehlen durchtrennt und dann stoßen sie die Männer blutend zurück in die gruppe. Einige wollen sich wären doch vergeblich. Nach den Männern kommen die Burschen, sie werden genauso brutal ermordet. Keine Überlebenden schreit der große Mann mit dem grauen Bart und der Wolfsmütze, die kleine Nihal versteckt sich hinter ihrer Mutter und will nichts sehen. Sie würde jetzt auch gerne wegschauen, doch sie kann nicht. Dann geschieht es, der wolfsmann holt ihre Mutter, reist ihr die Kleider auf will sie packen, doch Nihal stürzt sich auf ihn, hackt mit dem Dolch auf seinen Arm ein und schreit. Erst acht ist sie aber stark von der Arbeit im Haus. Ihre Mutter fällt und fleht um Gnade für sie. Der wolfsmann flucht und packt Nihal und hebt sie hoch. Er lacht, lacht laut und wild. Nihal bekommt angst, aber sie will es nicht zeigen. Sie schreit und versucht ihn zu treten. Der Mann lacht nur noch lauter. Er wirft sie zu einem anderen Mann, dieser sieht aus wie ein Bär, nun hat Nihal wirklich angst, aber sie beißt die Zähne zusammen. Der Mann fesselt sie und bindet sie an einen Baum. Sie reist an den Fesseln doch befreien kann sie sich nicht. Sie sieht wie die Kinder alle umgebracht werden, ihre Freundinnen und verwandten. Sie muss zusehen wie ihre Mutter vergewaltigt wird, muss zusehen wie alle Frauen geschändet werden. Nihal will es nicht sehen aber abwenden kann sie sich nicht. Genauso wie vor 14 Jahren, als sie mit acht an diesen Baum gefesselt war. Als alle Tot waren, holen sie sie, ihr ist egal was jetzt passiert, es hat keinen Sinn mehr für sie. Alle sind Tot. Alle.
Nihal will am liebsten aufwachen, aber sie kann nicht, sie muss den Traum Weg weiter gehen, muss noch einmal alles sehen, alles noch einmal durchleben. Sie sieht sich selbst an dem Baum doch dann verschwimmt das Bild und sie sieht sich vor dem wolfsmann in seinem Zelt, er sagt etwas von großer ehre für sie und ausbilden. Sie versteht es nicht, hat es damals nicht verstanden und tut es auch heute nicht. Sie hört nur das Rauschen ihres eigenen Blutes, das durch ihren Körper gepumpt wird. Die nächsten zehn Jahre fliegen an ihr vorbei wie ein Wirbelwind, sieht sich selbst trainieren, lernen, jagen, und den Hass in ihrem Herzen nähren. Warum sie sich ausbilden ließ weiß sie noch genau, es war der Wunsch nach Rache. Irgendwann wollte sie besser sein als alle und dann wollte sie sich rächen. So kam es auch, aber ganz anders als sie es sich damals vorgestellt hatte. Der Wirbel hörte auf und sie konnte sich wieder scharf sehen. Es war die Nacht der Morde. Sie steht im Lager, hat nur den Dolch. Mehr Waffen geben sie ihr nicht, sie haben angst, weil sie so gut geworden ist. Selbst der Anführer kann sie nicht hören oder sehen in der Nacht. Sie ist eine Meisterin der Schatten geworden. Es ist die Nacht in der diese Bande vor 10 Jahren ihr Dorf ausgelöscht hatte, heute wollte sie ihre Rache. Es waren ca. noch zwei Stunden bis Sonnenaufgang. Die beste zeit um ihr vorhaben umzusetzen. Alle schliefen und die Wachen waren nicht mehr aufmerksam. „Zuerst die Wachen“, sagte sie sich immer wieder. Nihal konnte alles sehen als wäre es heller Tag, eine Gabe, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, ein Vorteil eine Halb-Elfe zu sein. Leise schlich sie sich an, nur erkennbar als ein schattenhaftes Wesen in ihrem schwarzen Mantel. Präzise und schnell schnitt sie ihrem ersten Opfer die Kehle von hinten durch. Danach entledigte sie sich der zweiten, dritten und vierten Wache genauso. Nun blieben noch weitere zehn Männer. Zuerst nahm sie sich die vor, die an der freien Luft schliefen, dann die in den Zelten. Bei jeder Kehle die sie durchschnitt, starb ein Teil von ihr, sie spürte auch jetzt im Traum diesen Verlust. Nach einer Stunde waren alle tot, alle bis auf einen. Den wolfsmann hatte sie sich aufgehoben. Sie sah sich in sein Zelt schleichen und war dann selbst dort, sah sich die Waffen beseitigen und sich dann mit ihrem Dolch an seiner kehle auf ihn setzen. Er wachte bei dem Zusatz Gewicht auf, spürte den Dolch und bewegte sich keinen Millimeter, er sah sie einfach nur an, und verstand. Er wusste alle waren tot, wusste auch er wird bald tot sein, wusste er hatte es verdient, wusste es war nun aus. Er lächelte und sie schnitt ihm die Kehle durch. Plötzlich verschwamm alles und sie sah sich selbst, 18 Jahre alt mit ihrer ledernen Rüstung, Köcher und bogen am Rücken, Schwert und Dolch an der Seite. Schwarze Haare und ihre grünblauen Augen. Sie sahen sich an. Dann geschah es der Sonnenaufgang, mit dem Rücken zum Lager betrachteten sie ihn und mit jedem strahl das ihr Haupt traf färbte sich eine Strähne ihres Haares
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Kommentare
f31l1u schrieb am 2008-12-17 03:47:35:
Eine gute Personen und Umgebungsbeschreibung, du könntest diese Beschreibungen sogar noch mehr ausschmücken, damit man sich noch besser hineinversetzen kann. Viel fehlt aber nicht mehr zur Perfektion! (bis auf die Fertigstellung ^-^)
Liv schrieb am 2008-11-05 15:10:32:
Guter Anfang und spannend, finde es nur ein wenig brutal und traurig, was Nihal alles zugestoßen ist.
Liebe Grüße Liv
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