Die Schlangenkiefer
von
Renate Fratzke
1
Ein heißer Sommertag. Von Westen ziehen Wolken auf und der Wind frischt auf.
Vor dem Holzbalkon steht eine Schlangen-Kiefer, hoch , voll gewachsen und sie rauscht
im aufkommenden Wind wie im Wald. Ein angenehmes Gefühl und das rauschen fühlt und hört sich gut an, obwohl ein Gewitter aufzieht.
Erika sitzt auf dem großen Holzbalkon und hört dem Rauschen zu. Nie hätte sie gedacht,
dass die kleine Zwergkiefer. ein großer Waldbaum werden würde.
Es ist schon Jahre her, als der jetzt große Holzbalkon noch Beton und unsymetrisch war.
Aber es gab rund um den Balkon einen kleinen Garten mit Rosenbüschen, Blumen , eingezäunt mit Steinen.
Es fehlten noch zwei abschließende Büsche, die den Balkon rundherum zumachten und
eine Art Geborgenheit geben.
Also, beschloss Erika sich Pflanzen aus der nächsten Kloster-Gärtnerei zu holen. Von den Patern dort, wurden ihr eine Latschenkiefer und eine Zwergkiefer angeboten. Die beiden Büsche werden nicht zu groß,so hieß es !
Die Zwergkiefer sollte den Balkon abrunden, die Latschenkiefer den Boden bedecken. Beide Büsche wachsen und wachsen. Die Nadelarme beider Büsche kämpfen um Platz und Erika
wundert sich.
Sie bekommt Zweifel, ob der Name Zwergkiefer für den einen Busch wirklich
zutrifft. Die Nadelarme der Zwergkiefer greifen unter den Balkon, verbiegen sich und wollen
sich immer weiter ausbreiten. Die Nadelarme sehen aus, als wollten sie sich am Balkon festkrallen. Erika überlegt und kommt zum Schluss, die Zwergkiefer auszugraben und in die
Wiese zu versetzen. Ihr ist bewusst, dass die Zwergkiefer das eventuell nicht überlebt. Zusammen mit Hausmeisterin Eder wird in der Wiese ein tiefes Loch gegraben
und die Zwergkiefer eingesetzt. Dazu ein starker Holzstamm, als Stehhilfe für die
Zwergkiefer.
Erika sieht täglich nach ihr. Die Zwergkiefer wird gepflegt, gegossen und bei jedem größeren Windstoß wird gehofft, dass sie überlebt.
Aber siehe da, die Zwergkiefer wächst und wächst, in die Breite in die Höhe.
Die Nadelarme werden immer mehr, der Stamm immer stärker.
Bei Gewitter und Sturm, wiegt sich die Kiefer fast bis zum Boden und richtet sich immer
wieder auf.
Es steht fest , die kleine Zwergkiefer ist mit Sicherheit keine Zwergkiefer, denn diese Aktion mit der Kiefer ist jetzt zehn Jahre her. Mittlerweile ist der Baum höher als das Haus mit
weit ausgebreiteten Nadelarmen , die immer wieder ihre neuen Kerzen nach oben stecken,
kleine Zapfen ansetzen und in dem sich die Vögel wohl fühlen.
Morgens treffen sich vom nahen Wald her die Tauben und wecken mit ihrem gurren alle Schlafenden der Siedlung auf.
Um die Mittagszeit hält die Kiefer das Haus von der prallen Sonne ab und lässt einen
angenehmen Aufenthalt auf dem neuen großen Holzbalkon zu.
Es steht fest, der Baum ist eine Schlangenkiefer, denn ihre großen langen, nach oben
steigenden Nadelarme suchen immer das Licht.
Alle Kinder in der Siedlung, nützen sie zum Klettern und oft bauen sie rund um ihren Stamm
ein Biwak und freuen sich über die kleinen Zapfen, die Jahr für Jahr wachsen und abfallen und mit den man super basteln kann.
Erika lehnt sich in ihrem Gartensessel zurück, denkt und freut sich gleichzeitig, denn diese Schlangenkiefer wird dieses Holzbalkonleben noch Jahre angenehm werden lassen.
renate fratzke
bin urheber der kurzgeschichte
und alle rechte liegen bei mir
gesendet am 09.06.2008
1
Kommentare
maximiliane schrieb am 2010-12-21 16:01:45:
wie bist du auf so eine geschichte gekommen???
renate.fratzke@web.de schrieb am 2009-02-28 22:52:15:
hallo mila,
leider habe ich erst jetzt den Kommentar gelesen, ich habe sicher noch einiges aus soooo einem langen Leben zu berichten.
renate fratzke
mila schrieb am 2008-06-12 14:54:42:
interessant. bitte mehr erfahrungen aus einem soooo langen leben.
mila hatricht
bin urheber des kommentars
und alle rechte liegen bei mir
gesendet am 12.06.2008
:)
Kommentar hinzufügen