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Die Schutzengel 1
von
Alexa Stern
Brüder
"Alexaaaaaa!!!!!!!"Wutentbrand,schnaufend stand mein Bruder vor mir. "Was?" , fragte ich kleinlaut. "Du hast es schon wieder nicht
geschafft, deinen Engel zu rufen!!", sagte er wütend. "Ich weiß!", seufzte ich. "Aber es ist ja auch sauschwer!", klagte ich wütend." Das weiß ich ,aber soooo schwer ist es nun auch wieder nicht." ,sagte er sauer.
Fauchend ging ich in mein Zimmer zurück. Ihr fragt euch sicher, was mein Bruder damit meinte. Nun, das ist so: Meine Familie ist eine alte, griechische Familie. Vor 150 Jahren wurde einer meiner Familie von einem Engel gerettet. Seitdem hat jeder in unserer Familie einen Schutzengel, wenn er oder sie 14 wird. Mein Bruder zum Beispiel ist 23 und hat seinen Schutzengel schon 10 Jahre. Ihr Name ist Aglaja. Da ich vor zwei Wochen 14 geworden bin, sollte mein Engel eigentlich bereits aufgetaucht sein. Aber natürlich ist es bei mir wieder eine Ausnahme! Ich bin seltsamerweise IMMER eine Ausnahme! Das ist soooo ätzend! Na ja, aber eben nicht zu ändern!
Zurück zum Geschehen: Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und
machte mich an meine Hausaufgaben, schließlich machen die sich ja
leider nicht von selbst! Och nö, ausgerechnet in Mathe hatten wir heut
seeeehr viel aufbekommen! Die letzte Klassenarbeit war nämlich sehr
schlecht ausgefallen! Dabei hatte ich eine 3 geschrieben. Und wenn
man davon ausgeht das Mathe mir nicht besonders liegt, kann man doch sagen, dass ich sie ziemlich gut bewältigt habe!!!
Half aber alles nichts, den Hausaufgaben zu entgehen! Also machte ich mich ans Werk!
Der nächste Schultag war einfach zum... ich beende meinen Satz lie-
ber nicht! Wie ich schon voraus gesagt hab, war meine Hausaufgabe eine einzige Katastrophe!!! Und dann, nach der 4. Stunde...
Mia, ein Mädchen aus meiner Klasse, die ich nicht leiden kann (sie mich übrigens auch nicht), hatte in der Hofpause die glänzende Idee, mich an meine toten Eltern zu erinnern.
Sie marschierte also mit ihrem giftigem Anhang (namens Lisbeth, Ca-
ro und Melina) auf mich und meine Freunde Nicky und Kim zu, baute sich vor uns auf und sagte: "Hallo, ihr drei. Ich hab einer Frage an euch. Am Dienstag ist bei mir zu Hause die "Eltern-und-Kind-Party", habt ihr vielleicht Lust zu kommen?" Und mich bedachte sie dann noch mit einem echten, fiesen Mia-Grinsen.
Nicky und Kim warfen mir beide einen Blick zu, um zu sehen, wie ich reagierte.
"Oh, das hab ich ja ganz vergessen. Deine Eltern sind ja nicht mehr am Leben, Alexa. Das tut mir aber Leid, dass ich das vergessen ha-
be!" Wieder dieses Mia-Grinsen. Dieses Mädchen ist echt widerlich.
Ich schluckte.
Meine Eltern sind vor sieben Jahren bei einem Verkehrsunfall gestor-
ben. Ich kann mich nicht mehr richtig an sie erinnern, aber mein Bruder erzählt mir immer, wenn ich ihn frage, von ihnen. Er stellt auch jeden Tag ganz viele Bilder im Haus auf. Ohne ihn wäre ich manchmal echt einsam. Er ist der beste Bruder der Welt, auch wenn er manchmal sehr streng ist.
Übrigens, vielleicht fragt ihr euch, wie meine Eltern mit einem Schutzengel sterben konnten. Ein Schutzengel kann einen Menschen nur dann beschützen, wenn dieser von einem Teufel angegriffen wird. Klingt ein wenig seltsam, ist aber so.
Mia, ihr Anhang und meine Freunde sahen mich immer noch erwar-
tungsvoll an. Ich mühte mich zu einem Grinsen ab und sagte: "Ach, na ja, bei deinem schlechten Gedächtnis ist das ja nicht weiter wun-
derlich, dass du das vergessen hast. Aber wenn es dir nichts aus-
macht, würde ich gern mit meinem Bruder Andreas kommen, natürlich nur, wenn du einverstanden bist." Grins. Gut gekontert, dachte ich. Nicky und Kim mussten wohl das Gleiche gedacht haben, denn sie prusteten laut los. Mia sah aus, als würde sie gleich platzen und ihr Gesicht lief knallrot an. Sie schluckte. "Nun ja, eigentlich heißt die Party ja "Eltern-und-Kind"-Party, aber wenn du unbedingt möchtest, kannst du meinet wegen kommen.
Mia wusste ganz genau, dass ich sowieso nicht hingehen würde, weil ich es hasse, die Ausnahme zu sein. Und außerdem mag mein Bruder solche Veranstaltungen nicht. Er würde nur hinkommen, wenn ich ihn fünf Stunden, auf Knien rutschend, anflehen würde. Und darauf hab ich, weiß Gott, keine Lust.
Es klingelte und Mia plus ihr Anhang marschierten ins Schulgebäude.
"Du hast dich super geschlagen, Lex!", sagte Kim. Ich lächelte. "Danke, ich musste einfach zurückschlagen." Nicky sah uns an. "Los, wir sollten langsam mal rein gehen, sonst fängt der Unterricht ohne uns an, und wir haben jetzt Französisch!", sagte er. Wir drei sahen uns an und sagten: "Bääh!" Dann rannten wir lachend zum Unter-
richt.
"Gut, damit machen wir Schluss für heute! Packt bitte ein, stellt eure Stühle hoch und verlasst leise das Schulgebäude!", sagte Frau Richter
und die ganze Klasse folgte ihren Worten. "Ein schönen Tag noch, ihr Lieben! Und übt noch mal den heutigen Stoff, vielleicht schreiben wir am Montag einen Test. Auf Wiedersehen." "Auf Wiedersehen!", sagte die gesamte Klasse.
Kim und ich verabschiedeten uns von Nicky, der heute noch zum Fuß-
balltraining musste, und wir Mädchen wollten noch Eisessen gehen.
"Lass uns zu Coco's gehen, da gibt's das beste Eis!", schlug Kim vor und ich nickte.
Nach fünf Minuten tauchte das bunte Eiscafé vor uns auf. Wir gingen hinein und bestellten uns zwei Nusseisbecher. Dann setzten wir uns draußen an einen kleinen Tisch und warteten.
"Ohoh, Lex, wir kriegen Besuch.", zischte Kim auf einmal. Langsam drehte ich mich um. Mia, Lisbeth, Caro und Melina kamen genau auf das Café zu. "Oh bitte, lieber Gott, mach das sie nicht hier her kommen!" Doch heut war anscheinend nicht mein Tag. Dummerweise sahen sie uns und setzten sich an den Tisch neben uns.
"Ach, hallo Alexa, hallo Kim! Was für ein Zufall aber auch, das ihr auch hier seid!", sagte sie, wieder mit ihrem dämlichen Mia-Grinsen.
"Was für ein bekloppter Zufall!", flüsterte ich Kim zu. "Wie bitte? Ach ist ja nicht so wichtig. Was habt ihr den leckeres bestellt? Also ich glaub ich nehme einen Fruchtbecher, das schont die Figur." Sie lachte und ihr Anhang tat es ihr gleich. Kim und ich mühten uns zu einem gequälten Lächeln ab, da kam unser Eis.
"Oh, ein Nussbecher. Der schmeckt bestimmt lecker.", sagte Mia. Inzwischen war mir der Appetit echt vergangen. Kim und ich schlangen unser Eis regelrecht runter, bezahlten dann und standen auf. "Na dann, bis morgen, ihr beiden.", sagte Mia und grinste. Wir nickten ihr nur kurz zu, und gingen dann.
An der Bushaltestelle verabschiedeten wir uns von einander und Kim stieg in den Bus. Ich lief nach Hause.
"Bin wieder da-a!", rief ich und schloss die Haustür hinter mir. Aglaja erschein plötzlich vor mir und lächelte freundlich. "Hey Lex! Da bist du ja endlich! Dein Glück, dass dein Bruder noch nicht zu Hause ist, sonst wäre er jetzt mächtig sauer." Ich grinste. "Schwein gehabt!", sagte ich und lachte. Auf einmal hörte ich den Schlüssel im Schloss und rannte ins Wohnzimmer, schmiss mich auf die Coach und nahm mir eine Zeitschrift. Aglaja war mir gefolgt und setzte sich rasch in den Sessel. Als sie sich die Zeitung nahm, kam mein Bruder ins Wohnzimmer.
"Hallo, die Damen. Wie war euer Tag?" Ich tat so, als hätte ich ihn erst jetzt bemerkt und sah auf. "Ach, na ja, war ganz lustig heute. Endlich Schluss." Aglaja nickte. "Ja, mein Tag war auch ganz gut. Ich hab den Abwasch gemacht, die Wäsche gewaschen und hatte sogar noch Zeit, meine Lieblingssoap zu gucken. Manni hat jetzt endlich herausgefunden, das Katrin ihn die ganze Zeit mit seinem Bruder betrügt und..." "Ist ja gut, ist ja gut! Ich möchte keine weite-
ren Details wissen, danke." Er setzte sich neben mich auf die Coach.
"Oh man, was für ein Tag! Mein Chef hat es doch ernsthaft fertig gebracht, mir meinen freien Montag zu streichen! Ich könnte ausras-
ten!", sagte er. Andreas warf mir einen Blick zu. "Was liest du da?", fragte er mich. "'Ne Zeitschrift, wie du unschwer erkennen kannst.", sagte ich. "Der Beweis, das Frauen keine Menschen sind", las er vor.
"Was?" Ich warf einen verwirrten Blick auf das Heft in meiner Hand.
Tatsächlich. Mein Bruder hatte Recht. "Ooops! Da hab ich wohl das falsche Heft gegriffen!", sagte ich und schmiss das Ding wieder zu-
rück auf den Tisch. Doch so leicht lässt sich mein Bruder nicht täuschen. "Du bist zu spät gekommen! Du warst höchstens eine Minute vor mir zu Hause, hab ich Recht?" Er funkelte mich mit seinen braunen Augen wütend an. Ich schloss die Augen, senkte den Kopf und sagte reuemütig: "Erwischt..." Mein Bruder seufzte. "Hast du wenigstens angerufen, das du später kommst?", fragte er. Ich schüttelte den Kopf. "Es tut mir leid, ich war doch nur mir Kim noch ein Eis essen. Ist das denn verboten?", sagte ich und sah Andreas an.
"Für die nächste Woche ja!", sagte dieser. "Nein, nein, bitte kein Hausarrest, Andreas! Bitte nicht!", flehte ich entsetzt. "Andreas, sei doch nicht immer so streng! Lass deine arme Schwester doch auch mal ein bisschen Spaß haben!", mischte sich nun Aglaja ein. "Halt du dich daraus!", rief mein Bruder. Nun wurde er laut. "Schön, dann geh ich halt! Aber bilde dir nicht ein, ich hätte dich nicht gewarnt!", rief nun Aglaja und sie verschwand. Ich stand auf und wollte in mein Zimmer verschwinden, als Andreas mich am Arm packte. "Mir dir bin ich noch nicht fertig, Fräulein!", sagte er. Ich riss mich los. "Ach lass mich doch in Ruhe!", schrie ich, schnappte mit meinen Schlüssel und knallte hinter mir die Tür zu.
Ich hörte erst wieder auf zu rennen, als ich den Park erreichte. Extrem geladen setzte ich mich auf eine Bank, und atmete erst mal tief ein und aus. Das war ja mal wieder ein echt heftiger Streit gewesen, Sogar Aglaja hatte diesmal mitgebrüllt. Normalerweise hielt sie sich bei so was raus. Nun saß mein Bruder ganz allein zu Hause. Hoffentlich tat ihm das alles so richtig leid!
"Hallo Alexa!", wurde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen.
Ich sah hoch. Mia! Die hatte mir gerade noch gefehlt. "Hi.", sagte ich nüchtern. Sie setzte sich neben mich. "Ich hab's mir überlegt, du und dein Bruder, ihr könnt doch nicht zu meiner Party kommen, es wäre einfach eine zu große Ausnahme." Da war es wieder, dieses Mia-Grinsen. "Wunderbar, ich hatte sowieso nicht vor zu kommen!", sagte ich. Mias Grinsen verschwand. Ihr Blick wurde hochnäsig. "Warum kommst du eigentlich nicht? Oder vielleicht liegt es ja auch gar nicht an dir sondern an deinem Bruder? Ist er zu dumm, einen Schritt vor die Haustür zu setzen? Oder vielleicht..." Weiter kam sie mich. Mit aller Kraft die ich aufbringen konnte, schubste ich sie von der Bank.
Sie war so verdutzt, dass sie nicht einmal schrie.Dafür ich umso mehr.
"Wie kannst du es wagen meinen Bruder zu beleidigen, du abnormale, schreckliche Person! Bei dir piept's wohl! Du hast sie ja nicht mehr alle!" Ich musste einen Moment Luft holen und machte eine Pause. Inzwischen war Mia wieder auf die Beine gekommen. Aber irgendwie sah sie anders aus. Aus ihrer Nase schoss Dampf und ihre Augen glühten blutrot! Ich wich einen Schritt zurück. Und als sie lächelte und dabei sehr spitze Eckzähne entblößte, da wusste ich, dass sie ein Teufel war. Mein Bruder hatte sie mir oft genug beschrieben.
Ich riss die Augen weit auf und dachte scharf nach. Was sollte ich jetzt tun? Ohne meinen Engel würde sie mich locker töten können. Mia machte auch schon einen Schritt auf mich zu. Hinter ihr bildete sich auf einmal ein Wirbel. Er wuchs schnell zu einer riesigen Windhose an. Wenn ein Teufel eine Windhose auf dich fahren lässt, und du kein Schutzengel hast, dann ist es aus mit dir! Halte dich vor den Windho-sen fern! Bist du einmal in ihrem Innern, kommst ohne deinen Engel nie wieder raus und wirst verschlungen! Die Worte meines Bruder schossen mir in den Kopf. Doch noch während ich daran dachte, spürte ich ein wildes Zerren, und ich wurde empor geschleudert. Ich schrie nicht mal. Ich dachte nur noch an die Menschen, die mir lieb waren. Andreas. Aglaja. Kim. Nicky. Mama. Papa. Und dann kam mir noch ein Name in den Sinn, den ich aber noch nie gehört hatte. Sag den Namen!, sagte eine Stimme in meinem Kopf. Sag den Namen! Ich öffnete den Mund. "Seraphin.", sagte ich. Plötzlich wurde der Wind schwächer, die Windhose schrumpfte. Das letzte was ich sah, war ein Junge, der Mia zu Boden schlug. Dann wurde mir schwarz vor Augen.
"Lex! Hey, Lex! Es ist alles okay, du kannst die Augen jetzt wieder aufmachen!" Irgendwie kam mir die Stimme bekannt vor. Langsam öffnete ich die Augen. Das Gesicht meines Bruders tauchte über mir auf. Er zog mich auf die Beine. Und dann nahm er mich in die Arme.
Mir blieb die Luft weg. Ich kann mich nicht daran erinnern, das mein Bruder mich jemals umarmt hat. Als er mich losließ, war ich auch schon in der nächsten Umarmung gefangen. Diesmal von Aglaja. Sie ließ mich los. "Danke, Lex! Vielen, vielen Dank!", sagte sie und Trä-
nen glitzerten in ihren großen, blauen Augen. "Hä? Danke? Wofür denn? Ich hab doch gar nichts gemacht!" Aglaja lächelte. Hinter ihr trat nun ein Junge hervor. "Hi Lex!", sagte er. Ich sah ihn erstaunt an. Wer war denn das? Er musste mein ratloses Gesicht wohl bemerkt haben, denn er drehte sich um. Irgendwie kam er mir bekannt vor, und
auch irgendwie vertraut. Er drehte sich wieder zu mir. "Wer bist du?", fragte ich ihn. Er grinste. "Seraphin.", sagte er. Ich verstand immer noch nur Bahnhof. "Ich bin dein Schutzengel!", sagte er schließlich. Ich riss den Mund auf. "Und er ist mein kleiner Bruder.
Deshalb bin ich dir so dankbar, Lex!", sagte Aglaja. "Du hast ihn hier her geholt!" Mein Mund stand immer noch offen. "Mund zu!", sagte Andreas. Ich klappte ihn zu. "Mein Schutzengel? Echt? Kann doch gar nicht sein... Ich meine, ich bin doch viel zu dämlich dafür...
Und überhaupt..." Ich laberte echt nur Scheiße. Seraphin grinste noch breiter. "Ach ja? Und wer hat dich dann bitteschön vor dem Teufel gerettet? Etwa der liebe Gott, oder was?", sagte er frech. Aglaja gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. "Red nicht so über den Herrn!", sagte sie.
Ich stand immer noch völlig bedröppelt in der Gegend rum. Mein Schutzengel? Mein eigener Schutzengel? Ich konnte es immer noch nicht glauben.
Andreas legte mir seinen Arm um die Schulter. "Komm, Lex, lasst uns erst einmal nach Hause gehen." Er schob mich mit sanfter Gewalt vorwärts.
Zu Hause angekommen setzten wir uns alle ins Wohnzimmer und Seraphin erzählte, wie er mich gerettet hatte. Ich war immer noch extrem abwesend.
"Alexaaaaaaa! Hey, sag mal bist du taub, oder was?" Ich sah auf. "Hat jemand was gesagt?", fragte ich. Aglaja machte gleich ein besorgtes Gesicht. "Ist alles okay mit dir? Fühlst du dich vielleicht nicht gut? Soll ich einen Arzt holen? Stehst du unter Schock, wegen dem Teufel?" Sie rückte näher an mich ran und nahm mich in den Arm. Dann sah sie meinen und ihren Bruder an. "Jungs, raus! Lex und ich führen jetzt ein Gespräch unter Frauen. Und wehe ihr lauscht!
Ich hab euch gewarnt!" Mit einem neugierigen Blick und einem wiederwilligen Blick auf uns, standen die beiden raus und gingen in die Küche.
Aglaja wandte sich wieder mir zu. "Also, was ist los? Was bedrückt dich?" Ich zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht,.... Es ist irgendwie seltsam, dass ich jetzt auch einen Schutzengel habe. Ich hab keinerlei Gefühle, alles völlig taub. Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt, nicht so... so..." Ich suchte nach Worten. "Ich versteh schon.", sagte Aglaja. "Du musst nicht weiter reden. Keine Angst, morgen ist alles wieder beim alten, nur das du morgen einen neuen Freund hast. Meinen kleinen Bruder! Ihr beide werdet euch schon noch richtig kennen lernen und später Freunde sein. Es ist alles noch neu, aber wenn ihr beide, du und Seraphin, euch besser kennt, dann empfindet ihr wie Bruder und Schwester für einander, bzw. Seraphin wird eine Art Beschützerinstinkt bilden, und immer für dich da sein, wenn du ihn brauchst. Und du wirst immer spüren, wo er ist und was er macht!" Sie lächelte. "Bei deinem Bruder und mir war es ganz genauso. Nur Mut, meine Kleine!" Ich sah sie einen Moment an, dann fiel ich ihr um den Hals. "Danke, Aglaja! Was tät ich nur ohne dich! Du bist für mich schon wie eine große Schwester! Ich hab dich lieb!" Sie drückte mich. "Und ich dich auch!" Wir ließen uns los. "Warum nennst du mich eigentlich immer noch Aglaja? Nenn mich doch lieber Laja, ist viel kürzer und klingt besser!" Sie grinste. "Okay
wie du meinst... Laja." Sie lachte und ich lachte mit.
"Was gibt's denn da zu lachen? Warum können wir nicht zuhören?"
Mein Bruder verschränkte die Arme vor der Brust und sah uns an. La-
ja und ich prusteten jetzt nur noch lauter. Seraphin stellte sich neben meinen Bruder und musterte uns verwirrt. "Was ist denn jetzt so lustig?" "Ach nichts!" Ich grinste die beiden an.
Ich lag in meinem Bett und sah die Decke in meinem Zimmer an. Mein Zimmer war ziemlich groß. Zwei große, offene Fenster waren auf der gegenüberliegenden Seite der Tür. Gegenüber von meinem Bett, stand
mein Schreibtisch. Eine große Palme stand neben dem Tisch und über meinem Bett hingen viele Poster. Ein großer Schrank stand neben der Tür und das Bücherregal über dem Schreibtisch war so voll gestellt, dass kein einziges Buch mehr raufpasste. Die Wände waren hellblau gestrichen und die Gardienen, die sanft im Wind, der durch das Fen-
ster wehte, hin und her flatterten, ebenfalls. In der Mitte meines Zimmers stand ein Sessel, aber der war weiß.
Ich stand auf und ging zum Fenster. Mir war total warm, denn draußen waren immer noch über 25°. Ich fächelte mir mit der Hand Luft zu. Ich sah auf die Straße, die vor unserem Haus entlang ging. Es waren noch ein paar Leute unterwegs, obwohl es schon fast halb 12 war. Ein großer Mann, mit einem großen Hut und einer Jeansjacke, schlenderte zur Ampel. Ein kleines, blaues Auto fuhr mit 30 km/h die Straße lang. Eine alte Dame, mit ihrem grauen Dackel sah ich auch.
Plötzlich fuhr eine eisige Böe über die Straße hinweg. Ich zitterte.
"Ist dir kalt?", fragte auf einmal jemand hinter mir. Ich drehte mich erschrocken um. Es war Seraphin.
"Erschreck mich doch nicht so." Er kam zu mir, stellte sich neben mich und sah auch aus dem Fenster. Ich stützte mich mit den Ellenbo-
gen auf das Fensterbrett und sah wieder zur Straße.
Die alte Frau mit dem Dackel hatte es endlich zur Ampel geschafft und stand nun neben dem Mann, mit dem großen Hut. Ich schloss die Augen und genoss den angenehmen Luftzug von draußen.
"Soll ich morgen vielleicht lieber mit in die Schule kommen?" Ich öffnete die Augen wieder. "Na es könnte doch sein, das ein Teufel wieder auftaucht, meinst du nicht?" Seraphin sah mich etwas besorgt an. "Das kannst du dir aussuchen. Komm mit, oder lass es bleiben, wie du willst! Mir ist es..." "RUNTER!!!", schrie Seraphin und drückte meinen Kopf runter. "Verdammt!" Ich sah auf. Vor meinem Fenster schwebte der Mann mit dem großen Hut. Ein Teufel. Ich riss entsetzt die Augen auf, da sprang Seraphin auf einmal auf den Mann los und stieß ihn auf die Straße. Ich schrie. "Seraphiiiiiiiiiiiiiiiiin!"
Meine Zimmertür wurde aufgerissen, und Andreas und Laja stürzten herein. "Was ist los?", rief mein Bruder. "Ein Teufel!", rief Laja. Ich nickte. Laja eilte zum Fenster, mein Bruder und ich hinterher.
Seraphin rangelte mit dem Teufel, doch es war klar, wer den Kampf gewinnen würde.
"Ich muss ihm helfen!", rief Laja, und sprang aus dem Fenster. Andreas schnappte nach Luft. Ich auch. Immerhin wohnen wir im dritten Stock.
Laja stürzte auf den Teufel und schlug ihn zu Boden. Seraphin, der am Boden lag, rappelte sich wieder auf, und eilte seiner Schwester zu Hilfe. Der Teufel schrie und löste sich auf einmal in Luft auf. Ich seufzte erleichtert, doch plötzlich wurde ich in die Höhe gehoben und flog im nächsten Moment auch schon aus dem Fenster. Ich kreischte extrem laut. Andreas wollte meine Hand packen, doch er verfehlte sie knapp. Ich fiel und der Wind blies mir um die Ohren.
WUMM! Seraphin sprang vor und fing mich auf. Ich warf automatisch meine Arme um seinen Hals und klammerte mich an ihn. Ich drückte ihm echt fast die Luft ab. Laja rief irgendwas und Seraphin sprang auf mein Fensterbrett. In den dritten Stock!!!
Mit mir immer noch auf dem Arm, kletterte er in mein Zimmer. Hinter ihm kam Laja rein. Anscheinend hatte sie den Teufel außer Gefecht gesetzt. Ich klammerte mich immer noch an Seraphin, weil ich Angst hatte, dass mich der Teufel wieder aus dem Fenster werfen würde.
"Hey, Lex! Es ist vorbei, du kannst mich wieder loslassen." Ich klammerte mich nur noch fester. Andreas wollte meine Arme mit sanfter Gewalt von Seraphin lösen, doch ohne Erfolg. Ich blieb eisern an ihm hängen. Laja schloss meine Fenster."Die bleiben heute Nacht
lieber zu!", sagte sie.
"Hey, Kleines! Lass Seraphin los. Es ist ja alles wieder vorbei." Ich schüttelte den Kopf. Sie seufzte. Dann zog sie Andreas mit sich, sagte gute Nacht und schloss die Tür.
Ich klammerte mich weiterhin an Seraphin. Plötzlich legte er seine Arme um mich und drückte mich sanft. "Du brauchst keine Angst mehr haben, ich bin ja bei dir!", flüsterte er. Ich schloss die Augen. Eine Träne kullerte mir die Wange hinunter. Und noch eine. Da kam auch schon die nächste. Jetzt begann ich richtig zu heulen. Seraphin hob mich hoch, so als wär' ich eine Feder, und setzte mich auf mein Bett. Endlich ließ ich ihn los. Er hockte sich vor meine Füße und sah mich an. "Es ist vorbei, Lex! Der Teufel ist vernichtet. Du bist nicht mehr in Gefahr." Er wischte mir mit der Hand die Tränen weg. "Hör auf zu weinen, es ist alles okay!" Ich sah ihn an. "Ich ... ich hatte solche Angst ... ich bin richtig tief gefallen ... ich ... ich dachte schon sonst was ... ich ..." Meine Stimme versagte. Seraphin setzte sich neben mich und nahm mich wieder in die Arme. "Aber ich hab dich doch aufgefangen. Dir wär' schon nichts passiert." "Aber ohne ... ohne dich ... ich wär' jetzt bestimmt ... danke! Danke, dass du mich zum ... zum zweiten Mal gerettet hast! Danke!" Ich drückte Seraphin ganz fest. Dann ließ ich ihn los. "Vielleicht solltest du jetzt besser schlafen,was meinst du?
"Mmh?" Ich nickte. Auf einmal merkte ich, wie müde ich war. Ich legte mich hin und drückte meinen Kuschelbären an mich. Seraphin deckte mich zu und streichelte mir über die Wange. "Ich werde dich immer beschützen, keine Angst!", flüsterte er. Ich nahm seine Hand und schloss die Augen. Dann fiel ich auch schon in tiefen Schlaf.
Ein neuer Freund
Am nächsten Morgen weckte mich das Zwitschern der Vögel. Ich rieb mir verschlafen die Augen und schlug die Decke zurück. Ich dachte an gestern Nacht, verdrängte es dann aber, denn aus der Küche zog der Duft von Pfannkuchen in mein Zimmer. Ich kletterte aus dem Bett, und im nächsten Moment lag ich auch schon auf dem Bauch. Ich war über etwas Weiches gefallen, was direkt vor meinem Bett lag.
"Seraphin!", sagte ich. Der Junge hob den Kopf. "Was'n los?", fragte er müde und sah mich an. "Warum, zum Teufel, lagst du vor meinem Bett? Ich bin eben voll über dich rübergefallen!" Seraphin stand auf und half mir wieder auf die Beine.
"Sorry, ich wollte nur in deiner Nähe sein, damit du keine Angst mehr zu haben brauchst. Hast du dir wehgetan?", fragte er hinzufügend. Ich schüttelte den Kopf. "Nein, nein, nichts passiert. Danke."
Meine Zimmertür ging auf, und mein Bruder lugte herein. "Ach, schon wach? Ich wollte euch grad wecken, das Frühstück ist nämlich fertig!" ,sagte Andreas. Wir folgten ihm in die Küche. "Morgen Laja! Gut geschlafen?", fragte ich. "Morgen Schwester!" "Morgen Lex, morgen Seraphin. Danke, gut. Und du?", erkundigte sich Laja. "Na ja
ich konnte schon mal besser schlafen.", antwortete ich. Seraphin und ich setzten uns an den Tisch und Laja stellte uns duftende Pfannkuch-
en hin. "Mmmmh! Lecker! Danke, Laja.", sagte ich und begann zu essen. Ein Glas Milch stand auch noch da.
"Lex, es wird langsam mal Zeit! Du musst zur Schule!" Andreas gab mir meine Tasche. "Nimm bitte Seraphin mit, es ist besser!", sagte er.
Dann drückte er mich kurz und ging. Laja gab mir einen Schmatzer auf die Wange und verstrubbelte Seraphins Haare. "Passt auf euch auf!" Sie schloss hinter uns die Tür.
"Sag mal, du kannst aber nicht so einfach mit in den Klassenraum kommen, dass geht nicht.", erklärte ich Seraphin. Er nickte."Ich weiß,
aber wozu, glaubst du, können sich Schutzengel unsichtbar machen? Aus Freude am Dasein, oder was?" Er grinste. "Na dann ist gut." Ich war erleichtert.
Nach einer viertel Stunde erreichten wir meine Schule. Seraphin nickte mir zu und ... verschwand. Doch irgendwie spürte ich, dass er immer noch neben mir stand.
"Huuhuu! Leeex! Hier drüben!" Ich wandte mich um. Kim sprintete auf mich zu. "Na, wie geht's dir?" "Gut und dir?", fragte ich. "Auch gut, danke der Nachfrage. Übrigens, Nicky kommt heute und nächste Woche nicht zur Schule, ich weiß aber auch nicht warum!" Ich nickte.
Es klingelte und Kim, Seraphin und ich gingen rein. Seraphin folgte mir wie ein Schatten, ich spürte ihn.
Im Klassenraum setzte ich mich auf meinen Stuhl, neben Kim. Ich packte grade meine Sachen aus, da betrat Mia den Raum. Ich blickte wie gebannt auf sie. Neben meinem Tisch blieb sie stehen und muster-
te mich. "Hallo Alexa.", sagte sie nur knapp. "Hi.", erwiderte ich. Sie setzte sich auf ihren Platz, und beachtete mich nicht weiter. Ich seufzte erleichtert. Das Risiko, in der Schule auf einen Teufel zu treffen, war extrem hoch und es würde sau gefährlich werden.
Der Unterricht begann und ich langweilte mich schon in den ersten paar Minuten. Wir hatten Kunstgeschichte, das langweiligste Fach aller Zeiten!
"Hast du Aufgabe b) verstanden? Ich kapier das überhaupt nicht." Die Schule war gerade aus und Kim und ich unterhielten uns. "Ich auch nicht.", sagte ich. "Ich muss jetzt nach Hause, wir telefonieren."
Kim winkte und ich ging Richtung zu Hause. Plötzlich tauchte Seraphin wieder neben mir auf. Wir gingen nach Hause.
"Na, wie hat dir die Schule gefallen?", fragte ich belustigt. "Zum sterben langweilig!!", sagte er. Ich lachte. "Wie Recht du hast!" Ich setzte mich auf mein Bett. "Sag mal, Seraphin, kannst du eigentlich sterben?" Ich sah ihn an. Er überlegte einen Moment. " Na ja, nicht wirklich. Ein Teufel könnte mich vernichten, aber richtiges Sterben, so wie du das meinst, ist das nicht." Ich nickte. Irgendwie war es seltsam
sich mit ihm zu unterhalten, denn er war irgendwie immer da. Es war ein komisches Gefühl. Beim Frühstück saß er neben mir, er kam mit zur Schule, er war unsichtbar im Klassenraum bei mir gewesen, er ging wieder mit mir nach Hause, und jetzt war er wieder bei mir und ich konnte ihm alles erzählen, obwohl ich ihn gerade mal einen Tag lang kannte.
"Lexi, bist du eingeschlafen?" Ich schreckte hoch. "WAS? Lexi? Ich heiße Alexa oder Lex, aber nicht Lexi!", sagte ich verblüfft. Seraphin grinste. "Ich unterscheide mich von allen, die dich Lex oder Alexa nennen, deshalb muss ich dir auch einen anderen Namen geben. Und ich dachte, Lexi klingt doch süß."Mein Mund stand nach diesem Kurz-
vortrag erst einmal offen. Seraphin lachte."Mach den Mund zu, Lexi! Sonst kommen die Fliegen rein!" Ich klappte ihn wieder zu. "Lex!", verbesserte ich. Seraphin zuckte mit den Schultern. Dieser Typ war echt zu kurios. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich müsste ihn einfach mal drücken. Ich lachte und schlang meine Arme um seinen Hals. Seraphin zuckte zurück und rief: "Hey, womit hab ich das denn verdient?!" Ich knuffte ihn mit gespielter Wut in die Seite und grinste dann. "Du bist echt doof!", sagte ich und lachte. Seraphin lachte mit.
Meine Zimmertür ging auf, und Andreas kam herein. "Was ist das denn hier für ein Radau? Könnt ihr nicht leiser Lachen?" Er grinste. Ich sprang von meinem Bett, rannte zu ihm und warf ihn um. Dann begann ich ihn zu kitzeln. Er schrie und versuchte, mich runter zu schubsen. Seraphin packte mich plötzlich von hinten, hob mich von meinem Bruder und kitzelte mich ab. Andreas half ihm, nachdem er sich aufgerappelt hatte.
"LAJAAAAAAA!", kreischte ich. "LAJAAA, HILFEEEEEEE!" Laja stürzte ins Zimmer, ihre Schürze immer noch um den Hals, sah, was los war, und kam mir zur Hilfe. Zusammen schafften wir es, wenigstens Seraphin zu kitzeln.
"Ich kann nicht mehr." Ich atmete tief ein und aus und legte mich neben Laja. Sie, Andreas, Seraphin und ich lagen alles Viere von uns auf dem Fußboden im meinem Zimmer und waren total außer Puste. Wir hatten uns echt abgekitzelt, bis zum Umfallen. Ich war richtig erledigt, denn Laja und ich hatten natürlich keine Chance, gegen meinen Bruder und Seraphin. Mit einem wären wir ja noch fertig geworden, aber die beiden zusammen? Unmöglich.
Laja stand auf. "Ich mach dann mal Abendbrot.", sagte sie und ging in die Küche. "Ich helf dir!" Ich sprang auf und rannte hinter ihr her.
"Was gibt's heute denn leckeres?", fragte ich, als wir neben dem Küchentisch standen. "Ich weiß noch nicht, entweder Butter und Brot, oder lieber was warmes?" Ich sah Laja an. "Butter und Brot!", sagten wir gleichzeitig und lachten. "Gut, dann schneid ich das Brot, du machst die Wurst- und Käseplatte und dann machen wir zusammen den Salat! Und schon haben wir ein sehr gesundes Abendbrot!" Laja grinste mich an.
"Menschen's Kinder, ich platze gleich! Wie kann man bei so'nem Essen bloß satt werden!" Andreas rieb sich seinen vollen Bauch. Ich lachte und half Laja beim abräumen. "Andreas, Seraphin, ihr macht den Abwasch, nur damit das klar ist!", sagte Laja. Sie kann sich echt durchsetzen! Maulend machten sich die Jungs ans Werk.
Laja und ich setzten uns ins Wohnzimmer auf die Couch und ich schnappte mir eine Zeitschrift. Was für Scheiß dadrin steht, also echt!
Die Schlagzeile:
Britney Spears
Wieder eine Skandalhochzeit?
Lesen Sie nach, ab Seite 3
Also wirklich! Warum lassen sie die armen Promis nicht mal in Ruhe. Ich möchte nicht so dastehen. Ich kann Miss Spears zwar nicht leiden, aber das, was die Presse mit ihr macht ist echt fies. (Und vor allem erstunken und erlogen!!!)
"Was liest du da?", fragte plötzlich eine Stimme an meinem linken Ohr. Ich schrie auf. Seraphin!
"Bist du des Teufels, mich so zu erschrecken?!" Er grinste. Seufz. Der Junge ist echt unbelehrbar!
"Klatschpresse, wieso fragst du?", antwortete ich schließlich. "Och, nur so!"
Um halb elf gähnte ich tief und Andreas schaute auf die Uhr.
"Himmlischer Herrgott! Es ist ja schon fast elf! Lex, Seraphin, ab ins Bett, ihr müsst doch morgen zur Schule!" Ohne Wiederspruch trottete ich mit Seraphin im Schlepptau in mein Zimmer.
Als ich fertig war, kamen Andreas und Laja zum Gute Nacht sagen rein.
"Schlaft gut, ihr zwei!", sagte Laja und gab mir einen Kuss auf die Wange. Sie knuffte Seraphin in die Seite und ging raus. Andreas tat es ihr gleich.
Ich lag im Bett und sah zu Seraphin, der auf einer Matte auf dem Fußboden saß. Der Mond warf sein Licht durch das Fenster und tauchte meinen Schutzengel in Helligkeit. Sein Haar glänzte silbrig, obwohl es dunkelblond war. Er würde locker wie ein Mensch aussehen, doch seine Augen verrieten ihn. Sie waren silber. Und ich meine, kein Mensch hat silberne Augen!
Diese Augen sahen mich jetzt an. "Was guckst du denn so?", fragte ich Seraphin. "Das selbe könnte ich dich fragen!", erwiderte er. Ich grinste. Er konnte mich aber auch immer wieder zum Lachen bringen.
Ich schob meine Decke beiseite und kletterte aus dem Bett. Dann ging ich zum Fenster und wollte es öffnen, denn es war extrem warm in meinem Zimmer geworden.
Blitzschnell stand Seraphin auf einmal neben mir und hielt meine Hand fest.
"Nein, lass es zu! Es ist viel zu gefährlich!" Ich schluckte und ließ den Griff des Fensters wieder los. Dann setzte ich mich auf Seraphins Matratze. Er nahm neben mir Platz.
Irgendwie gab er mir so etwas vertrautes, so ... unbeschreiblich! Ich merkte, wann er umherlief, obwohl ich ihn dann nicht sehen konnte. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart geborgen und sicher. Er war einfach immer da, und dabei hatte ich ihn gestern erst kennen gelernt. Es war wirklich ein seltsames Gefühl. Selbst bei Kim und Nicky fühlte ich mich nicht so wohl, wie bei Seraphin.
Ich wollte mich gerade an seine Schultern lehnen, da ... kippte ich einfach durch ihn durch. Erschrocken fuhr ich zurück. Seine gesamte Festigkeit war verschwunden. Ich riss die Augen weit auf.
Ich konnte durch Seraphin hindurch sehen.
"Oh mein ..." Mein Mund stand offen. Seraphin machte ein trauriges Gesicht. "Du brauchst keine Angst zu haben, Lexi! Ich bin noch da, morgen früh bin ich auch wieder fest! Ich muss mich nur aufladen! Erschreck nicht, dass passiert mit jedem Schutzengel, einmal im Monat. Ich hätte es dir wohl vorher sagen sollen, was? Mach den Mund wieder zu!", fügte er grinsend hinzu. Ich starrte ihn immer noch an. "Das ... das hättest du mir wirklich vorher sagen sollen!" Ich war total platt. "Am besten du gehst jetzt schlafen, dann bin ich morgen auch wieder fit." Seraphin grinste immer noch. Langsam stand ich auf und kletterte wieder ins Bett. Ich warf ihm einen letzten blick zu, dann drehte ich mich um und schlief auch bald darauf ein.
Am nächsten Morgen wurde ich von lauten Stimmen geweckt.
"Wie oft soll ich's dir noch sagen: Der Kühlschrank ist nachts für dich tabu! Hast du Tomaten auf den Ohren, oder wie? Bei dir piept's wohl, einfach alles aufzuessen." Das war Laja. "Ach komm, jetzt hab dich doch um Himmels Willen nicht so! Und von wegen alles! Hab doch nur einen kleinen Nachtimbiss gehalten! Musste mich halt wie-
der aufladen. Mach doch nicht immer so ein Theater." Und das war natürlich Seraphin. "Werde jetzt bloß nicht frech, Freundchen! Noch bin ich hier die große Schwester und du der kleine Bruder, klar?!" "Oh, jetzt kommt wieder der Ich-bin-groß-und-du-nicht-Tour. Wie ich das vermisst habe! Du spinnst ja, Laja."
Mein Gott, waren diese Herrschaften vielleicht laut! Ich stand auf und räkelte mich. Dann huschte ich so leise wie möglich ins Bad. Laja und Seraphin zankten immer noch.
Als ich mich fertig angezogen hatte, ging ich in die Küche.
Laja stand mit knallrotem Gesicht in der einen Ecke der Küche, Seraphin völlig gelassen in der andern.
"Oh, was für ein herrlicher Morgen! Guten Morgen, Laja. Guten Morgen Seraphin.", sagte ich und grinste ironisch. Laja öffnete den Mund, um mit Seraphin weiterzustreiten, doch ich fuhr dazwischen.
"Ach kommt schon, Leute! Ihr benehmt euch echt wie kleine Kinder! Jetzt habt euch doch bloß nicht so, und vertragt euch. Es nervt! Man kann ja nicht mal in Ruhe ausschlafen!"
Seraphin und Laja sahen mich an. Die rote Farbe wich langsam einem normalen Ton. Sie grinste ein wenig verlegen. "Hast ja Recht, Lex! Wir haben uns echt blöd angestellt! Sorry, kleiner Bruder." Ich grinste und sagte: "Genau, so ist's fein!" Dann setzte ich mich an den Tisch, aß mein Frühstück auf und holte meine Tasche.
"Ich geh jetzt zur Schule, will jemand mitkommen?", fragte ich laut, als ich in den Wohnungstür stand. Seraphin kam mit einer Stulle im Mund angerannt und nuschelte etwas, was nach "Lauf!" klang. Im nächsten Moment wurde ich auch schon rausgedrängelt, und Laja schrie: "SERAPHIN, RÜCK DIE STULLE RAUS!" Ich lachte und zusammen rannten wir zur Schule.
"Morgen." "Morgen, Kim." Schnaufend setzte ich mich neben meine beste Freundin.
"Na, was ist nun eigentlich mit Nicky?", fragte ich. Kim sah mich düster an, während ich meine Federtasche auspackte, und Seraphin sich hinter mir auf die Stuhllehne klemmte.
"Also, ... seine Ma hat mir gesagt, dass sie wegziehen...", flüsterte Kim. Erschrocken sah ich hoch. "WAS?" Ich wurde von links ange-
rempelt. Mia!
"Autsch, pass doch auf!", zischte ich ihr zu. Sie grinste mich nur fies an. Ich verdrehte die Augen, und wandte mich wieder an Kim.
"Warum? Er hat nie etwas gesagt, oder ist mir da irgendwas entfallen? Ich mein..." Mir fehlten die Worte. Kim zuckte mit den Schulter. "Ich versteh's ja auch nicht. Ich find's nur gemein, dass er einfach nichts gesagt hat. Ich mein, wir sind doch seine besten Freunde."
"Wer will schon mit euch befreundet sein? Also ehrlich, ich kann den armen Nicky verstehen. Ich hätte euch auch nichts gesagt!", gab Mia plötzlich ihren Senf dazu.
"Dich hat auch niemand nach deiner Meinung gefragt, du kleine Hexe!", zischte ich erbost.
BATSCH. Und schon hatte ich die Hand von Mia im Gesicht kleben. BANG. Mia fiel von ihrem Stuhl, und flog im hohen Bogen durch den Klassenraum. Kim und ich prusteten los.
"Danke, Seraphin!", flüsterte ich leise.
"Was war denn das?", lachte Kim sich einen ab. Ich schmunzelte nur. "Wer weiß ..."
Kommentare
AnNA schrieb am 2007-12-27 12:50:33:
supersüß :)
Jasi schrieb am 2007-01-08 18:57:02:
hi ich find deine geschichte klasse. Etwas lang aber was solls.
Ebony schrieb am 2006-10-26 02:46:33:
Darf ich auch mal was dazu sagen? Ach verschieben wir es doch auf morgen, bin grad so angespannt, hugs, Ebony.
alexa-stern@gmx.de schrieb:
Ihr wundert euch vielleicht warum mein Name auch der Name der Hauptfigur ist, aber das hat einen ganz einfachen Grund: ich kenne keinen anderen griechischen Mädchennamen!;)
Alexa
steini_stoni@web.de schrieb:
Es ist gar nicht schlimm, dass du wie dein Hauptcharacter heißt. Du bist nicht die einzige, die auf die Idee kam *gg
Also, dann fang ich doch direkt mit Textzeug an:
>Ihr fragt euch sicher, was mein Bruder damit meinte<- das klingt sehr wie ein Tagebucheintrag.
>Ihr fragt euch sicher, was mein Bruder damit meinte<- zweimal Familie in einem kurzen Satz. Versuche ein Synonym dafür zu finden
>Familie von einem Engel gerettet. Seitdem hat jeder in unserer Familie einen Schutzengel, wenn er oder sie 14 wird. Mein Bruder zum Beispiel ist 23 und hat seinen Schutzengel <- du merkst wie oft du dich wiederholst?
>Mein Bruder zum Beispiel ist 23 und hat seinen Schutzengel schon 10 Jahre<- das ist eigentlich logisch und hätte wegbleiben können.
>Aber natürlich ist es bei mir wieder eine Ausnahme<- hier könntest du auflisten, worin sie noch Ausnahmen war.
>seeeehr<- ich glaub diese Überbetonungen können weggelassen werden
>Die letzte Klassenarbeit war nämlich sehr
schlecht ausgefallen! Dabei hatte ich eine 3 geschrieben. Und wenn
man davon ausgeht das Mathe mir nicht besonders liegt, kann man doch sagen, dass ich sie ziemlich gut bewältigt habe!!!
Half aber alles nichts, den Hausaufgaben zu entgehen! Also machte ich mich ans Werk!<- ist das wichtig für das restliche Verlaufen?
>gesagt hab<- habe
>mich an meine toten Eltern zu erinnern.<- HUCH!! Jetzt bin ich verwirrt. Diese Tatsache hätte sehr viel weiter am Anfang stehen sollen und nicht nebenbei einfließen
>"Oh, das hab ich ja ganz vergessen. Deine Eltern sind ja nicht mehr am Leben, Alexa. Das tut mir aber Leid, dass ich das vergessen ha-
be!" <- bist du sicher, dass andere Kinder witze über die Verstorenen Eltern reißen? Klingt für mich etwas unreal.
>Meine Eltern sind vor sieben Jahren bei einem Verkehrsunfall gestor-
ben. <- ich hab gedacht die ganze Familie besitzt einen Schutzengel. Warum hat er sie nicht geschützt?
>Er stellt auch jeden Tag ganz viele Bilder im Haus auf< ixh stell mir grad vor wie ihr Bruder die Bilder nachts wegräumt und am nächsten Tag wieder aufstellt.
Aber ich glaube das sollte heißen: In unserem Haus standen viele Bilder von Mutter und Vater, oder so.
>Übrigens, vielleicht fragt ihr euch, wie meine Eltern mit einem Schutzengel sterben konnten<- genau!! Ich fühle mich irgendwie vernachlässigt, wenn ich die Angaben nicht schnell bekomme.
>Klingt ein wenig seltsam, ist aber so.<- das klingt wie ein Werbeslogan
>Ein Schutzengel kann einen Menschen nur dann beschützen, wenn dieser von einem Teufel angegriffen wird<- ach schön das man das so beiläufig erfährt.
>Ein Schutzengel kann einen Menschen nur dann beschützen, wenn dieser von einem Teufel angegriffen wird<- vor diesem Satz kommt auf jeden Fall ain deutlicher Absatz
>meinet wegen kommen.<-meinet wegen kommen."
>hasse<- hasste.
Ach ich geb die Fehlersuche auf.
Also die Geschichte ist gut Geschrieben, aber sie erinnert mich an einen Tagebucheintrag, und die les ich eigentlich net so gern.
Gruß Stoni
antoniakoenig@gmx.de schrieb:
Hi Lexi!! (^gg)
Also ich habs jetzt endlich mal geschafft, mir Zeit für diese lange Geschichte zunehmen!!
Eine schöne Idee und im Großen und Ganzen auch schön geschrieben. Manche Ausdrucksweisen klingen noch ein wenig ungelenk und mir persönlich auch manchmal zu umgangssprachlich, aber kann sein, dass das so beabsichtigt war. Ansonsten konnte ich mir alles recht gut bildlich vorstellen und die Geschichte ist sehr lebendig geschrieben. Auch wenn sie so lang ist, fiel sie mir leicht zu lesen, sehr flüssig usw.
Noch eine kleine Kritik ist, dass mir zum Beispiel die Szene, in der sich alle gegenseitig abkitzeln, ein bisschen zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen ist. Kann ja sein dass das mit Schutzengeln so ist aber immerhin haben sie sich erst vor einem Tag kennengelernt ...
Naja, aber wie schon gesagt, mir gefällts eigentlich sehr gut. Freue mich schon auf den nächsten Teil!
Liebe Grüße, Alyssa
das_Nierchen@gmx.de schrieb:
Hi Lexi!!!
Ich habs endlich mal geschafft in diese Internetseite reinzukommen und hab mir natürlich sofort deine Geschichte durchgelesen! SUPPI!!! Die (glaub schon)beste die ich von dir gelesen habe!!!
Aber trotzdem Scheinen im Anfang lauter kleine Wiederholungen zu stecken, und es klingt besser wenn man den Stuhl hoch stellt (statt pack), aber ich weiß das sagen halt auch unsere Leher/inen =). Aber wie geschrieben richtig genial ich freu mich schon auf den nächsten Teil!!!
VNerb@gmx.de schrieb:
hey Lexi!!!!!!!!!!!!!!!!
Deine geschichte ist echt geil
wollte sie
gleich nocheinmal
lesen!!!
Schick mir doch bitte
"die Schutzengel 2".
Das wär meger nett von dir.
Vanessa
sassi-chan@gmx.de schrieb:
Hi Lex!
Ich find deine Geschichte echt spannend und freu mich schon,wenn du den 2. Teil endlich veröffentlichen würdest.Deine Story ist gut geschrieben,die wird bestimmt mal ein tolles Buch.Bis dann!
Sassi ^^
Zoe schrieb:
liebe alexa.ich find deine geschichte ziehmlich gut.wenn du es veröffentlichen solltest,dann würde ich die geschichte zwar noch mal überarbeiten,aber was diese/r flavapuella sagt,ist der pure schwachsinn.mach dir einfach nichts draus,und schreib fleissig weiter.
deine zoe
kathrin schrieb:
tolle geschichte und so schön zum lesen. Wirklich klasse!!!
Darkwings@web.de schrieb:
Das erste Wort das mir dazu einfällt?
GENIAL!!!
Die Textstellen mit Seraphim sind wirklich gut geschrieben!! Du müsstest vielleicht die Gramatik und denn Ausdruck etwas bearbeiten aber sonst wirklich SEHR SCHÖN^^! Würde mich freuen, wenn du einen zweiten Teil schreiben würdest, denn es interessiert mich, wie es mit Seraphim und Alexa weitergeht. Ich finde das bei den beiden mehr als nur Freundschaft im Spiel war, obwohl sie sich noch nicht so lange kannten. Ich finde auch schön, wie du diese Vertrautheit zwischen den beiden beschrieben hast. Als würden sie sich schon ewig kennen^^! Also mach weiter so und lass dir bloß nicht das schreiben verderben von einem scheiß Kommentar (damit meine ich dich flavapuella) Viel Spaß beim weiteren schreiben wünscht Shadow Angel!!!
=)
goettliches_wesen@hotmail.de schrieb:
Hi Lexi =)
Ein dickes,dickes Lob an dich.Die Geschichte ist sehr flüssig und detaliert geschrieben.Bei dem was Shadow Angel geschrieben hat kann ich mich nur anschließen,auch ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl das bei den Beiden(Seraphin und Alexa) mehr als Freundschaft im Spiel ist.Schreib doch weiter ich bin schon ganz neugierig wie es weiter geht.Bye,Bye Vanessa
nairolf15@yahoo.de schrieb:
hi lexi
ich interesiere mich sehr für so übernatürliche dinge und finde deine geschichte einfach klasse. hab selbst vor ein paar monaten angefangen eine geschichte mit einem schutzengel zu schreiben, hab aber gerade keine idee wie es weiter gehen könnte. jedenfalls fänd ich es spitze wenn du mir den zweiten teil deiner geschichte zuschicken könntest, falls es einen gibt. würd gern wissen wie es weiter geht. freu mich schon drauf.
schöne grüße dein flo
ann-lisz@web.de schrieb:
@ Alexa: Sicher sind da noch einige kleine Korrekturen nötig, um das Lesen flüssiger zu machen. Es ist aber eine tolle Idee, weiter so.
@ Stoni: Deine Kommentare sind zu negativ. Kritik sollte konstruktiver sein.
natha.schmidt@freenet.de schrieb:
JA mal ne frage gibt es schutzengel 2 schon?
wenn ja, kannst du mir die geschichte schicken?
denn einssteht fest, die geschichte war super
RonjaDegner@web.de schrieb:
Hi Alexa!
Ich find die Geschichte super geil. Hast du sie schon weiter geschrieben? Wenn ja, bitte, bitte schick sie mir! Würd mich sehr freuen.
vg! Ronja
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