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Kategorien > Fabeln & Märchen > Märchen

Die Seele der Musik

von Sadako

Die Seele der Musik- ein Mandolinenmärchen

Vor langen Zeiten lebte einst ein Mandolinenspieler mit Namen Yaffar.
Yaffar lebte in einer kleinen Hütte in den Bergen, welche von außen einen fast schon zerfallenen Eindruck machte - in deren Inneren es jedoch sehr behaglich und wohlig war.
Er lebte allein, seine Frau war vor vielen Jahren verstorben und mit dem Glück eigener Kinder wurden sie nicht gesegnet.
Und da Yaffar so sehr viel Zeit mit sich selbst verbrachte- spielte er sobald er seine Arbeit verrichtet hatte auf seiner Mandoline.
Spielte er morgens in den frühen Stunden so setzten sich die gerade aufgewachten Vögelein zu ihm und zwitscherten eine fröhliche Weise zu seinem Spiel.
Des Mittags schaute die heiße Sonne zu ihm hinunter und bewegte ihre Strahlen im Takt der Musik.
Und nachmittags besuchten ihn die Kinder aus der Schule und lauschten mit andächtiger Stille seinen Klängen.
Und wenn abends sich die Sonne langsam von ihm verabschiedete, summten kleine Insekten leise an seinen Ohren und die Tiere der Nacht gaben sich ein Stell- Dich- ein.
Und wenn die kalten Herbst- und Wintermonate ins Land zogen, so spielte er fast ununterbrochen im Inneren des Häuschens zum Prasseln des Kaminfeuers.
Und die Jahre zogen immer weiter und weiter ins Land. Yaffar war nun alt, doch spielte er so voller Liebe auf seiner Mandoline wie man es noch nie gesehen hatte.
Eines Abends war es dann soweit und der Tod stand vor Yaffars Tür: "Es ist soweit, " sagte er sanft. "Nun komm mit mir und habe keine Angst. Es soll Dir gut gehen bei mir und Dein Leben war lang." Mit seiner Mandoline in der Hand wollte Yaffar dem Tod nun folgen -doch hielt ihn dieser an und sprach:" Nein Yaffar Deine Mandoline muss hier bleiben." Yaffar machte ein trauriges Gesicht:" Aber warum denn- ihr Spiel macht mich so glücklich- bitte lass sie mich mitnehmen." Doch der Tod verneinte:" Sie gehört hier auf diese Welt und wäre falsch dort wo wir hingehen." Und Yaffar merkte, dass es keinen Sinn machte erneut zu bitten und folgte so schweren Herzens dem Tod.
Nun war es still in dem kleinen Häuschen. Die Vögel zwitscherten nun traurig ihr Lied und auch die Sonne ließ ihre Strahlen ein wenig langsamer über die Berge streichen. Die Kinder kamen nicht mehr zum Häuschen, denn es war ihnen zu still und einsam geworden .Und auch die Tiere der Nacht schlichen nur noch leise an dem Haus vorbei.
Nach vielen weiteren Jahren geschah es nun, das eine kleine Familie mit Mann, Frau und zwei Kindern in das Haus des alten Yaffars einzog. Das Häuschen wurde erst einmal wieder auf Vordermann gebracht und erstrahlte bald wieder in einem neuen Glanz. Viele Dinge des alten Yaffar wurden weggeräumt oder weggeschmissen und die Kinder hatten viel Spaß an den häufig skurrielen Dingen die sie im Inneren des Hauses noch vorfanden. Dann entdeckten sie eines Tages die Mandoline, die Yaffar vor seinem Tode noch gut versteckt hatte.
"Papa, " fragten sie, "was ist das für ein seltsames Instrument?" Der Vater nahm die Mandoline zur Hand: "Nun das ist eine Mandoline, Kinder, " sprach er. "Auf ihr kann man ganz wundervolle Musik machen". Und vorsichtig schlug er die Saiten an. Die Kinder fingen an zu lachen: "Wundervolle Musik? Das hört sich ja an wie Katzenjammer.und so traurig!"
Verwundert lauschte auch der Vater. "Seltsam. vielleicht muss sie erst einmal gestimmt werden." Und er versuchte die Saiten zu stimmen. Doch wie er es auch probierte und einstellte, die Mandoline behielt ihre traurigen Töne.
Die nächsten Tage versuchte er es erneut- doch jedes Mal ohne Erfolg. Und so entschloss er sich ins Dorf hinunterzugehen um bei den Alten des Dorfes nachzufragen, was es mit dieser Mandoline auf sich haben könnte. Die Alten erzählten ihm daraufhin von Yaffar, wie er dort oben in seiner Hütte auf dieser Mandoline gespielt hatte und sie alles andere als traurig klang, sondern ihre Töne oft bis ins Tal hinunter trug und die Menschen dort mit Freude erfüllte. Seit seinem Tod musste die Mandoline nun schon dort liegen und er wäre wohl der erste der nun auf ihr spielen würde. Vielleicht ist es die Trauer des alten Yaffars das er seine Mandoline nicht mehr spielen kann, welche nun die traurigen Töne aus der Mandoline hervorruft.
Verwirrt ging der Mann wieder zurück zu seiner Hütte, unwissend was er nun tun sollte.
Die nächsten Nächte schlief er schlecht. Immer wieder träumte er von einem alten Mann, der ihn mit traurigem Blick ansah. "Bitte, bitte gib mir meine Mandoline" schien er zu sagen.
Doch wie sollte der Mann das machen? Er fand keinen Rat und diese Ungewissheit trübte seine Gedanken, obwohl zurzeit ein wunderschöner Sommer im Land herrschte.
Seine Frau und die Kinder sorgten sich um ihn. "Mach dein Gemüt nicht so schwer wegen einer Mandoline die komische Töne von sich gibt, " sprach seine Frau. "Genieße lieber die schönen Sommertage, der trübe Herbst kommt noch früh genug."
"Ach wie soll ich denn froh sein, sehe ich doch jede Nacht den alten traurigen Mann in meinen Träumen. Und weiß ich doch nicht wie ich ihm helfen soll, " entgegnete der Mann.
Als der Herbst ins Land einkehrte und die ersten Feuer wieder in den Kaminen prasselten, saß der Mann immer noch trübsinnig in der Stube und wusste sich keinen Rat. Seine Frau hatte das Ganze nun schon lange Zeit beobachtet und wusste sich schließlich auch nicht mehr zu helfen. Und so nahm sie die Mandoline und warf sie vor dem Mann mitten in den Kamin hinein. Dieser schrie auf und versuchte noch etwas von ihr zu retten- doch war es zu spät und sie stand lichterloh in Flammen. "Frau, bist Du von Sinnen? Das gute Stück!" Seine Frau fing an zu weinen: "Ach diese garstige Mandoline- verhängte Dir nur Dein Gemüt, Du warst ja gar nicht mehr Du selbst." Still standen beide voreinander-unfähig noch etwas Weiteres zu sagen.
Beide starrten ins Feuer. Doch als die Mandoline völlig in den Flammen verschwunden war- geschah etwas Seltsames.
Wie von weit, weit her hörten sie plötzlich leise Klänge, eine kleine Melodie, die sich im ganzen Raum nach und nach ausbreitete. Still horchten beide nach den Tönen. "Was für eine schöne Melodie, sprach die Frau .So fröhlich." "Eine Mandoline", sagte der Mann und langsam begann er zu verstehen. Auch die Mandoline musste erst zerfallen und von dieser Welt gehen- ehe sie endlich wieder zu ihrem ursprünglichen Besitzer übergehen konnte.
In dieser Nacht träumte er wieder von dem alten Mann- wie dieser glücklich die Mandoline in seinen Händen hielt, ihm zulächelte und auf ihr sein Spiel begann.
Und seit jeher sind Yaffar und seine Mandoline wieder vereint. Und überall dort wo Ruhe einkehrt und Stille sich niederlegt und die Herzen geöffnet werden, da wird man Yaffar auf seiner Mandoline spielen hören.

Also still. Und lausche.

Kommentare

taylor2001@web.de schrieb:
Hallo Sadako!

Das ist eine sehr, sehr schöne Geschichte. Auf eine Weise traurig, andererseits aber auch sehr hoffnungsvoll, denn sie besagt, dass der Tod nicht das Ende ist. Ich finde die Idee, dass auch ein Instrument sterben muss, ehe es mit seinem Spieler im Himmel zusammensein kann, herrlich. Doch hoffe ich persönlich, dass keiner meine Gitarren bereitwillig verbrennt, um mir eine Freude zu machen... g!

Einige kleine Fehler sind mir jedoch bei Deiner wörtlichen Rede aufgefallen, die Satzzeichen betreffend. Sollte die Rede unterbrochen sein, so steht das Komma hinter den Gänsefüßchen. Etwa so sollte es aussehen: "blablablabla", sagte er, "blablablabla."

Nimm jetzt bloß das blablabla nicht persönlich!

Doch nun sollte ich still sein und lauschen! Danke!

Patrick Taylor.
hannah.menzler@online.de schrieb:
*Seufz*, so ne schöne Geschichte. Tolle Idee , dass sie bei dem Mann nur traurige Töne spielt.

Schöne Wortwahl übrigens!

Hannah Menzler

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