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Kategorien > Kinder Geschichten > Gute Nacht Geschichte

Die Sockensuchmaschine

von Ingeborg Heinle

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Die Sockensuchmaschine

Eines Tages sagte unsere Mutter beim Frühstück: „Liebe Familie, ich habe ein Problem und möchte am Samstag mit allen Familienmitgliedern darüber sprechen.“ „Um welches Problem handelt es sich denn,“ fragte neugierig mein kleiner Bruder Moritz. Aber die Mutter zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Abwarten und Tee trinken.“ Später kam Moritz zu mir in mein Zimmer und sagte: „Nicola, kannst du dir vorstellen, was unsere Mutter am Samstag mit uns besprechen möchte?“ „Nein, wirklich nicht,“ sagte ich zu ihm, „tut mir leid.“

Am Samstag versammelte sich die ganze Familie um den Frühstückstisch. Meine Mutter, Papa, Alex mein großer Bruder, ich und Moritz. Kaum hatte sich Moritz hingesetzt, platzte er auch schon neugierig heraus: „Was hast du für ein Problem Mutti! „ Ach ja richtig,“ sagte sie, „ich wollte heute mit euch allen darüber sprechen. „ Mach es nicht so spannend,“ sagte Papa, „schieß los!“ „Es klingt so banal,“ zögerte die Mutter, „aber es stört mich doch gewaltig.“ „Was ist es, so sag es endlich,“ drängte Moritz. Also fing die Mutter wieder zu sprechen an und sagte: "Es handelt sich um eure Strümpfe und Socken.“ „Na, da bin ich aber platt,“ sagte Papa und Alex erwiderte spöttisch: „Ich wusste nicht, dass Strümpfe und Socken ein Problem sind.“ Aber jetzt war die Mutter nicht mehr zu halten. Wie Lava aus einem Vulkan brach es aus ihr heraus: „So meine Lieben, jetzt will ich euch einmal sagen und zwar laut und deutlich wie ich die Sache sehe, „ begann sie ihre Gardinenpredigt. „Überall im Hause finde ich an den unpassendsten Stellen eure Socken. Wo ihr geht und steht, lässt ihr sie von euren Füßen fallen und das vom Keller bis zum Dachgeschoss. Dann weiß ich noch von einer tollen Variante zu berichten, nämlich die eine Socke finde ich in diesem Zimmer und die andere in jenem Zimmer. Hmm, was sagt ihr nun dazu.“ „ Ja, das scheint mir ja ein ernsthaftes Problem zu sein,“ sagte Papa und blinzelte mir fröhlich zu. Aber heute hatte Papa schlechte Karten bei unserer Mutter. „Du machst dich auch noch lustig über mich,“ schimpfte sie, „dabei hast du die gleichen schlechten Angewohnheiten wie deine Kinder, oder etwa nicht?“ Das saß. Jetzt schaute Papa aber doch etwas betreten drein und ich musste mich sehr zurückhalten, um nicht loszuprusten. Alex und Moritz ging es ebenso wie mir und wie auf ein Kommando fingen wir alle drei laut zu lachen an. „Ruhe jetzt,“ sagte Papa, „ du hast natürlich völlig recht Renate, ordentlich sind wir nicht gerade.“ Da nickten wir alle schuldbewusst mit dem Kopf und sahen uns etwas ratlos an. „So hoffnungslos ist die ganze Angelegenheit nun auch wieder nicht,“ sagte Papa nach einer kleinen Denkpause und sah uns aufmunternd an, „ihr könnt jetzt Vorschläge machen, wie wir die Sockenkrise beheben können.“ „So schnell fällt mir nichts vernünftiges ein,“ sagte ich und Alex nickte mir bestätigend zu. „Na dann trifft sich der Familienrat eben nächsten Samstag nach dem Frühstück wieder,“ sagte Papa, „und wir werden sehen was euch und mir zu diesem Thema eingefallen ist. Bist damit du einverstanden Renate?“ „Ja sicher, damit könnte ich leben,“ sagte die Mutter, „ihr habt eine Woche Zeit, um euch etwas auszudenken. Aber alle, auch du Hans!“

Am nächsten Morgen strahlte Moritz über das ganze Gesicht. „Na was ist denn heute mit dir los kleiner Bruder,“ fragte ich ihn. „Ich habe eine tolle Idee gehabt, wegen der Socken, du weißt doch Nicola,“ rief er. „Ja richtig, die Socken,“ antwortete ich, „die hätte ich doch glatt vergessen Moritz.“ „Wir bauen eine Sockensuchmaschine, Papa und ich,“ platzte er heraus. „Du kannst aber auch wirklich nichts für dich behalten,“ sagte Papa streng, „aber nun kein Wort mehr darüber, hast du mich verstanden, es soll ja ein Geheimnis bleiben.“ „Von welchem Geheimnis redet ihr,“ fragte die Mutter. Sie kam gerade in die Küche und begann frischen Kaffee zu kochen. „Es geht um deine Socken Renate,“ sagte Papa und legte den Finger auf den Mund. „Schon gut, schon gut,“ sagte die Mutter, „meine Socken wissen zwar immer, dass sie in die Waschküche gehören, aber vielleicht finden die Eurigen auch einmal den richtigen Weg. Ich bin schon sehr gespannt über eure Vorschläge.“

Papa und Moritz werkelten jetzt jeden Abend in unserem Gartenhaus herum. Moritz schleppte verschiedene Werkzeuge und Materialien hinein. Außerdem hängten sie ein großes Schild mit der Aufschrift „kein Zutritt“ an den Türgriff. Einmal überkam mich doch die Neugierde und ich schlich zur Hütte und drückte vorsichtig den Griff herunter. Aber zu meinem Erstaunen hatten sie die Türe abgesperrt. Na dann eben nicht, dachte ich mir. Ich versuchte noch einen Blick durch das kleine Fenster zu werfen, aber im Gartenhaus war es sehr dunkel und so konnte ich nichts Interessantes sehen. Leider! Unverrichteter Dinge kehrte ich wieder ins Haus zurück.

Moritz löcherte mich nun jeden Tag immer mit der gleichen Frage: „Was hast du für einen Vorschlag?“ Und ich sagte ihm jedes Mal das gleiche nämlich keinen. Aber die Woche verging und ich musste mir doch einmal ernsthaft Gedanken darüber machen. Meine Freundin Kathi, gab mir dann den entscheidenden Typ mit der Waschmitteltonne und half mir auch noch diese herzurichten und zu gestalten. Das war wirklich prima von ihr. Wir schnitten aus alten Prospekten und Katalogen jede Menge Socken aus und klebten diese auf die Waschmitteltonne. Kathi schrieb, als die ganze Tonne beklebt war, mit einem fetten Filzschreiber „Sockensammelstation“ darauf und fertig. Die ganze Aktion hatte nicht einmal zwei Stunden gedauert und wir waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. So nun konnte der Samstag kommen. Die Tonne versteckte ich in meinem Kleiderschrank, damit mein kleiner Bruder sie nicht zu Gesicht bekam. Als er mich wiedereinmal nach meinem Vorschlag fragte, tat ich so, als ob ich noch nichts hätte und zuckte nur mit den Schultern.

Inzwischen wurden die Geräusche, die Abends aus unserem Gartenhaus drangen immer lauter. Manchmal hörte es sich an, als ob Mutti ihren alten, ausrangierten Staubsauger wieder in Betrieb genommen hätte. Papa hatte auch ein Kabel in die Hütte verlegt, damit er mit seiner Bohrmaschine und auch den anderen Maschinen arbeiten konnte. Sobald Papa von der Arbeit nach Hause kam, stürmte Moritz gleich in den Garten. Das war mir nicht unangenehm, denn so hatte ich jetzt öfter meine Ruhe vor ihm und konnte ungestört mit meiner Freundin Kathi spielen.
Nur wenn Mutti und ich das Abendessen zubereitet hatten, musste ich jetzt jedes Mal zur Hütte gehen, anklopfen und die Herren zu Tisch bitten. Aber bis Papa und Moritz dann am Tisch saßen, verging nochmals ewig viel Zeit. So zog sich das Abendessen, die ganze Woche durch, endlos in die Länge. Moritz aber strahlte jeden Tag mit dem Sonnenschein um die Wette. Mit Papa in der Hütte zu arbeiten, machte ihm anscheinend einen Riesenspass und den gönnte ich ihm. Nur Alex lies sich von all den Geschäftigkeiten, die unsere Sockenaktion betrafen, eher nicht

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Kommentare

Sabine schrieb am 2010-08-17 21:54:38:
Als meine beiden Kinder währendessen eingeschlafen sind wollte ich noch weiterlesen...weil ich gespannt auf das Ende war.
Schöne Geschichte mit guten Ideen!
De_groot_2000@Yahoo.COM schrieb am 2010-04-26 22:53:31:
Wirklich sehr nett und gut zu Lesen, fuer mich insbesondere interresant weil eine gute Interaktion zwischen den Menschen in kleinen beschrieben ist.
Achim
Zebrathaler@web.de schrieb am 2010-01-25 22:26:56:
Sie hat meinem schon 16 jährigen Kumpel Jan sehr gut gefallen, als ich ihm diese aus Jucks und Laune vorlas. Besonders die Tatsache das es den Socken heißt. =)
ini-dirki@t-online.de schrieb am 2009-09-08 20:03:03:
Eine lustige Geschichte, fanden meine Zwillinge Tessa und Till
Christian schrieb am 2009-07-21 21:06:32:
Toll, war schön zu lesen :-)
Claudia schrieb am 2009-06-20 21:26:10:
Sehr schöne Geschichte, die sogar meiner anspruchsvollen Tochter sehr gefallen hat. ;)
hachies@web.de schrieb am 2009-04-26 21:50:04:
Schöne Geschichte, bin jetzt auch wirklich müde.

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