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Kategorien > Psycho >

Die Stadt

von John Workmen

Haben Sie schon einmal den Wunsch verspürt, einfach alles hinter sich
zu lassen? Irgendwohin zu fahren, wo Sie noch nie gewesen sind? Zu
wissen, wenn Sie dort sind, gibt es kein zurück? Dann lassen Sie mich
eine Geschichte erzählen.

Es war irgendwann früh am Morgen. Schon früh stand ich auf, ging aus
dem Haus und liess alles hinter mir. Ich stieg in einen Zug, fuhr kreuz und
quer, stieg mehrmals um und irgendwann ging ich eine kleine Strasse
stundenlang zu Fuss, bis, ja, bis ich eine kleine, mir unbekannt Stadt
entdeckte. Doch nach meinem ersten Blick konnte ich es nicht mehr Stadt
nennen. Es war eher eine Ansammlung von Hütten, umgeben von Bergen
und kleineren Seen. Scheinbar eine Idylle. Zumindest dachte ich es damals.

So schritt ich voran, entlang der einzigen Strasse in Richtung vermuteter
Dorfmitte. Es war ein langer Weg. Links und rechts von mir standen Häuser,
gebaut aus Holz, mit Säulen und mehreren Stockwerken, die, beim näheren
Hinsehen, sich als tote Fassaden entpuppten. Nun, heute würde ich behaupten,
es hätte mir auffallen müssen. Diese Stille.
Schon fast unheimlich. Der Staub wirbelte um meine Beine und bei jedem
Schritt, den ich tat, stob mehr Staub in die Höhe, um vom leichten Wind
hinweggetragen zu werden.

Die Sonne versuchte verzweifelt, ihr Licht herunterzuwerfen, doch die Wolken
versperrten ihr den Weg. Ein Lichtstrahl lenkte meinen Blick auf die Fassade
eines Gebäudes. Und erst jetzt bemerkte ich diesen feinen Staub, der dieses
Gebäude bedeckte. Und nicht nur das. Alles, alle Gebäude, selbst die Pflanzen
schienen von dieser feinen Staubschicht bedeckt zu sein. Selbst auf dem Hund,
der scheinbar friedlich schlafend auf einem Hausabsatz lag. Hatte ich zumindest
vermutet. Bis ich näher herantrat und eine sternenförmige Öffnung entdeckte.

Wenn Sie jetzt einen süsslichen Geruch erwarten, liegen Sie falsch. Nein, kleine
würmerähnliche Tiere bahnten sich ihren Weg durch den Körper. Schmatzend und
saugend verrichteten sie ihre Arbeit und mich beschlich das Gefühl, von heimlichen
Augenpaaren genau beobachtet zu werden. Krachend schlug vor mir eine Tür auf.

Erschrocken fuhr ich in die Höhe, blickte mich um. Doch nichts geschah. Langsam,
Fuss vor Fuss stieg ich die morschen Holzstufen hoch, bewegte mich vorsichtig
auf den Eingang zu. Und dann sah ich "sie"

Der Raum war angefüllt mit Menschen. Tische und Bänke waren voll besetzt.
Ganz hinten entdeckte ich einen Tresen. Vollgestellt mit Getränken. Doch niemand
schien mich zu bemerken. Stille erfüllte den Raum. Und dann geschah es :
Als ich an einem Tisch vorbeiging, an der eine Frau sass, brach ich mit meinem
linken Fuss krachend in eine morsche Diele ein. Im Fallen bemerkte ich noch, dass
ich unweigerlich die Frau mit mir reissen würde. Dumpf schlug ich auf und als ich
meine Augen öffnete, lag die Frau direkt vor mir.

Ich starrte ihr in die Augen, versuchte, zu begreifen, doch in diesem Moment
lösste sich ihr Auge und etwas krabbelte heraus. Mein Mund wollte einen Schrei
ausstossen, der aber in einem Röcheln erstarb. Irgendetwas bahnte sich seinen
Weg durch meine Kehle. Ich konnte es fühlen, durch meine Kehle, tiefer hinab.
Wie von Sinnen stolperte ich hoch, würgte, doch nichts geschah. Ich begann
zu laufen. Immer weiter. Nur fort von hier.
Bis mich irgendwann gnädige Ohnmacht umgab.

Nun, ich wachte irgendwann auf.
In einem Bett.
In einer neuen Stadt.
Anfangs von netten Menschen umsorgt.
Vergessen war, was ich erlebt hatte.
Später dann habe ich geheiratet.
Und noch heute lebe ich hier.
Gut, es ist ziemlich ruhig hier geworden.
Aber es stört mich nicht.
Nur meine Lebensmittelvorräte werden knapp.
Denn nur selten kommt hier mal jemand vorbei.


Und während ich hier meine Geschichte aufschreibe,
sitze ich vor dieser langen Strasse und warte.
Auf irgend jemanden, der vielleicht hierherkommt.
Alles hintersich gelassen hat.
Hatten Sie nicht auch das Gefühl?
Mal alles zurückzulassen?

Nun....
kommen Sie....

Ich warte

Kommentare

ts208@web.de schrieb:
hm...so ganz hab ich die geschichte nicht verstanden
sind die würmer intelligent und du bist jetzt quasi das kollektiv ??
johnny_reb08@yahoo.ca schrieb:
Tja, wenn Du die Geschichte nicht verstehst, ich auch nicht *lach*. Aber es gibt zumindest mal einen neuen Gedankenansatz, wegen dem Kollektiv *zwinker* Gruss ... John

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