Die Tränen in deinen Augen
von
Antje Rosebrock
1.
Emily
Ich wachte auf. Zuerst bemerkte ich den Geruch nach Bier und kaltem Rauch. Dann sah ich mich. Alles war schwarz und dunkel. Die Luft lag schwer auf meinen Schultern und ich fühlte mich benommen. Mein Kopf dröhnte und mein Mund war trocken. Wo war ich? Was war passiert? Meine Erinnerung schien wie ausgelöscht zu sein. Langsam erinnerte ich mich...
2.
Mark
Ich war noch total müde, aber bei dem Gewinn der mir winkte konnte ich einfach nicht mehr im Bett bleiben. Die Nacht hatte ich auf einer Parkbank verbracht. Aber das war ich gewöhnt. Es war Montag morgen 8 Uhr. Schule? Schule is' was für Idioten. Wer zur Schule geht versauert doch eh. Irgendwann fängt man ein Studium an. Das dauerte Jahre und nachher bist du nirgendwo erwünscht. Außerdem was sollte ich in der Schule? Die Lehrer hatten mich doch wieso abgeschrieben. Für sie war ich nicht mal ein Mensch einfach nur eine weitere Last am Bein. Einige hatten sogar Schiss vor mir. Man führte schon Strichlisten wie viele Lehrer wegen mir schon einen Nervenzusammenbruch hatten und auf eine andere Schule gegangen sind. Klar, ich war beliebt. Ich hatte eine Vorbildfunktion für alle, die am liebsten so werden wollten wie ich. Total abgebrüht, jemand, der keinen Schmerz empfindet und dem alles egal ist. Doch da täuschten sie sich in mir. Ruhm ist vergänglich. Man wird einfach wieder von der Spitze gestoßen und mit Füßen getreten. Deine besten Kumpel tun sich mit einer Gang zusammen und machen dich fertig. Das war ja nichts Neues. Ich wischte das tropfende Blut von meiner Nase an meinem Ärmel ab. Mein ganzer Körper tat höllisch weh. Natürlich. Andere wären jetzt sofort zum Onkel Doktor gerannt. Alles Jammerlappen. Außerdem, es war kein Geld da, um sich einen Arztbesuch leisten zu können. So was wie Krankenkasse hatten wir nicht. Woher hätten wir auch das Geld nehmen sollen? Meine Mutter versoff doch wieso nur wieder alles.
Das mit dieser Prügelei war heute morgen passiert. Ich war normal in die Stadt gegangen um eine zu rauchen und vielleicht 'nen paar Leute anzupöbeln. Plötzlich stand Till vor mir. Er bestand größtenteils aus Muskeln und Fleisch. Null Gehirn. Hinter sich eine Gruppe von Schwächligen. Was hätten sie auch sonst tun sollen. Entweder verprügelt werden, bis man krankenhausreif ist oder hinter Till stehen. Was anderes gab es nicht. Es war klar wofür sich die meisten entschieden. Die 7. Klässler verschwanden schnell bei irgendwelchen Lehrern, wenn "Big- Till" kam. Die älteren kannten ihn und hatten ebenfalls Gangs aufgebaut. Doch anscheinend waren die Till nicht gut genug. Er suchte den Streit mit 19-jährigen. Doch mein Gesicht schien ihm auch nicht zu passen. Wir waren schon immer Konkurrenten gewesen und jeder wünschte dem anderen die Pest an den Hals. Früher waren Kevin und Marcel bei mir. Eigentlich gute Kumpel,
Doch jetzt bemerkte ich sie, wie sie hinter Till standen. Sie hatten verdammte Angst vor mir, denn sie vermieden mich anzusehen. In diesem Moment wusste ich, was ich schon immer nicht wahr haben wollte, dass es keine Freunde gab, keine wirklichen. Die Welt war nicht so fair. Sie war korrupt und wer da was von Frieden sabbelte der plante im Hinterkopf schon den nächsten Diebstahl oder Mord. Mit unbewegter Miene stand ich jetzt vor Till, meine Hand lag bei meinem Butterfly-Messer, das in meiner Hosentasche steckte. Jeder Dritte hatte so etwas in unserer Schule. Meins hatte ich einem 6. Klässler abgenommen. Das Baby konnte wieso noch nicht mit so was umgehen.
Es waren 5-7 die da standen. Einige schauten entschlossen, sie wollten ihrem Anführer wahrscheinlich beweisen, dass sie genauso eiskalt waren wie er. Man spürte die Spannung und die Angst, die unter ihnen herrschte. Alle hatten Respekt vor mir. Langsam, mit einer Stimme die ebenso gut von einem Politiker oder General hätte stammen können sagte Till dann: "Hau ab hier. Das ist mein Teil der Fußgängerzone. Oder soll ich dir kleinem Hohlkopf Beine machen? Geh dahin wo du her kommst, du Memme. Till suchte immer Streit. Meinetwegen. Daraus bestand meine Freizeit auch. Ich stand nur da und hasste mein bescheuertes Leben. Ich war ein Unfall. Nicht gewollt, am liebsten gleich in die nächste Mülltonne gestopft, ein paar Tage in den Nachrichten, ein paar Leute die sich heuchlischer Weise fragten wie jemand so etwas tun könne und dann ein paar Tränen. Vielleicht wäre es so besser gewesen auch für meine Mutter. Sie hätte ein hübsches Leben gehabt. Mein Erzeuger hatte sich gleich verpisst, war dann zurückgekommen, weil seine 15-Jahre jüngere Freundin ihn verlassen hatte bei meiner Mutter geschnorrt, hatte in dubiose Aktien, die "total" sicher waren, spekuliert, verlor alles Geld meiner Mutter und dann erhängte sich dieser Feigling. Hatte er gut gemacht. Meine Mutter hing seitdem an der Flasche, kommt aus dem Bett nicht mehr raus. Hat ein Dutzend Liebhaber in der Woche. Wir lebten immer von Sozialhilfe. Meine Klamotten hatte ich irgendwo geklaut oder aus der Altkleidersammlung. Aber ich beschwerte mich nie.
Langsam kamen die Typen nun näher. Wegrennen wollte ich nicht. Ich war kein Schlappschwanz wie der Mann der mich gezeugt hat. Alle bewegten sich vorsichtig. Mein sicherer Eindruck hatte diese Vollidioten wohl verunsichert. Jeder von ihnen wartete, dass ein anderer den ersten Schritt machen würde. Schließlich stürmte Kevin auf mich zu. Sein messer hatte er fest in seiner Hand. Bei ihm würden nur ein paar kleine Schläge reichen. Wie ich erwartet hatte lag er sofort da und wimmerte. Angriffslustig stand ich noch immer an der selben Stelle. Jetzt schien sich niemand mehr zu trauen. Sie gingen einfach weg. Ohne sich weiter um mich zu kümmern. Das schien ihrem "Boss" zwar nicht zu gefallen aber dann wälzte er sich doch mit seinen 3 Zentnern die Straße entlang. Um Kevin schien sich niemand mehr zu kümmern. Abfällig blickte ich zu ihm hinunter und spukte ihm ins Gesicht. Dann ging ich, denn ich hatte jetzt noch etwas viel wichtigeres zu erledigen.
Eine Chance, mein Scheißleben wieder hinzubekommen, hatte ich noch. Seit Tagen beobachtete ich das Haus der Wiesners. Es waren reiche Leute, die auf irgendwelche Wohltätigkeitsveranstaltungen gingen und so Leute wie mich und meine Mutter als Abschaum der Gesellschaft empfanden. Aber bald würden sie mich anflehen, sie würden auf Knien vor mir herumrutschen, würden alles tun was ich will. Ich würde der Mittelpunkt sein. Die Wiesners hatten ein hübsches, wohlbehütetes Töchterchen. Sie war mit mir mal in eine Klasse gegangen. Beliebt wie Lady Di. Ich hasste sie einfach. Sie hatte mir zwar nie etwas getan, hatte mich aber auch nicht gemocht. War einfach immer vorbei gegangen ohne mich zu beachten. Trotzdem, ich machte sie verantwortlich für alles. Das tat gut, wenn man niemanden mehr hatte, den man zum Sündenbock machen konnte. Ich hatte einen Plan: Wenn er gut ging hatte ich bald Kohle bis zum Abwinken, heiße Mädels um mich und alles was ich brauchte um in dieser Scheißwelt anerkannt zu werden. Ich malte mir oft aus wie Till vor mir auf Knien rumrutschte, mich bat meine Füße küssen zu dürfen. Wenn dieser Plan schief ging, würde ich halt ein Jahr im Knast sitzen oder irgendwo Scheiße aufsammeln. Auch egal. Heute war der Tag an dem sich über meine Zukunft entscheiden würde. Das Fläschchen mit Chloroform hatte ich irgend so einem Spinner abgekauft. Hatte zwar 'nen Haufen Geld gekostet aber ich würde es ja bald dicke haben. Hoffentlich. Ich hatte mir alle Gewohnheiten von dieser kleinen Musterschülerin aufgeschrieben und hatte dann einen risikolosen Plan ausgearbeitet. Gleich würde sie zum Tennis gehen. Natürlich privat. Mit einem Swimmingpool und einer Sonnenterasse. Das Mädchen hatte wieso zu viel Geld. Ich wurde langsam nervös. Hatte ich was vergessen? Würde sie heute zu Hause bleiben. Doch da öffnete sich die Tür, heraus kam sie, Emily. Sie war 2 Jahre jünger als ich. In ihrem Minirock stolzierte sie zum Auto, natürlich ein Jaguar und schien auf den hauseigenen Chauffeurs zu warten. Nun kam meine Chance. Ich zog mir die Skimütze über die Augen und rannte los. Keine dämliche Omi war am Fenster und kein Modepüppchen ging mit ihrem Hündchen Gassi. Freie Bahn! Erschreckt drehte Emily sich um, sah mich, wollte wegrennen, stolperte und fiel. Sofort war ich bei ihr und hielt ihr den mit Chloroform getränkten Lappen über das Gesicht. Es roch total eklig und mir wurde fast selber schlecht. Wenig später schlummerte sie schon. Ich hoffte, dass ich die richtige Dosis genommen hatte, denn zum Mörder wollte ich nicht werden. Es würde mir ja kein Geld einbringen. Ich nahm den Schleichweg durch die Gärten. Das war zwar gefährlich, da mich jemand von diesen Spießern hätte sehen können aber was besseres war mir nicht eingefallen. Vorsichtig schlich ich durch den ersten Garten. Heute schienen alle diese Schnösel zum Fünf- Uhr Tee gegangen sein. Niemand war da. Allmählich wurden die Häuser immer schäbiger. Der Putz bröckelte und alles sah so verlottert aus, dass man meinen könnte, dass in diesen Ruinen keiner mehr wohnen konnte. Doch ich wusste es besser. Hier hatte ich den Typen getroffen, von dem ich mein erstes Hasch gekauft habe. Als 10-jähriger. Meine Mutter hatte mich halb tot geschlagen als sie die Tüte in meiner Hosentasche gefunden hatte. Endlich kamen wir zu dem kleinen Bombenkeller. Ich hatte ihn durch Zufall gefunden, als ich einfach nur weg wollte, nachdem mich mein Erzeuger verprügelt hat, weil ihm ein Glas runtergefallen ist. Ich war es gewöhnt für alles geschlagen zu werden. Ich hatte früh gelernt, den Schmerz nicht mehr zu spüren. Wenn man sich konzentriert, kann man sich von der Welt draußen abschließen. Man hört und spürt nichts mehr von den Schlägen die auf deinen nackten Hintern sausen und von den Beschimpfungen, an die du dich noch erinnerst , wenn du achtzig bist. Früher hatte ich mir immer vorgenommen bei meinen Kindern alles besser zu machen. Ich wollte sie nie schlagen, sie nie beschimpfen. Abends bin ich häufig im Bett gelegen und hab mir ausgemalt, dass ich Eltern hätte wie die, die ich manchmal in der Werbung sah. Die mit einem zum Schwimmen gehen, einen trösten aber irgendwann hab ich dann gemerkt, dass es so etwas nicht gibt. Höchstens bei solchen Familien, wie von Emily. Nun stand ich vor der Tür und fummelte an dem Schloss rum, das ich im Baumarkt abgegriffen hatte. Der Keller lag schon halb unterirdisch. Ich hatte den Eingang mit Zweigen abgedeckt und hoffte, dass nie jemand mein Versteck finden würde. Innen war es eigentlich sehr gemütlich. Ich hatte vom Speermüll eine Matratze geholt und ein paar alte Decken. Außerdem hatte ich zwei Flaschen Wasser hingestellt. Ich legte den zarten Körper auf die Matratze und ging raus um eine zu rauchen.
3.
Emily
Das Wasser war lauwarm, ich spukte es sofort wieder aus. Man denkt, dass so etwas immer nur den anderen passiert, nie einem selber. Doch ich hatte mich getäuscht. Nun war ich es. Eine panische Angst überkam mich. Was würde dieser Mann mit mir machen. Würde es nur um Geld gehen oder... Ich musste einfach heulen. Ich setzte mich auf die alte Matratze und trank noch einmal von dem Wasser. Ich musste wohl nehmen was ich kriegen konnte. Irgendjemand würde mit Sicherheit versuchen meine Familie zu erpressen. Klar, mein Vater hatte Geld wie Sand am Meer, aber wie ich ihn kannte würde er nicht sofort zahlen. Er wird zur Polizei rennen und dann mit dem Verbrecher auf Teufel komm raus verhandeln, so geizig war er. Hoffentlich war es bis dahin nicht schon zu spät. Was nützte es jetzt über alles nachzudenken? Nichts. Ich legte mich also unter eine der stinkenden Decken und versuchte zu schlafen.
Wenn man in einem dunklen Raum ist kann man die Zeit nicht mehr einschätzen. Vielleicht war es Mitternacht, vielleicht auch Nachmittag. Ich konnte nicht mehr schlafen, sondern versuchte immer wieder zu fliehen, rief bis meine Stimmbänder weh taten, gab dann auf und heulte wieder. Plötzlich blendete mich der Strahl einer Taschenlampe. Meine Hoffnung, dass es ein Polizist sein könnte, erstarb sofort wieder, als der Unbekannte mir zuschnauzte: "Halt die Klappe! Wenn du schreist schneide ich dir die Kehle durch. Ich war erstaunt, dass es keine Männerstimme war. Die Stimme klang mehr wie von einem Jugendlichen, vielleicht von einem 18-jährigen. "Was willst du von mir?", fragte ich und zitterte dabei. "Geld," sagte der Mann ruhig. "Hier ist mein Portmonee,", sagte ich schnell und gab es ihm. "Da drin hast du doch keine Million, oder?", fragte er und lachte höhnisch. Ich war völlig durcheinander. Würde mein Vater soviel zahlen? "Sieh es doch einfach mal so, so siehst ob dich deine Eltern wirklich lieben,", er lachte. Es war mir egal was auch immer er jetzt machen würde. Ich spukte ihm einfach ins Gesicht. Das war wohl ein großer Fehler gewesen. Denn nun sprang er auf mich zu und schlug mir mitten ins Gesicht. Ich schrie. Seine Strumpfmaske war leicht verrutscht und ich konnte einen Teil seiner Haare sehen. Braune Haare. Toll, was sollte das der Polizei helfen? Seine Stimme klang so wütend, dass ich Angst bekam, dass er mich umbringen würde: "Ich lasse dich hier drin frei rumlaufen. Du kriegst Essen und zu Trinken, aber wenn du noch mal solche Mätzchen machst kann ich dich auch anbinden. Von nun an war ich ruhig. Irgendwo hatte ich diese Stimme schon einmal gehört. Ich wusste nur nicht wo. "Darf ich raus?", fragte ich, doch ich das erwartete ich eigentlich nicht. Wie erwartet sah er mich nur an, als ob ich spinne. Als ob meine Frage zu blöd gewesen wäre um darauf eine Antwort zu erhalten, sagte er einfach nur: "Brot bekommst du nach der Show heute nicht. Zu allem Überfluss trat er dann noch gegen eine der Wasserflaschen, so dass sie zersprang. Ohne ein weiteres Wort ging er dann aus dem Zimmer.
4.
Mark
Ich war sehr zufrieden mit mir. Man durfte ihr nicht alles durchgehen lassen. Ich hoffte, dass sie jetzt wissen würde wer der Boss war. Ihre Eltern wollte ich noch nicht anrufen. Diese Freude wollte ich mir noch ein wenig aufsparen. Langsam fuhr ich nach Hause. Dabei musste ich an der Villa der Wiesners vorbei. Alles war ruhig. Vielleicht hatte eine Wohltätigkeitsveranstaltung heute länger gedauert. Ich ließ mir viel Zeit. Was sollte ich auch zu Hause? Ich würde verprügelt werden wie jedes Mal. Ich ging durch die offene Tür und fand meine schlafende Mutter vor dem Fernseher vor. Ein Liebesfilm lief. Meine Mutter liebte diese Schnulzen, alles war so wunderbar. Das Gute siegte zum Schluss immer. Die Frau bekam den Mann, sie hatten ein Haus am Strand und viele Kinder. Der Mann war natürlich immer treu und liebte seine Frau von ganzem Herzen. Alles idiotisch. Ich schaltete den Fernseher aus, räumte die leeren Bierflaschen auf und ging danach in mein Zimmer.
5.
Emily
Mein blaues Auge war jetzt wahrscheinlich voll aufgeblüht. Jedenfalls vermutete ich das. Denn in diesem Raum konnte man ja nichts sehen. Ich hatte es aufgegeben um Hilfe zu schreien. Die Luft war zu kostbar. Ich hoffte, dass der Typ bald kommen würde, mit etwas zu essen. Ich setzte mich auf die Matratze und dachte über meinen Entführer nach. Er schien sehr jung zu sein, aber das konnte auch täuschen. Er wusste soviel über mich. Woher konnte er wissen, wo ich wohne und, dass wir Geld haben. Eigentlich konnte es nur ein Bekannter sein. Vielleicht in meiner Klasse. Aber die meisten hatten bestimmt keinen Mumm so etwas zu tun. Alle Schwächlinge. Der einzige der mir einfiel, so ein Typ zu sein, war Till. Er hatte reiche Eltern, war aber schon früh auf die schiefe Bahn gelangt. Entweder sah keiner was er für Sachen machte oder es war allen total egal, denn er hatte noch nie Ärger mit der Polizei gehabt. Er war früher total versessen auf mich gewesen. Ich hatte ihn aber abblitzen lassen. Es könnte sein, dass er in seinem kranken Hirn irgendwas geplant hatte um sich zu rächen. Ihm konnte man alles zutrauen. Aber eine Entführung? Seine Statur passte außerdem gar nicht zu dem Entführer. Aber vielleicht war es wieder nur einer seiner Anhänger, die wie Kletten an ihm klebten, ihm Geld gaben, das sie wahrscheinlich nie wieder sehen würden und alles tun würden um bei ihm Anerkennung zu erlangen. Aber Till spielte seine Trümpfe immer geschickt aus. Wenn jemand etwas für ihn getan hatte, wurde er am nächsten Tag gleich wieder verprügelt. So stutzte Till alle immer so, das er immer der Boss war und keiner ihn übertreffen konnte. Aber ich war mir sicher, dass es jemand anderes war. Ich musste diese Stimme doch einer Person zuordnen können. Niemand aus meiner Klasse ähnelte dem Entführer völlig. Plötzlich fiel es mir ein. Es war einmal ein Junge in meiner Klasse gewesen. Ihm war die Schule total egal. Er hockte, wenn er mal zum Unterricht kam, in seiner Bank, drehte Zigaretten und störte den Unterricht. Mir war er immer egal gewesen. Insgeheim war er das Vorbild aller Jungen. Doch niemand hatte sich wie er getraut in den Unterricht hineinzuquatschen oder Lehrer zu beschimpfen.
Sogar einige meiner Freundinnen waren hinter ihm hergewesen. Ich konnte sie auch irgendwie verstehen. Er sah gut aus und hatte so etwas Verwegenes an sich. Eventuell wäre ich sogar mit ihm ausgegangen, wenn er mich gefragt hätte. Aber das konnte sich niemand bei ihm vorstellen. Er schien es zu lieben, von allen Mädchen sehnsüchtig betrachtet zu werden, hatte aber nie etwas mit Mädchen angefangen. Ob er es war, der mich entführt hatte? Alles passte. Seine Stimme, die Haare, seine Figur. Ich wusste wenig über ihn. Außerdem schien er ziemlich arm dran zu sein. Einmal bin ich ihm vor seinem Haus begegnet. Es war total verlottert. Vielleicht war er es wirklich gewesen. Ich würde ihn beim nächsten Mal mit seinem Namen ansprechen. Vielleicht würde er mich wieder schlagen, aber es war mir egal. Ich wollte einfach wissen, wer so etwas tun konnte.
6.
Mark
Ich machte mich wie jeden Morgen fertig. Heute wollte ich ausnahmsweise mal zur Schule gehen um zu sehen, was die anderen taten, wenn ihre tolle Emily nicht mehr da war. Einfach zum Spaß. Aber vorher musste ich noch zu ihr, in den Bombenkeller. Ich wollte noch Fotos von ihr machen. Nur, dass ihre Eltern wussten das mit mir nicht zu spaßen war. Das mit der Schule knickte ich sofort, denn ein paar Bullen standen da und befragten die Schüler. Wahrscheinlich über Emily. Worüber auch sonst? Ich hatte eine Kamera dabei und eine Flasche Wasser. Im Supermarkt wollte ich noch `ne Tüte Chips und vielleicht `nen Apfel mitgehen lassen. Ich war geschickt darin. Einmal wurde ich gefasst. Aber das hatte mir nicht viel ausgemacht. Ich musste zwar ein paar Stunden Sozialdienst machen, aber hatte es einfach gemacht, denn bei den Bullen darfst du keine Schwäche zeigen, sonst bist du sofort dran.
Im Supermarkt war alles kein Problem. Wie immer. Außerdem hatte ich einer alten Oma noch die Tageszeitung aus der Hand gerissen. Der Keller war nicht weit weg. Es hatte mich wieso schon immer gewundert, wieso ihn noch keiner gefunden hatte. Als ich eintrat, sah ich Emily ganz ruhig auf dem Bett sitzen. Sie schien sich nicht dafür zu interessieren ob ich da war oder nicht. Ich schloss die Tür hinter mir und legte die Chips und den Apfel auf den Boden. Ich war erleichtert, dass alles so gut lief. Das sie alles mit sich machen ließ, machte die Sache noch einfacher. Gerade als ich ihr die Zeitung in die Hand drücken wollte sagte sie laut und deutlich: "Wieso tust du so etwas, Mark?" Beim ersten Teil des Satzes hatte ich laut lachen wollen, doch als ich dann meinen Namen hörte ging ich ohne nachzudenken auf sie zu, sprang auf sie und schlug wohin es mir passte. Ich hörte nur ein leises Wimmern, was mich an mich erinnerte als mein Vater mich das erste Mal richtig verprügelt hatte. Ich konnte nicht begreifen was ich damals verbrochen hatte. Schließlich ließ ich von mir ab und sagte mir, dass es jetzt wohl keinen Sinn mehr hatte sich zu maskieren. Ich ließ die Taschenlampe auf sie gleiten und sah, dass sie böse verletzt war. Aber sie durfte mir nicht leid tun. Das war ein Zeichen von Schwäche und Schwäche zu zeigen war das Schlimmste was mir in diesem Moment passieren konnte. Es wurde mir schon früh beigebracht. Ich legte die Strumpfmaske ab und sah ihr in die Augen. Sie war völlig ruhig. Schrie nicht, tat nichts, sagte einfach nur: "Du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet." Ich bemerkte ihre Augen in denen Tränen glitzerten. Die Antwort auf ihre Frage konnte sie sich wohl selbst ausrechnen. Nicht jeder war so reich wie sie. Nicht jeder konnte sich alles leisten. Ich drückte ihr einfach nur noch die Zeitung in die Hand, wo das Datum draufstand, sodass die Eltern wussten, dass ich ihre Tochter jetzt gerade hatte. Sie nahm die Zeitung setzte sich hin und wartete. Ich schoss ein paar Fotos, die ich zu einem Typ gehen, der bei mir noch Schulden hatte. Sein Vater hat ein Fotolabor und ich konnte ja nicht zu einem x-beliebigen Supermarkt gehen. Man würde mich sofort erkennen. Ein bisschen war mein Leben ja noch wert. Ein bisschen.
7.
Emily
Alles tat weh. Doch ich wusste, dass das der Preis dafür war, dass er sich mir zu erkennen gegeben hat. Jetzt erst wurde mir bewusst, dass er mich jetzt ebenso gut umbringen könnte. Mark hatte anscheinend noch nie viel über sein Leben nachgedacht. Es schien ihm alles egal zu sein. Völlig überraschend schrie er jetzt: "So du willst wirklich eine Antwort auf deine dämliche Frage? Kannst du dir das denn nicht vorstellen. Nein, du lebst ja in deiner Barbie Welt. Alles ist Klasse. Findest du nicht genau wie deine Eltern, dass man uns am besten rausschmeißen sollte von hier. Uns einfach auslöschen sollte? Das Geld hättest du ja schon mal. Du bist so was von naiv und dämlich!" Dann war wieder alles ruhig. Er lehnte an der Wand und schien nachzudenken. Es dauerte lange. Schließlich beschloss ich, zu ihm zu gehen. Er war doch schließlich auch nur ein Mensch. Aber ich hatte es schon im Gefühl, dass er sich von niemandem helfen lassen würde. Er war jemand der alles alleine machen wollte. Wahrscheinlich hatte er nicht viel Glück im Leben gehabt. Seine Mutter schien sich nicht viel um ihn zu kümmern, und so weit ich wusste war sein Vater gestorben. Als ich genau vor ihm stand, legte ich meine Hand auf seine Schulter.
"Lass deine verdammten Hände von mir, du Scheiß-bescheuerte Schlampe! Tu nicht so als ob du immer alles weißt!" , schrie er und stieß mich zu Boden.
Dann spürte ich für einen Moment gar nichts mehr.
8.
Mark
Ich hätte mich ohrfeigen können. Ich war so ein Schlappschwanz. Beinahe hätte ich mich vor ihr ausgeheult. Ich hatte sie aber nicht zu doll stoßen sollen. Nun lag sie da und bewegte sich nicht mehr. Ihr Kopf blutete, weil sie direkt auf den Stein geschlagen war. "Ach du Scheiße", dachte ich nur.
War ich denn zu bekloppt um eine Entführung durchzuziehen? Der gleiche Schlappschwanz, wie der Mann, der mich gezeugt hat. Seufzend beugte ich mich zu ihr. Gott sei Dank atmete sie noch. Das hätte ich mir nicht leisten können, eine Leiche zu entsorgen. Ich legte sie auf die Matratze und setzte mich neben sie. Mit einer Decke stillte ich die Wunde. Plötzlich öffnete sie ihre Augen. Mir war noch nicht aufgefallen, dass sie wirklich so schön war. Ihre Augen funkelten wie Saphire. Ich wusste nicht was mich überkam. Ich beugte mich hinunter zu ihr und plötzlich spürte ich ihren warmen Körper an meinem, ihre Lippen saugten an meinen. Zuerst nur zögernd, dann leidenschaftlicher. Ich wollte sie einfach nur noch bei mir spüren. In meinen Armen. Ich wünschte, dass sie mich nie mehr loslassen würde.
Mädchen hatten mich nie interessiert. Alles waren kleine Streber, die alles taten was man wollte. Aber Emily war anders. Marcel und Kevin hatten mit ihren Bettgeschichten geprahlt, hatten von ihren, ach so tollen, Abenteuern erzählt. Ich hatte einfach irgendwas gelabert. Über Mädchen, mit denen ich angeblich schon mindestens 20-mal ein kleines Tête-à-tête gehabt hatte. Alles wieso nur Beschiss, ich wette das kein Mädchen jemals einen von diesen hirnamputierten Idioten in seine Nähe gelassen hat. Ich hatte mir nie jemanden gewünscht, mit dem ich die Nächte verbringen konnte, aber in diesem Moment war ich einfach nur glücklich. Ein Gefühl, dass ich schon seit langem nicht mehr gespürt hatte. Ich dachte über nichts mehr nach, außer über Emily und mich. Es wäre wunderbar so eine Mutter für meine späteren Kinder zu haben. Dann überkam es mich, als ob mich jemand wachgerüttelt hätte. Was malte ich mir da eigentlich für `nen Scheiß-Dreck aus? Wir machten das nur, weil Emily dadurch glaubte freizukommen. Ich war wirklich auf das Mädchen reingefallen. Hatte mich in einfach in sie verliebt.
9.
Emily
Es war alles so schön. Marks Hände schienen überall zu sein. Er konnte wirklich zärtlich sein. In der Schule war er immer ruppig gewesen, hatte sich mit 18-jährigen geprügelt. Ich wusste nicht, dass er einen weichen Kern hat. Ich schmiegt mich nun an ihn und hoffte, dass dieser Moment ewig dauern würde.
Wir blieben noch lange liegen. Ich fühlte mich in seinen Armen geborgen. Doch plötzlich stand er auf. Er zog sich seine Hose wieder an. Ohne ein Wort. Zog sein T- Shirt an. Ohne ein Wort. Doch dann sagte er mit beherrschter Stimme: "Vergiss es." "Was?", fragte ich verdutzt. "Vergiss es. Ich werd` dich nicht rauslassen. Auch nicht, weil du und ich..." Er verstummte augenblicklich.
Das hätte ich doch erwarten können. Wie konnte er nur so misstrauisch sein. "Hat dir das eben überhaupt nichts bedeutet", fragte ich und starrte auf den Fleck, an dem er eben noch gelegen hatte. "Mir schon. Aber dir wohl nicht!", sagte er schmiss die Chips vor lauter Wut in eine Ecke. "Du bist wohl nie mit etwas zufrieden, oder?", fragte ich ihn. "Musst du alles an mir auslassen?" Er verschwand ohne ein weiteres Wort und ich setzte mich aufs Bett und heulte.
10.
Mark
Ich lief so schnell ich konnte. Wollte alles vergessen. Mein T- Shirt war blutig, von der Wunde an Emilys Kopf. Ich wollte an diesen Namen nie mehr denken. Ich ging zu dem Typen, der mir die Fotos entwickeln sollte. Er hatte keine andere Wahl. Er musste es machen, sonst würde ich ihn hochgehen lassen. Das wusste er. Danach ging ich in eine Kneipe in der Nähe. Ich setzte mich in die hinterste Ecke. Wieso das alles? Ich konnte es doch jetzt nicht einfach so weitermachen. Im Fernsehen habe ich früher mal gesehen, wie ein Vater und ein Sohn spazieren gegangen sind. Sie haben sich alles erzählt. Ich hatte nicht alles mitbekommen, weil mein Vater wieder mal betrunken war und mich verprügelte, weil er keinen Schlafanzug finden konnte. Ein Vater wie im Fernsehen hatte ich mir immer gewünscht.
Ich trank mein Bier aus, zahlte und ging hinaus. Inzwischen war es später Abend geworden. Emily hatte sich in meinem Kopf festgesetzt. Sie ging nicht mehr hinaus. Es wäre schön gewesen, wenn ich ihr hätte glauben können. Aber wieso sollte ich Glück haben? Ich war schon immer ein Versager gewesen und musste mich wohl damit abfinden, dass ich es wahrscheinlich auch immer bleiben würde. Aber ich wollte nicht so werden wie mein Vater. Ich setzte mich auf eine Bank und zündete mir eine Zigarette an. Mein Plan löste sich in seine Bestandteile auf. Außerdem war es arsch-kalt und ich hatte nur ein T-Shirt an. Mein Geld würde nicht mehr reichen um mir irgendwas warmes zu essen kaufen zu können. Zu Hause gab es nur den vergammelten Fraß von vor einer Woche. Ich legte mich auf die Bank und versuchte zu schlafen. Plötzlich hörte ich eine Stimme vor mir. "Na, Mark. Mutierst du jetzt zu einem Penner?" Natürlich suchte Till mal wieder Streit. Aber mir war jetzt alles völlig egal. Sollte er doch machen was er wollte. Hatte ich überhaupt noch etwas, was es zu verlieren gab? Aber ich wollte mein Leben teuer verkaufen und nicht wie ein räudiger Straßenköter abgeschlachtet werden. "Was willst du?", fragte ich. Till hatte sein Messer in der Hand und spielte damit. "Ich glaube du hast noch eine Rechnung bei mir offen, du kleiner Bastard. Außerdem habe ich etwas was dich bestimmt interessieren wird." "Was solltest du schon haben?" "Emily zum Beispiel." Ich schaute ihn an. Das konnte er nicht. Wie denn? "So ein Schloss kriegt jeder Trottel auf." Ich spürte wie die Wut in mir aufstieg. "Was hast du mit ihr gemacht?", schrie ich ihn an. Ich war aufgesprungen. "Ich habe sie nur woanders hingebracht.", sagte Till ruhig und betrachtete seine Fingernägel. Ich konnte und wollte es nicht glauben. "Ich schlage dir jetzt einen Deal vor mein Kleiner. Und ich denke, dass du ihn annehmen musst. Also, du wirst dein hirnloses Geschäft jetzt zuende führen. Aber ich finde 1 Million ist was für Schwachköpfe. Zu wenig. Du wirst exakt 2 Millionen verlangen. Davon darfst du 10.000 behalten. Als kleines Schweigegeld. Den Rest bekomme ich. Kapiert das hier auch so ein Hohlkopf wie du?" Ich war geschockt. So was von naiv kann nur ich sein. Ich war davon ausgegangen, dass ich das Versteck als einziger kannte. "Wieso sollte ich das tun?", fragte ich. Till lachte: "Weil ich dich sonst hochgehen lassen werde." "Das gleiche könnte ich auch mit dir machen," sagte ich. Till lachte noch lauter. "Was glaubst du wem die Bullen glauben? Einem kleinen Bastard, der schon Dutzende von Malen so blöd gewesen ist, sich erwischen zu lassen oder einem Bürger, der sich noch nie etwas zu Schulden hatte kommen lassen? Überleg es dir gut." Ich konnte es einfach nicht glauben. Dieses verdammte Schwein. Wenn er Emily etwas angetan hatte dann... Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich ja nicht besser gewesen war. Ich hatte sie ja auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Mir blieb keine andere Wahl. Ich musste das jetzt fertig durchziehen.
Der Regen tropfte von meinen Armen hinab. In meiner Tasche hatte ich den Erpresserbrief mit beigelegten Fotos. Die Buchstaben hatte ich aus einer Zeitung ausgeschnitten. Ich hatte das Foto von Emily lange in den Händen gehalten dann aber doch mit in den Brief gesteckt. Nun stand ich nahe dem Haus der Wiesners. Einer Villa, die tausendmal so groß war wie unsere kleine Wohnung. Davor standen ein paar Bullen. Bevor Till kam und das mit Emily passiert war hatte ich mich auf den Augenblick gefreut, ihre Eltern anzurufen. Ich würde sie in der Hand haben, doch jetzt war es einfach nur ein Scheiß-Gefühl. Das Geld war im Moment Nebensache. Es war absolut erniedrigend, dass Til mich erpresste. Ich war immer der einzigste gewesen, der sich gegen Til wiedersetzt hatte. Nun wählte ich und es wurde sofort abgehoben.
11.
Kommissar Peters
Ich hätte den Polizeidienst schon längst an den Nagel hängen sollen. Nun war ich 63, mein Rheuma schien seine wahre Freude an mir zu haben und ein paar meiner Kollegen schienen auch nicht mehr wirklich mit mir arbeiten zu wollen. Kurz und gut, nach diesem Fall wollte ich in den Ruhestand treten. Doch er schien sich schwerer zu entpuppen als alle meine anderen Fälle. Ich saß bei den Wiesners auf dem Sofa und trank jetzt schon die zehnte Tasse Kaffee, was meine Müdigkeit einigermaßen verringerte. Frau Wiesner hatte heute morgen einen Nervenzusammenbruch gehabt, was ich gut verstehen konnte, schließlich war ihre Tochter entführt worden und sie wurde nun von einer psychologischen Mitarbeiterin der Polizei betreut. Herr Wiesner lief die ganze Zeit wie ein aufgescheuchtes Huhn vor meiner Nase herum und stoppte erst als ihm scheinbar die Füße wehtaten. Das Telefon wurde von allen angestarrt, als ob sie es hypnotisieren wollten. Wann immer es läutete kriegten die Wiesners einen Schreck und guckten mich fragend an. Aber es waren immer nur Anrufe von Verwandten oder von meinen Kollegen die immer noch nichts rausbekommen haben. Doch schließlich klingelte das Telefon zum zwanzigsten Mal. Herr Wiesner stoppte sofort und ging dann langsam auf das Telefon zu, als ob es eine Gefahr für ihn bedeutete. Er hob ab und drückte, wie ich es ihm gesagt hatte auf die Lautsprechertaste.
"Schicken sie die Bullen weg, ich habe ihre Tochter." Dann hörte man nur noch das Tuten in der Leitung. "Sie dürfen nicht gehen," flehte Frau Wiesner, die sich inzwischen schon ein wenig erholt hatte, mich an. "Ich muss, wir werden aber in Verbindung bleiben. Vielen Dank für den Kaffee." Dann ging ich aus dem Haus, schickte meine Kollegen weg und setzte mich in mein Auto mit getönten Scheiben um beobachten zu können ob jemand kam. Wenn er wusste, dass ich und meine Kollegen hier waren, musste er sich hier irgendwo aufhalten. Niemand besonderes fiel mir jedoch auf. Die Straße war, ausgenommen von einigen Gaffern, die auch bald verschwanden, weil es nichts zu sehen gab, völlig leer.
12.
Emily
Ich war so was von enttäuscht von Mark. Ich hatte gedacht, dass er wenigstens auf eigene Rechnung handelte. Irgendwelche finanziellen Probleme hatte. Aber als Till dann in den Raum gekommen ist...
Ich wollte es nicht glauben. Das Till in den Raum gekommen war, war mir eigentlich egal gewesen. Viel mehr hätte ich am liebsten wegen Mark geheult. Der Typ, der in den Raum gekommen war, hatte zwar eine Maske auf gehabt, aber Till würde ich immer wieder erkennen. Ich hatte aufgeschrieen, als er auf mich zugekommen hatte. Dann hatte er eine Decke auf mein Gesicht gepresst. Ich wurde panisch und trat um mich und traf Till. Er schrie auf und ließ mich los. Heftig atmend setzte ich mich auf. Anscheinend hatte ich ziemlich heftig zugetreten, denn er rollte auf dem Boden herum und heulte wie ein kleiner Junge. Dann sah ich das Messer in seiner Hand. Er war aufgestanden und kam nun immer näher auf mich zu. Ich hatte riesige Angst und dachte, dass jetzt alles vorbei sein würde. Eine Chance blieb mir noch. Eine einzige Chance um mein Leben zu retten. Mein Fuß schnellte hoch. Ich traf ihn am Kinn. Er schrie und ich hatte jetzt die Chance mir das Messer zu holen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Till nicht so ein Weichei war. Alle waren immer der Meinung, dass Till knallhart war, doch das hatte wohl getäuscht. Nun lag er da wie ein geschlagener Hund und versuchte sich aufzurichten. Vorsichtig nahm ich das Messer, mit dem Till immer geprahlt hatte. Als Kind hatte ich immer Angst vor Messern gehabt. Doch jetzt schien es nicht anders zu gehen. Inzwischen war Till aufgestanden und die Maske war ihm jetzt völlig vom Gesicht gerutscht. Mit einem wütenden Schrei sprang er auf mich zu. Meine einzige Sicherheit war nun das Messer. Ich merkte in den nächsten Minuten nur das ich mit ihm zu Boden ging, das Messer fest umfasst. Der Schrei war ohrenbetäubend. Wie in Trance stand ich auf. Alles war rot. Ich hatte Till ermordet. Ich war eine kaltblütige Mörderin. Aber ich war frei, denn der Schlüssel lag neben seinem Kopf. Ich war viel zu aufgeregt, um mich noch weiter um Till zu kümmern.
13.
Mark
Der Hörer wurde abgehoben. "Hallo?", sagte eine weinerliche Stimme, die bestimmt von der Mutter stammte. "Passen sie auf. Sie gehen jetzt zum Fuchswäldchen. Irgendwo dort werden sie etwas finden was sie interessieren wird" sagte ich. "Wie geht es meiner Tochter? Ist sie gesund?", fragte die Frau doch ich hatte schon aufgelegt.
Ich hatte mich in einem kleinen Busch fernab der Straße versteckt. Von dort konnte ich gut beobachten, wie die Eltern das Haus verließen. Sie schauten sich nervös um. Den Brief wollte ich an den Tür kleben. Ich konnte für die Eltern nur hoffen, dass kein Bulle mehr im Haus war, da ich mir sicher war, dass mit Till nicht zu spaßen war, wenn er erfahren würde, dass es keine Kohle geben würde. Nach dem Anruf, ging ich zur Tür und klebte den Brief fein säuberlich an die Tür. Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir. "Polizei, du bist festgenommen!" Ich blickte mich um. Ein alter Opa stand dort und hielt einer Knarre in der Hand. Mit so etwas hatte ich gerechnet. Doch völlig ruhig holte ich mein Handy aus der Tasche und sagte: "Ich muss nur einmal drücken, dann kann ich den Befehl geben, dass Emily umgebracht wird. Wenn dir das Leben von Emily wichtig ist, Bulle, und du deinen Job nicht verlieren willst, würde ich mir jetzt den Autoschlüssel geben. Diesen Brief kannst du den Eltern von dem Mädchen geben mit der Nachricht, dass es ihr Tochter Noch gut geht." Natürlich hatte ich nie vor Emily umzubringen. Einen Mord könnte ich niemals begehen, auch wenn mich die Leute, die dachten, dass sie mich ganz genau kannten, wahrscheinlich das Gegenteil dachten. Aber was die dachten war mir egal. Gott sei Dank schien der Bulle zu begreifen was ich wollte. Er gab mir die Autoschlüssel und blieb ruhig stehen, sagte dann: "Fändest du es nicht auch besser alles aufzugeben Junge? Du machst dich nur unglücklich. Wenn du jetzt aufhörst werde ich mich vor Gericht für dich einsetzen." Ich kannte diesen Psycho-Quatsch. Das versuchen die Bullen immer, wenn sie denken, dass sie dir überlegen sind. Ich konnte niemandem einfach vertauen. Jeder auf dieser Welt war Einzelkämpfer, dass wusste ich schon seit ich klein war.
Ich stieg in das Auto ein. Alles war peinlichst saubergehalten. Natürlich, ich war erst 17. Aber Auto fuhr ich schon seit ich 12 war. Ein Freund hatte es mir damals beigebracht. Manchmal hatte ich ein Auto geklaut und war ein bisschen durch die Gegend gefahren. Die Bullen hatte das nie sonderlich gekümmert. Die hatte4n mehr mit anderen zu tun und es war wohl nicht gerade ihr Lieblingsjob Verfolgungsfahrten durchzuhalten. Außerdem hatten sie zu viel Schiss vor mir, schon als ich vierzehn war.
Als ich gerade ein paar Meter gefahren war, bemerkte ich jemanden der auf dem Gehsteig saß und heulte. Zuerst wollte ich vorbeifahren doch dann kam mir die Gestalt irgendwie bekannt vor. Emily! Zuerst war ich total geschockt aber dann war ich auch froh, dass Till ihr nichts getan hatte. Ich hielt direkt neben ihr an und stieg aus und sagte: "Steig sofort ein!" So ruppig hatte ich eigentlich nicht sein wollen. Aber den Tonfall hatte ich schon gehabt als ich fünf war. Zu meiner großen Überraschung wehrte Emily sich nicht als ich sie hochzog. Eine Zeit saßen wir im Auto still nebeneinander. Dann sagte sie: "Ich habe ihn umgebracht. Ich bin eine Mörderin." "Wen?", fragte ich und versuchte dabei auf den Verkehr zu achten. "Till." Sofort stoppte ich und krachte dabei fast in ein anderes Auto. Sie erzählte mir von dem Vorfall. Plötzlich lehnte sie an meiner Schulter und heulte. Ich hatte keine Ahnung wo ich meine Hände hintun sollte. Hinter uns hupten die Autos. Aber ich war vor Schreck gelähmt. Legt einfach nur meine Hände um sie und hielt sie ganz fest. Vielleicht hatte ich ihr wirklich etwas bedeutet und war unfair gewesen. Schließlich nahm ich ihre Hände sanft von mir und legte meine wieder ans Lenkrad um auf den nächsten Parkplatz zu fahren.
14.
Emily
Mark hielt mich ganz fest. Meine Tränen waren jetzt getrocknet. Sanft strich er mir die Haare aus dem Gesicht. Ich blickte in seine Augen und fragte dann: "Wieso hast du das gemacht, mit Till zusammengearbeitet?" "Weil du mir wichtig bist, Emily und ich hatte Schiss, dass er dir was antun könnte, wenn ich nicht gespurt hätte" Dieser Satz schien ihm sehr schwer gefallen zu sein. Er blickte stur auf das Lenkrad. Das passte irgendwie nicht zusammen. Zuerst war ich ihm wichtig und dann lässt er Till an mich ran. Als er in mein ungläubiges Gesicht, sah, fügte er hinzu: "Er hat mich erpresst." Er erzählte mir von dem Abend, als er Till getroffen hatte. Ich war so danach froh. Vielleicht könnten wir abhauen, irgendwo anders leben, in Ruhe. Alles würde wieder gut werden. Zärtlich streichelte er meinen Hals. Alles wäre wunderbar gewesen, wenn wir uns einfach so verabredet hätten. "Es tut mir alles so Leid,", sagte er und küsste mich liebevoll auf die Stirn. Er war total süß, wenn er so mit mir sprach. Mark stotterte leicht und schien die Sicherheit verloren zu haben, die er immer gehabt hatte, als er früher, bevor "Uns" mit mir gesprochen hat. "Ich werde dich jetzt zurückbringen zu deinen Eltern. Sie sind sicher schon ganz krank vor Sorge,", sagte er plötzlich. Überrascht schaute ich ihn an. Dann sagte ich: "Ich will nicht nach Hause. Ich will bei dir bleiben." "Es geht nicht. Wir kommen aus verschiedenen Welten. Es kann nicht klappen und ich möchte dir und mir die Enttäuschung ersparen. Verstehst du das?" Ich schüttelte trotzig den Kopf. "Ich liebe dich doch und möchte für immer mit dir zusammen leben,", sagte ich und schmiegte mich nah an ihn. Mark stieß mich sanft zurück. Anscheinend hatte ihm nichts etwas bedeutet. Überhaupt nichts. "Danach gehe ich zu den Bullen und stelle mich. Der ganze Scheiß hat und hatte doch wieso nie einen Sinn." Wie konnte er so etwas sagen? War unsere Liebe denn "scheiße?" Ich verstand ihn einfach nicht. Ohne ein weiteres Wort fuhr er zurück zu dem Haus meiner Eltern. Er parkte, stieg aus und hielt mir die Tür auf. Als ich gerade aufstehen wollte, sah ich wie ein Dutzend Polizisten aus dem Haus stürmten und auf uns zurannten. Ich hätte ihn so gerne noch einmal geküsst. Einmal noch. Doch da hatten die Polizisten ihn auch schon ans Auto gepresst und rücksichtslos durchsucht und geguckt ob er Waffen dabei hatte. Er wehrte sich nicht. Ich erlebte alles wie einen Traum, als ob ich nicht dabei wäre. Ich setzte mich auf den Bordstein und ein paar Polizisten kamen auf mich zu. Doch ich hatte nur dafür Augen ,was sie mit Mark machten. Sie hatten ihm den Arm brutal auf den Rücken gedreht. Er stand ruhig da, die Augen geschlossen. Ich wollte zu ihm gehen und ihm helfen, aber als ich aufstand drückte mich ein älterer Mann wieder hin. Ich wollte nicht hören was er sagte. Ich fragte nur: "Darf ich noch einmal zu ihm?" Die Polizisten sahen sich an und der Älteste, der sich als Kommissar Peters vorgestellt hatte, nickte. Ich ging auf ihn zu. Als ich dicht hinter ihm stand drehte Mark sich um. Erst als Kommissar Peters, es den Polizisten befahl, ließen sie seine Hand los. Ich fiel Mark um den Hals und flüsterte ihm ins Ohr, dass alles wieder gut werden würde, dass ich ihn da rausholen würde. Er tat nichts. Stand einfach nur da. Mit Tränen in den Augen trat ich zurück, blickte in seine Augen, die starr nach vorne gerichtet waren. Ich musste wohl einfach aufgeben zu versuchen ihn ins normale Leben zurückzuholen. Ihm wieder einen Sinn zu leben zu geben. Die Tränen liefen mir über die Wangen, als ich sagte: "Ich liebe dich." Dann drehte ich mich um und lief zum Haus zurück. Inzwischen waren meine Eltern draußen, die mich in Empfang nahmen. Hasserfüllt blickten sie zu Mark. Es hatte wahrscheinlich keinen Sinn, ihnen jetzt zu erklären, was passiert war. Mark wurde grob in den Wagen gedrückt und die Tür wurde zugeschlagen. Dann fuhr der Wagen los.
15.
Mark
Ich hörte nicht hin. Ich wollte überhaupt nichts mehr hören. Emilys Gesicht erschien mir immer wieder vor Augen. Sie war der einzigste Mensch gewesen, dem ich nicht egal gewesen bin. Aber ich hatte sie abblitzen lassen. Ich konnte mich jetzt selbst nicht mehr ab. Aber ich hatte es ihr doch selbst gesagt, dass es mit uns nicht klappen würde. In meinem Inneren hatte ich dennoch gefühlt, dass ich gerade den größten Fehler meines Lebens begangen hatte.
Die ganze Autofahrt über hatte ich gehofft, dass alles nur ein Traum war. Dass ich in Wirklichkeit mit Emily schon irgendwo anders war. Doch es war kein Traum gewesen. Es war Wirklichkeit.
Man hatte mich drei Stunden lang in einem dunklen Raum sitzen lassen. Dann war ein Bulle gekommen, hatte sich vor mich gesetzt und hatte gewartet. Es waren über zwei Stunden vergangen bevor er gesagt hatte: "Am Montag ist die Gerichtsverhandlung. Dein Anwalt kommt nachher um dich zu beraten." Ich war verblüfft. Woher hatte ich einen Anwalt? Doch da war der Bulle schon gegangen.
Wenig später kam ein Mann in mittleren Jahren ins Zimmer, er begrüßte mich und setzte sich dann. So wie er mich anblickte konnte ich sehen, dass er mich wieso schon abgeschrieben hatte. Seufzend fragte er: "So, wie ist denn jetzt deine Version der Dinge?" Ich schwieg. Doch dann fing ich an zu reden. Ich wollte es Emily zuliebe tun. Um meinen Fehler wieder gut zu machen. Alles sprudelte aus mir heraus nur die Sache mit Emily und mir vermied ich zu sagen, was der Typ sich eigentlich wieso schon denken konnte, wenn er von der Show erfahren hatte, die Emily abgezogen hatte.
Am Tag der Verhandlung wachte ich früh auf, da jemand in meiner kleinen U-Haft Zelle war und mich weckte. Es war Kommissar Peters, der Typ, dem ich den Wagen geklaut hatte. Doch er schien mich nicht zu hassen. "Das wurde für sie abgegeben." Er hielt mir ein Paket hin und ging dann. Ich setzte mich auf und betrachtete das Paket. Es war nur unordentlich wieder in das Papier eingepackt worden, denn die Bullen hatten es natürlich gefilzt. Es war von Emily. Ich strich sanft über ihren Namen , der oben rechts stand. Vorsichtig öffnete ich das Paket. Es enthielt einen Anzug und einen Brief. Fast zärtlich nahm ich ihn in meine Hände, betrachtete ihn und las ihn :
Lieber Mark,
es tut mir alles so leid. Ich bereue keine Sekunde, die ich mit dir verbracht habe. Ich schicke dir den Anzug, damit du bei der Verhandlung einen guten Eindruck machst und vielleicht bald wieder bei mir sein wirst. Ich hoffe, das der Anwalt, den ich dir besorgt habe, dich gut behandelt. Ich muss immer an dich denken. Bitte komm bald wieder, ich vermisse dich so
deine Emily, die dich noch nie so geliebt hat wie jetzt.
Ich las mir den Brief immer wieder durch. Ich konnte sie einfach nicht verstehen, nachdem was ich ihr angetan hatte, liebte sie mich noch. Es war so als wollte jemand mich für die letzten siebzehn Jahre meines Lebens entschädigen.
Der Anzug passte gut. Nach dem kärglichen Frühstück, wurde ich ins Gericht gebracht. Mein Anwalt war schon da. Wir besprachen noch mal alles genau. Dann ging die Verhandlung los. Ich versuchte einen guten Eindruck zu machen, erzählte alles ganz genau und versuchte ruhig zu bleiben. Der Richter schien zufrieden zu sein. Natürlich er konnte das ja auch sein. Für ihn war ich nur ein Fall der irgendwann im Archiv verstaubte. Eigentlich sollte jetzt Emily als Zeugin aufgerufen werden, aber anscheinend war sie noch nicht da. Stattdessen rief die Gerichtshilfe jemanden auf, den ich hier am allerwenigsten vermutet hätte.
Kevin saß da und blickte stur nach vorne. Mit den Händen hielt er sich am Stuhl fest, als ob er Schiss hatte, dass er runterfallen könnte. Was er jetzt von sich gab, drehte mir fast den Magen um. "Ich war am Dienstag in der Elisenstraße und da habe ich ganz zufällig gehört wie sich mein Freund Till und der Angeklagte gestritten haben. Der Angeklagte hat ihn bedroht, weil Till herausgefunden hatte, was er mit der armen Emily gemacht hatte. Till wollte ihn überreden zur Polizei zu gehen. Till hat nämlich immer Menschen geholfen und..." "Moment", unterbrach der Richter ihn, "sprechen sie von dem vermissten Till Wagner?" "Ja, natürlich. Also ich fahre fort. Dann habe ich gesehen wie Mark sein Messer gezogen hat, und ihn brutalst erstochen hat. Danach hat er ihn zu der kleinen Hütte im Fuchswald gebracht, um seine schreckliche Tat zu vertuschen. "Du elender kleiner Lügner, Bastard, woher hast du diesen Scheiß?", schrie ich ihn an. Die Worte waren mir einfach rausgerutscht. Ich war mir sicher, dass das nur Kevins Schritt war um mir zu zeigen, was ich nur noch wert war. Vielleicht war ihm der Tod von Till auch ganz recht gekommen. Denn nun hatte er ja die große macht über alle. Kevin fuhr unbeirrt fort: "Bitte lassen sie ihn lebenslänglich einsperren. Manchmal träume ich noch von diesem schrecklichen Verbrechen."
Jetzt war alles verloren. Jeder hatte Kevin immer alles geglaubt. Er konnte so gut lügen wie atmen. Der Richter rief sofort einen Polizisten, der sich ein paar Leute zusammensuchen sollte um das zu überprüfen. Mein Anwalt sah mich fragend an. Ich nickte nur. Mir war es jetzt egal, was der Richter von mir hielt. Ich wollte Emilys Leben nicht zur Hölle machen. Sie sollte unbehelligt weiterleben können. Ohne diese Schuld auf ihr. "Kommen sie bitte noch einmal nach vorne", sagte der Richter, "ich denke, dass sie ihre Aussage vielleicht noch ergänzen wollen." Ich ging nach vorne und betete alles herunter was Kevin eben erzählt hatte, dass ich Till umgebracht hätte. Emily kam am Ende der Verhandlung noch in den Raum gestürmt. Es war süß wie sie sich noch für mich einsetzte. Aber es war wieso schon gelaufen schließlich kam sie auf den Punkt zu sprechen mit Till. "Sei ruhig," zischte ich ihr zu. Verdattert sah sie mich an. Hielt dann aber den Mund, wobei ihr Tränen in sie Augen schossen. Inzwischen hatte der Richter erfahren, das Till wirklich ermordet worden war. Nun wurde das Plädoyer des Staatsanwaltes vorgelesen. Ich hörte nur das Wort "lebenslänglich". Mein Herz raste. Ich konnte es nicht glauben. Emily saß da. Sie hatte Tränen in den Augen. Ich wollte sie gerne trösten, aber ich konnte ja jetzt nicht aufstehen und zu ihr gehen. Nun stand mein Anwalt auf. Er plädierte für 15 Jahre Haft. Wenigstens ein bisschen weniger.
16.
Emily
Ich war völlig verstört. Wieso durfte ich nichts von Till sagen. Als der Staatsanwalt sein Plädoyer vorgelesen hatte, rollten mir Tränen über die Augen. 15 Jahre würde ich auch nie durchhalten. Die Beratung des Richters mit den Schöffen dauerte lange. Es war als ob man gefesselt wäre und nichts tun konnte. Mark schien sich nun völlig verschlossen zu haben. Er blickte niemanden mehr an. Starrte nur vor sich hin. Meine Eltern würden sicher schockiert sein, nachdem, was ich runtergebetet hatte. Ich hatte mit meinem Entführer ein Verhältnis gehabt. Das konnte unsere Familie nicht mehr aushalten. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film. Alles war so dramatisch gewesen wie im Fernsehen. Doch bei dieser Geschichte würde es nie ein Happy End geben. Schließlich kamen der Richter und die Schöffen wieder zurück aus dem Besprechungszimmer. Alle erhoben sich. Ich hörte nur wenig hin und hoffte, dass das Wort lebenslänglich nie fallen würde. Doch dann fiel es. Ich war wie gelähmt. Alles war so unwirklich. Der Richter hatte keine Ahnung, was Mark und ich durchgemacht hatten. Hatte immer nur seinen Job vor Augen. Erst dann wurde mir bewusst, was Mark für mich getan hatte. Er hatte mir die Schuld abnehmen wollen, für den Tod Till's.
Mein Vater musste mich stützen, als er mich zum Auto brachte. Die Tränen rollten über meine Wangen. Zuhause legte ich mich ins Bett. Ich blieb einfach nur liegen und dachte an Mark, an ihn der für mich alles aufs Spiel gesetzt hatte.
17.
Mark
Kevin ging zufrieden aus dem Gerichtssaal hinaus. Ich sah ihm nach. Er war sich nicht bewusst was er da angerichtet hatte. Ohne aufzublicken, bemerkte ich, dass mich zwei Polizisten aus dem Gerichtssaal zum Polizeiauto, das mich zu einem Hochsicherheitsgefängnis brachte, führten. Ich war am Ende. Ohne mitleid wurde ich in die Zelle gestoßen. Vor dem Gefängnis hatten Reporter gewartet, die mich anstarrten wie eine Sensation. Offenbar war ich das auch. Mein Bild würde morgen in den Zeitungen stehen und die Eltern würden es ihren Kindern unter die Nase halten und ihnen erklären, dass sie so werden würden, wenn sie sich nicht in der Schule anstrengen. Kommissar Peters war noch einmal in meine Zelle gekommen. Wortlos hatte er sich gesetzt. "Du bist das nicht gewesen, mit dem Mord, oder Mark?", fragte er. Ich antwortete nicht. Es vergingen ein paar Minuten, in denen ich meine Finger betrachtete. Langsam nahm ich den Ring ab, den ich schon hatte seit ich 12 gewesen bin. "Bitte geben sie den Emily und sagen sie ihr, dass ich sie liebe und, dass sie mich nicht vergessen soll. Niemals.", sagte ich zu dem Kommissar und gab ihm den Ring. Er nickte und verließ die Zelle stillschweigend. Nun wusste ich wie mein Vater sich vor seinem Tod gefühlt haben musste.
18.
Emily
Am nächsten Morgen hielt mir mein Vater die Zeitung hin. In einem mittelgroßen Artikel lautet die Überschrift:
17- jähriger erhängt sich in Hochsicherheitsgefängnis
Ein 17- jähriger Junge hatte sich in der Nacht zum Mittwoch in seiner Zelle mit einem Gürtel erhängt. Die Beamten fanden den Jungendlichen um drei Uhr bei dem Rundgang durch die Zellen. Mark U. wurde am Nachmittag zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt, nachdem ein Zeuge ihn des Mordes an Till Wager bezichtigt hatte.
Ich brach weinend zusammen.
19.
Emily
Ich sitze in meinem Zimmer und schreibe einen Brief an Mark. In der Therapie wurde gesagt, dass das gut ist, wenn man jemanden verloren hat, an dem man sehr hing. Zuerst ist es komisch doch dann steigere ich mich richtig hinein
Lieber Mark,
Ich vermisse dich so sehr. Du weißt nicht wie das war als ich den liebsten Menschen, den es je in meinem Leben gab verloren habe. Aber dafür habe ich am 16. September einen neuen Menschen geschenkt bekommen. Deine Tochter ist ein richtiger Wonneproppen. Sie war bei der Geburt 3900 g schwer und 60 cm groß. Sie hat deine Nase und deinen Mund. Aber meine Augen, die du immer so geliebt hast. Meine Eltern hätten mich am liebsten rausgeschmissen, als sie das mit mir und dir erfahren haben. Aber meine Eltern vergöttern unsere Tochter. Sie heißt übrigens Aida. Ich weiß nicht ob dir der Name gefällt. Aber so heißt meine Lieblingsoper. Deiner Mutter geht es nicht wirklich gut. Sie hat eine Alkoholtherapie gemacht und ist jetzt wieder clean. Manchmal gehe ich mit Aida zu ihr. Deine Mutter versucht bei der Kleinen wieder alles gut zu machen, was sie bei dir falsch gemacht hat. Ich habe mich noch nicht an dein Grab getraut. Alles ist so schrecklich. Ich mache dir keinerlei Vorwürfe, aber wenn du zu mir gekommen wärst, hätte ich dir geholfen.
In Liebe,
Emily
Kommentare
Janine schrieb am 2008-01-30 19:33:40:
*tränen in den augen hab*
Wow....ich find die geschichte einfach toll!
Eine der besten, die ich je gelesen habe hier!
Finde es aber schade das Mark stirbt...
Nina schrieb am 2006-08-01 12:47:10:
Die Geschichte ist schön geschrieben. Allerdings verstehe ich den Satz "Ich schoss ein paar Fotos, die ich zu einem Typ gehen, der bei mir noch Schulden hatte" nicht .. .sorry :)
hast wahrscheinlich nur n Wort vergessen...
Vielleicht sollte man bei solchen Geschichten ältere Leute nehmen..
Ich weiß, dass es so "Liebesdramen" unter "Kindern" gibt, aber ich finde es sehr kitschig, wenn Emily nach ein paar Tagen und einer Nacht behauptet, dass sie Mark liebt und für immer mit ihm zusammen sein will.
Ansonsten sehr nett gemacht..
Sinch5588@aol.com schrieb:
Hey feine geschichte, ich liebe das Wechselspiel der Characktäre und das Ende ist auch ganz okay! Versuch vielleicht noch ein wenig mehr den text auszuschmücken und den characktären ein wenig mehr profil zu geben!
ansonsten!
sehr gelunge geschichte! weiter so!
dein sarcastic tears
SAndmaennlein@uboot.com schrieb:
Hi
Ist eine echt tolle Geschichte, vor allem weil du erst 13 bist....
ich würde das geanze trotzdem ein wenig überarbeiten. Vor allem am Anfang hast du of Gefühle einfach so hingeschrieben, zB. Sie hatten Angst. ich würde es besser finden wenn du ihre REaktionen und Gefühle beschreibst anstatt es hinzuschreiben.
toll finde ich die Metapher: er lügte wie er atmete.....
die geschichte ist toll!
dein Sandmaennlein
cwillmen@web.de schrieb:
erst 13 ??? unglaublich. eine der besten geschichten, die ich hier bisher gelesen habe.
viele grüsse
christophe
hans-berdt.janssen.@ewetel.net schrieb:
ich finde es richtig toll wie du schreibst ich bin vierzehn und schreibe auch ungeheuer gern geschichten
Melaspitz@aol.com schrieb:
echt klasse geschichte! Einfach spitze! also wenn du mal ein buch rausbringst, dann sag mir das bitte sofort! ehrlich! also ich bin einfach begeistert! sowas bekommt man selten zu lesen! wenn man so ließt, was manche erwachsene so aufs papier bringen und dann noch veröffentlichen, so langweilige trockene geschichten, einfach super! mach auf jeden fall weiter so! und ich will gar nicht erst warten, bis du älter bist und sich dein stil verbessert hat! also mach weiter! du kannst garantiert mit deinen geschichten erfolg haben! wünsch dir alles gute
mel
elke.benjes@t-online.de schrieb:
Ich finde die Geschichte sehr span-nend, toll geschrieben! Nur den Schluss finde ich zu melodramatisch. Viele Grüße von Elke!
Princess@web.de schrieb:
Super gute geschichte!!!!hast meinen respekt...mach weiter so hdgdl cu*daumen drückt*das es weiterhin so gut klappt toi toi toi
CrowJD@web.de schrieb:
ich fand die Story einfach nur genial geschrieben.. und der Schluss.. hey ich will ehrlich sein, ich hätte fast geheult..
Weiter so :)
Gruß, Crow
sagichnich@web.de schrieb:
super geschichte, aber muss mark am ende umbedingt sterben???
*heul*
allerdings hätte ich nicht gedacht das emily sofort mit mark schläft...das passt irgendwie nicht zu ihrem edlen elternhaus und so
Dyaengel@freenet.de schrieb:
Oh mein Gott die Story ist unheimlich gut. Mach weiter so, Mausi.
Das nächste mal aber lass die toten bitte raus, ziemlich schade dass Mark sterben musste. ;-)
lisschen_geiger@web.de schrieb:
Hallo tolle geschichte super geschrieben und voll traurig!!!
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