Die Traurigkeit auf meinem Sofa
von
Loana Lux
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Die Traurigkeit auf meinem Sofa.
Beim Wäscheaufhängen kam sie wieder. Von hinten. Die Traurigkeit. Die Musik auf meinem Rechner hatte ihr die Tür geöffnet und sie ohne mich zu fragen hereingebeten. Da waren wir nun, wir zwei beide. Ich. Und die Traurigkeit. Alte Bekannte. „Ich hab Dich nicht eingeladen“, wollte ich sagen. Aber sie setzte sich fest, wie ein ungewünschter Gast auf dem Sofa und begrüßte freudig die Liebe in mir.
Die beiden kannten sich bereits aus der Zeit zwischen Gestern und Morgen, Trennung und Verliebtheit. Damals hatten sie sich des Öfteren im Vorbeigehen die Hand gegeben. Aber jetzt, nach so langer Zeit, gemeinsam auf dem Sofa? Ich wusste nicht, ob die beiden einander ein guter Sitznachbar waren. Wie lange darf man traurig sein, wenn zwei Menschen sich trennen? Ich erinnerte mich daran, wem ich damals noch die Nase vor der Tür zugehauen hatte. Der Wut. Dem Ärger. Der Machtlosigkeit. Ich hatte mir damals vorgenommen, mit diesen Weggefährten abzuschließen und sie auszuschließen. Kein Bock mehr. Zu lange hatte ich mich mit ihnen herumgeschlagen. Allein die neue Liebe ließ ich herein. Mit ihr die Hoffnung, die Perspektive und die Lebenslust. Alles war warm und gut, wie die Decke, die man als kleines Kind vorm Schlafengehen festgestopft bekommt.
Nur die Traurigkeit schlich sich immer wieder durch den Türschlitz zu mir herein und legte sich kalt und ungeliebt an meine Füße. Oder breitete sich eben, wie jetzt, auf meinem Sofa aus, weil da grad Platz war. denn der Mensch, der das Päckchen mit meiner Liebe nun mit sich trug, war grad nicht da.
Während ich noch darüber nachdachte, wie lang die Traurigkeit mir wohl noch regelmäßige Besuche abstatten wollte, schlich sich still und heimlich die Angst in unsere Runde und setzte sich neben die Liebe in mir. „Du verlierst ihn, wenn Du der Traurigkeit immer wieder einen Platz auf deinem Sofa gewährst!“, sagte sie. Sie meinte den Menschen mit meinem Liebes-Lunchpaket. „Der denkt doch, du willst die Vergangenheit zurück.“ Ich schluckte. Dachte er das vielleicht wirklich? „Irgendwann ist er weg und dann hast Du die Traurigkeit wieder jeden Tag zu Besuch“, wetterte die Angst. „Sperr sie aus! Schmeiß sie ein für alle mal raus!“ Es dröhnte in meinen Ohren. Mein Kopf war leer. Gedanken zischten im luftleeren Raum umher. Wortblitze zuckten neongelb und –orange im dunklen Vakuum. Die Angst redete auf mich ein und überrannte mich. „Alles zu viel“, hämmerte es in meinem Kopf. Ich suchte einen Weg hinaus. Doch die Tür war zu. Ich selbst hatte sie ja verschlossen. Panisch versuchte ich, sie aufzubekommen. Da saß die Angst mir schon im Nacken und flüsterte und schrie und beschwor die Bedrohung die Treppenhausstufen hinauf. „NEIN!“, schrie ich. Und packte sie im Genick. Die Aggression hatte mir geholfen, die Angst in eine Ecke zu schleudern, wo sie nun liegen blieb. Reglos. Ich stellte mich in die Mitte des Raumes und atmete tief ein. Tieeeef ein. Langsam begannen meine Lippen Worte zu formen.
„Bleib sitzen, Traurigkeit. Du bist nur die junge Schwester von Liebe und Erinnerung. Auf beide möchte ich in meinem Leben nicht verzichten. Und so gehörst Du genauso zu mir. Bleib sitzen und beobachte mich. Wenn Du mir aber etwas sagen willst, werde ich dich nicht hören können. Doch werde ich Dich bei mir wissen. Und mit Dir die Liebe und die Erinnerung.
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Kommentare
Chalina schrieb am 2006-12-17 19:38:48:
Wunderschöne Formulierung... einfach toll.
J P schrieb am 2006-06-09 20:02:24:
Voll toll. Daumen hoch! !!! Weiter so!!!
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