Die Verbindung
von
Maximilian Brandner
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„Verschwinde! Ich halte das nicht mehr aus. Du bist jeden Tag nur noch in der Bar und besäufst dich! Nimm deine Sachen und verschwinde!“ Das hatte meine Frau vor 12 Jahren gesagt, als sie mich wegen meiner Alkoholsucht raus schmiss. Das hatte mir die Augen geöffnet. Ich trank seit dem keinen Tropfen Alkohol mehr und lebte allein in einem kleinen Haus.
Ich erinnerte mich an all das, weil eine junge Familie in das Nachbarhaus gezogen war. Es sah so aus, als wären sie wirklich glücklich. Sie hatten einen kleinen Sohn. Dieses Familienglück hatte ich auch, bis der Alkohol all das zerstörte. Nachdem sie sich etwas eingelebt hatten, klingelte es an der Tür. „Hallo wir sind die neuen Nachbarn“ sagte Frau Browns, „wie sie wahrscheinlich schon bemerkt haben, und wir wollten sie fragen, ob sie vielleicht heute bei uns zu Abendessen möchten.“ Ich nahm dankend das Angebot an und freute mich auf diesen Abend.
Bei den Browns war es wirklich schön. Das Essen schmeckte und die beiden erzählten viel, nur ich war an diesem Abend sehr ruhig. Irgendetwas war da, etwas, das man nicht beschreiben konnte. Es kam mir alles so bekannt vor. Aber dies war wahrscheinlich nur Wunschdenken, weil ich es sehr vermisste eine eigene Familie zu haben.
Seit diesem Abend verbrachten wir viel Zeit miteinander. Wir grillten zusammen, gingen zum Bowling und manchmal passte ich auch auf ihren Sohn Sean auf. Man kann wirklich sagen, dass sich eine richtige Freundschaft entwickelt hat. Aber immer wenn ich mit ihnen zusammen war, hatte ich dieses vertraute Gefühl und nach einiger Zeit, war mir klar, dass ich mir das nicht nur alles einbildete. Es bestand definitiv irgendeine Verbindung zwischen mir und dieser jungen Familie, die ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erklären konnte.
Ein halbes Jahr später fiel mir auf, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich konnte sie telefonisch nicht erreichen, es war fast nie jemand zu Hause und wenn ich einmal Frau Browns sah, dann sah ich nicht mehr die glückliche junge Frau von früher. Sie sah jetzt immer sehr bedrückt und traurig aus. Deswegen hielt ich es für unangebracht sie dann zu Stören.
Aber nach zwei Monaten ohne Kontakt hielt ich es nicht mehr aus. Ich musste herausfinden, was mit der einst so glücklichen Familie los war. Deswegen beschloss ich, die gerade mit ihrem Auto ankommende, Frau Browns anzusprechen. „Stimmt mit ihnen irgendetwas nicht?“ Mit zittriger Stimme antwortete sie dann: „Nein, nein. Alles in Ordnung.“ „Frau Browns, ich kenne sie und sehe doch, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmt.“ Sie zögerte kurz und sagte dann: „Es ist mein Mann. Er ist im Krankenhaus und die Ärzte vermuten, dass sie nichts mehr für ihn machen können. Mein Mann wird gerade operiert, eine sehr riskante Operation, aber vielleicht seine letzte Chance. Sie dauert jetzt schon drei Stunden. Aber ich hab’s dort einfach nicht mehr ausgehalten.“ Sie begann zu weinen und ich tröstete sie so gut ich konnte. Ich überzeugte sie, wieder zurück zu ihrem Mann ins Krankenhaus zu fahren und bot ihr an, sie zu begleiten.
Wir saßen zwei Stunden, ohne ein Wort zu wechseln, vor dem Op-Saal, als plötzlich der Arzt aus dem Zimmer kam. Er sagte nur, dass es ihm leid täte und ging einfach weiter.
Frau Browns brach sofort in Tränen aus. Ich setzte mich neben sie, um sie zu trösten, als mein Blick auf eine Akte fiel, die auf einem anderen Stuhl lag und die der Arzt wohl aus Versehen dort liegen gelassen hat. Sie war geöffnet und ich konnte den Namen meines Nachbars lesen. Ich nahm die Akte und las darin:
„Roger Brown:
Geboren als Roger Travis am 04.07.1988“
Was ich dort las, brach mir das Herz!
Mein gerade verstorbener Nachbar war mein Sohn, den ich seit der Trennung mit meiner Frau nicht mehr gesehen hatte.
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Kommentare
Oh schrieb am 2010-06-04 17:13:45:
Oh schreklicher zufall das würde ich niemanden wünschen aber man muss es so sehn
Wenigstens hatte er kontakt mit seinem Sohn auh wenn sie es nicht wussten
glg ...
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