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Kategorien > Historische Zukunft > Zeitlos

Die Vergangenheit der Zukunft, nahe der Gegenwart.

von Schattenschalk

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KAPITTEL 1

Die Schlacht war vorüber. Nur knapp hatten wir gesiegt. Der rote Jack hatte seine Mannen und käufliche Söldner in den Kampf geworfen. Nur durch König Rubiens große Weisheit und seiner ausgefeilten Strategie, war es uns gelungen, den Feind zur Umkehr zu zwingen. Nun leckte er seine Wunden und macht sich stärker für den finalen Angriff. Ich sah mich unter meinen Männern um. Sie waren erschöpft, demoralisiert, verletzt und vier Fünftel waren gefallen. Übrig blieben mir nur 400 Mann. Als ihr Hauptmann hatte ich die Pflicht, sie wieder mit Kampfeszorn zu füllen. Doch das fiel mir nicht leicht. Auch ich war erschöpft. Ich hätte zu gerne auf die schreckliche Botschaft verzichtet, die mich kurz darauf ereilte. Es war Viktor, des Königs treuer Diener.
Sein Gesicht war aschfahl und seine Augen waren gerötet.
"Herr", sprach er zu mir. "Der König wünscht euch zu sehen. Bitte eilt euch. Er....er ist dem Sterben nah."
Es hätte mich beinahe von den Beinen geworfen. Solch schreckliche Kunde hatte ich nicht erwartet. Ohne ein weiteres Wort verließ ich das Truppenzelt und rannte zum dunkelblauen Zelt meines Königs. Draußen standen die Alchimisten und Heiler. Als ich dem Medicus kurz in die Augen sah, schüttelte er den Kopf und senkte den Blick. Ich dachte, dass es Unsinn sei. Mein König ist stark wie eine Eiche. Ein großer, mächtiger Kämpfer, mit einem Herzen aus Stahl. Unzerstörbar.
Es brach mir das Herz, wie ich dann diesen guten, edlen Mann im Sterbebett sah. Er war schweißüberströmt und atmete stoßweise. Das Blut floss unaufhaltsam aus der zerrissenen Rüstung.
"Armin", sprach seine zitternde Stimme zu mir. Ich schluckte trocken und kniete nieder.
"Du weißt doch, Armin, dass ich diese Verbeugerei nicht leiden kann. Nun sind alle versammelt, die ich um mich wissen wollte."
Der König hustete rote Spucke und röchelte schwer. Ich legte ihm sanft meine rechte Hand auf die unverletzte Schulter und zeigte ihm so meine tiefe Verbundenheit. Die anderen Höflinge sahen mich verärgert an. Niemand durfte den König berühren. Ich ignorierte sie.
König Rubien blickte aus glasigen Augen zu mir. Er sah, dass ich mit aller Kraft versuchte die Tränen zurückzuhalten.
"Vergesst nicht, was für Werte meine Regentschaft anführte. Ich möchte, dass mein Nachfolger eben solche Werte vertritt. Er soll mit Wohlwollen, Weisheit, Stärke und Mitgefühl regieren." Rubien stöhnte und bäumte sich, mit schmerzverzerrtem Gesicht, auf.
Silva, die Hofalchimistin und des Königs Vertraute verabreichte ihm ein schmerzstillendes Mittel. Es war aus den Heilkräutern gemacht, die sie aus dem fernen Osten mitgebracht hatte. Es wirkte sehr schnell.
"Silva! Ich möchte dich als Zeugin. Ich nehme Armin in den Schoß der Familie auf. Er ist nun mein Sohn. Er soll König sein."
Ich war mindestens ebenso überrascht, wie alle anderen Anwesenden. Des Königs einziger Sohn war nicht anwesend. Der König hatte ihn verbannt, nachdem der missratene Spross sich an Kindern vergangen hatte. Jetzt lebte Prinz Viktor im Exil.
"Mein König", begann ich. "Ich bin nur ein einfacher Mann. Nur ein Offizier. Wie soll ich wissen, was eines Königs Bürde ist?"
"Du wirst es wissen, mein Junge. Ich war immer sehr stolz auf dich. Du hast, als einziger, nie nach Reichtum und Macht gestrebt. Deshalb bist du würdig. Wenn ich das Nachleben beginne, wird Silva dich in das königliche Geheimnis einweihen. Bitte trauert nicht, meine Freunde. Es ist........es ist....so wie es sein soll....."
Damit schloss König Rubien, der Gütige, für immer seine Augen. Und seiner letzten Bitte konnte ich nicht nachkommen. Mein Herz war schwer, wie ein Berg. Bar jeder Hoffnung schaute ich hilfesuchend zu Silva. Wenn ich etwas aufmerksamer gewesen wäre, hätte ich nicht Radicks zweifelnden Blick übersehen, den er mir zuwarf. Radick war Rubiens Berater gewesen und hätte den Regentschaftsthron übernehmen sollen. Nun war die Macht an ihm vorbeigezogen. Hatte sich jemandem aufgedrängt, der sie gar nicht haben wollte.

Gedankenverloren saß ich in des Königs Schlafgemach, welches nun das Meine war. Ich saß auf dem viel zu weichen Bett und hielt die Krone in Händen. Ich hatte gar nicht gewusst, wie schwer diese Krone war. Sie war aus purem Gold und an der Front saß ein mächtiger Smaragd. Die Krönung war kein schönes Erlebnis. Ich fühlte mich zu unrecht geehrt.
Mit einem mal sprang die Tür auf und Silva trat ein. Ungefragt platzte sie in mein Schlafgemach.
Die alternde Alchimistin sah mich mit ernstem Blick an.
"Du musst noch viel lernen, Junge. Nun komm mit mir. Es ist an der Zeit."
Ich war ein wenig verärgert. Was ist das denn für eine Art, einfach so in ein fremdes Zimmer zu kommen?
"Was soll denn das? Ich hätte nackt sein können", beschwerte ich mich.
"Papperlapap", antwortete Silva. "Ich habe dich schon im Kindesalter gebadet. Jetzt komm endlich."
Maulend folgte ich ihr. Insgeheim liebte sie es, mich zu ärgern. Aber nicht auf eine böswillige Art. Sie war eben so wie jede Frau. Eine quasselnde Nervensäge, mit guten Eigenschaften. Wir betraten ihr Labor. Es war richtig unheimlich. Überall brodelten Flüssigkeiten, die stinkend dampften. Geheimnisvolle Pülverchen, in den merkwürdigsten Farben, befanden sich in gläsernen Behältnissen. Sie öffnete den geheimen Raum, der ihr Vorratslager war. Hinter einem Holzregal war noch ein weiterer Gang, der weit nach unten führte. Sie nahm eine Fackel und ich folgte ihr die endlose Treppe hinab.
"Was hier unten wartet, ist nunmehr fünf Generationen Geheimnis der königlichen Familie. Den Überlieferungen zufolge ist es die mächtigste Waffe, die es jemals gab. Aber niemand konnte bisher etwas damit anfangen. Das Schloss wurde auf dem großen Geheimnis gebaut. So das der Feind niemals seine Macht ergründen kann. Aber nun sieht es düster aus. Unsere Mannen sind kaum noch in der Lage, zu stehen, geschweige denn zu kämpfen. Und wir sind sechs zu eins in der Unterzahl."
"Ich weiß. Ich habe es selbst erlebt, Silva. Ich habe in jener Nacht sehr viele gute Freunde verloren und den Mann, den ich wie einen Vater liebte."
"Das habe ich nicht vergessen. Aber nun ist nicht die Zeit zu trauern. Du musst nun Stärke beweisen, Junge. Und ich weiß, dass du viel davon hast."
Schon bald kamen wir an eine glatte Eisenwand. Sie war blank poliert und schien in den Fels gewachsen zu sein. Silva trat davor und irgendetwas piepte kurz und hell. Dann öffntet sich das eiserne Portal, wie von Zauberhand. Es verschwand im Fels und machte den Weg frei. Was ich nun sah, überwältigte mich schier. Ein langer, heller Korridor erstreckte sich. In der Decke brannte Licht, wie kaltes Feuer. Es strahlte grell weiß. Voll Neugier und Abenteuerlust ging ich vorran. Silvas Warnung kam zu spät. Das Geheimnis mochte wohl kein Feuer. Aus der Decke kam eine eiserne Schlange. Sie spuckte die Fackel aus. Fasziniert sah ich zu, wie die Decke, die Schlange wieder einsaugte. Ich ging weiter. Schon bald erreichten wir einen Raum,

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