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Kategorien > Nachdenkliches > Melancholisches

Die Wächter

von Anariel, die Nomadin

1

(Und wieder hat sich eine kleine, seltsame Geschichte aus dem Schatten der Nacht an mich herangepirscht. mal sehen was ihr davon haltet.)

Die Wächter


Da stehen sie schweigend, so stille erstarrt. Wirken lebendig, gerade so als wären ihre Körper aus Fleisch und nicht aus kaltem Stein gemacht.
Da stehen sie, die Denkmäler vergangener Lebensfreuden und blicken stumpfsinnig und leer. Ihre blicklosen Augen, die manchmal so real erscheinen, sehen doch nichts. Keine Seele spiegelt sich in ihnen wieder, da ist kein Leben, war es niemals.
Da stehen sie, die Wächter, an diesem seltsamen Ort, wo jeder nur zu flüstern wagt und kein lautes Geräusch in diese seltsame Stille dringen kann.

Kalter grauer Nebel fließt über die Erde, umspült vorsichtig ihre starren, harten Körper und verschluckt sie schließlich. Eine schlanke, graue Katze springt mit einem anmutigen Satz auf die brüchige, halbverfallne, alte Steinmauer. Setzt sich dort zwischen den wildwuchernden Efeu, putzt sich elegant die nebelgraue Pfote und blickt sich dann mit wachsamen grünen Augen um. Schließlich springt sie wieder herab und streift mit der ihr eigenen, lautlosen Geschmeidigkeit um die stillen Wächter herum.

Und sie stehen immer noch, still, erstarrt, mit ihren blicklosen, seelenleeren Augen und schweigen.

Ein Windhauch löst mit unbeschwerter Leichtigkeit aus den umstehenden Bäumen ein Rascheln, das aber sogleich wieder verstummt. Die dunkle Gestalt eines Raben löst sich aus dem Nebel, fliegt hoch hinauf und kreist wie ein Vorzeichen am Himmel über diesem Ort. Dann stößt er herab und landet stumm nicht weit von mir, auf einem dieser Wächter. Die klugen Augen des Vogels blicken mich mit unheimlicher Intelligenz an und scheinen mir bis tief in die Seele zu sehen.
Schau niemals einem Raben zu lange in die Augen, sagen die Alten, sonst nimmt er vielleicht deine Seele mit sich.
Ich frage mich, was daran so schlimm sein sollte? Es sind doch die Raben, die unsere Namen kennen, wenn alle anderen sie schon vergessen haben. Es sind doch die Raben, die unsere Seelen in die andere Welt hinübertragen. Es muss schön sein, so fliegen zu können.

Und noch immer stehen sie und schweigen. Ihre leeren Augen sehen nichts.

Der Rabe dreht aufmerksam den Kopf, zerreißt dann mit einem rauem Schrei die atemlose Stille und hebt sich wieder sanft in die Lüfte. Ich blicke ihm einen Moment gedankenverloren nach. Meine Seele hat er nicht mit sich genommen, aber vielleicht wird er wieder kommen, so hoffe ich.

Und noch immer sind sie still und stehen schweigend, unbeweglich. Denkmäler verlorener Lebensfreude. Stumme, stille Wächter an diesem seltsamen Ort, wo jeder nur zu flüstern wagt.

Ich trete langsam näher an den Wächter heran, betrachte ihn sinnend. Dann hebe ich die Hand, streiche sanft über einen der steinernen Flügel und blicke in das starre Gesicht des Friedhofengels.

Mein Blick schweift zum Sockel, auf dem er steht. Wandert über rote, halbverblühte Rosen und immergrünem Efeu, um den in abgeblätterten Gold geschriebenen Namen zu lesen.


Anariel 13.02.2008

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Kommentare

Anariel schrieb am 2008-02-22 20:40:17:
Hallo jeiy,
Freut mich, das es dir gefällt und schön, das die Einsamkeit und Melancholie rüberbringen konnte. Ja am Anfang erinnert es fast an ein Gedicht und zuerst wollte ich auch fast eines schreiben. Dann allerdings wurde es zu lange und hat sich zu dieser Geschichte geformt.
Tatsächlich bin ich selber am Überlegen, ob ich hierzu eine Fortsetzung schreiben möchte. In Gedanken wäre schon eine da. Derzeit jedenfalls liegt dieser text mit dem Anfang der Fortsetzung und einigen Anmerkungen und Ideen in meinem Ideenfundus. Mal sehen, was drauß wird.

Huhu Alucard,
-lacht-
Ja, ich weiß. Mach ich normalerweie auch ungern. Aber mir fiel beim besten Willen kein besserer Titel ein. Hab deswegen beinnahe zwei Tage rumgegrübelt.
Lustigerweise hat sich gerade auch Jeiy nen Titel von mir ausgeliehen.;)
(Keine Angst, Jeiy, nehm das nicht übel. Finds nur witzig.)
Dass man erst am Ende erfährt, das ich von einem Friedhof spreche ist sogar Absicht gewesen. Freut mich, dass das bemerkt wurde von dir.
Hmmm...ja ich kenn das Zeugs, obwohl ich persönlich herzlich wenig davon halte, also von dem next uri...
Da ich aber selbst den Raben mystische Kräfte zuspreche, habe ich mich in dieser Geschichte vor allem auf alten Glauben und Aberglauben bezogen um die Stimmung noch mehr zu unterstreichen. Hat also glatt gar nix mit diesem-wie hieß die Type- Rabenvater(glaub ich) zu tun.;)
Alucard schrieb am 2008-02-22 15:09:11:
wie es alle in letzter Zeit mit den gleichen titeln haben ;-)
Schöne Geschichte, es ist toll, dass man erst gegen edne erfährt, dass du von einem Fridhof sprichst und joa.. keine negative Kritik fällt mir da jetzt ein ^^
nur eins: Die Raben erinenrn mich an diesen einen Kandidaten von "the next Uri Geller" falls du das kennst xD

schöne Grüße
Raphael
Jeiy schrieb am 2008-02-22 13:53:16:
Hallo Anariel,
irgendwie hat diese Geschichte etwas sehr Trauriges an sich und lässt einen nachdenklich werden. Der Anfang hat mich seltsamerweise fast schon an ein Gedicht oder einen Songtext erinnert, weil du unter Anderem öfters mit 'da stehen sie' angefangen hast. Das fand ich sehr schön und es hat die Einsamkeit dieses Ortes sehr stark hervorgehoben.
Hast du vor, diese Geschichte noch weiterzuschreiben oder irgendwas aus ihr zu machen? Würd ich mich auf jeden Fall drüber freuen, denn eine Fortsetzung könnte man sicherlich dazu schreiben (z.B. um herauszufinden, wer der Protagonist ist, was es mit den Steinfwächtern auf sich hat usw.). Man könnte sie natürlich auch so lassen, würde auch gehen, allein schon um diese Einsamkeit beizubehalten...
Also, bin gespannt, was noch so kommen wird ^^
Mfg
Jeiy

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