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Kategorien > Fantasy > Orient

Die Wächter

von Millionflame

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Die tiefstehende Sonne tauchte die rund geformten Spitzen der Türme von Tarakesh in ein blutigrotes Licht und färbte den Himmel in ein riesiges Kaleidoskop aus roten, gelben und lilanen Farbtönen. Wie Finger, die aus dem Sand heraus ragen, versuchten die Türme sich scheinbar an Höhe und Pracht zu übertreffen. Die Straßen leerten sich zunehmend. Mürrische Esel oder Kühe zogen die hölzernen Wagen der Händler, die mit allerlei exotischen Dingen beladen waren, zurück in die Lagerhäuser. Langsam füllten sich die Tavernen mit buntem Leben. Aus einigen Fenstern stiegen leichte Rauchschwaden süßlichen Tabakduftes in die immer stärker werdende Dunkelheit. Kaum zwei Stunden später waren kaum noch Menschen auf den Straßen. Wachen patrouillierten mit einfachen Rüstungen, seltsam geformten Speeren und Krummschwertern durch die weiten Gassen. Aus dem Vergnügungsviertel drang gedämpfter Lärm, während einige Betrunkene, in weite Tuniken und Kleider gehüllt, über die staubige Straße torkelten. Die Wachen gingen langsam an einer Gruppe angetrunkener Männer vorbei. Ein Mann der Gruppe taumelte und landete, während er ein lautes Lied sang, in einem Stapel von geflochtenen Körben. Unsanft wurde er von einer Wache auf die Beine gerissen und nach vorne zur Gruppe gestoßen, die schon ein wenig an Entfernung zurückgelegt hatten. Köpfschüttelnd setzten die Wachen ihren Kontrollgang fort. Der Betrunkene hingegen schaute auf unsicheren Beinen erst den Wachen und dann der Gruppe hinterher. Schließlich schob er sich durch eine gegenüberliegende Sackgasse. Er bewegte sich keineswegs mehr unsicher. Kurz blieb er stehen und schaute sich um. Er löste mit einer schnellen Handbewegung seinen roten Umhang und drehte ihn. Die andere Seite war mit stumpfem und schwarzem Stoff ausgeschlagen. Als er sich mit einem Ruck die weite Hose von den Beinen riß, erschienen darunter Hosen aus enganliegendem schwarzen Stoff. Mit präzisen Bewegungen und aufmerksamen Augen schlängelte sich der Mann durch die engen und verwinkelten Gassen. Wie ein lebendiger Schatten bewegte er sich immer weiter durch das Gewirr der kleinen Straßen.
Plötzlich wurde er aufmerksam und reckte seinen Kopf weiter in die Luft. Kurz verschloß er die Augen. Dann öffnete er sie wieder und wurde eins mit den Schatten, als er einen Schritt zurück in einen Hauseingang machte. Kein Herzschlag später bogen zwei Wachen um eine Ecke und gingen miteinander tuschelnd an dem Mann vorbei, der keine zwei Ellen von den Ordnungshütern entfernt stand.
„Ich habe gehört, daß sie auch mehrere Priester und Novizen getötet haben.“
„Ja. Ein schwarzer Tag. Ra wird erzürnt sein.“
„Warum hat Ra dann nicht den Hohepriester beschützt?“
„Ich weiß es nicht.“
Als die Wachen aus seinem Blickfeld verschwanden, schälte sich der Mann aus dem Schatten und blickte sich weiter um. Dann setzte er lautlos seinen Weg durch die Gassen fort.
An einem scheinbar willkürlichen Punkt hielt er plötzlich an, schaute in den Himmel und von da auf zwei Türme, die wie steinerne Zähne in den klaren Himmel ragten. Seltsamerweise wandte er sich unvermittelt nach rechts und ging auf schmales Gitter im Boden zu. Leise schnaufend strengte sich die dunkel gekleidete Gestalt an, das Gitter anzuheben. Er hielt inne, als das schwere Eisen über den Boden kratzte und schaute sich angespannt um. Erleichtert, daß er unentdeckt blieb, atmete er aus und setzte seine Arbeit fort. Nachdem der Mann die Spuren seines Tuns beseitigt hatte, verschwand er mit einer fließenden Bewegung durch das Loch und zog so leise und vorsichtig wie möglich, das Gitter zurück an seinen angestammten Platz. Aus einem Beutel, den er an der Seite trug, zog er eine kleine Fackel heraus. Mit Feuerstein und Stahl entzündete er schnell und mit sicherer Hand das kleine Feuer, das die Dunkelheit kaum zu vertreiben mochte.
Es war, als wäre er in eine andere Welt getaucht. Die Luft war stickig und schien Tonnen zu wiegen. Ein leichter Hauch von Exkrementen schien sich an den steinernen Wänden festzuhalten. Es tropfte und quiekte unentwegt. Angewidert rümpfte der Mann die Nase und setzte sich langsam in Bewegung. Er vermied es, in nasse Pfützen zu treten, deren Inhalt dem Geruch nach nicht nur aus brackigem Wasser bestand. Leise huschend und keine Pause einlegend, ging der Mann, einem unsichtbaren Plan folgend, immer tiefer in das Gewirr der Kanalisation, durchquerte auf schmalen Simsen größere Becken, deren Inhalt er nicht weiter erkunden wollte. Er wand sich durch kleine Tunnel, zwängte sich durch schmale Öffnungen, bis er nach fast einer weiteren Stunde an einer Abzweigung angekommen war. Prüfend hielt er die Fackel, die ihm treu ihre Helligkeit spendete, näher an eine der Wände heran und schaute konzentriert über die Beschaffenheit der Ziegel. Er zählte einige der Ziegel in einer bestimmten Reihenfolge und berührte den Letzten. Mit langsam steigendem Druck schob er ihn zurück in die Wand. Sofort hörte er leises Kettenrasseln, als eine Mechanik in Gang gesetzt wurde. Mit einem mahlenden Geräusch schob sich die Wand zur Seite, so daß er in einen weiteren Gang eintreten konnte. Dieser war mit Fackeln an den Wänden erleuchtet. Mit ruhigen Schritten ging er ihn entlang, bis er vor einer schweren Tür mit Eisenbeschlägen anhielt. Deutlich klopfte er in einer bestimmten Abfolge. Daraufhin schob sich ein kleiner Verschlag zur Seite und ein paar dunkle Augen blickten ihn kritisch an. Dann wurde die Tür geöffnet.
„Ihr seid pünktlich, Deshad.“ begrüßte ihn der feiste Mann. Er hatte seinen Daumen unter dem Gürtel eingehakt. Die Stoffhose war angesichts des mächtigen Bauchs fast bis zum reißen gespannt. Der Mann rieb sich mit der anderen Hand über den nackten Bauch und deutete mit einem Kopfnicken auf eine Treppe.
Deshad nickte ebenfalls und schritt an ihm vorbei, kurz den riesigen Zweihandkrummsäbel betrachtend, der neben der Tür lehnte. Die feiste Wache nahm auf einem für sie viel zu klein wirkenden Stuhl wieder platz, der lautstark ob des Gewichtes gegenanprotestierte. Ohne ein Gespräch anzufangen, ging Deshad durch den Raum. Eine Wendeltreppe führte direkt nach oben und schließlich stand er in einem von Kerzen beleuchteten Zimmer. Feinste Stoffe hingen vor den Fenstern. Allein schon die Vorhänge zeugten von dekadentem Prunk.
Das Zimmer war mit teuren Teppichen ausgelegt. Die Wände gespickt von Bücherregalen, die fast bis zum zerbersten gefüllt waren, aufwendig gearbeiteten Bildern und einigen Kerzenleuchtern. Die Ecken eines Schreibtisches ragten unter Bergen von Schriftrollen hervor, hinter denen ein Mann mittleren Alters mit schmalem Gesicht und dunkel geränderten Augen aufschaute.
„Deshad! Sehr gut! Es wurde auch Zeit.“ Deshad nickte nur.
„Hast du meinen Auftrag erfüllt?“, fragte der Mann und mußte sichtlich seine Neugierde im Zaum halten.
„Ja, Herr.“
Der Mann stand auf und rieb sich vor Aufregung die Hände. „Her damit!“
Deshad machte einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf.
„Ja, das Geld, ich weiß. Gut. Du sollst es

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