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Kategorien > Bedrohung und Gewalt > Vergewaltigung

Die Wahrheit

von floh

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Die Wahrheit.

Als erstes möchte ich sagen, dass es meine Geschichte ist, ich habe das wirklich erlebt und hoffe auf Rücksichtnahme bei Kommentaren. Ich habe lange überlegt, ob ich diese `Wahrheit` überhaupt online stellen soll, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es würde mir vielleicht helfen. Ob es das tut, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es für selbst Betroffene sehr heftig sein könnte, dies zu lesen, also achtet bitte auf euch selbst beim Lesen! Für alle, für die es „nur“ eine Geschichte ist: Viel Spaß beim Lesen!


Es tut weh. Wie gerne würde ich einfach alles vergessen. Es zerfrisst einen von innen, lässt einem keine Ruhe. Gibt nicht nach, hört nicht auf. Ein zwingendes Gefühl, du willst nicht, aber musst daran denken. Du fühlst dich alleine, hast Angst. Wünschst dir, nicht einschlafen zu müssen. Schläfst trotzdem, träumst. Hast Angst, es ist dunkel. Wachst auf, von immer demselben Traum. Heiß und trotzdem kalt. Du zitterst, dein Herz rast. Bekommst keine Luft, kannst nicht reden, nur mit Mühe die Tränen zurück halten. Fühlst dich schwach, hilflos und ohne Mut und Hoffnung. Willst nie wieder die Augen schließen müssen. Hast Angst davor. Wenn alles schwarz ist, kommen die Bilder, die Gedanken, die Angst. Angst davor, wieder zu träumen, es wieder, jede Nacht noch einmal erleben zu müssen. Aufzuwachen, völlig durcheinander, nicht zu wissen, wo ich bin, was ich tun soll, denken soll, fühlen soll, keine Kraft zu haben, nicht einmal, um das Licht anzumachen, etwas zu sagen. Es ist anstrengend, die Tränen zurückzuhalten, will nicht weinen, es wären zu viele Gefühle, ich wäre zu verletzlich und mich könnte niemand halten. Ich fühle mich kraftlos, es ist so eng. Nur die Angst, der Schmerz, die Bilder sind da.
Manchmal fängt es in meinem Kopf an zu reden. Das kann ich schon gar nicht leiden. Es sind zu viele Gedanken, schlechte Gedanken. Sie kreisen wirr umher, völlig durcheinander und doch irgendwie geordnet. Wenn ich klarer werde, werden die Gedanken tiefer und lauter. Ich denke nach über die Angst, den Traum, das Versagen, über den Tod, über mich, mein Leben, den Sinn. Zu viel. Ich weiß, es ist nicht gut, aber manche Gedanken lassen sich nicht einfach abschütteln. Sie sind einfach da, schleichen sich ein, gehen nicht fort, sie fesseln einen, bis man über nichts anderes mehr nachdenken kann. Sie besitzen einen fast, bringen einen schlecht drauf. Aber man kann es nicht stoppen.
Die Enge zieht alles zusammen. Die Angst, die Bilder der Schmerz. Wenn ich abends im Bett liege, spüre ich mich manchmal nicht. Die Arme nicht, die Beine nicht. Nur den Kopf. Er ist schwer, voller Gedanken. Schwindelig.

Wie gerne würde ich einmal eine Waldweg entlang laufen, ohne daran denken zu müssen. Ohne Angst zu haben. Angst, die mich wie ohnmächtig werden lässt. Hinter jeden Baum sehen, bei jedem Geräusch zusammen zucken, sich ständig umzuschauen. Immer schneller zu atmen, weil es mir die Luft nimmt, ständig diese Erinnerung im Kopf zu haben. Das Bild vor Augen und die hämmernde Frage, „Warum läufst du nicht, warum bist du nicht einfach gelaufen?“
Manchmal denke ich, ich bin so am Ende, ich kann nicht mehr, ich schaffe das nicht mehr. Gehe kaputt daran. Wie oft hätte ich es nicht nur beim schneiden belassen, mit allem einfach Schluss gemacht? Es ist so wahnsinnig anstrengend… nächtelang kaum zu schlafen, träumen, aufwachen, Angst haben. Selbst für den kürzesten weg im Dunkeln so schnell zu rennen, weil die Angst größer ist, als irgendetwas sonst. Größer, als alles Vorstellbare. Sich egal, wie scheiße es einem geht, sich nichts anmerken zu lassen, trotzdem immer gut drauf zu sein.
Es ist so eng in mir, dass ich Angst habe zu explodieren. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wo ich hin soll mit mir. Das schlimmste ist die Langeweile. Ich habe keine Lust irgendetwas zu machen, aber wenn ich nichts tue, denke ich zu viel nach.
Alles ist schwarz, es dreht sich. Ich bin alleine, für niemanden vorhanden. Fühle mich einsam, verlassen. Was soll ich tun? Was soll ich fühlen? Weiß gar nichts. Nur alleine. Will einfach nicht mehr da sein. Nicht mehr sein, nichts mehr sein. Vielleicht auch einfach nur, nicht mehr alleine sein. Keiner hält mich. Ich kann mich nicht halten. Kann nicht weinen, mich nicht wehren. Bin alleine.

Und dann beginnt der Traum. Ich spüre, wie es enger wird. Es ist dunkel, schwarz. Dann wird alles klarer und es gibt kein Zurück mehr… es ist immer gleich. Immer der gleiche Traum, die gleichen Bilder, die gleichen Gedanken, die gleichen Gefühle. Ich schaue zu. Und doch bin ich es selbst…


…. Und plötzlich bin ich wieder 8 Jahre alt. Ein kleines fröhliches Mädchen, neugierig, was die Welt so zu bieten hat, unerschrocken, naiv.
Wir sind auf dem Rückweg, müssten längst zu Hause sein. Ihr ist kalt, wir haben beide nur einen Pulli an. Aber ich will unbedingt noch nach dem Staudamm sehen, den längeren Weg gehen. Ich überrede sie. Sie ist etwas ängstlich, will keinen Ärger bekommen. Wir gehen den Waldweg entlang, sind gut drauf, albern herum. Das Laub raschelt, es sind nur noch weniger Blätter an den Bäumen. Alles sieht so friedlich aus, in warme Farben getaucht. Der Wald wird dichter, es wird immer dunkler. Wir gehen weiter, den Weg weiter entlang. Sind spät dran. Ich schaue mich um, nach Ästen, Steinen, die ich für den Staudamm gebrauchen kann.
Als ich etwas höre, schaue ich auf und plötzlich steht er da. Wie eine Wand. Sie erschreckt sich, bleibt stehen. Er kommt näher, sieht unheimlich aus. Ganz in schwarz. Seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie will weiter, aber ich habe keine Angst, bin zu neugierig. Sie rennt weg, läuft einfach, ohne mich, dreht sich nicht um. Ich bin verunsichert, weiß nicht, ob ich mitlaufen soll… Da packt er mich, hält mich an den Armen fest, drückt mich an den Baum. Will, dass ich ihn ansehe, in seine fiesen, halb zusammen gekniffenen Augen. Immer fester drückt er sich an mich. Redet auf mich ein, das ist doch nichts Schlimmes, ganz ruhig… Doch ich spüre, dass es nicht richtig ist, bekomme Angst. Ich versuche mich loszureißen, sage, er soll mich in Ruhe lassen. Er lacht nur, ein fieses, dreckiges Lachen. Als ich nicht aufhöre, mich zu wehren, holt er aus und sein Schlag trifft mich an der Schulter, er holt ein zweites Mal aus und schlägt mir in den Bauch. Mir wird schwarz vor Augen und ich krümme mich vor Schmerzen. Sei ruhig du kleine Schlampe, sonst bringe ich dich um, ich schlag dich tot, hörst du?
Tausend Gedanken in meinem Kopf. Angst. Kann irgendwann nicht mehr denken, überlegen, fühlen. Weiß nicht, was passiert. Kann mich nicht bewegen, nicht reden, nicht schreien. Spüre seine durchdringenden, kalten Blicke, den Schmerz in meinem Bauch. Bekomme keine Luft, Panik steigt in mir hoch, komme mir hilflos und verloren vor. Er macht seine Hose auf, steckt meine Hand hinein. Er sagt irgendetwas, stöhnt, ich soll ihn anfassen. Höre immer wieder seine Stimme, los mach schon, du hast es verdient, es ist doch was Schönes, was wir

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Kommentare

Desireekintrup@Web.de schrieb am 2011-01-15 21:59:34:
Man sagt ja, sobald man keine Jungfrau mehr ist, ist sozusagen die Kindheit verschwunden, weil es eben so ein großer Schritt ist.
Und ich finde, die Geschichte ist einfach nur perfekt. Keiner, wirklich niemand hätte sie besser schreiben können.
Zudem finde ich es richtig armseelig, was manche Menschen tun. Man sollte mit ihnen das gleiche machen oder etwas, das genau so schlimm ist.
Trotzdem finde ich es ausgesprochen gut, wie du dran gearbeitet hast und umgegangen bist. Auch wenn dir etwas genommen wurde, was dir niemand wieder ersetzen kann.
Denk immer gut, dann wird es weiterhin auch besser werden. :)
Kompliment. ;)
Elena schrieb am 2009-06-10 19:26:45:
Ich habe so etwas zum Glück nich nie erlebt, aber ich kann mir vorstellen wie dass für eine 8 Jahrige ist.Vorallem es ganz alleine zu verkraften. Die meisten Menschen würden es nicht aushalten.
Ich selbst würde es nicht verkraften können.Mein Kopliment.
Helena schrieb am 2009-05-22 15:15:35:
Wirklich gut erzählt und mitfühlsam geschrieben. Mein Kompliment, dass du das dann doch noch verarbeitet hast und nicht Selbstmord begangen hast.
Helena schrieb am 2009-05-22 15:11:26:
Wirklich gut erzählt, herzergreifend und mitfühlsam. Mein Kompliment, dass du das so gut verarbeitet hast!
Katajanokka@web.de schrieb am 2009-05-08 22:03:35:
Moikka Floh,

als erstes möchte ich mich dem vorangegangenen Beitrag vollen Herzens anschließen: Es ist wichtig, den Kampf niemals aufzugeben, und es ist ebenso wichtig, genügend Kraft zu finden, um auch - soweit es möglich ist - zur Ruhe kommen zu können. Du wirst es schaffen, ganz sicher!

Da die Geschichte auf einer literarischen Site eingestellt ist, möchte ich aber auch zum Text selbst etwas sagen. Daß dies Deine eigene Geschichte sei, ist an den Anfang und nicht ans Ende gestellt. Auch wenn es offensichtlich ist, daß dies nicht Deine Intention war, nimmst Du damit natürlich Sympathien vorweg, und das hatte mich zuerst etwas skeptisch gestimmt.

Es brauchte keine drei Sätze, und meine Skepsis war vergessen. Du hast einen unglaublich dichten, prägnanten und gleichzeitig poetischen Sprachstil, und ein absolut gelungenes Timing. Obwohl Du so nah persönlich mit der Geschichte verbunden bist, bleibst Du knapp und pointiert, verlierst nicht den Faden, nicht Deine Position als Erzählerin und auch nicht das Tempo. Verwendest Du einzelne Wörter als Satz, sind diese optimal treffsicher gewählt, Du treibst die Geschichte voran, ohne Dich selbst auch nur einmal auszubremsen, Der Stil ist dadurch sehr hart, und dennoch hat er eine erzählerische Leichtigkeit – dies ist ein seltenes Talent, das ich oft suche, aber nicht bei vielen sehe, und damit schließe ich Buchautorinnen und -autoren mit ein.

Es sieht im positiven Sinne aus, als hättest Du sehr viel Mühe und Arbeit in den Text gesteckt, und ihn nicht einfach heruntergeschrieben, um Deine Geschichte mit anderen zu teilen. Ich hoffe wirklich, daß Du beim Schreiben bleibst, und Gelegenheit findest, Dein Talent weiter auszubauen.

Herzliche Grüße,
Katla
Realität der Illusion schrieb am 2009-02-12 11:25:26:
Das schlimmste, das einem genommen werden kann ist die Kindheit. Aber es ist gut, dass du nicht aufgibst und auch die kleinen Fortschritte würdigst. Es ist grausam, niemanden zu haben, wenn es am Wichtigsten ist, ich kenne das gut.
Aber es ist richtig, die Scheiße rauszuschreiben, das hilft.
Alle guten Wünsche, Realität der Illusion!
Realität der Illusion schrieb am 2009-02-11 12:38:24:
Grausame Geschichte. Das Schlimmste was man jemandem nehmen kann ist die Kindheit, kann ich dir sagen! Da hat man schwer dran zu arbeiten, alles zu überleben und weiter zu machen. Das Nichtaufgeben ist gut, du musst die kleinen Schritte, die du gegangen bist genauso würdigen, wie die großen.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, niemanden zu haben, wenn etwas Grausames passiert ist. Aber es hilft auch noch nach langer Zeit, dann Jemanden zu bekommen.
Gib niemals auf! Niemals! Denn sonst haben diese Schweine gewonnen!!!

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