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Kategorien > Fantasy > Begegnungen

Die Waldfrau

von Luh

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Endlich hatte ich frei, der erste Urlaub im Jahr. Ich grinste als ich in den blauen Himmel sah, dann schloss ich das Fenster und zog mir feste Schuhe an. Eine halbe Stunde später war ich im Wald.
Der Wald im Hebst ist wunderschön. Das Licht so weich und die Luft klar und rein.
Es war Ende September und überall raschelte das Laub. Voller Freude lief ich tiefer in den Wald hinein und verlies den Weg. Als ich dann auch noch prompt auf einen Kreis von Pilzen stieß, musste ich laut lachen. Hexenkreise, so hatte es meine Mutter genannt, wenn Pilze im Kreis standen. “Weiche nicht vom Weg,” hatte sie immer gesagt, “hüte dich vor Hexenkreisen und vor Feensteinen. Sie haben uralte Mächte in sich und führen einen unbedarften Wanderer in fremde Welten!”
Und nun stand ich also vor solch einem Hexenkreis, nicht der erste den ich gefunden hatte, aber schon lange hatte ich keinen mehr gesehen. Lachend sah ich mich um, ob ich nicht einen Feenstein entdecken würde. Doch natürlich war kein einziger Stein zu sehen. Ich hatte noch niemals einen gesehen. Den Geschichten meiner Mutter zufolge sollten diese Steine wie gewöhnliche, halb hohe Felsensteine aussehen. Allerdings sollten sie eine kreisrunde Vertiefung auf ihrer rauen Oberfläche aufweisen und seltsame Zeichen. Lächelnd schüttelte ich den Kopf. Geschichten, dachte ich, einfach nur Geschichten! Trotzdem hatte ich mich immer an die Warnung meiner Mutter gehalten und niemals einen Pilzkreis betreten. Jetzt hielt ich inne, denn auch nun hatte ich mich daran gemacht die Pilze zu umrunden.
Ein übermutiges Grinsen im Gesicht blieb ich stehen. Dann machte ich einen großen Schritt mitten hinein, in die im Kreis gewachsenen Gewächse. Einige Augenblicke blieb ich stehen, darauf wartend das etwas geschehen möge. Aber natürlich geschah nichts und so trat ich wieder aus dem Kreis heraus. Lächelnd setzte ich meinen Weg fort, doch weit kam ich nicht.
Das Knacken eines Astes erschreckte mich und ich sah mich überrascht um. Was war das? Wo kam es her? Erst nach einigen Augenblicken entdeckte ich ganz in der Nähe Bewegung. Hinter einer umgestürzten Baumwurzel, die halb aus dem Boden ragte kniete eine junge Frau und schnitt Pilze. Überrascht fragte ich mich, warum ich sie zuvor nicht bemerkt hatte. Sie erhob sich und nun erkannte ich, das sie einen hübschen Mischlingshund an der Leine hatte. Sie war nicht groß, unter 1 Meter 60. Braune Lederjacke, grünes T-Shirt, verblichene Bluejeans und an den Füssen hatte sie ausgetretene, feste, schwarze Schuhe. Sie trug eine schwarze Baseball Kappe aus der hinten ein Pferdeschwanz von rotblonder Farbe herauslugte. In der linken Hand hatte sie die Leine ihres Hundes, über den selben Arm den Henkel eines kleinen Korbes, in der rechten Hand hatte diese Frau einen offensichtlich selbstgeschnitzten Stecken und auf dem Rücken einen grünen Stoffrucksack. Sie hatte blaue Augen und war eigentlich ganz hübsch.
Noch immer überrascht und auch ein wenig verwirrt sah ich sie an. Sie lächelte mich herzlich an. “Hallo”, grüßte sie. Ihre Stimme entsprach ihrem Aussehen. Etwas rauer, dafür herzlich, freundlich und ungewöhnlich. Freundlich grüßte ich zurück und erkundigte mich, ob sie Sammlerglück gehabt hätte. Sie nickte und lüftete das Tuch über ihrem Korb. Darunter kamen etliche schöne Pilze zum Vorschein. Ich staunte und flüchtete mich in ein verlegenes Lächeln als ich zugab überhaupt nichts von Pilzen zu verstehen, sie aber sehr gerne zu essen würde. Sie lachte kurz auf. “Ach das ist nicht weiter schwierig. Ich zeig Dir gerne, wie man die essbaren Pilze von den ungenießbaren unterscheidet und wo man sie für gewöhnlich findet. Natürlich nur wenn du willst?” Warum nicht, dachte ich und sagte ja.
“Ich bin übrigens Alex,” stellte ich mich vor. “Und wie heißt du?” Sie lächelt. “Mira.” “Hallo Mira, freut mich Deine Bekanntschaft zu machen.” Wir lachten beide und reichen uns die Hand. Sie wandte sich ab und machte sich auf. Ich folgte meiner neuen Freundin, tiefer in den Wald hinein. Bald staunte ich, denn Mira machte mich auf so viele Kleinigkeiten hin, die ich zuvor nicht gesehen hatte. Pilze, an denen ich wohl drei mal vorbeigelaufen wäre, sah sie auf einen Blick. Sie schien viel über den Wald zu wissen und je länger wir unterwegs waren, um so mehr faszinierte sie mich. Ich stellte bald fest, das sie recht gehabt hatte. Die Pilze auseinander zu halten war wirklich nicht schwer. Man musste nur wissen, auf was man zu achten hatte. Aber ich lernte nicht nur etwas über Pilze. Mira zeigte mir auch viele Kräuter und Beeren. Ohne Weg oder Pfad fand sie sich zwischen den Bäumen zurecht und führte mich an Orte in diesem Wald, an denen ich noch nie zuvor gewesen war.
Am späten Nachmittag führte sie mich auf eine sonnendurchflutete Lichtung, wo eine alte Bank und ein Tisch standen. Wohl ein alter Rastplatz, der in Vergessenheit geraten war. Dort machten wir Pause. Aus ihrem Rucksack packte sie einige Schätze aus. Dunkles, kräftiges Bauernbrot, Käse, geräucherten Schinken, Salz, Pfeffer, ein rundes Holzbrett, einen Becher und eine kleine Flasche Wein. Eine flache Schale, eine Flasche Wasser und Trockenfutter folgten. Letzteres war für ihren Hund.
Ich wusste nicht ob es die viele Bewegung, die frische Luft oder meine gute Laune war, aber das Essen schmeckte mir so gut, wie sonst niemals.
Als der Abend nahte meinte Mira, das sie nun langsam nach Hause wolle. Verlegen fragte ich sie, ob sie mir zeigen könnte, wo der Waldrand sei. Ich hatte keine Ahnung wo ich war, oder ob ich alleine wieder aus dem Wald finden würde. Und so führte mich Mira über einen alten verwilderten Pfad bis an den Waldrand. Die Sonne ging langsam unter und flutete die Wiesen mit rotem Licht. Überrascht tat ich einige Schritte aus dem Wald heraus und lies das unglaubliche Schauspiel auf mich wirken. “Das ist wunderschön!” Ich drehte mich zu Mira um, die immer noch unter den Bäumen stand und rätselhaft lächelte. Dann blickte ich mich um, und stellte fest, das ich von hier aus ganz einfach wieder nach Hause gehen konnte. Erneut wandte ich mich dem Farbenspiel am Himmel zu. “Werden wir uns jemals wieder sehen, Mira?” Ich hatte ihr den Rücken zugedreht und konnte daher ihre Mimik nicht sehen. “Sicher,” meinte sie, "irgendwann sicher.” “Danke Mira, danke für diesen wundervollen Tag im Wald und das Du mich an den Waldrand geführt hast. Ohne dich hätte ich wohl nicht mehr rausgefunden.” Das Schauspiel des Sonnenuntergang hatte mich so in den Bann gezogen, so das ich unfähig war mich zu ihr um zu drehen. Sie lachte leise auf. “Einen solch netten Kerl, wie du es bist Alexander Bauer, den habe ich gerne herausgeführt.” Sie kicherte. “Trotzdem sollte man auf die Warnungen der Alten hören und es sich gut überlegen, bevor man in einen Hexenkreis tritt.” Ich erstarrte. Woher wusste sie das? Hatte sie mich gesehen? Und woher wusste sie meinen vollständigen Namen? Ich hatte mich ihr nur als Alex vorgestellt.
Ihre nächsten Worte jagten mir einen kalten Schauer über

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Kommentare

Traumfänger schrieb am 2008-11-13 15:01:01:
Ganz wundervoll.
Für ein paar Minuten taucht man ein, in eine andere Welt.
Wirklich fantastisch - wie ein Märchen.

LG, Silke
Leeloo schrieb am 2006-10-16 16:58:50:
wirklich ergreifend und fesselnd
eine Sage, die wahr wird
hat bei mir einiges berührt :-)

lieben Gruß an die Waldfrau - die dich zu solchen Leistungen inspiriert!
Leeloo
Luh schrieb am 2006-10-16 03:44:34:
Ich danke euch.
Ich muss aber zugeben, das mir meine Freundin mit einigen Wortwendungen und Ausdrücken geholfen hat.
sie hat mich auch zu dieser Geschichte inspiriert, sie und ihre Liebe zum Wald und ihre Hoffnung dort doch noch einen Feenpfad zu finden. Sie ist meine Muse, meine Inspirationsquelle, meine Waldfrau.

Liebe Lexa,
schön, das ich sie rund hinbekommen habe. Das märchenhafte war Absicht.

Liebe Lou,
unser Pseudonyme klingen ähnlich. Fiehl mir letztens schon auf.-g-
Der Sonnenuntergang war echt,ich habe ihn erlebt.
Ich werde mich bemühen bald neues zu schreiben.

Lieben Gruß, Luh
Lexa schrieb am 2006-10-15 22:08:00:
Wie wunderschön rund diese Geschichte erzählt ist, ohne Ecken und Kanten, Wenn und Aber. Wie ein Märchen, dass man seinen Kindern auch erzählen möchte. Prima,LG Lexa.
Lou schrieb am 2006-10-15 12:56:37:
Sehr beeindruckend!!! Diese Geschichte hat mich fest in ihren Bann gezogen...Du hast wirklich eine fantastische Art zu schreiben und Dinge zu beschreiben. Mir hat vor allem deine Beschreibung des Herbstes und des Sonnenuntergangs gefallen...Ich hatte wirklich das Gefühl selbst zu erleben und selbst zu sehen wie die Sonne die Landschaft in wunderschöne Farben taucht.
Mir hat auch das Thema sehr gut gefallen...sehr geheimnisvoll und fantasiereich. Ich hoffe, du schreibst bald wieder so etwas schönes!
Lieben Gruß, Lou

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