Die Winter-Single-TV-Saison
von
Charly Brown
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Es ist Winter und damit wohl traditionell die Zeit, in der man es als Single am schwersten hat. Man betritt morgens den Tag im Dunkeln und kaum, dass einen die Stechuhr wieder entlässt, hat sich die Nacht wieder eingefunden. Mit leicht geröteten Augen schaut man zurück auf die guten warmen Tage und vermisst dann abwechselnd entweder die ehemalige Lebensabschnittsgefährtin oder die Abende in bierseeliger Runde mit all den Freunden, die sich nun genauso vor der Kälte der Nacht verkriechen, wie man selbst.
Was bleibt da mehr als zu versuchen im Rausch des Fernsehens seine Gedanken aufzuhellen, oder zumindest alles zu betäuben.
Das mit dem Aufhellen funktioniert dieser Tage leider auch nicht zu sonderlich gut, was zum zweiten Punkt führt- betäuben.
Doch leider hat meine Winter-Single-Saison dieses Jahr ganz klar zu spät eingesetzt, was nun dazu führt, dass man mit wachem Verstand dem Fernseher lauscht und es eben deshalb droht den selbigen zu verlieren.
Konnte ich im letzten Jahr noch bei DSDS vor den Hauptshows lernen, dass es ok ist über Teenager zu lachen, denen man im Suff eingebläut hatte, dass Talent nicht alles ist, wenn man nur wirklich alles gibt, und deren öffentliche Darstellung und Hinrichtung genießen, fehlt mir nun diese Gabe und ein leichter Schmerz macht sich in mir breit, wenn ich sehe, dass junge Hartz IV-Aspiranten dort deklassiert und 100%% am nächsten Morgen auf dem Schulhof verhauen werden.
Also möglichst schnell umschalten und so landete ich bei Herrn György Gellér. Einem Mann der im betäuben klarer Gedanken, zumeist der eigenen, durchaus Erfahrung hat. Wie sonst kann es sein, dass er erkennt, dass ein Wunschkind sicherlich niemals den Namen György Gellér tragen müsste und sich daher den klangvollen Namen Uri zulegte. Mit dem Namen geht es ihm ähnlich wie den gescheiterten DSDS-Vorsängern. Schulhöfe sind zu meiden.
Ich liebe Dirk Bach, nicht so wie er Männer liebt, aber ich hege eine tiefe Affinität zu seinen Theaterrollen oder seinen unvergleichlichen Auftritten in Lukas als Flora die Fledermaus.
Und daher schockierte mich auch sein Kostüm im Dschungelcamp nicht sonderlich.
Ob nun fliederfarbene Fledermaus oder khakifarbener Daktari-Verschnitt, im Grunde konnte man dieses immer sehr schön ausblenden, da er zumindest als Fledermaus doch immer etwas Gutes erreichen wollte. Als Großwildjäger des Unterschichtenfernsehens hat sich das nun ein wenig verändert und so führt er durch malerische Landschaften, in denen der soziale Abstieg von jenen Leuten gefeiert wird, die das Betäuben von Gedanken soweit perfektioniert haben, dass sie damit bis auf das Stammhirn alles klein gekriegt haben. Madenfressen oder leckeres Hodengeschnetzeltes, vom Gameshowmaster und heißen Klassenprimus der Renternerinnenfeuchtträume zum Urinwärter entwickeln, alles gar kein Problem.
Vielleicht hätte denen jemand sagen sollen, dass wenn sie darauf stehen, sich gerne nackt fremden Leuten zu präsentieren, dabei auch tiefe Sympathie für nicht immer ganz frisches Fleisch im Mund haben und nebenbei auch bereit sind für ein Fünkchen Anerkennung jede Scham fallen zu lassen … Naja, wenn es nicht zum Dschungelkönig reicht, gibt es da bestimmt berufliche Alternativen!
Egal, manchmal muss man einsehen, dass es so nicht geht.
Also nutze ich die öffentlichen Sender. Aus irgendeinem Grund laufen diese Sender ja ganztags und nicht nur zu Fußballweltmeisterschaft. Und ich bin sicher, dass nachdem sie die Hälfte meiner Gebühren in die Primetime-Werbeplätze bei den Privaten gesteckt haben, um mich zu fragen, ob ich schon gezahlt habe, noch Restgeld übrig ist, um zumindest irgendwas zu senden.
Und irgendetwas senden die auch, zumeist Unterhaltungssendungen und Krimis, die darauf abzielen, auch den letztes Rest der debilen Stammzuschauerschaft am Fernsehgerät, bzw. nahe des Tropfes zu halten. Sendungen, die es schaffen, dass orange wie grau aussieht und Verfolgungsjagden präsentieren, die so actiongeladen sind wie eine Kaffeefahrt mit einer 15 köpfigen greisen Polkagruppe am Stauende der A1.
Aber in bin dran geblieben, bis ich merkte, wie alles was zwischen meinen Ohren Platz gefunden hat, anfing zu kapitulieren. Man merkt förmlich, wie nach einer gewissen Zeit, der Langeweile und Trägheit, dieses Gefühl auf den Kopf überspringt und alles vergessen macht.
Und es ist ein schönes Gefühl, wie im Mutterleib und kurz danach, wo man alles glaubt und alles toll findet, was die Großen so tun.
Da tat mir auch die folgende Tagessschausendung nicht mehr weh, in der man mir sagte, dass man 18 Milliarden Euro investieren musste, um 25%% an einer Bank zu kaufen, deren Gesamtaktienwert 3,6 Milliarden beträgt. Und dass man sogar hofft diese Aktien gewinnbringend wieder zu verkaufen. Klar, gib Gas Commerzbank, du musst schließlich deinen Unternehmenswert um 2000%% steigern. Und zwar laut unserem Wirtschaftsgenie dem Pofalla in den nächsten 5 Jahren.
Und natürlich verteidigt sich Israel nur gegen Terroristen, deswegen beschießen sie die feigen Araber ja auch aus 20 Kilometer Entfernung mit chirurgischer Präzision, also mit Artillerie.
Und da sie jeden einzelnen dieser miesen Mörder ein für alle mal umbringen wollen, wird auch gleich mal ein Kinderkrankenhaus und eine Entbindungsstation mit platt gemacht. Das nenne ich mal vorausschauende Terrorabwehr.
Oh, das Konjunkturpacket hat auch für mich etwas, dass ist ja wie Weihnachten, ich bekomme netto 0,00844%% mehr. Und da habe ich meine höheren Kassenbeiträge noch nicht von abgezogen. 12,50Euro und zwar jeden Monat netto mehr. Davon fahre ich gleich tanken. Das sind im Moment 11,36 Liter Normalbenzin, für die ich ziemlich genau 5,10 Euro Steuern zahlen muss.
Und wir haben derzeit Ganzjahresweihnachten, also die Beiträge zu den Versicherungen sollen dieses Jahr nicht weiter steigen und da ist es ja auch nur verständlich, dass Santa-Merkel so beliebt ist.
Ich finde das alles sehr schön und hoffe ihr bleibt noch lange mit mir irre.
Uns allen weiterhin gute Nacht
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Kommentare
Jaimy schrieb am 2009-06-04 21:06:51:
Sehr klasse. Habe an einigen Stellen herrlich schmunzeln müssen. Weiter so.
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