Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Jugendstory > Nachdenkliches

Die Zigarette

von Stephen Kall


Was zur Hölle war nur los mit ihm? Er befand sich dort auf dem Bahnsteig eines U-Bahnhofes, der alles andere als verlassen war. Zu so später Stunde... Allerlei Volk tummelte sich und wie sehr wünschte er sich, die Zigarette zu rauchen, die er von seinem Vater stibitzt hatte. Es war kein Diebstahl - so etwas beginnt doch erst bei Dingen von Wert. Bei unentbehrlichen Dingen. Wäre es Verrat an seinem Vater, seiner Familie wenn er sie rauchte?
Früher hätte er sich vehement dagegen gesträubt, doch Zeiten ändern sich!
Noch vor einigen Monaten war er ein völlig anderer Mensch gewesen. Das eigentlich seltsame war nicht die Verwandlung eines Menschen in jemand völlig anderen. Das passierte tagtäglich. Imagewechsel nannte man da, aber hinter diesem einfachen Wort steckte mehr als einfache Verkleidung. Alle anderen konnten das nicht verstehen. Für sie war es...
Nichts besonderes.
Nein, das eigentlich besondere geschah, wenn sich dieser Mensch auf sein früheres Leben besinnt und vor der Entscheidung steht, ob er sein neues Leben fortführen oder in das altbekannte zurückverfallen sollte. Das war die große Frage, die ihn quälte. Zu so später Stunde. In diesem U-Bahnhof. Und er dachte darüber nach, weshalb er eigentlich darüber nachdachte.
Möglicherweise lag es an dem Alkohol? Dem bisherigen Nikotin? Möglicherweise an diesem Film, den er eben noch gesehen hatte? Aber er wusste, dass es daran lag, dass sich der Sommer Bahn brach. Die Nacht war nicht mehr so kühl und nass wie noch vor einigen Tagen. Der Wind war lau und man spürte ihn sanft an der Haut zerren, als wäre die Welt ein einziger großer Organismus, mit dem man völlig verschmelzen konnte wenn man wollte. Sich selbst brauchte er nichts vorzumachen: Er war sensibel.
Sensibel.
Dieses Wort suggerierte eine gewisse Schwäche. Doch er hatte nicht vor, in den Krieg zu ziehen oder an sonstigen (sinnlosen) Gewaltakten teil zu nehmen. Nicht, dass er Angst hatte, aber es war einfach so: Er hatte nichts vor, was in irgendeiner Weise physischen Schaden verursachen könnte. Die Seele eines Menschen jedoch konnte man blitzschnell verletzen. Konfrontation mit der Wahrheit.
Bumm.
Unangenehm, gewiss. Aber Scham vor sich selbst? Wozu? Er wollte sich selbst erforschen. Herausfinden, was ihn umtrieb. Zu so später Stunde. In diesem U-Bahnhof.
Er holte die Zigarette hervor und schnupperte daran, als handle es sich um eine teure Zigarre. Das Feuerzeug wies Spuren von Kronkorken auf - musste eben dieses Ding herhalten, wenn kein Flaschenöffner da war.
Ein völlig betrunkenes Pärchen kam an ihm vorbei. Je selbstsicherer man auftrat, desto weniger wurde man beachtet. Funktionierte auch hier. Die beiden unterhielten sich (sie rülpste) und zogen weiter.
Es hätte ihn nicht gestört, wenn jetzt jemand käme und ihn anmachte. Es wäre ihm egal, weil er mit jedem spielend fertig werden konnte. Oder auch mit zwei oder drei Typen. Gar kein Problem.
Die Zigarette klemmte zwischen seinen trockenen Lippen. Wurde nicht feucht. Er zog, obwohl sie noch nicht angezündet war und genoss den aromatischen Geschmack nach Tabak, den er noch aus seiner Kindheit kannte, als sein Vater versucht hatte, von Zigaretten auf Pfeife umzusteigen. Es hatte nicht funktioniert. Aber die Pfeife hatte ihn interessiert. Verlockend stand sie im Regal - und manchmal hatte er daran gerochen. Auf die Idee zu rauchen wäre er nicht gekommen, aber es duftete gut.
Sein Handy meldete sich - SMS.
Sie schien sich gerade genauso zu fühlen. Dieses Mädchen, diese... Freundin. Welche Art Freundin vermochte er nicht zu sagen. Aber er fühlte sich zu ihr hingezogen - darüber hinaus war alles unklar. Als sähe man durch eine doppelt verglaste Fensterscheibe in die Dunkelheit. Das eigene Spiegelbild transparent und mehrfach wiedergegeben... Schön. Schicksalhaft. Aber unklar.
Er zögerte kurz, nachdem er auf die Anzeigetafel gesehen hatte. Noch fünf Minuten bis die Bahn kam. Noch immer befand sich die Zigarette zwischen seinen Lippen und langsam gewöhnte er sich so sehr daran, dass er diesen Gegenstand kaum mehr spürte.
Es muss lächerlich ausgesehen haben, als er schielend das Ding anblickte. Völlig zerknittertes Papier - er hatte sie lose in der Jackentasche mitgenommen. Er nahm sie aus dem Mund, drehte sie in einer Hand akrobatisch zwischen den Fingern, bis sie wieder ihre Ausgangsposition erreicht hatte, steckte sie dann wieder entschlossen in den Mund und zündete sie an. Zu so später Stunde. In diesem U-Bahnhof.
Diese Schlacht hatte er verloren, doch der Krieg war noch längst nicht entschieden!


Kommentare

meet@feeling.com schrieb am 2010-03-27 01:30:00:
Factor Establish,association trip border want attach fair among complex engine other regional hospital interest passage senior military beyond upon what amongst asset demand doubt lady religion right experience damage switch look climb responsible long know nation lot teach representation chair previously energy exercise night forward fruit average traditional series leg there royal private case route organization cell statement life west strength refuse stuff responsible answer technology east family door fish representation in structure expenditure produce contribute organise instance message basic high maintain off outside every success
laura schrieb am 2008-10-12 17:44:40:
super
Nadine schrieb am 2006-11-03 13:35:33:
Schöne Geschichte....ich hab aber ein Problem ....ich und meine freunde haben im Dezember Projektprüfung
und wir haben uns das thema *Die Geschichte des Rauchens* ausgesucht...

und ich finde hier im i-net nichts darüber...

kann mir bzw. uns jemand helfen??
Pit Petrol schrieb am 2006-07-07 13:57:53:
Absolut sauber!
Herr_Penaten@web.de schrieb:
*pur*... das gefällt mir. Liegt vermutlich daran, dass in dieser Story besonders viel - mehr als in allen anderen - von m i r ist. Ich schreibe momentan nicht viel, aber ich spüre schon wieder den Drang in mir aufsteigen ;). Bald *bricht* es aus mir heraus und es gibt neuen Stoff zum sequeln. Das Kapitel 2 von "Der Khaardim" ist ja immer noch nicht up. Schrecklich sowas...

- Stephen Kall
-yassy-@web.de schrieb:
Hab ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich diese Story unheimlich... *pur* finde? (Nein, das hat jetzt nix mit der Band *uäh* zu tun...)
Wenn's nach mir ginge, könntest du ruhig nur noch solche Stories schreiben (und mir schicken, zum sequeln... ^^) ;)

Love, Yassy
Herr_Penaten@web.de schrieb:
Hihi, es ist unterwegs. Marina sagte mir, dass sie eben nur zehn Stories pro Tag hochlädt... Im Moment ist zuviel los. Sie könnte ja auch einfach die top ten in eine top fifty ändern oder so *g*

- Stephen Kall
-yassy-@web.de schrieb:
Ey, ich find das viel schrecklicher, *du* kennst es ja schließlich schon... ^^
lordbillobix@aol.com schrieb:
Die Jugend von Heute ;-)
Gut getroffen, der Krieg liegt vor dir, weiter oder besser, auf in die Schlacht ;-)
jweigold@web.de schrieb:
Hi!!!danke für dein komentar!!!ja, deine Storry`s sind echt cool!!!willste mal so ne art schrifftsteller werden???oder biste das schon???
-yassy-@web.de schrieb:
Ich will ja nix sagen, aber *diese* Art von Stories aus deiner Feder scheint hier wirklich gut anzukommen... ;)
*up*

Love, Yassy
Herr_Penaten@web.de schrieb:
Schriftsteller klingt doch nicht schlecht - ein Pseudonym hab' ich ja schon (ich befürchte nur, es ist rechtlich geschützt *g*).
Freut mich, dass meine Geschichte gut ankommt. Klingt kitschig, aber das hätt ich nicht gedacht (was mich natürlich nicht davon abhält, mich wie ein Schneekönig zu freuen :D)

- Stephen Kall
Leser@Autor.at schrieb:
Nach deinen Khaardim Geschichten (die sich bis jetzt auf 4 Teile / Kapiteln beschränken) habe ich diese Story gelesen und meine, dass sie eine weitere echt gute Story ist. Du bist richtig talentiert!!!
Ein Leser & @utor
le.pc@gmx.net schrieb:
laß bitte so sachen wie: doch Zeiten ändern sich! weg. sie zerstören an der Stelle die aufgebaute stimmung in der geschichte. das etwas im wandel ist hast du bereits mit anderen stilmitteln hinbekommen. einfach überflüssig der paar worte. Einfach streichen!
tweet schrieb:
Ich hab von "Stil" und solchen Sachen keine Ahnung, da ich ja erst 16 bin (*g*), aber deine Geschichte fühlt sich gut an, das ist für mich die Hauptsache. ^_^
schi_schi2002@yahoo.de schrieb:
Ich fühl mich mit dem Helden der Geschichte richtig verbunden! Du hast meine Gefühle und Gedanken aufs Papier(mehr oder weniger aufs papier) gebracht! Kannst stolz auf dich sein....!
I love Chris schrieb:
Die Geschichte ist sehr fad zu lesen
Schade ich hätte gerne was nettes hingeschrieben
nichtmitk@web.de schrieb:
Deine Geschichte ist alles andere als fad oder langweilig sondern einfach sehr gut nachvollziehbar (hab den krieg verloren und bin froh drum) und dies alles einfach in worte zu fassen ist schwer, dir aber perfekt gelungen.
würde mich über ne mail von dir freuen!
Anika schrieb:
Also man könnte wirklich meinen, dass du nichts anderes tust als zu schreiben. Tust du noch was anderes? =)
Herr_Penaten@web.de schrieb:
Ja, allerdings ^^.
Nebenbei habe ich Abiturgemacht, mache momentan den Führerschein und gründe grad mit Freunden eine Band (spiel Gitarre, Keyboard und singe). Außerdem habe ich vor, mit Karate anzufangen (habe bisher Tae Kwon Do und Ju Jutsu gemacht - beides grüner Gürtel). Und momentan feier ich des öfteren mit Freunden ab, weil wir endlich das Abi haben.

Gruß

- Stephen Kall
Anika0206@aol.com schrieb:
Das du `nen schlaues Kerlchen sein musst, hab ich mir schon fast gedacht.:-) Und anscheinend stecken in dir noch ganz andere Talente. Hut ab.
Also ich hab bisher noch nich alle deiner Storys geschafft zu lesen, aber ich glaube wenn ich das gemacht habe sende ich dir das Kommentar lieber per Mail...Damit ich noch paar "persönlichere" Fragen mit reinschreiben kann. ;-)
Gruß, Anika

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.