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Kategorien > Kurzgeschichte > Makaber

Die Zigarette danach

von Mike Winterhalter

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immer sagte, dass sie es vermissen würde ihn zu spüren. Was er gefühlt hatte, nach dieser langen, kalten Zeit, in der er sich so sehr nach ihrem Feuer gesehnt hatte. Der Gedanke wenigstens für kurze Zeit sich an ihr wärmen zu können, Leben in sich zu spüren, das Gefühl frei atmen zu können, war nur zu verlockend. Er wusste aber auch, dass sie ihn wieder fallen lassen, dass er wieder alleine sein würde. Er musste darauf vorbereitet sein. Diesmal musste er ihr zuvorkommen, musste stark sein, noch einmal genießen und dann für immer gehen. Diesmal musste er es tun.


Das letzte Mal fallen lassen.
Das letzte Mal die Zigarette danach…


Er war angezogen, nahm seine Tasche und zögerte kurz.
Machte er das Richtige?
Sollte er sie nicht doch noch einmal ansehen, obwohl er wusste, dass es besser war es nicht zu tun?
Sollte er nicht doch noch etwas sagen, obwohl er wusste, dass es keinen Sinn hatte?
Sollte er sie vielleicht nicht doch noch einmal berühren?

Er ging um das Bett herum auf ihre Seite und betrachtete sie nachdenklich. Er kämpfte innerlich mit sich, er wusste, dass er gehen sollte, er hatte sich zuvor alles genau ausgedacht und trotzdem überkam ihn jetzt die Schwäche. Er ging in die Hocke, streckte zögerlich seine Hand aus und berührte ganz sanft ihr Becken, so wie er es früher gemacht hatte, so wie er früher ihre beruhigende Wärme gespürt hatte.

Er war erst überrascht, wie schnell sie doch kalt geworden war, es war ja doch nur eine Zigarette gewesen. Sie hatte zwar ohne Decke dagelegen, aber damit hatte er nicht gerechnet. Oder war er kurz eingeschlafen gewesen, bevor er sich angefangen hatte anzuziehen? Er wusste es nicht mehr und sagte sich, dass es auch nicht wichtig war, dass er sich nach seinem Plan richten musste hart zu sein und jetzt endlich gehen sollte.
Er ließ noch einmal seinen Blick an ihr entlang gleiten. Diesmal von vorne, über ihre sanfte, weiche Haut, die jetzt noch eine Spur heller wirkte, hinauf zu den jetzt leicht bläulichen Lippen und den großen, geheimnisvollen Augen, die jetzt trübe und starr ins Leere blickten. Augen, mit denen sie ihn aber auch nie wirklich gesehen hatte, nie sehen wollte. Nicht mal jetzt wollte sie ihn anscheinend überraschen. Er stand seufzend auf und wusste, dass er nichts mehr sagen musste. Es hatte wirklich keinen Sinn mehr, er würde einfach still gehen. So wie er es sich vorgenommen hatte.
Erst jetzt, in diesem Moment seines Abschieds, fielen ihm die Tränen, die an ihren Wangen entlangliefen, endlich auf. Dicke, dunkelrote Tränen, ausgelöst von der Wunde, die der Aschenbecher an ihrer Schläfe hinterlassen hatte. Tränen, die sie wegen ihm vergoss…aber er wusste, dass es die einzigen sein würden. Er drehte sich um, lief zur Türe ihres Schlafzimmers und zögerte noch einmal kurz. Er blickte sich um und sah sie noch mal an, wie sie dalag, ihre einzigen und letzten Tränen verströmte und vermisste in dem Moment kurz ihren sanften Atem.

Er sah, dass auf ihrem Nachttisch noch seine Zigaretten lagen.

Er zögerte.
Blickte von ihr zum Nachttisch.
Atmete tief durch.
Erinnerte sich an seinen Plan.

Er würde sie nicht mehr brauchen…

Beide…


12.12. 2005
-Sich fallen lassen-

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Kommentare

Melanie schrieb am 2008-05-07 22:56:58:
Im gegensatz zu Deinen anderen Geschichten wirklich düster und derb. Aber nicht weniger poetisch und an das Innerste gehend. Dafür hast Du ein Talent. Nutze es. Nach "Abschied" Dein bestes. Liebe Grüße
Larissa schrieb am 2007-10-25 14:56:16:
Es ist unglaublich toll, wie du die Dinge beschreibst, mit den Worten sozusagen spielst. Vor allem weil für mich das Ende überraschend war. Ich mag solche Geschichten, die sich am Ende noch einmal wenden und diese ist wirklich sehr gut gelungen.
die k.k.lake schrieb am 2007-03-27 12:14:04:
Absolut geiles Teil!!!
Ich schreibe so ähnlich und finde gut, wie du mit den Worten spielst. Mir war das Ende nicht all zu fern, aber du hast den Weg dorthin echt pervers gepflastert!!!! Respekt
Spaw schrieb am 2007-02-12 14:09:01:
Ist irgend wie kommisch
DarkTempler schrieb am 2006-11-20 21:54:02:
mhm...mhm...mhm... sehr interessante geschichte... in der tat.. zum anfang dachte ich, er will sich irgendwie umbringen, aber das ende hat mich dann doch schon ziemlich überrascht.. ich kann da echt nur sagen: " Hut ab" sehr gut geschreibem.. kannst dir ja mal meine Geschichten duchlesen. und ein kommentar abgeben... thx im vorraus

mfg

DarkTempler
P.S. schrieb am 2006-11-20 14:44:42:
Eine dramatische Geschichte, ganz nach meinem Geschmack. Ich persönlich finde die Geschchte erstklassig geschrieben! Respekt ;)

GLG P.S.
Coils schrieb am 2006-11-20 14:29:47:
Ziemlich gut, gut geschrieben - am Anfang dachte ich: "Bei der Story fehlt mir der Dialog zur Auflockerung", hatte also zu Anfang nicht mit diesem Ende gerechnet. Abgesehen davon, dass mir ein paar Wiederholungen aufgefallen sind (Sätze / Worte) wirklich gut geschrieben!

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