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Kategorien > Horror > Surreales

Die fünf Worte

von Faenor

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Dunkelheit war bereits über den Horizont gekrochen und hatte die Nacht gebracht, als Aeren das schäbige, geduckte Haus erreichte. Lange starrte er es unsicher an, fragte sich, was ihn dazu verleitet hatte, hierher zu kommen. Schwerer Zweifel lastete auf ihm, wollte ihn zu Boden drücken, doch Neugier und das Unbehagen, das er in den verlassenen und dunklen Strassen unter dem schwarzen Himmel fühlte, trieben ihn schliesslich zur Türe. Heftig klopfte er und wartete. Es schien ihm eine Ewigkeit, bis die Tür aufschwang und ein grossgewachsener, schlanker Mann in grauem Anzug vor ihm erschien. Sein Gesicht war schmal und von Runzeln durchzogen, doch trotzdem wirkte seine Erscheinung jung und kraftvoll. Sein kurzes Haar war grau wie seine Augen, die mit undeutbarem Ausdruck fest in Aerens Augen blickten.
"Guten Abend...", sprach Aeren und versuchte das Alter des seltsamen Mannes zu schätzen.
"Willkommen, Aeren.", sagte der Graue nur und starrte weiter in die Augen seines Besuchers, als grübe er nach Erinnerungen, die längst begraben worden waren. Aeren blickte am Grauen vorbei ins Zimmer, nur um dessen Augen auszuweichen.
"Ah, tretet doch ein, Aeren!", sprach der seltsame Mann freundlich, ein warmes Lächeln auf dem Gesicht. Unsicher ging Aeren der Einladung nach. Das quadratische Zimmer war grau und leer, bis auf einen marmornen, runden Tisch in seiner Mitte und zwei Stühlen aus dunklem Holz. Auf dem Tisch lag ein silberner Dolch, daneben eine metallene Schüssel. Der Gastgeber schloss die Tür hinter dem Gast, durchquerte den Raum und liess sich auf einem der Stühle nieder. Aeren setzte sich auf den anderen, ein dunkles Gefühl im ganzen Leib. Der Graue lächelte und streichelte sanft die Schneide des silbernen Dolches.
"So, Ihr wollt also erfahren, was keiner erfahren sollte, Aeren.", flüsterte der Prophet lächelnd. Einige Augenblicke verstrichen, bis der Gast kaum merklich nickte.
"Zunächst einmal muss ich sagen, dass Ihr eine gute Wahl getroffen habt. Ich meine nicht in der Frage, ob Ihr es tun solltet, sonder in derjenigen, wer es tun sollte, denn Ihr habt mich gewählt. Ich bin nicht wie die anderen Hellseher und Weissager, die mit diesen lachhaften Mitteln wie Karten oder Glaskugeln etwas zu sehen vermeinen, das sie nie sehen werden. Ich bin Geschäftsmann, mit solchen Dingen habe ich nichts zu tun." Er grinste und entblösste dabei seine vollkommen weissen Zähnen wie ein hungriges Raubtier. "Ich behaupte nicht, das sehen zu können, was sein wird, doch ich weiss, wie ich an diese Informationen gelangen kann, im Gegensatz zu den meisten anderen kläglichen Zauberern und Hexen." Er schnaubte verächtlich, doch ohne sein raubtierhaftes Lächeln zu verlieren.
"Ich habe mein Wissen aus sicheren Quellen. Alles, was mir gesagt wird, wird auch geschehen, noch nie war es anders, und nie wird dies sich ändern." Aeren nahm all seinen Mut zusammen und fragte misstrauisch:
"Und woher wollen Sie wissen, dass diese Quellen die Wahrheit erzählen?" Das Grinsen des Grauen glich nun dem eines Totenschädels.
"SIE wissen alles, SIE lügen nie. Sie haben auch keinen Grund dazu. Es ist eine Symbiose, ich gebe IHNEN etwas, SIE geben mir etwas zurück." Aeren war verwirrt, seine Gedanken drehten und wanden sich rasend.
"Und... Und wer sind...", fragte er, doch der Prophet unterbrach ihn mit einer gebieterischen Handbewegung und starrte ihm mahnend in die Augen.
"Ich könnte Euch viele Geheimnisse verraten, doch dieses wollt Ihr nicht mit euch herumtragen, es lastet zu schwer. Hier gibt es nur eine Frage, die nie gestellt werden sollte, fragt sie nicht wieder. Das ist der Preis. Zusammen mit dem Geld, natürlich." Er zwinkerte schelmisch, sein Grinsen verwandelte sich wieder zu einem Lächeln "Doch im Augenblick solltet Ihr mir sowieso nur eine Frage stellen." Aeren konnte seine Augen nicht abwenden, ohne zu blinzeln blickte er regungslos in die seltsamen, grauen Augen des Propheten, während seine Augen zu tränen begannen, sein Herz in seiner Brust langsam, doch schmerzvoll hämmerte und sich die Fragen in seinem Kopf verwirrten und verdrehten.
"Was... Was wird sein?", fragte er zögernd, ohne den Augen des Propheten entkommen zu können, die ihn gefangen hielten. Der Graue nickte mit einem Lächeln, das Aeren noch erschreckender fand als das hungrige Grinsen.
"Nun, zuerst will ich das Geld. Manche meiner Kunden würden mich nicht mehr bezahlen wollen, nachdem ich ihnen offenbart habe, was sein wird." Aeren griff in seine Tasche und wollte die schweren Münzen in die kleine, metallene Schüssel vor ihm legen, doch der Graue packte seinen Arm mit unheimlicher Kraft und sah Aeren tief und ernst in die Augen.
"Nicht in die Schüssel. SIE mögen den Geschmack von Geld nicht, das ist alleine mein Interesse." Er nahm Aeren das Geld aus den Händen und liess es in einer seiner Taschen verschwinden. Dann lächelte er wieder. Aeren erwiderte nichts, verwirrt und verunsichert wie ein kleines Kind sass er da, wartete wie gebannt auf weitere Worte des grauen Mannes.
"Reicht mir Euren Arm, Aeren.", befahl der Prophet, und Aeren gehorchte. Der Graue ergriff mit der linken Hand Aerens Arm, mit der anderen nahm er den silbernen Dolch. Er war vollkommen schmucklos. Aus irgendeinem Grund hatte Aeren Verzierungen und geheimnissvolle Runen darauf erwartet. Die Schneide näherte sich. Sein Herz schlug schneller, sein Atem ging unregelmässig und flach. Er fühlte, wie der Schweiss aus seiner Haut drang. Der Dolch war lang und dünn, die Klinge schimmerte matt in Licht ohne Ursprung. Er fühlte brennenden Schmerz, keuchend wollte er seinen Arm zurückziehen, doch der Graue hielt ihn mit festem Griff. Langsam legte er den Dolch nieder. Kein Blut war an der Klinge zu sehen.
Das warme Blut lief dickflüssig seiner Haut entlang, tropfte träge hinab, in die metallene, schmucklose Schüssel. So verharrte er lange, der Graue wartete geduldig und ohne Worte, während Tropfen für Tropfen in die Schüssel fiel. Aeren wollte fragen, welchem Zweck das Blut diente, doch er fürchtete sich vor dem Propheten und erinnerte sich seiner Warnung.
Irgendwann war der letzte Tropfen gefallen, der graue Mann nickte zufrieden. Aeren zog seinen schmerzenden Arm zurück, der Seher ergriff die Schüssel vorsichtig mit beiden Händen und ging auf eine Wand zu. Ein eiskaltes Schaudern jagte durch Aerens Körper, als er dort plötzlich eine seltsame Tür erblickte, das ihm zuvor nicht aufgefallen war. Sie wirkte unscheinbar, verschmelzte beinahe mir der grauen Wand, in die sie eingelassen war, doch beunruhigte sie Aeren, obwohl er nicht hätte sagen können, weshalb sie diese Wirkung auf ihn hatte. Der Prophet öffnete die Tür, ein fahler, roter Schein fiel aus dem Raum dahinter. Aeren hörte ein Scharren und Kratzen, und etwas, das sich wie Weinen anhörte. Schaudernd versuchte er einen Blick in das rote Zimmer zu werfen, doch ausser einem groben Holztisch und einem unebenen, steinernen Grund konnte er nichts erkennen. Die Tür schloss

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