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Kategorien > Horror > Humor

Die letzten Kinder von Bulleritz

von Janx

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Die letzten Kinder von Bulleritz


Prolog
Es ist schwer zu sagen, wann diese Geschichte anfängt.
Sie könnte schon 1918 beginnen. Als im 1. Weltkrieg zwischen 25 und 50 Millionen Menschen an der spanischen Grippe starben, ohne dass das bei der allgemeinen Pressezensur besonders aufgefallen wäre.
Vielleicht beginnt sie aber auch erst im Jahr 1957 als sich die asiatische Grippe bis nach San Diego (Kalifornien) und Newport (Rhode Island) ausbreitete und im Oktober zu 22 Millionen Neuansteckungen führte und ungefähr 1,5 Millionen Menschen das Leben kostete.
Sie könnte auch noch zehn Jahre später beginnen, als1967 Weltweit fast eine Million Menschen an der Hongkong Grippe sterben.
Genauso gut könnte es das Jahr 2003 sein, als die Grippewelle auf der Nordhemisphäre bereits im November begann, viel früher als sonst. In diesem Jahr kam praktisch nur der Stamm H3N2 vor, der Fujian-Typ, der auch für die Pandemie 1967 verantwortlich war. Das war auffallend.

Aber ganz egal an welchem Zeitpunkt die Geschichte beginnt, es waren nicht die Erderwärmung oder das Ozonloch, auch nicht die Pocken, Pest, oder Ebola, nicht einmal das HI Virus und schon gar nicht der dritte Weltkrieg oder die Atomwaffen, die das Ende der Zivilisation brachten.
Es war eine Krankheit, die die meisten Menschen Endes des 20. Jahrhunderts nicht von einer gewöhnlichen Erkältung unterscheiden konnten. Eine Krankheit, die nur bei Vögeln und wenigen Säugetieren auftrat und zwar in der Regel alle drei Jahre. Eine Krankheit die nie stabil und besonders tödlich zugleich war.
Bis jetzt.

Die Sorgen, die man sich zu Anfang des Jahrhunderts wegen der Vogelgrippe gemacht hatte, waren längst vergessen, als ein neuer Typ von Influenza A als typischer „Abräumer“ bezeichnet wurde, der nur alte und immungeschwächte Menschen tötete.
Aber diesmal war es anders: die Mutationsrate des Typs war viel höher, als die seiner Vorgänger. Außerdem tötete er fast alle Erkrankten, trotz bester Behandlungsmethoden.
Viel zu spät begann man, ihn ernst zu nehmen und entwickelte erste Impfstoffe. Aber die schützten nicht gegen alle Varianten des Erregers. Und die Zahl der Mehrfachinfektionen stieg ständig, was dem Virus wiederum half, sich neu zu kombinieren und auch bereits geimpfte Menschen zu befallen, vor allem Ärzte und Pflegepersonal. Dadurch wurde die weitere Forschung erschwert.
Und irgendwann gab es niemanden mehr, der den neuen Varianten hätte Namen geben können…

۞

Knirschend verbiegt sich das Ortsschild von Bulleritz unter den schweren Reifen eines Dreißigtonners. Der LKW setzt seine Fahrt unvermindert fort, und bald sind seine roten Rücklichter in der Dunkelheit verschwunden.

„Du solltest endlich mal deinen Führerschein machen!“ Hanno grinst ironisch.
„Ach halt doch die Fresse!“ Kalle wirft den glühenden Zigarettenstummel aus dem halb geöffneten Fenster, während er den Diesel auf den Hof eines alten Bauernhauses lenkt.
Als kurz darauf seine Stiefel den staubigen Boden berühren, raucht er bereits wieder.
Hanno kommt um den Wagen herumgelaufen: „Das ist doch soooo ungesund!“ Er öffnete die Plane der Ladefläche und betrachtet die Schaufeln, Plastiksäcke, Schutzmasken und Handschuhe.

„Es ist gut, dass ihr jetzt da seid!“
Hanno nahm einen tiefen Schluck aus seiner Bierflasche. Es ist wirklich nur Bier, diesmal. Dann schaut er auf den schlaksigen, blondhaarigen Jungen. „Und Morgen fangen wir an?“
Der blondhaarige Junge nickt. „Gleich früh!“ Er flüstert fast.

۞

Es ist wieder Abend. Die Kinder tragen auf der Wiese hinter dem Haus einen großen Holzhaufen zusammen. Irgendwer zündet ein Streichholz an.

Schweigend setzt sich Heinrich in das Gras, immer darauf bedacht, nichts vom Inhalt seiner Bierflasche zu verschütten. Dann betrachtet er die Blasen auf seinen Handflächen. Angewidert verzieht er die Mundwinkel.
Ein Mädchen, das meistens Polly genannt wird, nickt. „Wir haben es geschafft!“
„Ja.“ Er versucht den schlechten Geschmack in seinem Mund mit Bier wegzuspülen.
„Hey Chef, sollen wir Morgen wieder nach Schönbach fahren?“ fragt ihn Hanno, der sich neben ihn an das Feuer gesetzt hat.
Heinrich nickt kaum merklich. In dem flackernden Licht erscheinen seine Haare noch heller. Seine Antwort kann Hanno durch den Lärm der anderen kaum verstehen: „Und fragt John, ob er mitkommen will!“
„Wo ist der eigentlich?“ Hanno sieht sich suchend um.
Kalle zuckt mit den Schultern und wirft dann seinen Zigarettenstummel in die Flammen.
„Suchst du mich?“
Hanno fährt erschrocken herum. Hinter ihm steht John, der plötzlich in der Dunkelheit aufgetaucht ist.
„Setz’ dich“, ruft ihm Falk zu.
John zögert kurz und lässt sich dann im Schneidersitz nieder. Jemand reicht ihm einen Bourbon. John nippt an dem Glas und betrachtet nachdenklich die bernsteinfarbene Flüssigkeit.
„Wie geht’s euch?“ fragt er Falk und Erik, die nebeneinander sitzen.
„Also mir geht’s blendend“, beeilt sich Falk zu sagen.
„Ich bin auch wieder gesund.“
John starrt in die Flammen. „Ich glaube wir haben jetzt seit zwei Tagen keine Neuinfektion.“
„Ach scheiß doch drauf!“ ruft Samuel. „In ein paar Wochen sind wir alle tot, Mann!“

Irgendwann sind die Flammen verloschen und John sieht stumm auf die durcheinander liegenden Körper, die meisten sinnlos betrunken. Irgendwo im Haus ist noch Licht, aber hier draußen, ist außer ihm keiner mehr wach. Und so sieht niemand, wie er in der Dunkelheit verschwindet.

۞

Es ist bereits früher Nachmittag, als Heinrich, Hanno, Falk, Erik, Polly und Samuel im Aufenthaltsraum des ehemaligen Jugendclubs sitzen. Das Gespräch läuft nur schleppend. Die meiste Zeit starren sie auf ihre Gläser.
„Der Falk hat seine Coke schön ordentlich in die Liste eingetragen“, sagt Hanno und zündet sich eine Zigarette an. Er bläst eine Rauchwolke in die Luft. „Ehrlich geht die Welt zugrunde!“
„Besser, als sich die ganze Zeit zu besaufen!“ verteidigt sich Falk.
„Sicher“, Samuel lächelt ironisch. „Jeder, wie’s ihm gefällt. Mir ist aber der Suff lieber.“ Er nimmt einen großen Schluck von seinem Wodka – Orangesaft Gemisch.
„Und was wollt ihr machen, wenn hier alles alle ist?“
Samuel grinst und blickt zu Heinrich. „Wir haben doch Hanno und seine Pläne. Du brauchst ihn nur von der Leine zu lassen.“
Heinrich antwortet nicht.
„Aber Falk hat recht!“ ereifert sich Hanno. „Wir brauchen Kontakt zur Außenwelt, Radios, Vorräte, Waffen, Benzin, alles! Wir können nicht ewig so weiterleben!“
„Oh ja“, meint Samuel sarkastisch. „Wie Recht du hast!“

„Ich geh’ mal schauen, was die Mädels machen“, sagt Falk und steht auf. „Kommt jemand mit?“
Alle bis auf Heinrich und Polly stehen auf.

„Du denkst viel darüber nach“, sagt Heinrich nach einer Weile.
Sie schüttelt energisch den Kopf: „Nein, überhaupt nicht!“ Eine Lüge.
Leise antwortet er: „Ich auch.“
Sie hebt überrascht den Kopf. „Hast du jemals daran gedacht, dass wir die letzten Menschen auf der Welt sein könnten?“
Er hebt langsam die Schulter und weiß

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Kommentare

Janx schrieb am 2006-11-09 20:47:01:
Danke dass du sie gelesen hast. Die Gefahr durch Viren wird denke ich oft unterschätzt.
Cool dass du auch so eine Idee hattest!
G.T. schrieb am 2006-11-07 18:55:38:
Hallo Janx,
Tolle Geschichte, weiter so,
deine und meine Geschichte könnten in der selben Welt spielen :-)
Mir ist die Idee während eines Arbeitseinsatzes in China gekommen, da war gerade Vogelgrippezeit und viele sind
mit Atemmasken vor dem Mund rumgelaufen und auf den Flughäfen haben sie mit Infrarotkameras die
Temperatur der Reisenden gemessen :-)

LiGru

G.T.
R. Schneider schrieb am 2006-06-25 01:49:28:
Gut recherchiert!
KleinesKuecken87@aol.com schrieb am 2006-05-23 19:01:36:
hallo Janx!!

die geschichte liest sich interessant und ist anders als andere geschichten,die ich kenne,da der inhalt (bis auf den anfang) durch dialoge vermittelt wird. das hast du gut hinbekommen,denn auch ohne große beschreibungen ist wohl klar,wovon deine geschichte handelt.
was ich schade finde ist,dass sich die geschichte dadurch etwas hinzieht und dass es keine wirklichen höhen und tiefen gibt. die story zieht sich wie ein waagerechter strich durch die landschaft. vielleicht ist das aber auch absicht gewesen.
du hast auf jedenfall talen,das sieht man daran,dass die gespräche sehr anschaulich beschrieben werden.
ich persönlich mags lieber,wenn auch die umgebung und die personen (zumindest ein bisschen) beschrieben werden,damit der leser sich besser zurecht findet. das wird vor alem ein wichtiger faktor,wenn mehrere personen von anfang an dabei sind,wie bei der geschichte hier.
an folgender stelle bin ich etwas durcheinander gekommen,wer was sagt,dahr würde ich mir wünschen,dass es deutlicher wird:
Zitat Anfang: „Ja“, antworte John, aber wollten nicht Falk und Johanna auch herkommen?“
„Eigentlich schon, ich weiß auch nicht, wo die bleiben.“
Ihre Augen starren ins Leere. „Jedenfalls scheint es zwischen den beiden zu funktionieren.“
John nickt. „Das ist gut.“
„Ich geh dann mal. Abwaschen können wir später.“
Die Jungen nicken und schauen ihr nach.
„Die steht auf dich“, sagt Erik zu John.
„Das weiß er doch.“
John blickt zu Samuel.
„Moment! Was weiß Sam, was ich nicht weiß?“ Eriks Blick pendelt unsicher vom einen zum andern.
„Jaaa!“ grinst Samuel. „Du weißt das ganz genau. Du überlegst schon seit Wochen, was du tun sollst.“
„Würdet ihr mich bitte mal aufklären?“
„Du weißt eben nie, ob Glauben ein Segen oder ein Fluch ist. Und ob der Höhenflug den Absturz wirklich wert ist.“
„Wovon redet der?“
John sieht Samuel nachdenklich an. „Du bist doch wirklich ein verflucht gerissener Drecksack!“ :Zitat Ende

Zum beispiel weiß ich bei diese passage nicht,was davon john sagt,weil er ja mal diesen,mal jenen ansieht,oder ob er gar nichts davon sagt. wer z.b. sagt: "wovon redet er?" ?

trotz meiner kritik will ich nochmal betonen,wie sehr mir das anschauliche beschreiben gefällt und ich würde mich freuen,wenn du weitermachst!!!

MFG, Wölfchen

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