Die neue Waschmaschine
von
Das A
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Als wäre das Leben mit den mich permanent umgebenden Menschen nicht schon ausreichend, treffen mich nunmehr auch die seltsamen Anwandlungen jener Menschen, die lange schon verschwunden sind. Und wie immer erkennt man diese erst viel zu spät, wenn sämtliche Mühen umsonst sind. Die neuste Fügung des Schicksals nahm ihren Anfang vor etwa einem Jahr, als ich stolz wie Oskar meine neue Wohnung in der Brüder-Grimm-Straße bezog. Zu jener Zeit erschien mir das Angebot meines Vormieters, mir Waschmaschine, Küche und Kleiderschrank sowie das Bett für ein Entgelt von lediglich 100 EUR zu überlassen, eine gute Gelegenheit. Ich schlug zu und sicherte mir somit den Großteil meines heutigen Mobiliars für einen Preis, den nicht einmal IKEA toppen kann, auch wenn deren Schränke genauso wackelig wirken wie meine. Seither stellte sich dieser Kauf als ein guter Fang heraus. Gut, insbesondere die Waschmaschine hatte ihre kleinen Wehwehchen, aber nachdem ich unter Atemschutzmaßnahmen in einer zwei Stündigen Orgie den Schimmel aus dem Waschmittelfach restlos entfernen konnte und den Trick rausbekommen hatte, dass das Gerät in der Mitte des Waschprogramms einfach stoppte und manuell zum Weitermachen gebracht werden musste, lief es wunderbar in unserer Beziehung. Das heißt, von gelegentlichen Störungen der Waschmittelaufnahme mal abgesehen.
Seit sie das erste Mal diese Wohnung betreten hat, lag mir meine Freundin damit in den Ohren, dass ich meine Geräte nicht anschalten soll, wenn ich vorhabe das Haus zu verlassen. Ich tat es immer als eine nervige Sache ab, denn was sollte schon passieren. Trotzdem erfüllte ich ihr den Wunsch und ließ Waschmaschine und Spühler nur laufen, wenn ich im Haus war. Immer wieder gedachte ich das zu ändern, denn ließ man den Spühler laufen, konnte man aufgrund der Lautstärke kein Fernsehen schauen und die Waschmaschine konnte man abends nicht einschalten, da sonst die umliegenden Nachbarn nicht entspannt ruhen konnten. Insbesondere natürlich der Typ von unten. Die Nachteile überwogen somit die Vorteile, aber ich hielt mich steif und fest an die Nutzungshinweise meiner Freundin.
Letzte Woche dann, stellte sich heraus, dass meine Freundin (mal wieder) recht haben sollte. Als ich gegen das Gebot der Anwesenheitspflicht verstoßen wollte, um im Park eine Runde zu joggen, machte sich im Flur meiner Wohnung ein unbekannter, verschmorter Geruch bemerkbar. Erst dann fiel mir auf, dass die Waschmaschine seltsame Geräusche von sich gab, die ich nicht kannte. Und ich denke nach einem Jahr des Zusammenlebens mit dieser Höllenmaschine kenne ich sämtliche Geräusche, die eine Waschmaschine von sich geben kann, muss und nicht geben sollte. Dies war definitiv ein Unlaut. Das letzte Klagen eines dahinsiechenden Motors, der im Todeskampf begann die inneren Organe meines Bauknecht WA 8720 Öko Waschvollautomaten Baujahr 1953 zu fressen.
Ich riss den Steckler aus der Wand und versicherte mich 5 Minuten lang, dass keine Flammen aus der Plastikverkleidung schlagen würden. Dann machte ich mich daran meine Wäsche aus dem Inneren zu befreien. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen, denn erstens hatte die Waschmaschine keinen Strom für die manuelle Abpumpoption und zweitens besaß sie gar keine solche. Also musste ich einen anderen Weg finden, der wohl oder übel im Öffnen des Pumpenrettungsauffangsiebes bestand. Ich besorgte mir ein Backblech aus der Küche und etdeckte dabei, dass ich das Fach mit dem alternativen Backofenzubehör dringend mal reinigen musste. Aber auch ein dreckiges Blech reicht zum Auffangen dreckigen Wassers.
Gedacht getan! Ich schob das Ofenblech unter die Maschine und begann mich daran zumachen, den Mechanismus zur Öffnung der Pumpe zu erforschen und schaffte es sogar nach langem Probieren und einem abgeknickten Fingernagel.
Das Problem war allerdings, dass die Pumpe, einmal geöffnet sich nicht mehr verschließen lassen wollte. Das Wasser sprudelte hervor, füllte im Nuh das Blech und ergoss sich schließlich durch das gesammte Badezimmer. Es folgte eine Stundenlange Trockenlegungsaktion, bei der ich übrigens drei Euro zwanzig und einen Ball Alufolie fand, dieaus dem Gerät gespült wurden. Das sagte einiges über den Vorbesitzer aus, denn ich besitze keine Alufolie.
In den darauffolgenden Tagen besorgte ich mir eine neue Maschine, die ich als alter Fuchs natürlich am kommenden Montag anliefern lassen wollte. Das Altgerät sollte dann gleich mitgenommen werden. Der Montag kam, der Montag ging. Die Waschmaschine blieb weg, denn mit mir allein gegenüber unter allen Menschen in dieser Stadt muss man eine Absprache nicht halten. Das kannte ich ja schon von der Fitcom.
Aber im Gegensatz zum Fitnessstudio meiner Wahl schaffte es Saturn bereits am Folgetag das Problem (fast) zu beheben.
Abends stürmten zwei junge Männer mit Immigrationshintergrund meine Wohnung. Das heißt erst war es einer, der mich freudestrahlend begrüßte:
"Ja, hi! Wir bringen Waschemaschine. Gerät is unten, bringen wir hier nich hoch."
Meine Freude über die Ankunft geriet ins Wanken. Dann klickte die Fahrstuhltür und der zweite Bursche stieg aus. Ich schaute auf den anderen.
"Haha, kleine Scherz!"
/Haha, jaja, ich gib dir gleich 'kleine Scherz', du Witzbold./
Ohne weiter zu fragen rannten sie weiter in mein Bad.
"Is Altgerät? Bist du sicher, dass das durch die Tür passt?"
"Naja, die müssen das Ding ja da reinbekommen haben", antwortete ich. "Ich hab die Deckenplatte schon abgeschraubt. Mit ght sie auf keinen Fall raus." Das wusste ich noch aus Berliner WG-Tagen.
Die beiden hieften und zogen und vor der Tür angekommen stellten sie fest, dass die Maschine eben nicht DA reingekommen war.
"Kannsu vergessen. Da zerkratzen wir alles. Nich durch die Tü, keine Chance", strahlte der Blaumann.
"Ja, aber wie ist die denn reingekommen?" fragte ich verblüfft.
Poch poch! "Ja, is Rigipswand oder Türzarge war draußen. Wir kriegen die da nicht raus. Mussu mit der Flex beigehen und zerlegen. Wir nehm die nich mit."
/Wie, ihr nehmt die nicht mit?/
"Ja, super! Und die neue?" antwortete ich.
"He, is keine Miele, heben wir drüber:" [..über die Alte, die nun mitten im Bad vor dem Klo stand] "Hehe! Hast du Glück, dass keine Miele, weil die is 180 Kilo, die heben wir nich."
Gesagt getan, war meine neue (gottseidank) Leichtbaumaschine drüben, angeschlossen und fertig zum Waschen.
"So, viel Spaß dann noch, is echt blöd mit dem Ding. Haben wir auch noch nich erlebt. Voll eingemauert, hehe! 'schüss"
/Ja ne, is klar, voll eingemauert, du Witzbold.
/"Na ja, trotzdem Danke! Ciao!"/ /antworte ich und schließe die Tür. Ich drehe mich um und blicke auf mein nun noch kleineres Badezimmer. Juhu!
/Na, wenigstens haben sie das Klo freigeräumt/ denke ich und verziehe mich auf selbiges.
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Kommentare
? schrieb am 2009-06-18 16:44:01:
Sehr gut!!!
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