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Kategorien > Humor > Beziehung

Die schönste Tat des kleinen Räubers

von Michael Reißig

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Rosalie beobachtet argwöhnisch, wie sich Robby, ihr temperamentvolles Bengelchen nach dem Schwanz von Katze Ilka stürzt.
„ Bist du denn verrückt, das tut doch weh!” macht die gut aussehende Dreißigjährige ihrem Unmut verständlicherweise Luft.
Als das verängstigte Tier faucht und mit den Tatzen wild um sich schlägt, stürzt sich die schicke Blondine auf das zweijährigen Früchtchen.

Für die Alleinerziehende war und ist das quirlige Nesthäkchen ihr Ein- und Alles.
Ihr Ehemann Robert hatte die schlanke zierliche Frau einfach so im Stich gelassen.
Unmissverständlich hatte er ihr klar gemacht, dass Schluss sei, und zwar für immer.
Eine Nachricht, die einschlug wie eine Bombe. Für Rosalie immer noch unfassbar.
Selbst ein Jahr nachdem Robert ihr Tschüss gesagt hatte, ist die sonst so selbstsicher wirkende Frohnatur zu Tränen gerührt, wenn sie an diesen Schicksalsmoment zurückdenkt.
„Warum nur, warum hat er das nur getan!” zuckte es unzählige Male durch ihren Kopf und in Gedanken sah sie immer wieder das gefährliche Flimmern in seinen zornig starrenden Augen, als wäre es erst gestern gewesen.

Auf Montage war ihm die wilde Sina begegnet, die es meisterhaft verstand, mit ihrer reizvollen sexy Figur und ihrem Charme versprühendem Lächeln zu kokettieren. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Flugs hatte Robert die Schöne angesprochen. Die beiden hatten sich so ineinander verknallt, dass sie nicht mehr imstande waren, ihre Sinne unter Kontrolle zu halten. Noch am selben Abend hatte es sich das neue Paar in Sina's Liebesnest breit gemacht, um ihren unbändigen Leidenschaften zu frönen. Unzählige heiße Nächte sollten noch folgen..
Sina - die Schwarzgelockte mit üppiger Oberweite hatte sie Robert vermutlich sogar zur rechten Zeit den Kopf verdreht? Der passende Grund, um sich so aus der Verantwortung stehlen zu können.
Rosalie vermutete es.
Dem Schabernack des Kleinen war Robert nur sehr selten gewachsen. Wenn der Filius nicht zu bändigen war , was gar nicht so selten vorkam, versuchte er mit wütenden Gesten in Form von heftig rudernden Armen, wild auf den Boden trommelnde Füßen und die Angst einflößenden Kraft seiner lauten, oftmals viel zu rauen, Stimme, entgegenzusetzen, um so seine Ratlosigkeit, aber auch seine pure Verzweiflung, zum Ausdruck zu bringen.
War Sina vielleicht sogar ein willkommener Grund, um sich auf diese jämmerliche Art davonstehlen zu können?
Ein Glück, dass der kleine Filius Rosalie dauernd auf Trab hält, auch wenn es sie manchmal ganz schön nervt und ihr unzählige Male den Schlaf raubt.
Aber welche Mutter, welcher Vater, kennt das nicht!
Dennoch möchte Rosalie den Jungen nicht missen.
Täglich bekommt er auch seine Streicheleinheiten ab, wenn's sein muss fliegen ihm allerdings auch mal ein paar harte Worte ins Gesicht, so wie eben erst geschehen.
Auch schon in diesem zarten Alter, sollte ein Kind Grenzen aufgezeigt bekommen und auch lernen, gewisse Regeln akzeptieren.
Diese Maxime hat sich Rosalie in ihr Stammbuch geschrieben und handelt auch stets danach, auch wenn das trotzige Quirlchen es ihr längst nicht immer leicht macht.

Rosalie macht sich auf zu Kathy - ihrer besten Freundin, die sie zu einer Tasse Kaffee und zu einem gemütlichen Plausch eingeladen hat. Ihr Weg ist nicht weit, da Kathy nur zwei Häuserecken entfernt wohnt.
Mit ihr kann sie wahrlich über alles reden, sich auch mal richtig ausheulen, wenn ihr danach zumute ist. Erst recht nach diesem schweren Schicksalsschlag, der sie tief ins Mark getroffen hatte, der sich tief in die Seele der warmherzigen Frau eingebrannt hatte, dessen schmerzvolle Wunden auch bis heute noch nicht verheilt sind.
Als sie bei ihr ankommt, öffnet sich die Haustür um einen breiten Spalt. Eine alte Frau - struppige graue Haare - grüßt freundlich, als sie sich auf den schmalen Bürgersteig zwängt, sodass Rosalie mit ihrem Kinderwagen gleich rein rollt, nachdem sie den Gruß, der müde aufschauenden Seniorin sanft erwidert hat.
Rechts neben der Haustür stellt Rosalie ihr Lieblingsgefährt ab.
Behutsam winden sich die Arme der Frau um Robbys Körper.
Da ist es wieder - sein Markenzeichen, dieses unnachahmliches Lächeln, welches den Mund und die weit geöffneten kristallblauen Augen des Kleinen umspielt, als sie ihn aus dem Wagen hebt, um ihn fest an sich zu ziehen.
Zur Belohnung kriegt der stolze Erdenbürger ein zärtliches Küsschen auf den Mund gedrückt.
Vorsichtig trägt die Mutter ihren Liebling die Treppen hinauf und setzt ihn an Kathys Wohnungstür im zweiten Stock ab.
Am Rande der um einen winzigen Spalt geöffneten Tür gegenüber, lehnt eine vollbepackte Einkaufstüte, was Rosalie gar nicht so richtig wahrnimmt.
Robbys listige Spürnase dagegen schon..
Als die Füßchen des Nesthäkchens den Boden berührt haben, reagierte er blitzschnell, während Rosalies Augen ausgerechnet in diesem Moment Kathys Wohnungstür ins Visier nehmen.
Wäre ja auch völlig normal. Doch Rosalie hat wieder einmal die blühende Fantasie des Bengelchens nicht auf der Rechnung gehabt.
In Bruchteilen hat er sich ein frisches Schwarzbrot aus der Plastiktüte geschnappt und an dessen Rinde geleckt.
Eine Winzigkeit später huscht ein schlanker Schwarzschopf durch den Spalt.
Ein mörderischer Schreck fährt Rosalie durch die Glieder. Den Wicht hingegen scheint das nicht sonderlich zu beeindrucken - ganz im Gegenteil. Gerade jetzt gewinnt sein spitzbübisches Lächeln erst richtig an Schärfe, während Rosalie anfängt zu wettern:
„Robby! So was macht man doch nicht!", macht die Mutter ihrem Ärger redlich Luft und reicht das Diebesgut dem Geschädigten.
Doch der gut aussehende Mann - anfangs selbst erschrocken - bricht plötzlich in helles Gelächter aus und gibt ihr zu verstehen:
„Sie sehen ja selbst - er macht es eben doch. Kinder sind halt manchmal so”, betont der junge Mann - dessen Alter sich um die Dreißig bewegen dürfte - und verfällt erneut in einen Lachanfall, der einfach nicht enden will.
Auch dem kleinen Wicht scheint dieses Szenario zu gefallen. Robbys Kulleraugen, die noch größer werden, mustern den Mann ausgiebig.
Auch Rosalie dürfte die Blicke ihres Räubers mit Wohlbehagen registrieren. Erste Lachfältchen, ja sogar einige Grübchen- die sich in ihr Gesicht gelegt haben, scheinen es zu beweisen.
Erneut wird das Trio aufgeschreckt.
„Darf ich auch mal ein wenig mitlachen?”, fragt die vor Neugier platzende Ramona - die selbstverständlich Wind bekommen hat, zumal das schallende Gelächter natürlich nicht zu überhören war.
„Selbstverständlich darfst du das”, frotzelt ihr Gegenüber.
Kathy lenkt ihren Blick in Rosalies Augen und fährt fort:
„Ich dachte du wolltest mich besuchen - und nicht Andy?, fragt Kathy spitz lächelnd.
„Wollte ich doch auch. Doch das Bengelchen hat mich wiedermal aufgehalten.
Der hat einfach dem jungen Mann das Brot aus der Tüte gerissen und es mit seinem Züngelchen bearbeitet.”
Sowohl Kathy als auch Rosalie müssen jetzt herzhaft lachen. Zur gleichen Zeit machen sich die Händchen des

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