Die schönste Tat des kleinen Räubers
von
Michael Reißig
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Brotdiebes an den Schenkeln des Mannes zu schaffen, der erst seit einem Monat in diesem Viergeschosser wohnt.
Seine Freundin hatte ihm nach mehreren Zwistigkeiten den Laufpass gegeben, sodass er sich gezwungen sah, vorerst mit einer kleineren Wohnung vorlieb nehmen zu müssen..
„Ich sehe schon, der Kleene scheint Gefallen an Andreas zu finden. Ich kann dir versprechen -
Andreas ist wirklich ein supernetter Kerl. Der ist auch noch zu haben.
Wäre das nicht was für dich?”, fragt Kathy unvermittelt nach und schickt ein erwartungsfrohes Lächeln hinterher.
Verlegenheitsröte schiebt sich in das Gesicht des jungen Mannes. Sein Herz trommelt wie wild gegen die Magenwände.
Ihn scheint es die Sprache verschlagen zu haben..
„Nanu, deine Stimmbänder können doch plötzlich nicht eingerostet sein!", sagt Kathy mit etwas sorgenvoller Miene, wenn auch ihr Lächeln noch nicht ganz abhanden gekommen ist.
Kathy würde Rosalie von ganzem Herzen gönnen, dass das Glück wieder auf ihrer Seite steht - erst recht nach dieser Schmach.
Staunende Blicke kreuzen sich.
„Ich schlage dir vor, da es sich nun mal so ergeben hat, genehmigen wir vier uns einen Kaffee und ein Stückchen Erdbeertorte. Andreas - wärst du damit einverstanden?”, fragt Kathy mit freundlich heller Stimme.
Andreas - seine Kumpels nannten und nennen ihn immer noch Andy - lächelt verlegen und sagt trocken:
„Hätte wirklich nicht's dagegen.”
„Da kann ich jetzt wenigstens ein bisschen erleichtert sein”, gibt Kathy zu verstehen.
Die Drei lassen es sich schmecken. Das quirlige Räuberchen tippelt wieder mal durch die gute Stube.
Doch Andy nimmt das gelassen hin. Er nimmt den Süßen auch mal auf den Schoß, drückt ihn auch vorsichtig liebevoll, und haucht ihm sogar ein paar Küsschen auf die Wangen.
Rosalie geizt nicht mit lobenden Worten.
„Du bist aber lieb zu meinem Spatz!” entschlüpft es mit wohlig melodiös klingender Stimme aus ihren sinnlich geschwungenem kirschroten Mund.
„Ist doch selbstverständlich. Ich finde ihn doch so süß!”
Ein liebliches Leuchten glimmt in Rosalies meerblauen Augen auf.
Freudvoll lächelnd sprudelt es aus ihr heraus:
„Ich dich aber auch!”
Der Bann ist gebrochen, der Funke restlos übergesprungen.
Auch Kathy wirft den Glücklichen ein gönnerhaftes Lächeln zu und ergänzt verschmitzt lächelnd:
„Ausgerechnet dieser kleine Brotdieb hat sich als Glücksbringer erwiesen.”
„Gibt es auch nicht aller Tage!”, sagt Rosalie, die über's ganze Gesicht strahlt.
Ergänzend fährt sie fort:
Das ist wirklich ein Fall für's Kuriositätenkabinett!
Wer möchte dem nicht zustimmen!
So finden die beiden überraschend schnell zueinander.
Noch bevor sich Rosalie und Andy von Kathy verabschieden, machen sie gleich mal ihr erstes Date fest.
Ein Monat ist vergangen. Sowohl Rosalie als auch Andy mussten ähnliche Schicksalsschläge verkraften. Dieses hat die beiden fest zusammengeschweißt.
Auch Robby freut sich jedes Male, wenn er sich mit seinem neuen Spielgefährten austoben kann.
„Ein Glück, dass dieses Räbchen im goldrichtigen Moment zugegriffen hat”, bemerkt Andy scherzhaft.
„Manchmal raubt das Quirlchen uns ganz schön den Nerv - nicht selten müssen wir ihm zeigen, wo und wie es langgeht. Er muss es doch irgendwie geahnt haben. Auch Robby brauchte dringendst einen Vater. Um einen bekommen zu können, musste er halt seinem Einfallsreichtum freien Lauf lassen.
Deshalb hat er dein Brot geklaut”, witzelt Rosalie mit lieblich-schelmischem Unterton.
„So ganz möchte ich das doch nicht glauben, auch wenn Robby in dieser Hinsicht schon ein ganz schön schlauer Fuchs ist.”
„Ich kann dir nur zustimmen”, antwortet die überglückliche Frau, der es endlich vergönnt ist, den zweiten Frühling ihres Lebens in sich aufsaugen zu lassen.
Andreas ergeht es natürlich genauso.
So erfährt die Geschichte ein Happy-End - wohl noch schöner als in manch einem Film.
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